Jl? 270. Donnerstag, den 23. November 1882.
Fuldaer Ifljl Jeitung.
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* Berlin, 21. R>ov. Heute als dem L2. Geburtstage der Frau Kronprinzessin haben viele Privat- und vffentlrche Gebäude geflaggt.
— Der .Post' zufolge hat der Kaiser den österreichischen Kronprinzen Rudolph zur Hofjagd nach Letzlingen eingeladen und würde der Kronprinz am 30. d. M. in Berlin eintreffen.
CPC. Der in der letzten Sitzung des Herrenhauses angekündigte Entwurf einer Landgüterordnung für die Provinz Brandenburg liegt nunmehr vor. Durch dieselbe soll das für Hannover seit 1874 eingeführte Institut der Höferolle (Landgüterordnung) auch auf die Provinz Brandenburg ausgedehnt werden. Diese Höferolle bezweckt, die bäuerliche Sitte der ungeteilten Verebung des Grundbesitzes in Hebung zu erhalten und zu befestigen. Der Brandenburger Provincial-Landtag hatte eine weiter- greisende Umgestaltung des bestehenden bäuerlichen Erbrechts vorgeschlagen, doch ist die Regierung aus praktischen Gründen darauf nicht eingegangen. Die Hannöver jche Höferrolle ist nunmehr bereits in Westfalen und int Lauenburgischen eingeführt, in Brandenburg soll sie eingeführt werden, und die Provineial-Landtage von Schleswig- Holstein, Sachsen und Schlesien haben sich für die Einführung derselben ausgesprochen. Es ist bekannt, daß sich namentlich Frhr. v. Schorlemer-Alst in der Frage der bäuerlichen Erbfolge große Verdienste erworben. Sein Verdienst speciell ist es, daß int preußischen Abgeordnetenhause die Sache zuerst eingehend erörtert wurde. Man weiß,
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Oswin Connor.
Eine Erzählung aus dem Volksleben Irlands. Aus dem Englischen des Charles Lever, frei übersetzt von Alice Salzbrunn.
(Fortsetzung.)
Während dieser Rede litt Oswin tausend Qualen, wilderregte Gefühle kämpften in seinem Innern.
„Nun wohl, Herr," sagte er endlich seufzend, „mit Gottes Hilfe will ich mein Bestes thun, und was Ew. Gnaden für angemessen halten, will ich zu zahlen suchen. Ich vermuthe, daß ich seit dem letzten März pachtpflichtig bin?"
„Seit dem März! Nein, mein guter Bursche, Ende März wart Ihr die Pacht für drei Jahre schuldig. Was denkt Ihr Euch?"
„Ihr meint sicherlich nicht, daß ich die Pacht zahlen soll, welche der Gutsherr meinem Vater und mir schenkte?" fragte Oswin mit so wildem Blick, daß der Administrator fast erschrack.
„Ich meine genau, was ich sage," antwortete Lueas zornroth über Oswin's kühnen Ton, „ich meine, daß Ihr für drei Jahre und sechs Monate Pacht schuldig seid, und wenn Ihr nicht die Quittung oder das Geld
welchem Widerspruch der verdiente Centrumsabgeordnete anfangs begegnete. Um so erfreulicher wird es für den genannten Herrn fein, daß jetzt feine Anschauungen immer mehr zum Durchbruch kommen.
— Im Bundesrathe wird man jetzt zunächst den Etat feststellen, weil es in der Absicht liegt, dem Reichstage denselben in den ersten Tagen des December zugehen zu lassen. Man geht dabei, laut der ,Nat.- Ztg.', von der wohl einigermaßen kühnen Annahme aus, daß es noch möglich sein werde, denselben in etwa den drei Wochen bis zum Eintritt der Weihnachtsferien fertig zu stellen, weil es nur wenige Punkte sind, in denen der Etat des künftigen Rechnungsjahres von dem des laufenden abweicht, lieber die Frage, ob eine gleichzeitige Einbringung auch des Etats für 1884/85 erfolgen soll, scheint man sich im Bundesrathe erst nach Feststellung des Etats schlüssig machen zu sollen.
— Gestern hat eine Sitzung des Staatsministeriums stattgefunden, in welcher nach Annahm« parlamentarischer Kreise die Vorlage betreffend den Erlaß der vier untersten Stufen der Classensteuer und Deckung des Ausfalles durch eine Besteuerung des Vertriebes von geistigen Getränken und Tabak zur Berathuug gekommen sein dürfte. Man glaubt, die Vorlage werde Ende dieser Woche oder Anfang nächster Woche dem Landtage zugehen.
— Der von der Centrumspartei des Wahlkreises Crefeld gegen die dortige Abgeordnetenwahl erhobene Protest, ein sehr umfangreiches Aetenstück nebst vielen Karten bringt, so werdet Ihr kein halbes Jahr mehr in Euer Farm bleiben."
„Das ist rund abgeschlagen," sagte der Major lachend.
„Das ist rund abgeschlagen," wiederholte Lucas mit Gelächter.
Oswin sah von dem Einen zum Andern, und obwohl er jederzeit einen Spaß verstand, konnte er den Grund zur Heiterkeit in diesem Augenblick nicht begreifen.
„Es gibt viele Birkhühner auf dem Berge, nicht wahr?" fragte der Major, indem er feinen Stock an feinen Stiefel klappte.
In traurige Gedanken versunken beachtete Oswin die an ihn gerichtete Frage nicht.
„Hört Ihr, mein Bursche? Major Lyne- doch fragt, ob es viele Birkhühner auf dem Berge gibt."
„Sagte der jetzige Gutsherr, daß ich die Pacht nachzahlen soll?" fragte Oswin langsam nach einem Augenblick des tiefen Nachdenkens.
Mr. Leslie gab mir keine besonderen Anweisungen in Bezug auf Euch," sagte Lucas lächelnd, „auch vermuthe ich nicht, daß er Euch anders ansieht, als seine übrigen Pächter."
„Ich rettete ihm das Leben!" sagte Oswin, während seine Augen vor Entrüstung flammten.
„Ihr rettetet einen verteufelt guten Bur-
und Belegen, ist beim Bureau des Abgeordnetenhauses eingegangen.
— Wie die übrigen in ihrem Amte nicht behinderten Bischöfe, so haben auch die Oberhirten von Culm und Ermland die Pfarrgeistlicheu ihrer Diöcesen angewiesen, den Verwaltungsbehörden bei Ausführung des Gesetzes über die Zwangserziehung verwahrloster Kinder im Sinne des Ministerial- rescripts hilfreiche Hand zu leisten.
— Die allgemeinen Grundsätze für die Ermittelung der Höhe der hypothekarischen Verschuldung des ländlichen Grundbesitzes sind folgende: § 1. Für die Bezirke der in der Anlage verzeichneten Amtsgerichte (s. unten) ist eine Statistik der Verschuldung des ländlichen Grundbesitzes nach der Höhe des Betrages und nach ihrem Verhältniß zum Grundsteuer-Reinerträge herzustellen. § 2. Ausgeschlossen hiervon bleiben die städtischen Gemeindebezirke, sowie diejenigen Gemeinde- und selbstständigen Gutsbezirke des platten Landes, in welchen städtisches Wesen vorherrscht, oder sonst die Gruudstückswerthe. durch andere Beziehungen als den Betrieb der Ländwirthschaft bedingt werden, insbesondere Bade-, Cur-, Vergnügungs-, Fabrikorte, vorstädtische Ortschaften u. bergt, mehr. § 3. Bei der Aufstellung der Statistik sind folgende Besitzungsgruppen zu unterscheiden: 1) Fideicommiß- und Stiftungsgüter von den anderen Gütern, 2) Besitzungen mit Mk. 143.50 ober mehr jährlicher Principalgrund- fteuer (rund 500 Thlr. Grundsteuer-Reinertrag), 3) Besitzungen mit Mk. 28.70 bis Mk. 145.50 jährlich Principalgrundsteuer (rund 100—500 Thlr. Gruudsteuer-Rein- schen, das kann ich Euch verbürgen," sagte der Major ruhig lächelnd, als wolle er an« deuten, daß die That selbst hinreichende Belohnung für ihre Ausführung fei.
„Er hatte an dem Tage leider wenig Aussicht je der Gutsherr zu werden, bis ich ihm zu Hilfe kam," sagte Oswin halb im Selbstgespräch.
„Was! Waren die Wilden im Begriff, ihn zu scalpiren?" fragte der Major.
Oswin warf ihm einen so zornigen Blick zu, daß das begonnene Gelächter verstummte, während Lucas, erstaunt über die Frechheit des Bauern, sagte: „Ihr braucht nicht länger zu bleiben, mein guter Bursche. Ich habe Euch Nichts mehr zu sagen."
„Ich wollte Ew. Gnaden fragen," sagte Oswin höflich, „ob Ihr mich, wenn ich die Pacht für das letzte halbe Jahr bezahle, — ich habe das Geld bei mir, — ob Ihr mich dann in meiner Wohnung lassen wollt, bis Ihr Mr. Leslie befragt haben werdet — ".
„Aber Ihr vergeßt, lieber Freund, daß eine Quittung über das letzte halbe Jahr eine Quittung über Alles wäre", unterbrach ihn Lucas.
„O, ich will die Quittung nicht," antwortete Oswin rasch, „behaltetzJhr dieselbe. Ich hege fein Mißtrauen in das Wort eines Ehrenmannes." (Forts, folgt.)