289. Freitag, den 15. December 1882.
Fuldaer SB Jeitung.
Sie .Fuldaer Rettung' erscheint ttglich, Bonn» und Feiertage ausgenommen. Ran avonnirt gegen Lorausbezahlung zu Fulda dl der Lrpedition/DuttermarktNr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche AbonnementSpreis beträgt ausschließlich Brmgerlohn in gufta 1 «orf ntb SOPsg., mit Bringerlohn 1 R. 70 Pfg., auswärts Bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark nick 50 Pfg.. ms Haus gebracht 1 M. 90 Pf g. «t den ^Jllustrirten Sonntagsblättern' kostet dieFuld.Ztg vierteljährlich in Fulda M. 1.90; auswärts am Postschalter M. 1.75; ins Haus gebracht M. 2.15. Inserate: Die Petttzeile oderjderen Baum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.
Deutsches Reich.
* Berlin, 13. Dec. Reichstag. Ein Antrag Baumbach, die Kaiserliche Verordnung, wodurch die Herstellung gefärbter Spielwaaren beschränkt worden, auch auf die Einführung fremder Waare auszudehnen, wurde an eine Commission von 14 Mit- bliedern verwiesen.
Es folgte die Anfrage des Abg. Dr. Windthorst wegen Aufhebung des Gesetzes über die Verhinderung der unbefugten Ausübung von Kirchenämtern vom 4. Mai 1874. In der Begründung seiner Interpellation wies der Abg. Dr. Windthorst darauf hin, daß eigentlich Niemand für die Aufrechterhaltung jenes Gesetzes sei, und daß nur dilatorische Momente angeführt worden seien. 233 gegen 125 Stimmen hätten sich für die Aufhebung des Gesetzes erklärt. Wie es scheine, (officiell sei darüber allerdings nichts bekannt) habe der Bundesrath die Annahme des Reichstagsbeschlusses abgelehnt. Demgemäß halte er sich zu der Frage berechtigt: welche Gründe den Bundesrath zu jener Ablehnung geführt hätten. Der Bundcsrath wäre gerade die Stelle gewesen, seinerseits zur Herstellung des Friedens auf kirchlichem Gebiete mitzuwirken. Es sei keine wohlwollende Regierung, ivelche solche Zustände fortbestehen lassen wolle.
Minister von Bo etlicher wies diesen Vorwurf zurück. Auch der Bundesrath wolle die Freiheit des Cultus nicht beschränken. Der Bundesrath habe sich allerdings gegen den Reichstagsbeschluß erklärt,
Gefunden. 4
Original - Novelle von A. Linden.
(Fortsetzung.)
Fleunice besann sich, und sie wäre leicht zu überreden gewesen, daß sie sich getäuscht habe, da klang dumpf und schaurig ein zweites Signal durch die Nacht.
Das Mädchen zuckte zusammen, auch Gerold erschrack, denn er war schnell zur Hilfe geneigt, wenn er wirkliche Gefahr sah. Aber die Gefahr eines Schiffes in solcher Nacht erfüllte ihn mit Grauen, und die Möglichkeit einer Rettung lag seinen Gedanken ferne.
„Die Schiffer werden sich weigern, die schwankenden Nachen durch die heulende See zu steuern, jede Welle ist ein gähnendes Grab!" sagte der Alte achselzuckend.
Fleunice besaß keine Gewalt der Rede, noch weniger die Gabe, Andere zu überzeugen von dem, was sie für möglich hielt, auch verstand Niemand weniger zu befehlen, als sie. Aber der flehende Ton ihrer Stimme und der bittende Blick ihrer Augen veranlaßten den Alten zu der raschen Antwort:
„Ich will den Schiffern den Befehl der gnädigen Comteffe bringen, sie werden Menschlichkeit genug besitzen, den Bedrängten zu Hilfe zu eilen, auch ist ihre Geschicklichkeit, die Klippen zu vermeiden, groß."
der Reichskanzler sei aber nicht in der Lage, über die Gründe eine Auskunft zu geben. WDerAbg. Dr. Reichensperger (Olpe), auf dessen Antrag das Haus in eine Besprechung der Interpellation eintrat, pro- testirte gegen diese Art der Behandlung von Reichstagsbeschlüffen Seitens des Bundesraths. Der Reichstag wende sich mit seinen Beschlüssen und Interpellationen an den Bundesrath, nicht an sich selbst, der Bundesrath müffe also eine Antwort geben. Was würde der Bundesrath sagen, wenn umgekehrt der Reichstag die Vorlagen des Bundesrathö ablehnte, ohne eine Angabe von Gründen? Redner ging sodann des Näheren auf die traurigen Folgen des Aus- weisungsgesetzes ein, welches Deutsche schlechter behandle als Vagabonden und Strolche.
Frhr. v. Schorle m er-Al st führte aus, er wundere sich, daß die Regierung jetzt so discret verfahre, während sie doch vor wenigen Tagen den indiscretesten Gebrauch von amtlichen Schriftstücken gemacht habe. Der Culturkampf wird nicht aushören, weil der Reichskanzler nicht will.
Abg. Richter bemerkt, daß seine Freunde, bei der erneuten Einbringung des Antrages Windthorst wieder für denselben stimmen werden. Wir schweigen uns aus, weil wir die Auseinandersetzung des Centrums mit dem Reichskanzler jenem allein überlasten.
Dr. Windthorst fragte die Negierung, ob sie noch von Cultusfreiheit reden könne, wenn das Spenden der Sterbesacramente unter Strafe gestellt werde. Solle der Reichstag eine Bedeutung haben, so müßten seine Beschlüsse mehr respectirt werden. Einein-
Fleunice legte eine schwere Börse zur Belohnung der Schiffer in Gerolds Hand, aber zur Begleitung dieses Wunsches stand ihr Nichts als ein schüchternes Erröthen zu Gebote.
Während die Schiffer von Belle-Grande die Unmöglichkeit erwogen, jetzt Hilfe bringen zu können, während Fleunice ini großen Ahnensaal ihres väterlichen Schlosses allein und für die Rettung der Schiffbrüchigen betend auf den Knieen lag, während das Schiff selbst den letzten verzweifelten Kampf mit den Elementen, den stärkeren Gegnern kämpfte, führen wir den Leser noch in einen anderen Theil des Schlosses und zeigen ihm ein Wesen, welches den Aufruhr draußen vor allen Andern zu begreifen schien.
Ein steinerner Säulengang, der in der Höhe der ersten Etage am rechten Flügel des Schlaffes sich hinzog und besten Mauerbrüstung vom düstersten Grau war, führte durch eine hohe Flügelthür in ein weites saalartiges Gemach. Die Decke des Gemaches war kirchenartig in länglichen Spitzbogen gewölbt, und schmale Galerien und Treppen von nußbraunem Holze zogen sich wie in einer Capelle an den Seitenwänden hin. Zwei colostale Ampeln von meerblauem Crystall hingen an langen gegliederten Bronceketten von der Decke herab.
faches Zurückweisen sei eine Mißachtung des Reichstages. Es sei auch nicht politisch klug, die Gründe zu verweigern. Er und seine Freunde würden aber auf dem betretenen Wege fortschreiten. Damit ist die Anfrage „erledigt!"
— Das Befinden des Reichskanzlers hat sich nach der ,Post' bis gestern noch nicht gebessert, so daß auf sein Erscheinen im Parlament für die Zeit vor den Weihnachtsferien wohl überhaupt verzichtet werden muß.
— Die .Kreuzztg.' schreibt: „Gegenüber der Behauptung, daß die Verzögerung der Verwaltungsreform-Vorlagen des Ministers des Innern in Differenzen desselben mit dem Fürsten Bismarck begründet sei und daß dieselbe wohl kauni vor Neujahr ihr Ende finden möchte, hören wir, daß die Vorlagen vermuthlich in den nächsten Tagen und jedenfalls vor Eintritt der Weihnachts-Vertagung an das Haus gelangen dürften." — Die Cewerbeordnungscommis- sion nahm heute die 44 und 44a der Novelle, wonach die Handlungsreisenden eine Legitimationskarte zu führen haben, die der Inhaber verpflichtet ist während der Ausübung des Gewerbebetriebes bei sich zu führen, auf Erfordern den zuständigen Be-' Hörden oder Beamten vorzuzeigen und, sofern er hierzu nicht im Stande ist, auf deren Geheiß den Betrieb bis zur Herbeischaffung der Legitimationskarte einzustellen. Conservative und Centrum stimmten für diese Bestimmung. -- Die socialistische Commission beendete heute die erste Lesung des Krankencastengesetzes und wird morgen die Frage entscheiden, ob das Krankencaffen- Das Gemach selbst war mit der bizarrsten Laune ausgestattet und aus der phantasiereichen Unordnung, in der Möbel, Stoffe, und Kleinodien umherstanden und lagen' schimmerte manch werthvoller und seltener Gegenstand hervor. An den mit dunkelblauem Wollenstoffe verhängten Wänden sah man Bilder, Vasen und Statuen aufgestellt, hohe Kästen mit hellen Glaswänden zeigten Muscheln, Korallen und Seesterne in bunter Mannigfaltigkeit. Daneben erblickte man hohe Polsterstühle mit blauem Atlas überzogen und kleine Tische davor, auf denen Bücher, Zeichnungen und weibliche Arbeiten lagen.
Der erste Eindruck, den dies Zimmer machen mußte, war gewiß kein anderer als der, daß ein regelloser ungebildeter Geschmack alle diese Gegenstände so nahe an einander gereiht hatte. Doch dem war nicht so, denn Gräfin Ademar Belle - Grande, die dies Zimmer bewohnte, war gewiß der Vorwurf einer Alltäglichkeit in Geschmack und Urtheil nicht zu machen. Aber kränklich, leidend, oft wochenlang! auf dies Zimmer angewiesen, schmückte sie es mit Allem aus, was ihr eine vorübergehende Beschäftigung oder eine wohlthuende Erinnerung verlieh. Die meisten dieser Seltenheiten waren von Mart.nique mit herübergekommen.