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Dienstag den 28. November 1882.

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H^Die katholische Kirche und die akatholische Ehe.

Es wird nicht ausbleiben, daß die „Li­beralen" im Abgeordnetenhause die gemisch­ten Ehen bald aufs Tapet bringen werden. Sie hoffen jedenfalls so dem Centruin und mit diesem der katholischen Kirche einen scharfen Hieb versetzen zu können, wenigstens ist der Lärm groß genug gewesen, welchen die Blätter dieser Partei bei Veranlassung des bekannten Erlasses des Fürstbischofs von Breslau gemacht haben. Uin nun unsere Leser von vornherein in den Stand zu setzen, sich über die Grundsätze der Kirche bezüg­lich der Ehe und über die praktische Hand­habung dieser Principien und deren Folger­ungen zu orientiren, bringen wir aus den ,Laacher Stimmen' aus der Feder des ge­lehrten Pater Lehmkuhl folgende Artikel, welche in der That an Gründlichkeit und Klarheit nichts zu wünschen übrig lassen.

Es ist als eine unerträgliche Anmaßung der kath. Kirche hingestellt worden, welche den ganzen Zorn des Protestantismus wach­rufen müßte, daß sie es wagt, gewisse Ehe­bestimmungen zu treffen und zu glauben, es könnten davon unter Umständen auch pro­testantische Ehen berührt werden. Daß die kirchlichen Lehren wie in andern Punkten, so auch in Ehesachen, den Zorn desjenigen wachrufen müssen, welcher der Wahrheit widerstrebt, geben wir zu; daß dieselben aber auch einen wissentlich wahrheitslieben­den Protestanten in Harnisch bringen sollten, können wir nie und nimmer annehmen. Die kath. Kirche ist vom Bewußtsein beseelt, die

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Oswin Connor.

Eine Erzählung aus dem Volksleben Irlands. Aus dem Englischen des Charles Lever, frei übersetzt von Alice Salzbrunn.

(Fortsetzung.)

Der alte Lorenz hatte diese Berichte oft gehört, er kannte Oswiists Kühnheit und heftige Gemüthsart, wußte, wie leicht er zum Werkzeug Anderer wurde, wenn sich ihm irgend ein ungewöhnliches Wagniß dar­bot; daher bekümmerten den guten Alten die voraussichtlichen Folgen der Ausstoßung des braven Burschen aus seiner Farm, und er empfing ihn mit einem Klagegeschrei, auf welches Oswin nicht vorbereitet war. Die Erzählung von dem Aufruhr und Blutver­gießen erschütterte Oswin, aber dann fühlte er doch eine wilde Freude bei dem Gedanken an den Schrecken, welchen diese nächtlichen Plünderer in den Herzen der Reichen und Mächtigen verursachten. Das ihm zuge­fügte Unrecht hatte tief in seinem Innern gezündet, und er blieb kein unparteiischer Zuhörer, sondern hegte unbewußt manche Sympathien mit den Empörern. Ob­gleich er müde und erschöpft war, verbannten die aufregenden Nachrichten den Schlaf aus feinen Augen. Bevor er sich gegen Tages»

einzige von Christus gestiftete Kirche zu sein, und durch rechtmäßige Nachfolge der Amts­träger im Vollbesitz jener Gewalt und Auc- torität sich zu befinden, welche Christus selbst den Aposteln übertragen hat; sie ist sich be­wußt, allein als rechtmäßige Hüterin und Verkünderin der göttlichen Offenbarungen und als Spenderin der göttlichen Heils­mittel dazustehen. Darum kann sie nicht umhin, alle Menschen auf der ganzen Welt aufzufordern, und an die Pflicht zu mahnen, sich ihr anzuschließen, unter Wiederholung der Worte Christi: „Wer euch hört, hört mich, und wer euch verachtet, verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, welcher mich gesandt hat." Den Be­weis ihrer alleinigen göttlichen Sendung und das von Gottes Hand in die Weltge­schichte hineingeschriebene und besiegelte Do- cument breitet sich vor Aller Augen aus. Wer sich die Mühe nicht nimmt, dasselbe einzusehen und auf seine Echtheit zu prüfen, oder wer mit offenen Augen die unbequeme Wahrheit nicht sehen will: der mag der Kirche den. Vorwurf der Anmaßung machen— ein Recht, gehört zu werden , hat er nicht. Aus dem Bewußtsein der Alleinberechtigung vor Gott und der Allgewalt in Sachen der geoffenbarten Religion, für welche die Kirche, das heißt alle ihre echten Kinder, wenn es sein muß, selbst unter das Henkersbeil sich zu beugen bereit sind, folgt mit unerbitt­licher Nothwendigkeit, daß die kath. Kirche sich das Recht zuschreibt, die göttlich ver­ordneten Gesetze, auch die Verordnungen über die Ehe, zu verkünden und zu erklären. Mag davon wer immer betroffen werden, anbruch auf dem Heulager ausstreckte, bat er Lorenz, ihn ein paar Tage in der Hütte verborgen zu halten und keinem der Nachbaren seine Ankunft mitzutheilen. In Wahrheit schrack er zurück vor der Noth­wendigkeit, seine Braut und seine Feunde von dem Fehlschlagen seiner Reise nach London in Kenntniß zu setzen; er hatte noch keinen Plan für seine Zukunft und wollte jetzt nur einen Zeitaufschub.

Den ganzen Tag blieb er in der kleinen Hütte, und als der Abend kani, wagte er sich hinaus, um frische Luft zu schöpfen und seine steifen Glieder zu bewegen. Sein erster Wunsch trieb ihn in die Nähe von Philipp Jnyce's Hause; er wollte ungesehen am Fenster stehen und hineinblicken. Es war ein finsterer, wolkenschwerer Abend, wie er im westlichen Klima auf einen Regen­tag folgt und die kalte, feuchte Atmosphäre niederdrückend macht. Todtenstille herrschte überall; die Dunkelheit und die Oede stinimten zuni betrübten Zustand seiner Seele. Er ging langsam und mit gesenktem Haupte. Endlich sah er die Lichter unbestimmt im Nebel schimmern und öffnete die kleine Thür der Hecke von Philipp Joyce's Garten. Das schnelle Bellen eines Hundes folgte seinem Eintritt, Oswin rief leise den Hund, welcher sein alter Freund war und beruhigte

er kann über die Kirche nicht Klage führen; er mag, wenn er gottlos genug ist, Gott selbst anklagen, der dafür hielt, die sittliche Ordnung und das Gesammtwohl der Mensch­heit sei über die Launen und die Leiden­schaft des niederen Theiles der Menschheit zu stellen. Daher verkündet die Kirche vor aller Welt die Einheit der Ehe und die Unauflöslichkeit der Ehe. Es genügt, an den durch den „Syllabus" verurtheilten Satz (67) zu erinnern: „Nach dem na­türlichen Sittengesetz ist das Eheband nicht unauflöslich, und in verschiedenen Fällen kann eine eigentliche Ehescheidung durch die bürgerliche Auctorität festgesetzt werben."

Mit welcher zähen Festigkeit die Kirche an diesen Sätzen stets festhält, zeigt deutlich genug die Geschichte. Man denke nur an Heinrich VIII. von England und an den Prinzen Hieronymus, den Bruder Napoleons 1. Die Kirche zog es das eine Mal vor, eher die Wuthausbrüche eines lüsternen Tyrannen über sich ergehen und ein ganzes Reich von sich, wie ein Glied vom eigenen Leibe, abschneiden zu lassen, als an der Wahrheit zur Verrätheriu zu werden. Und in dem anderen Falle trat sie mit derselben Entschiedenheit für die Heiligkeit einer Misch­ehe ein, indem sie auch diese, anscheinend gegen ihren eigenen Vortheil, dem neuen Cäsar gegenüber aufrecht erhielt, selbst auf die Gefahr hin, daß zu ihrem eigenen höch­sten Leidwesen etwa halb Europa in ein Zwangsschisma gestoßen würde.

Die Gesetze der Einheit und Unauflöslich­keit der Ehe, welche die Kirche proelamiit, treffen nicht nur die Ehen der Katholiken, ihn. Dann schlich er an das Fenster; die Läden waren geschlossen, aber eine Spalte zeigte ihm das ganze Zimmer. Neben dem Kamin sah er Maria, seine Maria, als er zuletzt von ihr schied. Sie saß am Spinn­rad, aber sie war nicht mit der Ar­beit beschäftigt, sondern horchte auf ein Geräusch von außen. Philipp stand eben­falls in gestaunt horchender Stellung und hielt eine Flinte kampfbereit in bet Haub. Ein etwa achtzehnjähriger Knecht an seiner Seite war mit einer Pistole bewaffnet unb seine Züge verriethen unverkennbare Angst. Der kleine Patrick schmiegte sich an Maria, seine Hänbchen hatten ihren Arm fest um­klammert. Sie stauben wie bezaubert ba. Augenscheinlich hatte sie bas Bellen bes Hun- bes erschreckt, sie vermutheten Einbringlinge, unb als Maria zu sprechen beginnen wollte, gebot ihr ein schneller Wink ihres Brubers Stillschweigen. Welche Geschichte offenbarte diese Gruppe dem lauschenden Oswin! Vor wenigen Monaten hatten die Einwohner die­ses Hauses nicht gewußt, ob die Hausthüre Nachts zugeklingt war; der Gedanke an einen Anfall ober an eine Gefahr kam nicht in ihren Sinn. Die fürstlichen Bewohner eines Schlosses fühlten sich weniger sicher in ihrer Nachtruhe als diese Bauern, unb jetzt brachte jeder Abend eine Erneuerung ihrer Furcht.