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Mittwoch, den 3. Januar 1882.

Altung.

' Die 5tutbaer~Reituna' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda

ta d« 1^,-uSwärts beiden PostLmtermD-r vierteljährliche Wonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fuka 1 Mark

«Md 60 Pfa., mit Bringerlohn 1 R. 70 Pfg., auswärts bei dm Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und SO Pfg.. Ins Haus gemacht 1 M. 90 Pfg. Mit dm Starten Sonntagsblättern' kostet dieFuld.Ztg. vierteljährlich in Fulda M. 1.S0; auswärts am Postschalter M. 1.75; ins Haus gebracht R. 2.15.

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Morgen in der Frühe will Mama dich I sprechend, war sie es, die das lange drückende

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Schweigen zu verscheuchen suchte.

„Wie unbegreiflich ist es mir ost," begann sie, „daß ich nicht mehr allein wie früher auf der Terrasse sitze, denn Mama beglei­tete mich nur selten, und ach, Großvater sah nie die schöne Landschaft und freute sich nie mit mir darüber! Zuweilen nur war

sehen, Hortense, und dich selbst bitten, für immer bei mir zu bleibe»; sie liebt dich schon, ehe sie dich kennt. Weißt du wohl, warum sie dich liebt?"

Hortense schüttelte verneinend den Kopf.

Fleunice bog sich lächelnd zu dem Fräulein hin und flüsterte so leise, daß es Chari

Zum Jahreswechsel!

Das h. Christfest ist vorüber, das Jahr abgelaufen, ein neues eröffnet. Die schönen Hoffnungen auf eine fortschreitende Beile­gung des kirchenpolitischen Conflictes, mit denen wir in das Jahr 1882 eintraten, haben sich leider größtenteils als trügerische Illusionen erwiesen. Auch die Diöcese Fulda, welche nach dem eben erfolgten Einzuge ihres geliebten' Oberhirten mit ganz beson­derer Zuversicht und freudigem Muthe in die Zukunft blickte, leidet noch hart unter dem Drucke der kirchenpolitischen Gesetze.

Nachdem der Bundesrath der vom Reichs­tage zu Anfang des Jahres 1882 beschloße­nen Aufhebung des Reichsculturkampf-Ge- setzes von 1874 seine verfassungsmäßige Zustimmung versagt hat, ist es wieder ein­mal klar geworden, daß es der Regierung mit der völligen Wiederherstellung des kirch­lichen. Friedens noch keineswegs Ernst ist. 5o lange aber die Gesetze bestehen, welche ie freie Bewegung der Kirche hemmen und ine ordnungsmäßige kirchliche Verwaltung tnb Religionsübung unmöglich machen, kann einmal von einemWaffenstillstande vieRedesein.

Es ist und bleibt daher unsere heilige Pflicht, den großen gesetzlichen Kampf gegen die Herrschaft der liberalen Ideen durchzu­führen mit aller Kraft, mit aller Ausdauer, ohne zu ermüden, ohne auch nur einen Augenblick die Waffen niederzulegen. Nie und nimmer können wir uns mit diesem staatskirchlichen Geiste befreunden.

Mit der Geburt der kirchenpolitischen Gesetze hat für unser Vaterland eine dunkle Stunde

die gute Gptta nur bei mir, und wenn es so, wie jetzt, Abend wurde, und es still und heimlich hier war, dann erzählte sie mir so schöne Märchen, daß ich weder die Nacht kommen sah, noch Grausen vor ihr fühlte.

„Du liebst Märchen, Fleunice?" fragte Hortense zerstreut.

„O, über Alles! Die Welt, die wir dort schauen, hat meist nur freundliche Bilder, und all die Schmerzen, die inan dort sucht, lösen sich leicht und schnell, oft nur durch das Lächeln einer Fee, während im Leben — "

„Wahrheit in den Schmerzen liegt!" rief der Graf hastig. „Sie haben recht, Fleu­nice, die Schmerzen und Kämpfe, die uns hier finden, wühlen sich tief und unheilbar in unsere Seelen ein, und kein Feenlächeln schmilzt die eherne Kette, die all unsere Lieblingswünsche, unsere freudigsten Hoff­nungen erdrückte; keine gütige Fee verhütet es, wenn mit den Hoffnungen selbst auch jedes freudige, jugendlich frische Aufftreben

nicht hören könnte:

„Mama meint, du habest mich heiter und fröhlich gemacht, und jetzt könne man sich schon eher denken, daß ich siebzehn Jahre alt wäre!"

Ist das auch wirklich nur mein Verdienst, Fleunice?

Fleunice blickte erröthend zu dem Grafen hin, der wieder in tiefen Gedanken auf das Meer starrte, dessen leuchtender Spiegel jetzt »anfing, jene dunkle tiefblaue Färbung an- »zunehmen, die das Dämmerlicht über die Wogen legt, ehe es völlig in die Herrschaft der Nacht eintritt. drückende Schwüle die an dieser Küste meist nur um die hohe Mittagszeit herrscht, war jetzt völlig ver­schwunden, und die Ruhe des Abendfriedens lagerte sich über Belle-Grande ; in die Ge- müther der Drei zog sie nicht ein; nur Fleunicens heitere Stimmung war in Nichts beeinträchtigt worden, und ganz wider ihre Gewohnheit und ihren Kräften völlig wider­

gewiß. Und wer die Zeichen der Zeit zu deuten versteht, sieht den Umschwung langsam, aber sicher sich vorbereiten und vollziehen.

Darum wohlgemuth, lieber Leser, wenn auch der kirchliche Friede noch nicht so schnell, wie erwartet, seinen Einzug hält, wenn auch Handel und Wandel, Dank der liberalen Mißwirtschaft und in Folge der unstäten Finanz- und Steuerpolitik der Re­gierung, noch nicht so recht blühen und ge­deihen wollen. In unserer Beharrlich­keit liegt unsere Stärke!

' Consequent, stramm und unbeugsam in der Sache, versöhnlich und mild in der Form, duldsam gegen Andersdenkende, streng unterscheidend zwischen den Per­sonen unserer Gegner und den An­sichten, welche sie vertreten, werden wir ohne Menschenfurcht die bewährten Grund­sätze der C entr umspa rtei auch im kom­menden Jahre in unserem Blatte hochhalten. So hoffen wir uns in nnserer Stadt und ihrer Umgebung immer neue Freunde zu erwerben, so hoffen wir recht bald in den Stand gesetzt zu werden, unser Parteiorgan irbt'ii ciön-r-" Local- nnh Provincialblättern ebenbürtig zu gestalten, »jk Möchte das Jahr 1883 für unser Vater­land und unsere Stadt ein recht glückliches sein, möchte es uns dem inneren Frieden näher bringen und auch den äußeren Frieden, den eben erst ungebehrliche Ruhestörer in der Presse freventlich in Gefahr gebracht haben, dauernd erhalten. Das ist unser innigster Wunsch zum Beginn des neuen Jahres!

Fulda, den 1. Januar 1883.

Die Redaktion der Juldaer Zeitung/

Gefunden.

Original-Novelle von A. Linden.

(Fortsetzung.)

Und wenn es dennoch Täuschung wäre, wenn sie- zurückkehrten, die Kämpfe, die jetzt die Leidenschaft besiegt hat — wer weiß, für welch' kurze Dauer? Wenn all' die Vor- urtheile, die früheren Ansichten und Ver­pflichtungen ihn mir entfremden? Ihn mir dann entfremden, wenn ich ihn nicht mehr aufgeben kann, ohne mein Herz in unsäg­lichen Jammer zu stürzen — wenn Fleu- nicen's sanfter vorwurfsvoller Blick, mir mahnend zuruft: „Du täuschest mich durch die Kälte, die du ihm zeigtest, durch die Lieb­kosungen, mit denen du mir selbst das Ge- ständniß entlocktest, ^aß ich ihn liebte, bannt — nein, nein, es darf nicht fein.

So waren Hortenfen's Gedanken, die sie schweigend verfolgte, während Chari ein Wort von ihr ersehnte mit beschwörendem Blick.

Das Wort erfolgte nicht. Man hörte Tritte im Erkerzimmer. Der Graf sprang auf; Fleunice trat lächelnd auf den Balcon; Hortenfe lehnte, einer Ohnmacht nahe, an der Gitterbrüftung.

Fleunice, ahvungslos deffen, was soeben geschehen, sagte mit freudigem Tone:

geschlagen. So lange bis diese Einsicht in den maßgebenden Kreisen sich wirksam und e r f o lg r e i ch Bahn gebrochen, so lange muß der Ruf nach grundsätzlicher Aenderung der Maige­setzgebung durch das ganze Land erschallen.

Treu dem K a i s e r und K ö n i g e, aber auch treu der Religion, treu der Kirche und ihren Häuptern, treu gegen sich selbst und seine Ueberzeugung! — das war von jeher die Devise des echten Katholiken. Von diesem Princip wird uns auch die neuerlich wieder von „liberaler" Seite in Schwung gebrachte Phrase 'vom protestantischen Kaiserthum nicht abbringen. Es gibt kein protestantisches deutsches Kaiserthum, ebensowenig wie es ein katholisches Königthnm Sachsen gibt. Wir kennen nur ein einiges, ein paritätisches Deutschland unter dem Scepter eines Kaisers protestantischer Con- fession, und dieser Kaiser hat öfter, als es manchen „Liberalen" lieb gewesen sein mag, den Wunsch geäußert, daß man seinem Volke die Religion wiedergebe. Wenn unsere Pa teisührer die Gesinnungen, Wünsche und Bedürfnisse der Katholiken

Sv- fyM•, wahrhaft, frank und frei dem Landesfürsten vortragen dürften, so wäre vielleicht schon lange Manches anders geworden. Aber mag' sich auch der kirchenpolitische Himmel noch immer nicht ernstlich aufhellen wollen, sollten auch wieder neue Schatten und Wolken sich zeigeä, wir werden nicht verzagen. Der alte Gott lebt noch und hält seine Hand über den ©einigen. Nach der Zeit der Prüfung folgt über kurz oder lang auch wieder eine Zeit des Segens, deß sind wir