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J|g 2> Donnerstag, den 4» Januar 1853.

Fuldaer SB Ieilung.

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”” 3 Inserat«: Petttzeü« oder Pieren »«um IS Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; Lei Wirderholung«« entsprechend«, Siavatt.

O Neue Steuerpläne. I.

Der Classensteuererlaß.

Ueber der bekannten Stenervorl age des Finanzministers Scholz waltet augenscheinlich kein guter Stern. Im Ab­geordnetenhause hat wenigstens der zweite Theil der Vorlage, welche den Ersatz des 4-stufigen Claffensteuererlasies durch Einfüh- rung einer gewerbesteuerartigen Vertriebs­steuer von Wein, Bier, Branntwein und Taback bezweckt, bisher nicht nur keine Sym­pathie, sondern gradezu offene Mißbilligung erfahren.

Der im ersten Theil der Vorlage bean­tragten Claffensteueraufhebung stehen wir, vorausgesetzt, daß dieselbe in den, richtigen Grenzen bleibt, von Hause aus freundlich gegenüber. Es bleibt nur zu untersuchen, ob nicht die Aufhebung der zwei oder drei untersten Steuerstufen genügen, und man nicht weiterhin mit einer bloßen Herab- c.t...«» wird

Jedenfalls ist es Pflicht der Volksvertretung und der Regierung, bei der Steueraufhebung nur dem nachweisbar dringenden Bedürfniß Rechnung zu tragen. Denn so wünschens- werth eine Steueraufhebung für die weniger bemittelten Bevölkerungsclaffen sein mag, so hat sie doch auch ihre beachtenswerthen Schattenseiten. Zunächst kann es ja dem Unbemittelten selbst nicht lieb sein, seine po­litischen Rechte nicht als Aequivalent für seine staatsbürgerlichen Pflichten hinzu­nehmen; fodann gewinnt er auch durch die Theilnahme an den Staatslasten erst das 1 "" ' "vT"

Gefunden.

Original-Novelle von A. Linden. (Fortsetzung.)

„DerKönigssohn im Märchen," fuhr derGraf fort, „ward groß und ritterlich, trug Schwert und Sporen, und verließ die Heimath, um in derFerne dem unbekannten Glücke nachzugehen.

Durch Wälder, Einöden und Steppen, über blühende Wiesen, sonnige Thäler, selbst über des Oceans wilde Tiefen trug ihn sein flüchtiger Fuß. Sein Sehnen wuchs, sein Hoffen erstarkte. Weit, weit war er schon von der Heimath, so weit, wie es ihm dünkte, daß auch seine Kindheit hinter ihm läge. Wiederum batte er ein sandiges Wüsten­meer durchwandert; seine Schrecken hatten ihn gefoltert, die glühenden Sonnenstrahlen ihm den Scheitel gedörrt; da erreichte er am Abend ein lachendes Thal, mit kühlen Grotten und würzigen Lauben, mit blühen­den Moosen und plätschernden Bächen. Was die Sonne der Wüste in ihm verheert, erweckte die lachende Frische des Thales von Neuem wieder; die Gedanken und Wünsche, die seine Kindheit gewiegt, die seiner Jugend leuchtend vorgeschwebt hatten, suchten wieder ihre gewohnte Herrschaft in der Brust des Königssohnes.

Er stand an einem spiegelhellen Weiher;

rechte Bewußtsein seiner Staatsangehörig­keit und ein erhöhtes Interesse an den Staats­einrichtungen und des Staates Wohl und Wehe; endlich darf man auch die große Gefahr nicht übersehen, daß dem Nichtbe­steuerten im Laufe der Zeit die Betheili­gung am politischen Leben, das Stimm- und Wahlrecht, sowie andere öffentliche Rechte abgesprochen oder wenigstens geschmä­lert werden könnten. Dieser Gefahr muß schon durch das Steuererlaßgesetz selbst in hinreichender Weise vorgebeugt werden.

Wenn wir so den Vorschlag einer Auf­hebung der untersten Classensteuerstufen im Interesse der ärmeren Bevölkerung mit Freude begrüßen, so können wir doch die von der Regierung geplante Deckung dieses ftnanziellen Ausfalles nicht billigen. Zunächst wird man von der Wiederholung des vorigjährigen auf alle Classensteuerstufen und die fünf untersten Einkommensteuerstufen sich erstrecken ^«jährigen Steuererlasses abstehen und aus den hieraus sich ergeben­den Summen eigen Theil der Deckung schöpfen müffen.

Diese leidige Schwankung in der Steuer­politik kann natürlich die Steuerzahler nur unangenehm berühren, aber die Schuld an der unausbleiblichen Verstimmung trifft allein die Regierung. Wenn die finanziellen Störungen und Verwickelungen nicht schließ­lich einen bedenklichen Charakter annehmen sollen, so bleibt der Landesvertretung nichts übrig, als wenigstens an der Grenze des Scholz'schen Steuererlaffes ein gebieterisches Halt zu rufen. Eine Minderbelastung der sämmtlichen Classensteuer- und der unteren wie ein Diamant von lauterstem Waffer lag die glatte Oberfläche über der Tiefe, die sich unverhüllt vor ihm ausbreitete und einen nie geahnten Reichthum von Korallen, Per­len und Demanten feinen Blicken enthüllte. Sein Auge verirrte sich tiefer in den wun­dervollen Schimmer, und je mehr er hinein­sah, je lauter wurden die Stimmen seiner Brust, die da riefen: Dort ist Dein Glück! dort ist der Reichthum, der Schimmer, den wir Dir gelobten! Nimm hin, Alles ist Dein!

Der Königssohn zweifelte; begehrend hob sich seine Rechte, aber trauernb fragte das Herz: War es denn Gold und Demant, wonach ich strebte, wonach ich Jahre lang gerungen und gesucht habe?

Ein leises Rauschen und Flüstern drang an sein Ohr; die Blumen des Ufers schau­kelten im Abendwind, und ein würziges Veilchen bog sich über am Uferrand und fth fein liebliches Bild zwischen all' den Korallen und Demanten in der klaren Fluth. Einen Augenblick weilten die Augen des Persers mit Entzücken auf dem Veilchen, aber weiterhin schweifte sein Blick, zu der hohen Wafferlilie hin, die, eine leuchtende Königin, inmitten des Weihers, schön und strahlend Über den Schätzen der Tiefe stand. Ihrem Kelche entstieg das leise feenhafte

Einkommenfteuerftufen ist gewiß dringend geboten, aber sie kann nur Hand in Hand gehen mit einer organischen Reform der gesummten Einkommensteuer, mit entsprech­ender Erhöhung der Sätze für den Groß­besitz und das Großcapital.

Die Regierung zeigt sich aber zu einer hierauf hinzielenden Reform ebenso wie zu einer gegenüber der schreienden Roth des von den Trägern der Regierungsgewalt so oft beklagten „armen Mannes" wahrlich mehr als gerechten, Reichsbörfensteuer keineswegs geneigt. Und doch kann und wird nur auf dieser Grundlage eine ord­nungsmäßige, stetige Steuer- und Finanz­reform sich erzielen lassen. Hoffentlich wird die Regierung bei der bevorstehenden zweiten Berathung der Steuervorlage sich diesen von den Vertretern einer respectablen Mehrheit bereits in der ersten Lesung laut und be­stimmt geäußerten Wünschen geneigter zeigen.

Politische Ueberficht.

Deutsche» räeich.

* Berlin, 2. Jan. (Friedensaus­sichten.) Die ,Nordd. Allgem.' schreibt in ihrer Abendnummer vom 2. Jan.: „Nach Mittheilungen ans militärischen Kreisen hat Se. Majestät der Kaiser beim gestrigen Empfange der Generalität in Einzelunter­haltung seine Zuversicht in die Erhaltung des Friedens auch in diesem Jahre ausge­sprochen."

• (Nothstandslage,) Die erneute Wassernoth in den Rheinlanden erfüllt die Regierung mit der lebhaftesten Be- Klingen, das den Königssohn lockte, mit tausend Banden sein Herz umschlang, denen er sich nicht entziehen konnte, wenn er gleich die Blicke weg und zu den Schätzen, zu dem ihm bestimmten Glücke, hinwendete.

Da brauste es wild und tosend im Schooße des Weihers; Schlamm und geknickte Schilf­blätter trübten die Fläche; und als sie sich wieder klärte, waren die Perlen, Demanten und Korallen verschwunden und mit ihnen das verheißene Glück!

Nur aus des Veilchens moosigem Lager blitzten viele der Demanten zurück, die von der Fluth an das Ufer gespielt worden waren und Kelch und Stengel des Blüm­chens schmückten.

Das Blümchen war in den Schimmer gehüllt, die dem Perser die Leuchte seines Kindheits- und Jugendlebens gewesen war.

Und dennoch wandte er sich dem Veilchen nicht zu; er konnte es nicht, weil die Lilie dem Veilchen nahe stand.

Zu der Lilie, und zu ihr allein zog es ihn hin, obgleich die Lilie weiter vom Ufer hinwegschwamm, obgleich sie ihre süßen Klänge mit Abschiedsworten vermischte.

Leiser glitt sie am Ufer hin, weiter und weiter nahm der Abendwind sie von dem Veilchen fort. Der Königssohn folgte ihr nach; er sah die Perlen, die Demanten, die