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M 300. Sonnabend, den 30. December 1882.

Fuldaer 831 Zeitung.

. . _ S* -Fuldaer Bettung' erscheint tiglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung »u Fulda

■ »er «v»edition, Buttermarkt Nr. 112, auimärt« bei den Postämtern. Der vierteljährliche SbonnementSpreiS beträgt ausschließlich »ringerlohn in Fulda 1 Mark ES r0 Psg-, mit Bringerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Marl und 50 Pfg., mS HauS gebracht 1 M. 90 Pfg. ■W den »Jllutzirten Sonntag sblättern' kostet dieFuld.Ztg. vierteljährlich in Fulda M.1.90; autwärt» am Postschalter M.1.75; tn'S HauS gebracht M. 2.15. Inserate: Die Petitzeile oderZderen Raum lö^Pfg., sog. Platzannoncen lOjZPfg.; beiMieoerholungen «ttsprechenden Rabatt.

An die verehelichen Abonnenten der ,F«ldaer Zeitung/

Mit dem Schluffe dieses (9.) Jahrganges der .Fuldaer Zeitung' legt der ergebenst Unterzeichnete die Redaction des Blattes nieder. Die Arbeiten in der Seelsorge, welchen ich mich unterziehe, sind nachgerade bis zu einer Ausdehnung gewachsen, daß es mir nicht mehr möglich ist, gleichzeitig ein täglich erscheinendes Blatt herauszugeben. Der Aufsichtsrath der Fuldaer Actien- druckerei, denr ich schon Ende October meine Lage mit dem Ersuchen auseinandergesetzt habe, mich aus meiner Stellung als Redacteur der .Fuldaer Zeitung' zu entlaffen. hat denn auch die von mir vorgelegte Begründung meiner Bitte als solche anerkannt und sich alsbald bemüht, mir einen tüchtigen Nach­folger zu geben. Ein solcher ist in der Person des Herrn Dr. jur. Kausen, eines bewährten Publicisten, engagirt worden?

Mit der vorstehenden Anzeige verbinde ich den Ausdruck des herzlichsten Dankes für die vielen Beweise des Vertrauens und der Gewogenheit, welche mir während meiner fast 6jährigen Redaction zu Theil geworden sind, und richte zugleich an alle Freunde und Gönner der ,Fuld. Ztg.' die dringende Bitte, auch meinem Nachfolger mit thätiger Unterstützung zur Seite stehen zu wollen.

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Gefunden.

Original-Novelle von A. Linden. (Fortsetzung.)

„Graf Chari ist ein Mann, den ich lieben, ewig lieben könnte, wenn ich an die Dauer eines Glückes zu glauben wagte," sagte sie zu sich selbst. „Aber meine Liebe wird ihm nimmer frommen! Entweder unterdrückt er meinetwegen alle Stimmen des Stolzes, der Kindesliebe und der angeborenen Vorurtheile und nimmt die heimathlose Waise zu seiner Gattin, um vielleicht später zu beklagen, daß er ihr so viel zu opfern vermochte! denn viel opfert er mir, auch Fleunicens Herz! Armes Kind! hast Du darum die Fremde zu Dir gezogen, sie treu und herz­lich behütet, damit sie Dir, die Du nicht geschaffen, nicht stark genug bist, um viele Kämpfe und Schmerzen zu vertragen, Dein Höchstes, Deine Liebe raubt?"

Nein, Hortensens Entschluß stand fest, sie mußte dem Grafen gegenüber unbefangen und frei von wärmeren Gefühlen für ihn erscheinen, so gebot es die Dankbarkeit gegen Fleunice und den alten Grafen, so gebot es ihr Stolz, so gebot es endlich die Bitter­keit, der Zweifel, den ihr früheres Mißge­schick ihrem Herzen eingeprägt hatte.

An jenem warmen Sommertage saßen die

Die Richtung der Zeitung bleibt nach wie vor eine entschieden katholische.

Wem immer ich auf irgend eine Weise durch die ,Fuld. Ztg.' zu nahe getreten bin, den bitte ich hiermit öffentlich um Ver­zeihung. Uebrigens wird es kaum der Ver­sicherung bedürfen, daß ich mich niemals von persönlichen Rücksichten leiten ließ.

Fulda, 29. Dec. 1882.

Dr. Arruhold.

»Was uns noth thut!*

Unter dieser Ueberschrift erhalten wir von einem katholischen Laien nachstehende Arbeit, die wir um deswillen gern zum Abdruck bringen, weil sie ein schönes Zeugniß glau­benstreuer Gesinnung eines erleuchteten Christen ist, der gar Vielen unserer Diöcese als Muster dienen kann und eine heil­same Anregung bietet, mehr als seither für die Zwecke der Missionen sich zu begeistern. Ob der gutgemeinte Vorschlag des Einsen­ders ausführbar sei, Wunen wir nicht ent­scheiden. Der Artikel lautet:

F. Was uns noth thut!

Mitten in der Diaspora; meilenweit kein katholisches Gotteshaus; inmitten geistiger Verbannung. Doch dieses Verhängniß, das so manche katholische Brust recht schwer drückt, ja kränkt, läßt dennoch nicht die ka­tholische Gesinnung schlafen, nein, es weckt sie und läßt gar manche Frucht am Baume des Lebens reifen. Je einsamer der glau­benstreue Katholik weilt, je gebund'ner und beiden Fräulein auf dem schmalen Balcone des Erkerstübchens, an besten Gitterbrüstung Graf Chari lehnte. Er blickte in die Land­schaft hinaus mit jenem Ausdrucke, der da beweist, daß das Auge sich mit Gewalt auf einen Gegenstand heftet, von dem die Seele Nichts sieht, Nichts weiß.

Die Mädchen nähten, trotz der drückenden Schwüle, fleißig Blumen und Traubenguir- landen in die Filetdecke ein, die der blinde Graf vollendet hatte, und die zu einer kleinen Ueberraschung für die Gräfin be­stimmt war.

„So in Gedanken?" fragte Hortense lächelnd, suchen Sie mit Ihren Augen auf dem Meere die Stelle, die unser gemein­sames Grab zu werden drohte?"

Chari wandte sich um.

„Nein," sagte er leise, „meine Gedanken würden nicht schlaff und müde sein, wie eben jetzt, wenn meine Augen einen Weg, ein Ziel gesehen hätten, das Sie und mich vereint hätte."

Hortense erröthete; so deutlich hatte der Graf noch nicht gesprochen, es war kein Zweifel, der Kampf in ihm war bald aus- gekämpft, der Sieg wandte sich zu Horten­sen hin, er war bereit, Alles, was Glanz, Verhältniffe und die Wünsche der Seinen ihm ja verhießen, für ihren Besitz hinzuge-

gefesselter er in den Augen des Irdischen erscheint, desto größer und lebendiger fühlt er die göttliche Kraft des Glaubens und desto inniger hängt er an Jenen, denen es vergönnt ist, das Opfer des neuen Bun­des zu feiern.

Aber auch ein Gefühl der Wehmuth schleicht sich gar oft in eine solche Menschen­brust, es ist der Schmerz, daß so Mancher inmitten der Diaspora verloren geht. Und dieser Schmerz ist um so lebhafter und an­haltender, weil hiergegen fein Heilmittel vor­handen ist, jene unsterblichen Seelen aus dem tiefen Sündenschlafe zu neuem Leben zu er­wecken. Während ich diese Zeilen schreibe, heute, am heiligen Abende, rüstet sich die katholische Welt zur Entgegennahme der himmlischen Botschaft: Friede auf Erden den Menschen, die guten Willens sind!

Aber wer predigt den Frieden den Gläu­bigen inmitten der Diaspora? Wer unter­zieht sich dem Ruse in der Wüste? Nie­mand! Welch' unermeßlicher Schmerz! Möge doch ein Jeder, der das Glück hat, in einer katholischen Gegend zu wohnen, diesen Schmerz zu würdigen verstehen und mit allen Kräften dahin wirken, daß solche Klagen bald verstummen. Dies thut uns noth!

Als der heilige Bonifatius die grüne Jnfel der Heiligen verließ, war er nur darauf bedacht, den heidnischen Germanen das Heil zu bringen. Schon schien es für immer gelungen; doch als die Menschen schliefen, säete der Feind Unkraut in den Weizen. Und heute ist der Zustand unheilvoller, als zu den Zeiten unseres großen Apostels, ben, wenn anders es ihm gelang, ihre Liebe zu gewinnen.

„Es war eine Thorheit von mir, mit lächelndem Munde von dem Grabe zu sprechen, das uns nahe genug geöffnet war," begann Hortense wieder, „zumal finde ich es jetzt gewagt, davon zu reden, wo die Welt so zauberisch vor mir ausgebreitet liegt, wo ich es so schön im Leben und auf der Erde finde."

„Fanden Sie diese Befriedigung hier in Frankreich, oder brachten Sie sie mit über den Ocean? fragte Chari dringend.

Hortense wehrte sich gegen die frohen inneren Stimmen, die ihr zuflüsterten, daß sie sich aus dem Meere, in Chari's Gegen­wart, zuerst jener freudigen Gefühle bewußt gewesen wäre; sie durfte die Stimme nicht hören, ohne ihren Vorsätzen untreu zu werden, darum erwiderte sie einfach:

„Ich muß sie schon als kleines Kind ge­kannt haben, diese Gefühle, denn damals, als meine Eltern noch lebten, war das Em­pfinden meines Daseins ein freudiges, ich möchte sagen, ein jauchzendes; ich war ein so glückliches Kind, daß selbst der harte Druck der späteren Jahre nie die Erinnerung an mein frohes Kinderleben in mir ver­nichtete."

(Fortsetzung folgt.)