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Beiblatt zu Nr. 291 der ,Fuldaer Zeitung/

Sonntag, den 17. Deeember 1882.

Vermischtes.

* Auszug aus dem Tagebuch des Nord« deutschen Lloyddarnpfer „Werra" auf seiner letzten Reise

von Bremen nach Newyork.

Abgang von der Weser am 9. Noveniber 8,10 Uhr Morgens.

Ankunft bei Southampton am 10. Nov. 4z5<) Uhr Nachmittags.

Abgang von Southampton am 10. Nov. 7 Uhr Nachmitags

bis 11. Nov. Mittags

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„ Sandy Hook 4 Uhr Nachm. 68 „

Reisedauer von Southampton bis Newyor * zuzüglich Zeitunterschied 8 Tage 1 Stunde 40 Minuten.

Von Newyork nach Bremen.

Abfahrt von Sandy Hook am 25. Nov. 9 Uhr Morgens.

bis 25. Nov. Mittags ... 48 Meilen

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Ankunft bei Southampton.

Reisedauer von Newyork bis Southampton abzüglich Zeitunterschied 7 Tage 21 Stunden 25 Minuten.

Ankunft vor der Weser am 4. Deeember 6 Uhr Nachmittags.

* Rom. Im Collegium Germanicum ist am Dienstag Pater Wertenberg gestor­ben, der in Köln und Münster als Superior und Rector, sowie in ganz Deutschland als Missionar und Exercitiennieister bekannt ist.

* Paris, 9. Dec. Heute ist der be­rühmte Advocat Lachaud, zugleich ein treuer Sohn der katholischen Kirche, im Alter von 65 Jahren gestorben. Im Jahre 1818 geboren, ließ er sich 1844 in Paris nieder, wo er bald einen der ersten Plätze unter den Advocaten einnahm. Die natürliche Eleganz seiner Rede, gepaart mit einem ein­schmeichelnden und sympathischen Ausdruck, übte auf Geschworene und Publicum stets eine außerordentliche Wirkung aus. Unter Anderem fungirte Lachaud als Bertheidiger auch in den Processen gegen Troppmann, Bazaine (1873) und General de Wimpffen (1874). Im Jahre 1877 wurde er in die Deputirtenkammer gewählt. Lachaud starb, wie er gelebt, als treuer Christ. „Mehr als einmal", sagt der ,Fig.', den Lachaud oft vor Gericht vertheidigt hatte, „sah man ihn des Acends zu einer Stunde, wo die Kirche verlassen, an einen Pfeiler gelehnt. Nachdem er die traurigen Gerichtsscenen ver­lassen, begab er sich an den heiligen Ort, um sich zu stärken.

* Ein wahnsinniger Raseur. Aus Maine (Frankreich) wird der folgende grauenhafte Vorfall berichtet. Herr Biot- t e a u, ein Kaufnmnn unserer Stadt, Vater von sechs Kindern, begab sich am 7. Decem- ber in die Rasirstube des Herrn Gourdon, um sich den Bart abnehmen zu lasten. Wie

gewohnt, unterhielt sich Biotteau während des Rasirens freundlich mit dem Raseur, als dieser plötzlich ohne jede Veranlassung den Kopf seines Klienten nach rückwärts drückte und einen mit solcher Kraft geführ­ten Schnitt mit dem Rasirmesser gegen den Hals des Unglücklichen führte, daß der Kopf fast abgeschnitten ward. Das Opfer fand nicht Zeit, einen Schrei auszustoßen. Die beiden Schwestern des Mörders waren bei der fürchterlichen Scene anwesend. Auf ihr Lärmen kamen Leute herbei, die den Mör­der banden und zu Gericht brachten. Wie man vernimmt, ist die schreckliche That einem Anfalle von Säuferwahnsinn zuzu­schreiben. Sofort, nachdem die That be­kannt geworden, erhoben sich einige ange­sehene Bürger von Maine und Jalais, die auf so entsetzliche Art ihres Ernährers be­raubte Familie thatkräftig zu unterstützen.

* London, 9. Decbr. Die gestrige Feuersbrunst in der City war wohl die furchtbarste, welche London seit dem verhee­renden Brande in Toley-Street im Jahre 1861 kennt. Ein ganzes Straßenviertel, begrenzt von London-Wall, Wood-Street, Addle-Street und Philip-Lane ist ein fast gänzlicher Raub der Flammen geworden. Das Feuer brach in dein Scuterrain des Geschäftslocals der Herren Forster, Porter u. Co. (Confectionsgeschäft Engros) in Wood Street aus und wurde gegen 3 Uhr Mor­gens von einem Polizisten bemerkt, der so­fort Alarm schlug und die Feuerwehr requi- rirte. Ehe jedoch die Spritzen herbeikommen konnten, hatte das Feuer schon eine solche Gewalt erlangt, daß die Flammen zum Dache herausschossen. Ungeachtet der rastlosen Thä- tigkeit von 30 mächtigen Dampfspritzen konnte das Feuer nicht localisirt werden und ergriff sehr bald die anstoßenden Magazine der Fir­men Peter Rylands & Co., Silber und Fleming, Sargood, Butler & Nichol, Wer­ner & König, Gladmont & Co., Symonds & Co., Hartley & Couchman, Baxenden Brothers und mehrerer anderer kleinerer Firmen. Diese Magazine waren von oben bis unten mit Maaren aller Art vollgepsropst und boten dem verheerenden Elemente reich­liche Nahrung. An eine Rettung von Eigen- thum war nicht zu denken. In dem Maga­zin der Herren Rylands & Co. lagerten Hunderte von Ballen der kostbarsten Seiden­stoffe, welche alle ein Raub der Flammen wurden. Die engen Straßen, sowie die zu­weilen 6—7 Stockwerke hohen Gebäude, in denen das Feuer wüthete, erschwerten die Löschanstrengungen im hohen Grade. Glück­licherweise herrschte Windstille und die Dächer waren mit Schnee bedeckt, sonst dürfte in Folge der massenhaft niederfallenden Funken )ie Feuersbrunst bei weitem größere Diinen- 'ionen angenommen haben. Erst gegen 10 Uhr Vormittags wurde der Brand gelöscht. Von sämmtlichen Gebäuden sind nur die Brandmauern stehen geblieben, von denen einige im Laufe des Tages einstürzten und Ke gegenüberliegenden Häuser arg beschädig­ten. Auch wurden die anstoßenden Gebäude )urch Feuer und Waffer arg mitgenommen. Die Ursache des Feuers ist nicht bekannt. Ein Verlust an Menschenleben ist nicht zu ';eklagen, was sich dadurch erklärt, daß die Geschäftshäuser in der City des Nachts fast unbewohnt sind; doch wurde ein Feuerwehr­mann schwer verletzt. Der angerichtete Scha­den beziffert sich auf etwas über 1 Million

Pfund Sterling und ist angeblich durch Ver­sicherung völlig gedeckt.

Literarisches.

Bachems Novellen-Sammlung, Band 3. In elegant-solidem Calico-Einband 1 Mark ent­hält: Die Sphinx. Novelle von Hans Er­le nbu sch. Treffende Zeichnung der frisch aus dem Leben gegriffenen Gestalten und lebhafte Darstellung rasch folgender Ereignisse, die den Leser in steter Spannung halten, sind die Vorzüge dieser über­aus ansprechenden Novelle. — In der Knospe gebrochen. Von A. I. Cüppers. Der Ver­fasser erzählt die rührende Lebensgeschichte eines armen flämischen Milchbaben von bedeutendem Malertalent, der, eine unentfaltete Knospe, in der Christnacht der Noth erliegt. — Die bis jetzt er­schienenen drei Bände zeigen bereits in welch' an- erkennenswerther Weise die für den Inhalt der Sammlung gesteckten Ziele: „Gediegenheit und fesselnde Gestaltung bei reichem Wechsel der Stoffe und der Scenerie" verwirklicht werden. Das Un­ternehmen verdient jegliche Empfehlung, zumal der außerordentlich niedrige Preis von 1 Mark pro Band auch Minderbemittelten die Anschaffung ermöglicht. Die Verwendung einer Anweisung auf Serie I (20 Bände), wozu ein praktisches Formular dem 2. Band beigefügt ist, eignet sich ganz besonders als vorzügliche Weihnachts- U eberraschung. —z.

+ Eine geographische Zeitschrift für ka­tholische Leser. Bei dem ungewöhnlichen Auf­schwünge, den in Folge des gesteigerten Welthan­dels und Weltverkehrs, der durch Eisenbahnen, Dampfschiffe und Telegraphen bewirkten Verminde­rung der Entfernung zwischen Ländern und Welt- theilen, der lebhafteren Missionsbestrebungen, die geographische Wissenschaft genommen, ist das In­teresse leicht erklärlich, das in immer weiteren Krei­sen für die Länder- und Völkerkunde sich geltend macht und ebensowohl durch das Bestehen zahlreicher geographischer Vereine und Gesellschaften, wie durch das Erscheinen von geographischen Zeit­schriften und einer sich fortwährend vermehrenden Anzahl von Reisewerken zu Tage tritt. Leider ent­sprechen viele dieser Schriften nicht den Anforderun­gen, die man auch auf geographischem Gebiete an Form und Inhalt zu stellen berechtigt ist. Manche entpuppen sich bei näherer Prüfung als werthlose, oberflächlich zusammengestoppelte Machwerke, wäh­rend andere eine Schamlosigkeit in der Illustration zeigen, die jedes i eine Gemüth verletzen muß, ganz zu geschweigen von den gehässigen Angriffen, die auf den christlichen Glauben überhaupt und die ka­tholische Kirche insbesondere gemacht werden. Dem gegenüber verweisen wir unsere Leser, welche sich über fremde Länder und Völker belehren wollen, auf eine bereits im 11. Jahrgange stehende illu- strirte Zeitschrift, die in jeder Beziehung empfohlen zu werden verdient. Die in der Herder'fchen Ver­lagshandlung zu Freiburg erscheinenden „Katho­lischen Missionen" bieten unvergleichlich mehr, als ihr Titel vermuthen läßt. Wir begleiten da nicht nur die Glaubensboten auf den beschwerlichen Wegen, die sie sich durch Einöden und mit Gefahren für Leib und Leben zu den Heiden bahnen, um ihnen das Christenthum zu bringen, sondern wir verfolgen zugleich das langsame, aber stete Vordrin­gen der Cultur in Länder und Gegenden, die ihr bisher mehr oder minder verschlossen waren. Das Leben und Treiben jener „wilden" Völkerschaften, ihre Sitten und Gebräuche fehen wir von Männern beschrieben, die lange Jahre, oft ihr ganzes Leben unter ihnen zugebracht haben. Viele Aufsätze lesen ich mit dem Interesse und der Spannung eines Romans. Dazu kommt eine tadellose Ausstattung und eine reiche Jllustrirung. Keine andere iklu- trirte Zeitschrift überbietet die „Katholischen Mis- ionen" in diesem Punkte, namentlich, wenn man den billigen Preis (4 Mark für den ganzen Jahr­gang von 12 Heften, wozu noch alle zwei Monate eine illustrirte Gratisbeilage für die Jugend kommt) und den Umstand nicht übersieht, daß hier die Bil­der keine willkürliche Beigabe, sondern den Text er­läuternde, nach der Wirtlichkeit angefertigte Zeich­nungen sind. Die einzelnen Jahrgänge, gesammelt und eingebunden, sind ein ebenso belehrendes wie unterhaltendes Bilderwerk, das seines Gleichen sucht, eine fesselnde Rundschau über alle Länder und Völ­ker der Erde.

Das soeben erschienene 1. Heft des Jahrganges 1883 bietet Gelegenheit, sich von der Wahrheit des Gesagten zu überzeugen und ein Abonnement bei einer Buchhandlung oder der Post aufzugeben.