Einzelbild herunterladen
 

M 286.

Fuldaer

Dienstag, den 12. December 1882.

Jätung

«scheiß "glich, Sonn- und Feiertage ausgenommen, Aan abonnirt gegen Borausbezahlung ,u Fulda OThesn^tt°^tSUM^rmar?t<^t* ?0~nW<2lt* 6et ben Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda 1-Mark 50 M-, mit B^ngerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts Sei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und ÜO Pfg.. ins Daus aebrackt 1 M "oo Mo «t den .JllusKirtm Sonn^gsbllittern' kostet dwFuld.Ztg vierteljährlich in Fulda M. 1.90; auswärts am Postschalter M^l.75; in's Haus gebracht LI 5

Inserate Di» Petit,erle oder -deren Raum IS Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

Ist der Papst ein Gast des neuen Italiens?

Seit 11 Jahrhunderten regierte der Papst, der Retter Italiens, zu Rom im eigenen Hause als unabhängiger Souverän, als freies Oberhaupt eines Staates, den, wie Napo­leon I. selbst sagte, die Jahrhunderte ihm mit Recht geschaffen hatten. Fremde Erobe­rer hatten versucht, ihn zu berauben, rohe Gemaltthäter hatten ihn fortgeschleppt, daß er weit von Rom sein Grab finde, aber Europa, aber die Welt hat ihn stets als rechtmäßigen Souverän mit allen Rechten anerkannt und jederzeit Jene für Usurpato­ren gehalten, welche ihm seine Staaten ent» rissen. Und als Gottes Gerechtigkeit in un» serm Jahrhundert selbst die Throne umstürzte und das Geschlecht des größten Usurpators zerstreute, da freute sich die Welt über den Untergang des Kerkermeisters Pius' VII.

Denjenigen, welche mit kindlicher Zunei­gung, als treue Anhänger des katholischen Glaubens, mit königlicher Loyalität nach Rom gekommen, ihnen blieb es Vorbehalten, selbst des Papstes Freiheit und Unabhängig­keit zu verkennen, ihm selbst im letzten ihm gebliebenen Palaste die Herrschaft zu ver­weigern, ihm die Behauptung in's Gesicht zu schleudern, er sei weder König noch Herr, er sei nur ein Gast Italiens. Dies selbe Italien, welches nach Rom kam mit dem Schwure: „nie und von Niemandem auch nur die geringste Beleidigung oder Beschim­pfung der Kirche und ihrer Diener zu dul­den" (Rundschreiben des Ministers Raeli an die Bischöfe), fügt jetzt, nachdem es der Kirche ihre Güter weggenommen, ihre Mönche

zerstreut, die Verhöhnung jeder heiligen Glaubenssache beschützt, ja selbst die Be­schimpfung des geheiligten Leichnams eines Papstes beinahe ungestraft gelassen und sie als eine patriotische That belobt, dem Ober­haupte von 200 Millionen Katholiken die höchste Kränkung zu, indem es ihm in roher Weise erklärt, er sei nicht einmal mehr im Vatican Herr, sondern nur ein geduldeter Gast desjenigen, der ihn täglich bekämpft und beleidigt, nachdem er ihn zuerst beraubt und gefangen.

Rom war von der Vorsehung bestimmt zum — loco santo ove siede il successore del maggior Pietro — heiligen Ort, wo thront der Nachfolger des großen Petrus; die größten Denker Italiens, deren Glauben und Lehre Dante in seinen unsterblichen Ver­sen abbildete, führten auf die Vorbereitung Roms für den Sitz des Papstes das lange Werk der Jahrhunderte und die Größe selbst des heidnischen Roms zurück, der Begriff Rom war und ist so unzertrennlich mit dem Papste verbunden, daß es keinen Italiener gibt, der an das Eine -denk md, nicht -es Andern gedächte! Nun wohl! Das Organ des neuen Italien, das Blatt, welches sich — sicherlich aus Ironie — das „Recht" betitelt, hat zu erklären gewagt, daß in diesem Rom, welches die Jahrhunderte für den Papst bereiteten, welches von den Jahr­hunderten für den Papst bewahrt blieb, das beinahe identisch mit dem Papste ist, der Papst nur ein Gast sei!

Wer jedoch erhielt, wer verschönerte, wer mute sogar dieses Rom neu auf, wenn nicht der Papst? Ohne Papst wäre es seit lan­

gem eine traurige Ruine wie Persepolis und Ninive, ein Flecken wie Jerusaleni und Sparta, eine Sage wie Babylonien.

Und der zweite Gründer Roms soll ein Gast in Rom sein?

Rom wäre von Attila zerstört, von den Barbaren geschändet, von den Byzantinern verkauft, unterdrückt, in seiner Lebensweise und seinem Selbstbewußtsein zertreten wor­den; die Päpste retteten es und Rom er­kannte dies an; unter dem Schutze der Päpste raffte es sich wieder auf und durch sie erhob es sich zum neuen Leben; durch sie sah es die gesammte katholische Welt bei seiner Verschönerung, seiner Bereicherung wetteifern, so daß es aus der alten Oede glänzend wieder aufstieg. Und Rom, von den Päpsten und für die Päpste wiederher­gestellt,für die Päpste mit dem Blute der katholischen Italiener erhalten, jetzt eine Beute der Anhänger Derjenigen, welche ge­wiß niemals weder zu Legnano noch zu Le- panto gefochten, wohl aber den Feinden Ita­liens . und des Papstes, von den Schwaben an bis zu den französischen Jakobinern her- unter, die Bahn geöffnet, gehört nicht mehr dem Papste, ja ist so weit gekommen, daß es sich sagen lassen muß: wenn es den Papst beherberge, so geschehe dies als Gast, nicht als Vater, nicht als Souverän, nicht als freies und unabhängiges Oberhaupt seines Glaubens.

Und warum dies Alles? Weil nach 11 Jahrhunderten der Herrschaft, nach 11 Jahr­hunderten des Rechtes und der anerkannten Thatsache es Jemand gab, der eines schönen Tages mit kindlicher Zuneigung, unterstützt

Gesunde n.*)

Original-Novelle von A. Linden.

Das stolze Schloß Belle-Grande, das schon seit Jahrhunderten in der Geschichte der Normandie einen hohen Platz behauptete, war der Sage nach zuerst von Rollo, dem kühnen Anführer der Normannen, bewohnt; hier sah der nordische Held zuerst die in klösterlicher Einsamkeit erzogene Tochter König Karl's des Einfältigen. Er zwang durch wiederholte Einfälle den König, ihm einen Theil Neustriens (später Normandie) abzutreten, dann warb er um die schöne Tochter König Karl's, die ihn, nachdem sie sein Weib geworden, bewog, mit all' den Seinen zum Christenthum überzugehen.

Noch zeigt man im Schlosse Belle-Grande die Betcapelle Rollo's, der unter dem Namen Robert der erste Herzog der Normandie wurde; noch sieht man am Fuße des Schlos­ses ein zweites gemauertes Steinkecken mit geläutertem Wasser, dort — so geht die Sage — empfingen die kriegerischen Nor­mannen die heilige Taufe. Und weiterhin berichtet die Sage, daß der Böse im Zorn über die vielen Bekehrten hier allnächtlich Wache gehalten habe, um Rollo zu verder- pen; aber die frommen Gebete der Herzogin

*) Nachdruck verboten.

haben das Sinnen des Bösen vereitelt, der so beharrlich am Felsenrand des Bassins geweilt habe, daß fein Fuß tief im Stein eingegraben wurde. Noch jetzt sieht man die unförmliche Gestalt eines Klumpfußes in den festen Boden eingedrückt, und der Landmann geht nicht vorüber, ohne sich fromm und scheu zu bekreuzen. Das Bassin war von spitzigen, unregelmäßigen Klippen fast eingerahmt, die nach dem Ufer hin flacher und nach dem Schlosse zu immer schroffer wurden. In phantastischen Zacken und Bogen, nicht unähnlich aufgestellten Eiszap­fen, reichten sie bis zum Sockel des Schlos­ses, dessen hohe Mauern auf der natürlichen Schutzwehr der hohen Felsen majestätisch thronten. Die Mauern waren wohl erhal­ten und schlossen sich dicht, wie die eines Klosters, um das eigentliche Gebäude, das steif in Bauart und Form wie aus Granit gemeißelt drei hochaufsteigende Thürme mit spitzen Spindeln zeigte. Der mittlere der Thürme war von einer Höhe, wie man sie nur bei Kirchen gewohnt ist. Mehrere Bal­kons mit niederem Steingeländer führten um denselben. Die unterste dieser Altanen war mit dem Dache des Schlosses angebracht, die oberste dagegen schwebte in schwindeln­der, kaum zu erreichender Höhe. Die bei­den Seitenthürme waren ungleich niedriger:

in dem zur Rechten brannte in dunklen Näch­ten die Kienfackel, müden Seefahrern zum Führer. Der Thurm zur Linken war durch ein zerstörendes Ereigniß, welches, seltsam genug, das Schloß außerdem völlig geschont hatte, beinahe zur Ruine umgestaltet. Die Mauernischen der Fenster waren zerbrochen, bie. Steine der Dächer gelöst, die Treppen­stufen auseinander gerissen. Die Facade des Gebäudes zeigte eine regelmäßige Reihe Bogenfenster, mit Schnitzarbeit und Stucca- tur überladen. Vor dem Portale lagen zwei riesenhafte, aus Stein gehaime Löwen, deren linken Tatzen auf einer Lilie, dem Wappen Frankreich's, ruhten. Auf dem mit Steingetäfel belegten Hof sah man auf roh gearbeitetem Piedestal eine Reiterstatue Karl's des Großen. Die rohen Formen der unschönen gigantenhaft großen Statue waren im Laufe der Jahrhunderte mit Moo­sen und Schlingpflanzen überwuchert, wie denn überhaupt die Waldungen und Berge, die sich oberhalb der Schloßmaner anschlos­sen, den Reichthum einer üppigen, wenn gleich wilden und ungeregelten Vegetation bargen.

~ Ein Nachkomme König Rollo's hatte das Schloß mit feinen reichen Ländereien, als ächt königliches Geschenk, den Lohit für bie Tapferkeit eines iran;üiiirfi,'H ßtn-ifpn