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•^2 287. Mittwoch, den 13. December 1882.

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Deutsches Reich.

* Berlin, 11. Dec. Reichstag. Fort- setzung der Debatte über den Antrag der Con- servativen, die beiden Etats, für 83/84 und 84/85, an die Commission zu verweisen. Da in der Samstagssitzung Minister Scholz einige Mittheilungen aus einer Ministerialsitzung jener Zeit gemacht hatte, während der Hob­re cht preußischer Finanzminister war, um zu beweisen, daß dies er früher nicht gegen die 2jährige Etatsperiode gewesen sei, bean­tragte Hänel heute, daß das ganze Pro- tocoll der Ministerialsitzung verlesen werde, weil die mitgetheilten Bruchstücke die Stellung Hobrechts zu der Frage des zweijährigen Etats verdunkelt hätte. Minister Scholz ist dazu bereit, allein Windtho rst, Kleist- Retzow und Bennigsen erklären sich gegen den Antrag, weshalb derselbe fallen gelaßen wird. Nun ergreift Windthorst das Wort zu dem conservativen Anträge. Der im Staatsdienst und in der parlamen­tarischen Wirksamkeit alt gewordene, durch Scharfblick wie Erfahrung gleich hervor­ragende Führer des Centrunis führt in kurzen, markigen Zügen aus, daß der Antrag gegen Recht und Verfassung offenbar verstoße. Das Centrum lehne da­her diesen Antrag wegen seiner Verfassungs­widrigkeit ab ohne Rücksicht auf die mate­riellen Bedenken, die von anderer Seite vor­gebracht seien. Bei der Abstiminung erhält der Antrag der Conservativen nur 43 Stim­men, während 229, worunter auch Dr. P e r r o t (Hersfeld - Hünfeld - Rotenburg), gegen denselben stimmen. Nächste (und

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Gefunden.

Original-Novelle von A. Linden, (Fortsetzung.)

Er saß im Polsterstuhle zurückgelehnt und hielt in seinen Händen eine silberne Filet­nadel mit der er mit unbegrenzter Geduld und einer Geschicklichkeit, die nur die lange Gewohnheit eines Blinden gewähren kann, eine Masche an die andere knüpfte. Die Filetdecke, die sich unter den welken Händen des Grafen zu einer Feinheit und Länge entwickelt hatte, daß sie leicht zum Schmuck eines Altars hätte dienen können, war mit so wunderbarer Regelmäßigkeit gearbeitet, daß sie auch dem spöttischen Verlangen der griechischen Kaiserin genügt haben würde, die höhnend dem Feldherrn Justinian's eine Kunkel schickte, um zu spinnen, da er nicht fechten könne. Narses schwur, ihr ein Ge- rvebe zu weben, dessen Näthe die Kaiserin nimmer auftrennen würde. Und so war er es selbst, der von den wilden Völkerstämmen des Nordens das Reich über- fluthen, zerstören und die Macht der Kaiserin stürzen ließ. Ob die Geschichte dem Helden Unrecht thut mit dieser Sage, bleibt unge­wiß; daß aber Graf Wallo Belle-Grande nur widerstrebend die lang verachtete weib­liche Beschäftigung ergriff, unterliegt keinem

vor Weihnachten letzte) Sitzung Mittwoch oder Donnerstag.

B. C. Drei Tage nach dem Zusammen­tritt des Reichstages spricht die .Tribüne' ihr „aufrichtiges Bedauern" darüber aus, das die Bimetallisten ihre Absicht aufgegeben zu haben scheinen, den in Köln publicirten Gesetzentwurf dem Reichstage vorzulegen. Die ,Tribüne' mag sich beruhigen, der frag­liche Gesetzentwurf wird gleich nach den Weihnachtsferien ini Reichstage eingebracht werden. Hoffentlich stellen die Anhänger der Goldwährung demselben einen Antrag auf Wiederaufnahme der Silberverkäuse entgegen. Wir würden so zu der allseitig erwünschten Klärung der Situation gelangen. Wir zweifeln aber, ob die Goldwährungspartei den Muth zu einem derartigen Vorgehen hat, denn mährend man vor dem Lande eine hochfahrende Sprache führt und von dem „kleinen Häuflein der Bimetallisten" spricht, weiß man doch recht gut, welch' klägliches Schicksal ein Antrag auf Wieder­aufnahme der Silberverkäufe im Deutschen Reichstag haben.würde. Ein solcher. An­trag würde schwerlich mehr als ?twa 100 Stimmen der Fortschrittspartei und der Secession auf sich vereinigen, während schon ein großer Theil der Nationalliberalen gegen einen derartigen Antrag stimmt und Centrum und Rechte einstimmig dagegen votirt. Will man das Lügen strafen, so ergreift man die Jnititative, diese ist dem Gesetzentwurf der Bimetallisten gegenüber Ehrenpflicht, beschränkt sich die Goldwährungspartei lediglich aus die Defensive, so documentirt sie damit.ihre Schwäche unwiderleglich.

Zweifel. Doch er war nicht der Mann, der mit seinen! Schicksal haderte, wenn es so ernst zu ihm gesprochen, und ernst und mah­nend war das Verhängniß ihm oft nahe ge­treten. Er hatte seinen einzigen Sohn, den letzten Erben von Belle-Grande begraben müssen, ohne ihn einmal anders, als in sei­ner zartesten Kindheit, mit eigenen Augen ge­sehen zu haben. Dann war er erblindet. Der Knabe war herangereift und erstarkt, schön und muthig, wie sein Vorfahr gewor­den, dem Herzog Wilhelm der Eroberer das Küstenschloß zum Lohne für seine Tapferkeit verliehen hatte.

Graf Reene, der Sohn des Greises, ver­ließ seine Heimath an den Küsten der Nor­mandie, um mit einem französischen Regi- mente nach Westindien zu gehen; er wurde Oberst und Commandant eines Forts auf Martinique. Seine erste Ehe mit der Toch­ter eines angesehenen französischen Hauses löste der Tod, der die Dame in der Blüthe- zeit ihres Lebens und in dem Frühlings­schmuck ihrer Liebe traf. Nach Jahren schloß Renee eine zweite Ehe mit einer bezaubernd schönen, aber armen Creolin; sein einziges Kind erster Ehe folgte seiner Mutter bald in das Jenseits, während der Vater gerade entfernt von Martinique im Innern des Festlandes weilte. Fleunice, die Tochter der

— Fürst Bismarck leidet an neuralg­ischen Gesichtsschmerzen, die man durch eine Zahnoperation zu heben hofft. Der Fürst wünscht, wenn möglich, am Mittwoch oder Donnerstag im Abgeordnetenhause die Steuer­vorlage persönlich zu vertreten.

— Die ,Duisb. Volksztg.' theilt mit, daß eine von dem katholischen Kirchen-Vorstand in Duisburg gegen den Fiscus angestellte Klage auf Zahlung gesperrter Staatszu­schüsse, welche in erster Instanz abgewiesen worden, bei dem königl. Ober-Landesgericht in Hainm als Berufungs-Instanz durchge­drungen, und der Fiscus zur Zahlung der zurückbehaltenen Gelder, seit dem 1. April 1876 alljährlich 900 Mark nebst 5pCt. Zinsen, von den einzelnen Fälligkeitstagen und in die Kosten verurtheilt worden ist, das Urtheil auch bereits die Rechtskraft be­schritten hat. Diese Entscheidung ist um so erfreulicher, als verschiedene Beschwerden gegen die zu Unrecht geschehene Zurückbe­haltung, selbst bis zum Ministerium Falk und auch Puttkamer erfolglos geblieben sind. _ * Elbäwg, 11. Dec. Auf dem Bahnhof Schlobitten fuhr gestern Abend der Courier- zug von Königsberg nach Berlin in einen Güterzug, der auf ein anderes Geleise ge­setzt werden sollte. Der Locomotivführer und der Heizer wurden getödtet, der Pack- meister ist schwer, von den Passagieren sind 8 leicht verwundet.

* Vom Rhein, 10. Dec. Krupp in Essen hat 18,000 M. für die Ueberschwemm- ten gespendet. -- Während der Wassernoth haben sich die Schwestern des St. Anna- stiftes in Düsseldorf ganz besonders zweiten Ehe, blieb sein einziges Kind, und nach einem Zeiträume von einigen Jahren des fmnden Himmelstrichs müde, kehrte Graf Reene mit Weib und Kind nach Frankreich zurück. Auf dem väterlichen Schloß em­pfing ihn der greise blinde Vater, der das Erbe seines Sohnes, den er seit Jahrzehn­ten nur noch am Tone der Stimnie er­kannte, treulich verwaltet hatte. Graf Renee begrüßte den Vater und die Heimath mit all' den warmen Gefühlen, die ein reiches Herz und ein freudig inniges Gemüth stets für die Seinen zu bewahren versteht. Seine Gemahlin, die schöne Adenan, tauschte ihre milde sonnige Heimath nur widerstrebend mit dem Vaterlande ihres Gemahls. Doch war sie ehrgeizig genug, um sich als Herrin von Belle-Grande zu gefallen, und nicht schwär- merisch genug, um sich an träumerifchen Sehnen nach deni verlassenen Jugendlande zu verzehren. Sie verstand es, die gebietende Herrin zu spielen, und Niemand wehrte ihrem Willen, der gebietend blieb bis zum Tode des sanftmüthigen Renee, der einige Jahre, nachdem er Frankreichs Erde wieder betreten hatte, auf Belle-Grande erfolgte.

Das Testament bezeichnete Fleunice als einzige Erbin und die Gräfin unter Leitung ihres Schwiegervaters als unbeschränkte, un­verantwortliche Vormünderin ihres Kindes.