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M 297.

Jfiilbacr

Sonntag, den 24. December 1882.

Sttt den 'Jllulklrten Sqnn^gsblckttern kostet dieFuld.gtg vierteljährlich in Fulda M. 1.90; auswärts am Postschalter M.1.75; in'S Haus gebracht M. 2.15. ______________gnfetott; Die P-titzeil« oder.deren Raum 15 Ma., sog. Platzannoncen lOIPfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

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Weihnachtsverlangen.

O komm', o komm' hernieder Von Deinem lichten Thron, Und spende Gnad' uns wieder, O Jesus, Himmelssohn.

Ja, steig' herab und senke Dein Licht in's finst're Herz, Daß cs zum Frieden lenke. Zum Urquell himmelwärts.

Wie eh'mals Du im Stalle Bei Bethlehem, zur Nacht, Uns vor dem ew'gen Falle Als Kind hast Rettung 'bracht.

So kehr auch heut' hiev jeden In Haus und Hütte ein, So schenk' auch jetzo Frieden Der Menschheit insgemein.

Komm', stille das Verlangen, Du süßes Kindelein,

Und laß in Lieb' umfangen Dich Alles, Groß und Klein.

Ja senke Ihn hernieder. Du stille heil'ge Nacht, Den Mittler und Gebieter, Nach dem das Weltall schmacht.

Und Ihr, Ihr heil'gen Chöre, Von neuem thut es kund: Gott in der Höh' sei Ehre Und Fried' dem Erdenrund!

Freiburg. Franz Bott.

Deutsches Reich.

* Berlin, 22. Dec. Der Kaiser ist gestern Nachmittag wieder ausgefahren.

— Das Protektorat über die österreichische Abtheilung der -Hygieine - Ausstellung hat Kronprinz Rudolf übernommen. 82 öster­reichische Aussteller haben sich bereits an­gemeldet.

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Gefunden.

Original-Novelle von A. Linden.

(Fortsetzung.)

„Sie antworten mir nicht, Adenare?"

„Ich ehre Ihren Ausspruch, mein Vater, ich wünsche, daß Fleunice für Manuelas Verlust zu entschädigen vermag."

Die Stimme der Gräfin schwankte so hörbar, daß der Blinde sich aufmerksam zu ihr hinwendete.

„Wenn Sie es vorziehen, den Grafen heute nicht zu empfangen, so werde ich gerne Ihre Entschuldigung übernehmen; Sie schei­nen sehr angegriffen, Adenare, daß das erste Wiedersehen mit dem Sohn Ihrer Freundin Sie zu sehr erregt?"

„Gräfin d' Anbret war nie meine Freundin!" entgegnete die Dame mit unnatürlicher Hef­tigkeit.

„So, trug sie die Liebe zu Adelen nicht auf Sie über?" fragte der Blinde und heftete sein todtcs Auge fest auf seine Schwie­gertochter.

„Nein wir liebten uns nicht!" entgegnete die Gräfin mit einem Ausdruck von Stolz, der ihrer gebeugten Haltung widersprach. In diesem Augenblick öffneten sich die Flü- gelthüren, und Gerald meldete: _________

— Dem Bischof von Metz, Dupont des Loges, ist vom Kaiser der königliche Kronen­orden zweiter Claffe mit dem Stern ver­liehen worden.

-~ Der Eisenbahnminister Maybach wird dem Landtage eine Vorlage zur Erbauung mehrerer Secundärbahnen in den östlichen Provinzen machen.

— Außer der Verordnung über die Ver­wendung von Blei und Zink bei der Her­stellung von Nahrungsmitteln werden binnen Kurzem dem Bundesrathe auch solche über den Verkauf von Milch und die wichtigsten von allen, von Wein, zugehen auf Grund des § 5 des Nahrungsmittelgesetzes von 1881.

— Der Magdeb. Ztg.' wird gemeldet: „Wohl mehr als ein bloßes Gerücht ist die vielfach verbreitete Angabe, wonach dem Reichstage noch sehr wichtige Vorlagen auf dem Gebiete der Militär-Verwaltung zuge­dacht sind. Es heißt, es handele sich da­bei um Realisirung schon älterer Pläne des Fürsten Bismarck."

Oesterreich-Ungarn.

* Wien, 20. Dec. Albert v. Roth­schild widmete zur Stiftung eines Asyls für verwahrloste Kinder 150,000 fl.

* Aus Belgrad gehen uns bedenkliche Nachrichten über die Situation zu. Wohl ist die S k u p t s ch i n a, nachdem sie wochen- ang durch einen Strike der oppositionellen Abgeordneten pausiren mußte, jetzt endlich eröffnet worden, aber die Volksstimmung ist nach wie vor dem dermaligen Cabinete nicht günstig und billigt die Haltung der Oppo- ition. Serbien steht heute am Vorabende einer Krisis, welche nicht blos für das ganze

Land und für die Dynastie von tief ein­schneidender Bedeutung ist, sondern auch die Aufmerksamkeit der Nachbarstaaten auf sich ziehen wird. Das gegenwärtige Cabinet ist unhaltbar und sein längeres Verbleiben eine Gefahr für die Dynastie. Mau sagt stets, das Cabinet Pirotschanatz fei österreich- freundlich und man lege in Wien Gewicht auf die Erhaltung desselben wegen der Fort­dauer der guten Beziehungen Serbiens zu Oesterreich. Wir aber können für Oester­reich keinen Vortheil erblicken, wenn ein im ganzen Lande unbeliebtes Ministerium in Belgrad am Ruder bleibt und wir wissen auch, daß man in Wien keinerlei Interesse hegt, dieses Cabinet irgendwie zu stützen und zu fördern. Mag wer leitender Mi­nister in Serbien sein, Richtschnur für den­selben wird stets ein gutes Einvernehmen mit Oesterreich bleiben.

* Agram, 21. Dec. Der .Agramer Zeitung' zufolge ist eine umfassende Amnestie für die bosnisch-herzegowinischen Insurgenten bevorstehend.

Frankreich.

-ng. P aris, 20. Dec. In dem Proceß der schwarzen Bande von Montceau les mines wurde das Zeugenverhör vor dem Schwurgerichte zu Riom gestern Abend beendet, ohne daß dasselbe über all' die dunkeln Vorgänge sonderlich viel Licht verbrei­tet hätte. Aus den verschiedenen Zeugenaussagen, deren Unvollständigkeit offenbar nur auf Rechnung der vorhandenen Einschüchterung Seitens der Revo- lutionspartei zu setzen ist, geht mit Evidenz doch wenigstens so viel hervor: 1) daß es der Justiz nicht gelungen ist, der wahren Rädelsführer habhaft zu werden; 2) daß das ungenirte Auftreten der chwarzen Bande in der davon heimgesuchten Gegend den Glauben erweckte, die sociale Revolution wäre wirklich ausgebrochen, wie dies von den „unbekann-

„Graf Chari d' Anbret!"

Der junge Mann stand auf der Schwelle; er wechselte rasch einen Blick mit der Grä­fin, indem jedes die Eigenthümlichkeit des Anderen inne zu werden suchte. Beide be­grüßten sich mit Vorurtheilen; denn auch Gräfin d' Anbret hatte nicht unterlassen, ihrem Sohne gegenüber Adenare so zu schil­dern, wie sie ihr erschienen war; aber in Beider Blicke lag auch eine unverkennbare Bewun­derung. Der Graf neigte sich tief vor der Dame und dem Greis, der sich erhoben hatte und durch fein seines Gehör richtig geleitet, dem jungen Manne die Verbeugung erwi­derte: auch die Gräfin erhob sich einen Moment.

„Seien Sie uns willkommen, Herr Graf!" begann der Blinde, nachdem er sich nieder­gesetzt, und der junge Mann, einem Wink Adenare's zu Folge, auch einen Sessel ge­nommen hatte. „Wir begrüßen Sie mit all den warmen freundschaftlichen Gefühlen, bie mein Sohn durch seine Erzählungen für Sie und die Ihren zu erwecken verstand, und hoffen, daß Belle-Grande im Stande ist, Ihnen den Abschied von der Heirnath zu erleichtern."

„Belle-Grande verspricht mehr zu thun, als das, Herr Graf!" entgegnete Chari mit Wärme; „denn die Heirnath verlor seit dem

mich, da ich früh gewohnt wurde, mich als Franzosen zu betrachten."

„So heiße ich Sie auf f anzösischern Bo­den doppelt willkommen und beklage, meinen jungen Landsmann nicht selbst nach Paris, in die Seele Frankreichs, einführeu zu kön­nen, aber wem das Augenlicht erloschen, der taugt nicht mehr zu einem Führer."

Graf Chari fühlte sich wunderbar zu dem blinden Greis hingezogen, und er wußte nicht, auf nclche von beiden so völlig Ver­schiedenen, ob auf die schöne Gräfin oder den Blinden er seine Blicke zuerst hinwen­den sollte.

Die Gräfin beobachtete ihn genau, doch war ihren Mienen nicht anzusehen, ob diese Beobachtungen sie befriedigten. Der junge Creole war schön, es war in seinen Zügen und in denen der Gräfin Adenare's beinahe eine Aehnlichkeit zu finden, jene Aehnlichkeit warmen südlichen Colorits, das um Wangen und Schläfe der Creolen meist fo überein­stimmend gezeichnet ist. Auch feine Gestalt war Hoch, schlank und biegsam. Beide glaub­ten sich in ihre Heirnath versetzt, Beider Ge­danken kehrten nach Martinique zurück, wo Adenare ihre Jugend verlebt und Chari seine Kindheitscrimierungen jetzt erst, vor wenigen Wochen, durch einen kurzen Besuck erfrischt