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Dienstag, den 19. December 1882.

Fuldaer SS Attung.

Die. »Fuldaer Zeitung erscheint t äglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen, »an adonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda le der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts Sei den Postämtern. Der vierteljährliche Lbonnementspreis Beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda 1 Mark mb 60 Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 60 Pfg.. ins Haus gebracht 1 M. SO Pfg. Mit den Lllustritten Sonntagsblättern' kostet dieFuld.Ztg vierteljährlich in Fulda M. 1.90; auswärts am Postschalter M. 1.76; in'S Haus gebracht M. 2.15. Inserate: Die Petitzeile oderjderen Reum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

Deutsches Reich.

* Berlin, 17. Dec. Windthorst fiel vorgestern Abend vor dem Hause seiner Wohnung aus der Drösche; er blieb un­verletzt und hat nur eine kleine Contusion am Auge erhalten. — Die Gewerbecom­mission nahm den Antrag der Conservativen auf Einführung obligatorischer Arbeitsbücher an. Dieselben bringen im Reichstage den Antrag ein, die abgelehnte Nr. 3 des § iOOe des Jnnungsgesetzes, daß Arbeitgeber, die Innungen nicht angehören, von einem be­stimmten Zeitpunkte ab Lehrlinge nicht mehr annehinen dürfen, wiederherzustellen.

— Der gestrige .Reichsanzeiger' meldet: Der Kaiser wohnte eines leichten Erkältungs- zustandeö wegen der heutigen Hofjagd nicht bei und wird voraussichtlich einige Tage das Zimmer hüten müffen. Heute geht es dem Kaiser schon wieder bedeutend besser.

— Die Kaiserin empfing gestern Nach­mittag das Präsidium des Landtags.

— Abgeordnetenhaus. Sitzung vom 16. Dec. Einziger Gegenstand der Tages­ordnung ist die Fortsetzung der gestern ab­gebrochenen Generaldebatte über den Gesetz­entwurf, betreffend den Erlaß der vier untersten Stufen der Classensteuer und die Besteuerung des Vertriebes von geistigen Getränken und Tabakfabricaten"

Erster Redner ist der Abg. B ü ch t e m a n n, der gegen die Vorlage spricht. Minister Scholz antwortet ihm und bestreitet na­mentlich, daß die Fortschrittspartei, der Büchtemann angehört, die Verhältnisse Berlins so genau kenne, wie der Redner sich den Anschein gab, indem er behauptete,

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Gefunden.

Original-Novelle von A. Linden.

(Fortsetzung.)

Auch ihr Staunen war begreiflich, denn Fleunice, mit dem seltsamen Ausdrucke ihres wachsbleichen Gesichtes, mit den wehenden Locken, war gerade kein reizendes Bild, aber unbestritten ein fesselndes, beinahe ein räthselhaftes.

„Wie heißt das Schloß?" fragte der junge Mann den alten Schiffer, der ihm zur Seite ging.

„Belle-Grande, Herr!"

„Ha, wäre es möglich? Belle-Grande an der Küste der Normandie ist gerade das Ziel meiner Reise! O führt mich schnell zu dem Grafen!"

Der Schiffer beeilte sich, ihn die ver­schlungenen Felsenwege hinaufzuführen. Der junge Mann blickte sich nach der Dame uni, die zagend stehen geblieben war, für sie war Belle-Grande kein Reiseziel; sie war gleich den übrigen Gescheiterten, noch weit von dem Ort ihrer Bestimmung entfernt, sie war allein und schutzlos, durch kein Band der Verwandtschaft an den jungen Mann gefeffelt, der sich ihrer auf der weiten Reise mit jenem Interesse angenommen, das Schön-

die Noth werde durch die Aufhebung der vier untersten Classcnsteuerstufen in der preußischen Hauptstadt nicht verringert werden. Mit großer Beredtsamkeit tritt der cons. Dr. Wagner für die Vorlage ein, der Führer der Nationalliberalen, Ben­nigsen, dagegen. Schließlich wird der Gesetzentwurf einer Commission von 21 Mitgliedern überwiesen.

— Die Abgg. Oetker und Hansen, unterstützt von den Nationalliberalen, haben folgenden Antrag eingebracht: „Die Staats­regierung um baldthunlichste Vorlage eines Gesetzentwurfes zu ersuchen, durch welchen 1. der Stempel für Kaufverträge über in­ländische Grundstücke und Grundgerechtigkeiten von 1 pCt., 2) der Stempel für Pacht- und Miethverträge von Vs pCt. angemessen er­mäßigt und 3) die Stempel für Verträge, welche die Übertragung eines bestehenden Pacht- oder Miethsverhältnisses auf eine an­dere Person als die Pächter oder Miether zum Gegenstände haben, auf ll/a Mark be­stimmt wird."

— Die Conservativen haben in der Ge­werbe-Ordnungs-Commission einen Antrag auf Einführung von obligatorischen Arbeits­büchern eingebracht. Der § 107 des An­trages lautet: Als gewerbliche Arbeiter fett trnry-füroeit ?eich°grsetzlich nicht ein anderes zugelassen ist, nur solche Personen beschäftigt werden, welche mit Arbeitsbüchern versehen sind. Bei der Annahme solcher Arbeiter hat der Arbeitgeber die Vorlegung des Arbeitsbuches zu verlangen.

— In der Unterrichtscommission des Abgeordnetenhauses wurde eine Petiton von heit und Geist so leicht erwecken und das durch den Dienst, den er ihr leisten konnte, noch um Vieles erhöht wurde. Dankbarkeit ist ein mächtiger Impuls zur Liebe, aber das Gefühl, Dankbarkeit geweckt zu haben, oft noch ein viel größerer.

Die beiden Fremden hatten nicht einmal dieselbe Heimath; die Dame war von Ja­maika, der junge Mann von dem Festlande; es war nur ein Zufall, der sie auf dem Schiffe zusammengeführt hatte.

Hortense Valcoure wandte sich, um, wie die übrigen Geretteten nach dem Fischer­dörfchen zu gehen; eine alte Frau bot ihr willig die Hand, denn Hortense war noch sichtlich ermattet von der überstandenen Todesgefahr.

Graf Chari d'Anbrot vergaß bei dem Gedanken, sich von seiner Reisegefährtin zu trennen, völlig das lebhafte Entzücken, das ihn zu dem Schlöffe hinzog. Er reichte dem Fräulein den Arm, die indessen zögerte ihn annehmen.

„Willst du nicht mit deinem Bruder gehen?" fragte Fleunice, die leise näher getreten war, mit freundlicher Stimme.

Der Graf lachte. Sie sehen, mein Fräu­lein, die junge Dame setzt eine Verwandt­schaft voraus, die mir das Recht geben würde, sie in Belle-Grande, meiner neuen

katholischen Einwohnern des Schulbezirks Boyenburg berathen, eine im Jahre 1875 dort eingerichtete Simultanschule wieder aufzuheben. Es knüpfte sich an diese Petition eine lange Debatte, in der die Gründe für und wider die Simultanschulen vielfach be­rührt, hauptsächlich aber die Rechtsfrage in dem vorliegenden Falle ventilirt wurde. Der Erfolg war schließlich, daß, trotzdem der Regierungs-Commissar die Nothwendig- keit und den rechtlichen Bestand der dor­tigen Simultanschule darlegte, die Petition der Staatsregierung zur Berücksichtigung Überwiesen werden soll. Der Beschluß wurde mit 10 (Conservative und Centrum) gegen 8 Stimmen (Liberale und Freiconservative) gefaßt.

— Oberbürgermeister Dr. Miquel ist auf Präsentation der Stadt Frankfurt a. M. in das Herrenhaus berufen worden.

— Der ,Vossischen' wird über russische Zustände geschrieben: „In allerhöchsten russischen Kreisen ist der Krieg gegen Oester­reich beschlossen, und wird leider in nicht ferner Zeit Thatsache werden. In der Nähe Warschaus ist nächst Wola und Po- watzki ein verschanztes Lager für 80,000 Mann und ein eben solches bei Grodne hergerichtet worden. Sämmtliche Urlauber, Artillerie und Kavallerie, sind einberufen worden; alle Reserve-Commandos werden auf Kriegsfuß gestellt. Nach den fertigen Plänen .für einen künftigen österreichisch­deutschen Krieg hat die gesammte Grenz- cavallerie softrt nach Eingang des telegraph­ischen Befehles in Galizien einzudringen und mit Hilfe von Eisenbahn-Bataillonen vor Heimath, einzuführen. Sie werden mir nun schon erlauben müssen, dies zu thun."

Hortense nahm mit einem verwunderten Blick auf Fleunice, deren zutrauliche An­rede sie frappiren mußte, den Arm des Grafen, der sie sorglich den felsigen Weg hinauf führte.

Fleunice ging neben den Beiden her, mit ungewöhnlich beflügelten Schritten, auch war ihr Gesicht belebter wie gewöhnlich; ihre Augen ruhten mit kindlicher Neugierde bald auf dem Einen, bald auf der Anderen. Hortense hielt die Musterung mit schweigen­der Geduld aus; nicht so der lebhafte Graf. Ungeduldig von Natur, von der Wunde seines Arnies noch in soweit gequält, daß er keinen beobachtenden Blick für seine Züge wünschte, die zuweilen einen Ausdruck des Schmerzes überflog, besonders aber die Ver­legenheit Hortensen's fühlend, die im Be­griffe war, sich in einen fremden Ort ein­zuführen, zu dem sie Nichts als ein trau­riges Schicksal hilflos hingewiesen hatte, sagte er, noch ehe sie das Schloß erreicht hatten, im Tone halben Spottes zu Fleunicen:

„Mein hübsches Kind, Sie sahen wohl noch nie Leute, die von den tückischen Was­sergeistern geneckt worden waren? Ihren Blicken nach zu urtheilen sind wir die ersten."

(Fottsetzung folgt.)