M 281.
Mittwoch, den 6. December 1882.
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* Wider die Hetzer.
(Ein Wort aus dem Volke an das Volk.)
„Ein Volk, das seine Ehre nicht wahr- nimmt in allen Fällen, die seinem Urtheil unterliegen, hat keinen Adel der Gesinnung; und wer Knechtssinn hegt und sich alles gefallen läßt, darf sich nicht beklagen, wenn er als Knecht behandelt und ihm alles geboten wird." Also rief Joseph Görres, einer der edelsten Vorkämpfer für bürgerliche und religiöse Freiheit, einst dem deutschen Volke zu, als er in der Zeitschrift ,Der Katholik' wider protestantische Hetzer seiner Zeit in die Schranken trat. Jene Stimme, die, wie Görres von sich selbst sagen durfte, stets „einen guten Klang hatte im Vaterlande", sie klingt heute im Ohr „der spätern Enkel" wider, da auch in unserer Zeit Fanatismus und religiöse Unduldsamkeit auf protestantischer Seite ihr Haupt erheben und die Brandfackel religiösen Haders in die ohnehin von schweren inner» Kämpfen zerrissene deutsche Nation von neuem hineinschleudern. Und das deutsche Volk, wenn ihm seine eigene Wohlfahrt am Herzen liegt, hat in der That allen Grund, jene Stimme zu hören und sich einer Strömung entgegen zu stemmen, welche die unheilvollen Zustände der schmachvollsten Zeit deutscher Vergangenheit wieder heraufzubeschwören droht. Oder wie anders könnten die Hetzpredigten protestantischer Pastoren, die in letzter Zeit bald hier bald dort zum Kampf gegen Rom aufrufen, aufgefaßt werden, denn als systematische Aufreizungen der deutschen Protestanten gegen ihrer Mitbürger katho-
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Oswin Connor.
Eine Erzählung aus dem Volksleben Irlands. Aus dem Englischen des Charles Lever, frei übersetzt von Alice Salz.brunn.
(Fortsetzung.)
Vor dem Sturm Schutz suchend, saß er eine Weile dort; endlich fühlte er sich unfähig, die durchdringende Kälte länger zu ertragen und beschloß, mit den Ueberresten der alten Fensterladen ein Feuer anzumachen. Er zündete etwas Pulver an und sah bald die trockenen Holzstücke in hellem Brand. Sich umsehend entdeckte er einige Torfstücke und trockenen Ginster zur Vervollständigung des Feuers, dessen Wärme ihm wohlthat. Er hielt seine erstarrten Finger darüber und entblößte seine Brust vor der Gluth. Der plötzliche Uebergang aus der kalten Nachtlust in die geheizte Hütte machte ihn schläfrig. Er schritt auf und ab, setzte sich wieder dem kalten Windstoß an der Thüre aus, um dem Schlaf zu widerstehen; aber gerade die gespannte Erwartung, die gewaltsame Concentirung aller Gemüthskräfte führten die äußerste Ermüdung und den Schlaf herbei. Er sank auf die Bank neben dem Herde und schlief ruhig. Die erschöpfte Natur.verlangte ihr Recht, er athmete sanft wie ein Kind. Nachdem der höchste Grad
lischer Confession? Ausgegangen von Berlin zieht die Bewegung immer weitere Kreise, und die jüngsten Herzensergüsse eines protestantischen rheinischen Pfarrers beweisen, daß es innerhalb der protestantischen Geistlichkeit in Deutschland Elemente gibt, welche bereit sind, den Krieg gegen den Katholicis- mus zu führen bis auf's Messer. Die Art, wie dieser Kampf begonnen wird, läßt jeden Mann von Einsicht vor den unausbleiblichen Folgen desselben erschrecken. Nicht etwa durch Klarstellung der Gegensätze in Lehre und Glauben der beiden Kirchen, nicht etwa mit Gründen, wie die Ueberzeugung aus Glauben und Wissenschaft sie bieten, fechten diese Kämpen: ihre Waffen sind die Lüge aus historischem, die Phrase auf theologischem Gebiet, und ihr nächstes Ziel ist die Vergewaltigung des selbstständigen Denkens, die Vergewaltigung der Ueberzeugung und des Billigkeitsgefühls der protestantischen Massen. Hat die Menge erst das Gift des Fanatismus in vollen! Maße in sich ausgenommen, ist sie erst von blindem Haß gegen alles Katholische recht erfüllt, so gedenken die Feldherrn mit diesen Kerntruppen Rom zu bekriegen, „bis daß es untergeht". Schöne Aussichten für die katholische Kirche in Deutschland, die nun volle zehn Jahre unter dem Druck des Culturkampfes seufzt, wenn diese Hetzer ihr Werk vollbringen und ihre Werte zur That machen könnten! Dürfen wir nun auch als Katholiken unserm Gott vertrauen, der seiner Kirche verheißen hat, „die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen", daß er seine Heilsanstalt auf Erden schirmen wird mit göttlicher Hand, der Ermüdung vorüber, beschäftigten ihn mannichfache Traumbilder; er sah sich in längstoergessener, kindlicher Fröhlichkeit; er träumte vom Bergsee, wo er so oft die weiten Kreise der springenden Forelle beobachtet, oder das Schwimmen des wilden Wasserhuhnes mit heiterein Blicke verfolgt hatte. Dann hob sich plötzlich seine Brust in starker Aufregung, denn blitzschnell veränderte sich sein Gedankengang, er stand im tollen Lärm eines Parteikampfes; lautes Hurrahrufen, das Schlagen der Stöcke, Schmerzensschreie, Verwünschungen und Drohungen klangen in sein Ohr, bis eine Gestalt sich seinem erstaunten Blick zeigte; sie kam ihm langsam entgegen, ein süßes Lächeln schwebte auf ihren Lippen, Liebe strahlte aus ihren langbewimperten, dunklen Augen, sie flüsterte seinen Namen; und nun schlief er mit tiefen Athemzügen und seine zitternden Lippen wiederholten: „Maria! Maria!" Ein anderes traurigeres Bild kam. Er war auf den Bergen, inmitten einer großen Versammlung wildaussehender, verstörter Männer, deren heftige Sprache und Geberden zu ihren verwegenen Mienen paßten. Ein lauter Willkoinmruf begrüßte ihn: „Oswin Connor ist endlich hier!" und hundert Hände wurden nach seiner Rechten ausgestreckt, aber plötzlich zurückgezogen, weil die
so haben wir als Staatsbürger die Pflicht, zu kämpfen gegen die Bestrebungen jener Hetzer, im Interesse des bürgerlichen Friedens. Und da ergeht, schreibt die ,Köln. Volksztg.' unser Ruf an alle Männer von Ehre und patriotischer Gesinnung in Deutschland, welcher Confession immer sie angehören mögen: auf den Plan gegen die Störer des confessionellen Friedens! Das deutsche Volk bedarf der Ruhe zu friedlichem Ausbau seiner innern Zustände, es bedarf ihrer zur Heilung der schweren Wunden, die der Culturkampf und eine unheilvolle Wirthschaftspolitik ihm geschlagen. Wer deutsch denkt und deutsch fühlt, der dulde nicht, daß Haß und Zwietracht in die Nation gesäet werde um der Verschiedenheit der religiösen Ueberzeugung willen ! Es ist des Mannes Ehre, andere Ueberzeugungen zu achten, wie er Achtung vor seiner eigenen verlangt, und die Ehre des Einzelnen ist die Ehre der Nation. Wir Alle sindKöhne Eines Stammes, Glieder eines großen politischen Gemeinwesens, das nach Außen ehrenvoll und mächtig da steht; wir Alle sind berufen, nach unfern Kräften mitzuarbeiten am. Wohle gemeinsamen Vaterlandes Noch ist der Kampf nicht erloschen, der ein Jahrzehnt lang das Bild wüster Parteileidenschaft in Deutschland entrollt hielt, und wir sollten zugeben, daß blinde Sectenwuth den Spalt unheilbar mache, der inmitten unseres Volkes klafft? Nimmermehr! Hier muß alle Phrase schweigen. Wer besonnen denkt, der nehme Stellung gegen die bekla- genswerthen Vorgänge der letzten Monate und sage frank und offen, daß er das wüste
Verschworenen sahen, daß er seine Hände nicht mit Blut befleckt. Er schauderte, als er auf ihre bluttriefenden Finger blickte, aber er schauderte noch mehr, als sie ihn Feigling nannten. Was er antwortete, wußte er nicht; in einem Augenblick hatten sie ihn umringt, starke Arme hielten rhn umfaßt — und jetzt strömte Blut von seinen Händen, von seinen Wangen und seinen Kleidern; er versuchte die nassen Flecke wegzu- wischen, aber es klebte seine Finger zusammen, seine Füße platschten im rothen Strom, seine tollen Kameraden lachten wild über seine Anstrengungen und höhnten ihm.
„Wer bin ich, daß ihr mich so gefangen haltet?" rief er, und eine Stimme in der Tiefe seines Herzens antwortete: „Ein Mörder!" Der kalte Schweiß rannte in großen Tropfen über seine Stirn, während der Schaum der Todesangst seine bleichen Lippen befeuchtete und sein Körper krampfhaft zitterte. Verwirrte, fürchterliche Bilder des Mordes und seiner Strafe, Verbrechen und Schaffst stiegen auf. Der greise Pater Johannes klagte: „Ach, daß du zur rechten Zeit umgekehrt wärest!" Ec hörte nahende Schritte, als ob Tausende herbeieilten, um ihn sterben zu sehen, und viele Stimmen rauschten, wie das Meer um Mitternacht. (Forts.folgt.)