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Freitag, den 8. December 1882.

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Deutsches Reich.

* Berlin, 6. Dec. Von Koblenz schreibt man: „Die Kaiserin wird am Donners­tag, den 7. d. ihren hiesigen Aufenthalt be­enden. Wenn auch die Bewegungsfähigkeit der hohen Frau durch das andauernd fort­gesetzte Heilverfahren noch nicht völlig wie­derhergestellt ist, so wird doch die außer­ordentliche Frische und das treffliche Allge- nieinbefinden der Kaiserin mit Freuden benierkt. Ihre Majestät hat während ihres diesjährigen Herbstaufenthalts aufs neue das regste Interesse und die volle Theilnahme an der schwer heimgesuchten Provinz be­wiesen und sich von dem durch die Ueber- schwemmung in unserer Stadt herrschenden Nothstande durch eigene Anschauung zu über­zeugen wi derholt Gelegenheit genommen.

— In der heutigen (14.) Sitzung des Hauses der Abgeordneten zeigte der Präsident den Eingang eines Gesetzentwurfs, betreffend die Hundesteuer an. Hierauf wurde die zweite Berathung des Etats fort­gesetzt, und zwar bei den einmaligen und außerordentlichen Ausgaben .des Etats, des Ministeriums des Innern. Der Berichter­statter Abg. Kieschke empfahl im Namen der Budgetcommission die unveränderte An­nahme der Titel 1 bis 7, Reparaturen rc. am Ministerial - Dienstgebäude betreffend (11,500 Mk.) Daraus nahm der Abg. Dr. R e i ch e n s p e r g e r(Köln) Veranlassung, fich über die f?hlsrhafte Anlage des Ministeri­algebäudes zu verbreiten und bei ähnlichen Gelegenheiten größere Vorsicht zu empfehlen. Redner beantragte schließlich folgende Re­solution:

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Oswin Conrror.

Eine Erzählung aus dem Volksleben Irlands. Aus dem Englischen des Charles Lever, frei übersetzt von Alice Salzbrunn.

(Schluß.)

„Ihr sollt wieder in Euer Haus auf dem Berge ziehen, Oswin, ich will Euch Eure Farm durch einen gerichtlichen Act schenken und Ihr werdet so glücklich wie früher sein," sagte der junge Mann, „das Gesetz muß diejenigen strafen, welche es übertreten, und Niemand wird das Gesetz mehr aufrecht halten als ich; aber ich will auch versuchen, ob die Widersetzlichkeit nicht durch Güte und gerechte Handlungsweise vernich­tet wird, ob die Männer nicht lernen kön­nen, daß sogar in der Noth die Uebertre- tung der Gebote Gottes weder Frieden noch Glück bringt."

Die Ausübung des Gesetzes, unterstützt durch die Kraft und Entschlossenheit des furchtlosen, anwesenden Gutsherrn unter­drückte endlich die Empörung und verbannte die Urheber derselben. Das Zeugniß des Gavan Daly, dessen Verrath richtig ver- muthet worden war, überführte mehrere An­führer ihrer Schuld und sie erhielten die schwere Strafe für ihre Ver rechen. Die

Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen, unter Bewilligung der in Ansatz gebrachten 11,500 Mk., die Erwartung auszusprechen, daß durch eine von Seiten der Königlichen Staatsregierung zu veranlassende Untersuchung ermittelt werde, ob nicht in Betreff jenes Betrages oder eines Theiles desselben ein Regreßanspruch begründet ist, und daß von den Ergebnissen der Untersuchung dem Abgeordnetenhause demnächst Mittheilung gemacht werde.

Der Abg. Frhr. von H e e r e m a n n theilte den Wunsch auf Untersuchung, widersprach aber dem Regreßanspruch, weil die Schuld wohl nicht den Baumeister treffe, sondern in der Anlage des Planes begründet sei. Die Abgg. Graf von Limburg-Stirum und Dr. Hammacher schlossen sich der Resolution durchweg an. Der Abg. Metz- ner glaubte, daß man diestm Uebelstande im Bauwesen durch eine Beseitigung des amtlichen Submissionswesens entgegentreten könne. Der Vice-Präsident des Staats-Ministeriums von Puttkamer bestätigte die fehlerhafte Bauanlage des Dienstgebäudes, dessen Einrichtung eine zum Theil lebensgefährliche sei, trat aber der Resolution Reichensperger, insofern die Re­greßpflicht gefordert würde, entgegen und glaubte in seiner Eigenschaft als Abgeord­neter nur den ersten Theil derselben empfehlen zu dürfen. DieResolution wurde jedoch in beiden Theilen mit sehr großerMajorität angenominen. Auf den Antrag der Commission werden die Titel 8, 9, 10 und 11, welche für die Ge­fängnisse in Kempen, Saarburg, Greven­broich und Braunfels entsprechende Summen fordern, ohne Discussion abgelehnt. Damit war der Etat des Ministeriums des Innern erledigt. Es folgte die Berathung des Etats Thatsache, daß ein Verräther sich unter ihnen gefunden hatte, wirkte noch inehr zur Aufhebung des bösen Bundes als alle Schrecken des Gesetzes. Es dauerte lange, ehe Frieden und Glück ihre Segnungen im Lande aus­breiteten. Gegenseitiges Mißtrauen, die Er­innerung an einen verlorenen Freund und die traurige Ueberzeugung von der eigenen Missethat verdunkelte manchen Tag und er­schwerten manches Leben mehr als früher die Leiden der Armuth.

Jedoch kam eine bessere Zeit. An einem schönen, frühlingswarmen Tage glänzten der See und die Berge im Sonnenschein; die Felder versprachen ein fruchtbares Jahr, der junge Weizen grünte schon, Gesang ertönte auf dem frischgepflügten Acker; die elenden Höhlen waren verschwunden, blaue Rauch­wolken stiegen aus mancher Hütte, deren weißgetünchte Mauern von einem säubern Gärtchen umgeben in der Sonne glänzten.

Auf dem gewundenen Bergpfad, dessen Zickzack vom See hinauf zu Oswin's Farm­haus führte, erschien ein Zug fröhlicher Gäste. Einige rourxn in Sänften auf starken Män­nerschultern g :t-~gen, andere ritten auf Eseln, aber die meisten gingen zu Fuß oder viel­mehr sie erkletterten den Weg und in ihrer Eile verließen sie oft den engen Pfad und klommen auf der mit Farrenkraut überwach-

der Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung. Der Abg. Dr. H a m m a ch e r machte auf die Wassercalamität am Rhein aufmerksam und theilte mit, daß die Privatbergbesitzer am Niederrhein durch unentgeltliche Hergabe von Brennmaterial dem Nebel möglichst abzuhel­fen suchten. Redner bat die Verwaltung, auch ihrerseits durch unentgeltliche oder wenigstens möglichst billige Ueberlassung von Kohlen jenem Beispiel zu folgen. Der Minister Maybach sagt unentgeltliche Ueberlassung von Kohlen zu. Abg. R u m p f f lenkt die Aufmerksamkeit auf den Wagen­mangel an der Ruhr hin. Maybach gibt einen solchen zu, der Wagenmangel sei aber sehr gering, er werde vor den Landtag mit einer größeren Forderung behufs Neuan­schaffung von Wagenmaterial treten. Nächste Sitzung Dienstag.

— Die bereits angekündigte Interpel­lation der Centrumsfraction des Reichstages hat folgenden Wortlaut:

„Anfrage. Am 18. Januar dieses Jahres hat der Reichstag einen Gesetzentwurf, betr. die Aufhebung des Gesetzes über die Ver­hinderung der unbefugten Ausübung von Kirchenämtern vom 4. Mai 1874 die ver­fassungsmäßige Zustimmung zu ertheilen be­schlossen. Nach der Uebersicht der vom Bundesrathe gefaßten Entschließungen auf Beschlüsse des Reichstages aus der ersten Session der 5. Legislaturperiode hat der Bundesrath diesen Gesetzentwurf dem zu­ständigen Ausschüsse überwiesen. Ich erlaube mir an den Herrn Reichskanzler die Anfrage zu stellen: 1) hat der Ausschuß des Bun­desraths seinen Bericht erstattet und hat der feiten Bergseite. Die im Winde flatternden feuerroten Mäntel der Frauen und ihre weißen Hauben erhöhten den Glanz des Bil­des, welches wenn die Gruppen ans einer Vertiefung hervorkamen und wieder ver­schwanden, ganz einem großartigen Panorama glich. Nicht nur das Auge freute sich an dem Schauspiel, sondern sogar unten im Thal konnte man das fröhliche Lachen und den Jubel aus glücklichen Herzen hören, während dem Zuge voran ein Dudelsackpfeifer auf einem Esel ritt, der von einem Knaben geführt wurde; seine erheiternden Töne wur­den auf den ebenen Stellen des Berges von Tanzlustigen benutzt, welche „so gute Musik" nicht verlieren wollten.

Hürrahrufe und winkende Taschentücher der im Thal Zurückbleioenden begrüßten be­sonders eine Gruppe in diesem dichten Zuge. Es waren einige Männer und ein junges Mädchen; ihre Bergpony's und ihre bessere Kleidung unterschieden sie von den Uebrigen; unter ihnen ritt ein junger Gutsherr, seine hauptsächliche Aufmerksamkeit galt nicht sei­nem Pony, sondern er lenkte sorgfältig den des neben ihm reitenden Landmädchens. Sie war in einen langen, dunkelblauen Tuchman- tel gehüllt, darunter trug sie ein weißes Kleid; auch ein weißes Band flatterte in ihrem Haar, aber in ihren frohen Zügen und