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JK 294»

Donnerstag, den 2L December 1882.

Fuldaer I3S Jeitung.

Die .Fuldaer Rettuno' erscheint täglich, Sonn» und Feiertage ausgenommen. Ran abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda

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‘0- Kaiser Leopold I. und die Türkennoth.

Zur Zeit der Türkenkriege im Ausgange des 17. Jahrhunderts herrschte Kaiser Leo­pold I. (1658—1705). Es mögen aus dem Leben dieses Kaisers zwei Momente hier Erwähnung finden, die ausreichend sind, ein Ehrendenkmal für ihn abzugeben.

Kaiser Leopold hatte eine besondere Ver­ehrung zum heil. Joseph, er hatte seinem ältesten Sohne den Namen dieses Heiligen gegeben und sich, sein Haus und Land dem Schutze desselben empfohlen, Der Berg, über den herab am 12. September 1683 Wien Rettung gebracht wurde, führte damals neben dem Namen des Kahlenbergs auch den Namen Josephsberg.,, Daher lebte im Kaiser die feste Ueberzeugung, daß er den glücklichen Ausgang jenes Entscheidungstages der Für­bitte dieses Heiligen zu verdanken habe. In Folge davon richtete er an den Papst In- nocenz XI. die Bitte, es möge der Name des hl. Joseph in die Litanei von allen Hei­ligen ausgenommen und das Patrociniumsfest desselben, wie es bereits bei den unbeschuhten Carmelitern gefeiert werde, für die ganze Kirche eingeführt werden, wie es für den dritten Sonntag nach Ostern wirklich festge­setzt ist. — Auf Anregung des Capuciner- Paters Marco d'Aviano, dem wir einen eigenen Artikel widmen werden, hatte der Kaiser Leopold sich zu einem Gelübde ent­schlossen, das er am 15. August 1693, dem Tage der Himmelfahrt Mariä, vor einem Bilde der hilfreichen Jungfrau ablegte. Das Gelübde, ein Monument der Gesinnung des Kaisers Leopold I. in Betreff dieses ganzen ’ ä""

Gefunden.

Original-Novelle von A. Linden.

(Fortsetzung.)

„So war es Dir wohl bange," fragte Fleunice, die das trauliche Du, das ihren einfachen kindlichen Begriffen so nahe lag, nicht wieder aufgab, obgleich es von Hor­tensen nicht erwidert, ivohl aber mit war­mem Herzen verstanden wurde.

„Ob mir bange mar? Vielleicht nicht so sehr wie den Anderen, die wohl ein jeder noch ein theures Leben in Gefahr sahen, oder die da wünschten, sich für die Ihrigen erhalten zu können. Ach es ist ein unheimlich, beinahe ein vernichtendes Gefühl, so allein zu stehen, daß man weiß, es kümmert Niemand, ob man untergeht oder der Gefahr entrinnt!"

Fleunice drückte leise die Lippen auf Hortensen's Hand und fragte weiter:

„Und so ist er wirklich nicht Dein Bruder?"

„Der Graf? Nein, nicht er, noch ein Anderer ist mir verwandt, ich gehöre Nie­manden zu!"

„Aber seltsam ist es doch!"

„Was ist seltsam?"

„O, ich glaubte, er müßte Dein Bruder

großen Türkenkrieges, lautet folgendermaßen:

„Allmächtiger, ewiger Gott, durch den die Könige herrschen und in dessen Hand die Macht und das Recht aller Königreiche be­ruht, ich Leopold, Dein demüthiger Diener, hier im Staube liegend vor Deiner göttlichen Majestät, bringe Dir meinen unendlichen Dank dar, daß Du durch die Kraft und die Macht Deines Armes die Heere der Türken und Barbaren von der Hauptstadt Oester­reichs und dessen Grenzen abgetrieben, daß Du das herrliche Königreich Ungarn, welches einst von seinem Könige, dem heiligen Stephan, meinem Vorfahr, der Königin des Himmels und der Erde dargebracht, hernach jedoch unter der Tyrannei der Türken dem Cultus derselben fast ganz entrissen war, mir gnädigst wieder verliehen hast — dafür, sage ich, bringe ich meinen Dank dar Dir, dem unsterblichen Gott, dem Spender aller Siege, und das mir von Deiner mächtigen Rechten zurückgegebene Königreich schenke, widme, weihe ich zum zweiten Male der heiligen und bewunderungswürdigen Gottes­mutter, der Königin des Himmels und der Erde, der großen Herrin Ungarns, und be­fehle es ganz und gar ihrem Schutze mit der demüthigsten Bitte, sie wolle auf das­selbe, als nun zum zweiten Male das ihrige, die Augen ihrer Barmherzigkeit lenken und wolle die Schaar der Heiden, die im Trotze auf ihre Wildheit nicht ablassen, gegen das­selbe anzustürmen, durch die Macht ihrer Tugend zerschlagen, und wolle endlich beide Kriege durch einen allgemeinen, sichern und dauerhaften Frieden zur Erhöhung Deiner Ehre beendigen. Dazu gelobe ich und ver­fem, denn er sah Dich so freundlich an, und dreimal hat er schon nach Dir gefragt?"

Ueber Hortensen's feingezeichnete Lippen flog ein Lächeln halben Spottes. Es lag ein bitteres Wort auf ihrer Zunge, geboren von den vielen herben Gedanken, die das Gefühl abhängiger, beinahe geknechteter Stellung in der Brust Derer erweckt, de­nen die Natur es völlig vorenthalten hat, ihren Willen mit Ruhe den; Anderer unter­zuordnen. Hortense mit ihrer ungewöhn­lichen Schönheit, mit ihrem gebietenden An­stand und schnell erweckten Empfindungen schien zum Herrschen und Glänzen geboren; statt dessen war ein ärmliches Haus in Kingston ihre Heimath; eine ungebildete, rohe Eingeborene, der man die farbige Ab­kunft nicht ableugnen konnte, angeblich ihre einzige Verwandte. Eine matte Erinnerung an ihre früheste Kindheit, in der besonders das schöne Bild eines zärtlichen Elternpaares vorherrschte, war beinahe erloschen, nicht so Hortensen's Widerwillen gegen die einzige Verwandte, die ihren freien Willen unter­jochte, ihre wärmeren Gefühle verhöhnte, ihre entzückende Schönheit bespöttelte. Nach einem seltsamen Widerspruche mit ihren eigenen ungebildeten Begriffen hatte die Mulattin unbegreiflicher Weise ihrem Pflege­kind eine Erziehung angedeihen lasten, die

spreche für mich und meine Nachfolger Deiner göttlichen Majestät, daß ich zur Ausbreitung des Ruhmes Deines Namens und zu Ehren Deiner Mutter, unserer Herrin, die Pfarr­kirchen im Königreich Ungarn, die theils durch die Tyrannei der Barbaren, theils durch die Unbill der Zeiten verfallen sind, wieder aufrichten und mit zulänglichem Unterhalte für die Pfarrer dotiren will, da­mit alle Völker, die Deine Gnade meiner Herrschaft untergeben hat, lernen, Dich als den wahren Gott mit gebührendem Cultus anzubeten und Deine heiligste Mutter, unsere große Herrin, würdig zu verehren. Ferner verspreche ich, daß ich zum ewigen Gedächt- niste der so großen Wohlthat die Capelle des hl. Leopold auf dem Kahlenberge, von wo aus zuerst der besondere Schutz Deiner Hilfe in der Abtreibung der Feinde sich kündbar erwies, Herstellen und in derselben der hei­ligen Jungfrau einen Altar unter dem Namen der Christenhilfe widmen werde. Nimm also, gnädigster Gott, die Gelübde Deines in De- muth Dich anbetenden Dieners auf und wache über mich, meine Gemahlin, meine Kinder und mein Haus, meine Völker, meine Armeen, über alle meine Königreiche und Länder mit dem beständigen Schutze Deiner Barmherzigkeit, regiere, führe und verthei- dige uns. Amen."

Der Friede, nach dem Kaiser Leopold sich sehnte, um den er zum Himmel flehte, kam, da auch die Türken aus mehrfachen Gründen sich zu demselben neigten, zu Car- lowitz im Jahre 1699 zu Stande. Dieser Friede mit seinen Länderverlusten für die Türken war der Beweis, daß die osmanische die Kluft immer größer riß, die Natur und Bildung zwischen sie gezogen. Hortense, von Natur leidenschaftlich und leicht erregt, mit einem raschen Verstand und scharfen Urtheil begabt, pflegte dies Urtheil so sehr zu Ungunsten ihrer Peinigerin, daß sie ihr den Widerwillen unverholen zeteig, den sie empfand.

Lysanne — so hieß die Pflegemutter — entfaltete, je mehr sie Hortensen's Abneigung gegen sie gewahrte, alle die niederen Leiden­schaften, die ihr eigen waren und die sie weit unter die gewöhnlichsten Alltäglichkeiten versetzten, dabei verdoppelte sie die Fesseln, mit denen sie jede freie Willensmeinung, jeden Wunsch Hortensen's unterdrückte. Der Tod Lysanne's befreite endlich Hortense, aber ihr Sterben war von einigen Worten begleitet, die das junge Mädchen darüber belehrten, daß Lysanna mit einem Haß geschieden sei, der weit über das Grab Hortensen verfol­gen würde. Vergebens suchte sie Aufschluß über die räthselhasten Worte der Sterben­den, der Aufschluß ward ihr nicht, und doch — frei, aber auch völlig verlassen und allein — tauschte sie die Heimath mit einem fernen Welttheil und suchte Frankreich auf, einzig darum, weil Lysanne in ihren Fieberphan­tasien so oft mit unheimlichem Lachen den Namen Frankreich ausgesprochen hatte, ohne indessen weiter Etwas hinzuzufügen.