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Einladung zum Abonnement

auf das 1. Quartal 1883.

2ß;r Luten unsere verehrt. Abonnenten, das Abonnement bei den Postanstalten oder Land- Post-Botcu rechtzeitig erneuern zu wollen, da­mit die Zusendung keine unliebsame Unterbrechung erleidet. Bei Bestellungen, welche erst nach dem Ai. S. M. aufgegeben werden, erhebt die Post ein Strafporto von 10 Pfg.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen, und kann durch alle Postanstalten wie folgt bezogen werden:

») »Fuldaer Zeitung': Preis: 1 Mk.50Pf. vierteljährlich (ohne Bestellgeld).

b) ,Fuldaer Zeitung' mit den illustrirten Sonntagsblätter ,Jm Familienkreise'; letztere enthalten spannende, im kath. Geiste geschriebene Originalromane, Novellen, Er­zählungen und schöne Illustrationen. Preis: 1 Mk. 75 Pf. vierteljährlich (ohne Bestellgeld).

In der Stadt Fulda kostet die ,Fuld. Ztg ' frei ins Haus gebracht 1 Mk. 70 Pf., mit illustr. Sonntagsblätter ,Jm Familienkreise' 1 Mk.

n. Der schlechte Roman ein Jngenvmörder.

Für das heurige Weihnachtsfest war der Büchertisch wieder mit Novitäten aller Art bedeckt, hauptsächlich aber mit Ro­manen. Wer wollte es leugnen, daß unser moderne Büchermarkt mit Romanen geradezu überschwemmt ist und daß der größte Theil unserer Familienbibliotheken vorwiegend aus Novellen und Romanen besteht. Die Lese- wuth, zumal die Romanlesewuth, ist fast all­gemein. Sie hat alle Stände der Gesellschaft ergriffen. Romane und oft recht seichte, Herz und Geist verderbende Waare liest heutzu-

Gefunden.

Original-Novelle von A. Linden.

(Fortsetzung.)

„Sie kamen über Martinique?" fragte die Gräfin zögernd.

„Ich suchte dort das Fort Washington auf, wo Graf Renee früher befehligte und die Besitzungen meines Vaters nahe liegen. Ich suchte alle jene Plätze auf, weil ich glaubte, mit Erzählungen von dort meiner kleinen Gespielin hier willkommen zu sein; ich glaubte Manuela —"

Die Gräfin erzitterte. Der Blinde ent­gegnete mit fester Stimme: „Manuela hat Martinique nie verlassen; sie ward dort be­graben, wo sie die frohen Spiele ihrer Kind­heit mit Ihnen gespielt." „Also dennoch?" rief Chari. „Ich wußte die Worte Comteffe Fleunicen's nicht zu deuten!"

Es war ein wunderbares Gefühl, das sich Ehari's bemächtigte. Es war kein Klagen, kein schmerzliches Bedauern, das ihn be­herrschte; aber es berührte ihn beinahe un­heimlich, daß er, so lange er denken, hoffen und wünschen konnte, all' diese Gedanken, Hoffnungen und Wünsche mit einem Wesen verbunden hatte, das schon lange Jahre tobt in ferner Erde ruhte, die er selbst vor Kur­zem betreten, ohne den — wahrscheinlich von

tage der Gebildete und Ungebildete, der Hohe und Niedere, der Reiche wie der Arme; es liest die Herrin des Hauses im Salon und die Küchenmagd am Herd. Romanlesen ge­hört heute zum guten Ton und für einen großen Theil unserer Zeitgenoffen ist Roman­lesen die einzige geistige Beschäftigung, der sie noch obliegen, und neben der liberalen Zeitung die ausschließliche Quelle, aus der sie ihre Bildung, ihre Grundsätze, ihre Lebensphilosophie und Religion schöpfen. Wer nicht geradezu als ungebildet gelten will, muß möglichst viel Romane lesen; und will er in einer Gesellschaft glänzen, so darf er nur darnach trachten, die neuesten Romane, sobald sie noch ganz warm die Presse ver­lassen haben, möglichst schnell als der Erste zu lesen.

Daß auch die Jugend Romane liest, ver­steht sich von selbst. Das dreizehn- und vier­zehnjährige Jnstitlttsfräulein trägt trium- phirend den neuesten Roman mit einer „un­glücklichen Liebe" nach Hause. Der fünfzehn- bis sechszehnjährige Gymnasiast hat längst zu Hause alle Romane der Familienbibliothek gelesen. Ja sogar die Kinder der deutschen Schule, Kinder von 9—10 Jahren lesen Romane, und wir selbst haben zwei Mäd­chen auf dem Heimwege von der Schule sich um die Zeitung streiten sehen, weil jedes zuerst die Geschichte (es war ein ganz ein­fältiger Roman) im Unterhaltungsblatte (ohne welches, nebenbei bemerkt, heutzutage eine Zeitung gar nicht mehr existiren kann) lesen wollte.

Nun, was liegt da dran? denkt vielleicht einer oder der andere unserer Leser oder Allen längst vergessenen Tod des Kindes zu erfahren, während er Hunderte von Meilen nach Europa reiste, um dies Mädchen, auf das seine — des Grafen — Mutter alle Lieblingspläne ihres Lebens gebaut hatte, aufzusuchen.

Es trat eine peinliche Stille ein.

In dem Metallringe am Fenster schaukelte der Papagei.

„So ist Manuela wirklich tobt I" rief ber Graf mit bewegter Stimme. „Manuela ver­gib! Vergib Manuela!" kreischte ber Vogel mit tollem Gelächter.

Ueber bie Stirn der Gräfin rollten große Perlen Angstschweißes, ber Blinbe zuckte zu­sammen, Chari erhob sich, um ben Ruhe­störer zu verbannen. Der Vogel sträubte sich unb rollte bie Augen, aber ber Graf war mit solcher Jagd vertraut, er faßte rücksichtslos das bunte Gefieder des Schreiers zusammen und steckte ihn in den Messing­bauer, an dem er die blaue Rollgardine vorzog, bie allein ben kleinen Plauderer stumm zu machen verstand.

Von Neuem entspann sich ein Gespräch, an dem die Gräfin nicht weiter Theil nahm; der Kammerdiener hatte ihr ein kleines Packet Briefe gebracht, sie öffnete es, da die Herren in ihren Gesprächen immer wär­mer, immer eifriger wurden. Es war kein

Leserinnen. Die Kinder verstehen's ja nicht und die Jugend liest es, um es im nächsten Augenblicke wieder zu vergessen. Halt, lieber Leser, langsam! Beobachte einmal die Ju­gend bei ihrer Seetüre und wir wetten, du wirst bald anders sprechen. Da sagen wir ganz anders: „ein nicht kleiner Theil unserer männlichen und weiblichen Jugend, zumal jener Theil, der sich einer höhern Ausbildung in Instituten, Lehranstalten, Lateinschulen und Gymnasien widmet, wird geradezu durch Romanlectüre verdorben." Damit sagen wir aber keineswegs, daß in all' solchen An­stalten und ihren Bibliotheken der Jugend schlechte oder unpassende Romane in die Hände gegeben werden, aber man tritt viel zu wenig der Romanleserei entgegen, man sieht sich die Bücher viel zu wenig genau an, welche die Jugend liest. Mag in einer Familie, in einem Töchterinstitut, in einer Real- oder Lateinschule, an einem Gymna­sium der religiös-sittliche Geist noch so sehr gepflegt werden, mögen Lehrer, Lehrerinnen und Professoren auf das Gewissenhafteste bestrebt sein, ihre Schüler gut zu erziehen, ein einziger schlechter Roman ver­dirbt oft ihre ganze Wirksamkeit, und die beste Erziehung wird nichts oder doch sehr wenig fruchten, wenn ihre Schüler und Zög- linge Romane lesen, welche, wie dies heut­zutage so häufig der Fall ist, Religion und Sittlichkeit geradezu untergraben, Schand- und Schundromane, wie sie nicht blos in Leihbibliotheken um ein paar Pfennige zu haben, in illustrirten Familienblättern, in Haus- und anderen Bibliotheken enthalten, sondern wie sie zum Verderben von Jung Zweifel, daß Graf Renees letzter Wille der Gegenstand ihrer Unterhaltung war.

Plötzlich schreckten die Redenden auf, ein leiser,halbunterdrückter Schrei drang in ihr Ohr. Der Blinde erhob sich, Graf Chari sprang empor. Geisterbleich mit zerstörten Mienen starrte Gräfin Adenare sie an, ein zerknitterter Brief rollte aus ihren kalten Fingern.

„Um Gott! gnädige Frau! was ist ge­schehen?" rief Chari und eilte auf sie zu.

Sie streckte ihm abwehrend die Hände entgegen und erhob sich wie zur Flucht. Vergebens, ihre Schwäche war zu groß, mit einem dumpfen Schmerzensschrei sank sie ohnmächtig in Chari's Arme.

Der Blinde tappte nach dem Glockenzuge, den er glücklich erreichte. Gytta und Fleu- nice stürzten herein.

Die schmächtige Fleunice nahm mit sicherer Haltung ihre ohnmächtige Mutter aus des Grafen Arme. Kein Zug an ihr war jetzt kindisch und unbelebt. Angst, Sorge und Bewegung verlieh ihr einen Ausdruck, den der Gras nie für möglich gehalten. Er be­trachtete sie mit raschen, sicheren Blicken, während er der Mulattin beisprang, die aus einer hohen Chiffornere stärkende Essenzen holte.

Dann hob er ben Brief auf, ber bie Er-