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Sonntag, den 26. November 1882.

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Oswin Connor.

Eine Erzählung aus dem Volksleben Irlands Aus dem Englischen des Charles Lever, frei übersetzt von Alice Salzbrunn.

(Fortsetzung.)

„Armer Lorenz! Ich störe dich ungern," » sagte Oswin, indem er an das Weidenge­

flecht klopfte, welches als Thüre diente, aber die kalte Nachtluft und seine müden Füße trieben ihn zum Obdach und er rief:

„Lorenz, Lorenz Daly! Oeffne mir! Ich bin Oswin Connor!"

Der alte Mann war bald erweckt und humpelte trotz seiner Gebrechlichkeit eilig zur Thüre:

„O weh! Das ist entsetzlich! Oswin, mein Sohn!" rief er in irischer Sprache. „Ich hoffte dich nie wiederzusehen! Mein lieber Junge!"

„Lorenz, du hättest mich lieber nicht wiedergesehen? Das ist ein seltsamer Empfang ? für einen Mann, welcher zu seinen Lands-

e i leuten zurückkehrt."

- | „Ja, aber es ist wahr. Gott steh' uns

c ' i bei! Es ist ein böses Geschick."

x „Was meinst du, Lorenz? Habe ich je

meinen Namen geschändet, daß ich hier nicht zurückkehren durste?"

„Du hast nichts Unrechtes gethan, aber man hat dir viel Böses zugefügt. O, es ist ein Unglückstag, der dich heimführte!"

Es dauerte eine Weile, ehe Oswin den alten Mann bewegen konnte, seinen Kummer zu mäßigen und die in Oswin's Abwesen­heit vorgekommenen Ereigniffe zu erzählen.

Bald nach Oswin's Abreise waren Un­ruhen in Irland ausgebrochen. Man hörte von Einbrüchen in herrschaftliche Häuser, wo Männer mit geschwärzten Gesichtern und verschiedener Verkleidung Waffen suchten und raubten. Mehrere in benachbarten Orten wohnende Gutsbesitzer erhielten Briefe, in denen man ihr Leben bedrohte, wenn sie nicht gewisse Bedingungen sogleich erfüllen würden; dieselben bestanden entweder in der Dienstentlassung gewisser schädlicher Indivi­duen, oder in der Zurückstellung eines Acker­stückes an den früheren Pächter. Schreck­liche Drohungen wurden öffentlich ange­schlagen gegen alle diejenigen, welche eine Farm, bereit Besitzer ausgestoßen sei, in Pacht nehmen würden. Das Landesgesetz schien vernichtet; die Gerechtigkeit schien vor Schrecken gelähmt durch die Handlungen einer mächtigen und weitverbreiteten Bauern­verschwörung. Die Magistratsherren ver­sammelten sich zur Berathschlagung, und der einzige, welcher ein kühnes thatkräftiges

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Deutsches Reich.

* Berlin, 24. Nov. Der Kaiser ist um l3/4 Uhr mit den Prinzen Wilhelm und Friedrich Carl nach Springe abgereist. — Botschafter v. Schmeinitz begab sich heute Vormittag nach Varzin.

— Die Kaiserin ist gestern Abend 53/4 Uhr mittelst Separatzuges in Coblenz eingetroffen.

— Der neugeborene Urenkel des Kaisers, Sohn des schwedischen Kronprinzenpaares, wird morgen in Stockholm getauft.

— Der Gouverneur von Berlin, General F r a n s e ck y, ist unter Verleihung des Schwarzen Adlcrordens in Brillanten zur Disposition gestellt, General Willis en ist zum Gouverneur Berlins ernannt worden.

— A b geordnetenhaus. (6. Sitz.) In der Fortsetzung der Debatte über die Verordnung betreffenddieLauenburgische Kreisverfassung sprachen Meyer (Arnswalde), Gneist, der in längerer staatsrechtlicher Ausführung sich gegen die Verordnung aussprach, Windthorst und Hänel. Bei der Abstimmung wird be­schlossen, die Verordnung an eine Commission zu verweisen. Für die Commission stimmte die ganze Linke und das Centrum (bis auf 10 Mitglieder) geschlossen. Beide confer» vätive Fraetioneu votirten dagegen. Die nächste Sitzung findet morgen statt. Tages­ordnung : Zweite Berathung des Etats.

— In Bundesrathskreisen ist von der Vorlage einer Erhöhung des Holzzolles noch nichts bekannt. Dagegen wird dort auch den vorn preußischen Justizminister im Ab­geordnetenhause abgegebenen Erklärungen ge­

mäß eine Novelle wegen weiterer Ermäßig­ung der Gerichtskosten erwartet.

— Unter dem Vorsitze des Staats-Mi­nisters von Boetticher wurde am 23. Novem­ber eine Plenarsitzung des Bundesraths abgehalten. Die Vorlagen, betreffend die Zulassung österreichischen Viehs zu der im Laufe des Jahres 1883 in Hamburg statt­findenden internationalen landwirthschaft- lichen Thierausstellung, die Ermittelung des zollpflichtigen Gewichts von in ganzen Eisen­bahnwagenladungen eingehenden Massen­gütern, und wegen Aufnahme der Degras- fabriken in das Verzeichniß der einer be­sonderen Genehmigung bedürfenden Anlagen wurden den zuständigen Ausschüssen zur Vor- berathung überwiesen. Der Antrag Preußens, die fernere Anwendung des §. 28 des Ge­setzes gegen die gemeingefährlichen Bestre­bungen der Socialdemokratie auf die Dauer eines Jahres für Berlin und Umgegend zu genehmigen, erhielt die Zustimmung der Versammlung. Dieselbe genehmigte gemäß den Anträgen der Ausschüsse die für 1883/84 und für 1884/85 vorliegenden Entwürfe der nachstehenden Etats: des Reichs-Jnva- lidenfonds, der Einnahmen des Reichs an Stempelabgaben, der Reichs-Post- und Te- legraphen-Verwaltung, der Verwaltung der Eisenbahnen, der Reichs - Justizverwaltung, des Reichskanzlers und der Reichskanzlei und endlich der Reichsdruckerei. Der Aus­schußantrag, betreffend den Besoldungs- und Pensions-Etat der Neichsbankbeamten für 1883, fand die Zustimmung der Versamm­lung. Dem Anträge Badens, betreffend die Aussuhrvergütung für Zucker in

Stangen oder Würfeln, und dem Vorschläge des Kaiserlichen Statthalters in Elsaß- Lothringen, betreffend die Abfertigung von Leinengarn und Leinenwaaren durch die kaiserlichen Nebenzollämter I. zu Altmünsterol und Basel und durch das kaiserliche Haupt­zollamt zu Diedenhofen, wurde Folge gegeben. Mit den Anträgen der Ausschüsse, betreffend die Verwiegungs-Einrichtungen in den Rüben­zuckerfabriken und wegen der Ausfuhrver­gütung für Tabak und Tabakfabricate, er­klärte sich die Versammlung einverstanden. Eine Eingabe, betreffend die Zolltarifirung doppelseitig gewirkter Tücher, eine Beschwerde über Doppelbesteuerung im Königreich Sach­sen und endlich ein gegen die Versetzung in den Ruhestand erhobenes Recursgesuch wur­den zurückgewiesen. Nachdem der Vorsitzende mitgetheilt hatte, daß mehrere Eingaben den Ausschüssen auf Grund früherer Beschlüsse überwiesen worden seien, faßte die Versamm­lung schließlich Beschluß über die geschäft­liche Behandlung einer Privateingabe.

Rußland.

* Petersburg, 24. Nov. Wie der .Regierungsanzeiger' meldet, fanden an der Petersburger Universität, wo schon im An­fang October große Aufregung bemerkbar war, am 22. November Unruhen statt. Die Anstifter forderten durch hectographirte Cir­culare zu Massenversammlungen auf, um eine Sympathie-Erklärung für die Studenten der geschlossenen Universität Kasan aus­zudrücken und gegen die Maßnahmen der Vorgesetzten zu protestiren. Der Curator requirirte die Polizei und es wurden hundert Studenten arretirt, vierzehn Hauptaufhetzer

Vorgehen vorzuschlagen wagte, wurde auf dem Heimwege ermordet. Unterdessen schien Mr. Lucas, dessen strenges Eintreiben aller Schulden große Erbitterung errregt hatte, entschlossen, seine Maßregeln trotz aller Ge­fahr durchzuführen. Durche die Behörde wurde ihm eine beträchtliche Anzahl von Polizeibeamten zur Verfügung gestellt, und unter ihrem Schutz ließ er Beschlagnahmen, Pfändungen und Verkäufe vollziehen; viel­leicht hatte gerade die Widersetzlichkeit seine Strenge gesteigert.

Die gerichtlichen Maßregeln zur Unter­drückung der Aufrührer schlugen fehl. Es war schwierig einen Verdächtigen zu ver­haften, noch schwieriger Belastungszeugen gegen ihn zu finden, denn sogar diejenigen, welche nicht zur Verschwörung gehörten, wollten lieber jeden andern Vorwurf tragen, als Angeber werden, und zuletzt konnten keine Geschworenen zum Verdick gefunden werden, weil ihr Leben dabei auf dem Spiele stand. So kam bei Tage der Ad­ministrator, von Schutzmannschaft und Ge­richtsdienern begleitet, ließ pfänden und die Armen aus ihrem Obdach treiben; aber bei Nacht zogen bewaffnete Schaaren durch das Land, steckten die Hütten der Ausgetriebenen in Brand, raubten Waffen aus den Farm­häusern, trotzten dem Gesetz und behaupteten