Einzelbild herunterladen
 

M 266

Sonnabend, den 18. November 1882.

/iilbarr SgB Teilung.

Die ,Fuldaer Zeitung" erscheint t»glich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Ran abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda f» der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche AbonnementSpreis beKLgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda 1 Rark und 60 Pig., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg.. ins Haus gebracht 1 M. 90 Pfg. Mit den »Jllustrirten Sonntagsblättern' kostet die Fuld.Ztg vierteljährlich in Fulda M. 1.90; auswärts am Postschalter M. 1.75; in'S Haus gebracht M. 2.15. Inserate: Die Petttzeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

Deitlsches Reich.

* Berlin, 16. Nov. In der heutigen (2.) Sitzung des Abgeordnetenhauses theilte der Alterspräsident mit, daß 392 Wahlen vorläufig für gütig erklärt seien. Da mithin die Beschlußfähigkeit des Hauses feststand, schritt man zur Präsidentenwahl. Abgegeben wurden 397 Zettel. Herr v. Köller (cons.) erhielt 390 Stimmen, 1 fiel auf v. Bennigsen, 6 Zettel waren unbe­schrieben. Bei der Wahl des 1. Vicepräsi­denten werden 382 Zettel abgegeben; davon waren 66 (die der Nationalliberalen) unbe­schrieben, die übrigen 316 wählten einstim­mig Herrn v. Heere mann (Centrum). Zum 2. Vicepräsidenten wird Herr v. Benda mit 256 von 344 Stimmen ge­wählt. 88 Stimmen fielen auf Stengel (freicons.)

— Ein Artikel der ,Provinzial-Correspon- denz' über die Verwaltungsreform bezeichnet als wesentliche Abänderungen bestehender Ge­setzgebung: Beseitigung der Scheidung zwi­schen streitigen und nichtstreitigen Verwal­tungssachen, womit sich von selbst in der Bezirksiustanz die Wiedervereinigung der ge­trennten Behörden vollziehe; ferner Wegfall des Provinzialraths und Erweiterung der Competenz desKreisausschusies. Anlangend das Verhältniß zur Zuständigkeit der Einzel­beamten halte die Regierung daran fest, daß die allgemeine Aufsicht über communale und genossenschaftliche Verbände, abgesehen von der Mitwirkung der Collegien in wichtigeren Angelegenheiten, in der Hand von Einzel­beamten liegen müsse. Den Jnstanzenzug anlangend, soll es in Armenbeschwerdesachen

19

Oswin Connor.

Eine Erzählung aus dem Volksleben Irlands Aus dem Englischen des Charles Lever, frei übersetzt von Alice Salzbrunn.

(Fortsetzung.)

„Gott sei der Seele des Kindes gnädig, Er gebe ihm die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihm," betete Oswin an­dächtig. „Guten Abend!" und er wendete sich weg. Nach ein paar Schritten blieb er stehen und fügte hinzu: „Vielleicht wollt Ihr dennoch meine Bitte erfüllen und Gott würde uns barmherziger sein, als wenn wir hier in Feindschaft scheiden."

„Oswin Connor, ich bitte Euch um Ver­zeihung," sagte Philipp, er streckte seine Hand aus und seine Stimme zitterte wie die eines kranken Kindes, „ich glaubte nicht, der Tag werde kommen, an welchem ich es thun könnte, aber mein Herz ist jetzt ge- demüthigt und es wird vielleicht bald noch betrübter werden. Wollt Ihr mir Eure Hand reichen?"

„Ob ich es will, Philipp? Ja, und wie Ihr Eure Gesinnung gegen mich später ändem mögt, ich werde diesen Abend nicht vergessen."

Er ergriff die kalten Finger mit beiden

bei einer Beschwerde-Instanz bewenden. Be­züglich der communalen Lasten soll das Ober­verwaltungsgericht in zweiter und dritter In­stanz nur „in revisione juris“ zu entscheiden haben; in Schanksachen soll Entscheidung desselben gänzlich wegfallen. Die Anwendung des Verwaltungsstreit-Verfahrens soll vor dem Oberverwaltungs-Gericht stets, vor dem Kreisausschuß, von gesetzlich vorgeschriebenen Fällen abgesehen, nur dann stattfinden, wenn ein Betheiligter dasselbe beantragt oder die Behörde dasselbe für zweckdienlich hält.

— Der ,Prov.-Corresp.' zufolge beabsich­tigt die Regierung den durch die Aufheb­ung der vier untersten Classensteuerstufen entstehenden Steuerausfall dadurch zu decken, daß der Vertrieb einer Reihe von Maffen- artikeln des Consums mit einer der Gewerbe­steuer nachgebildeten Steuer belegt wird, welche sich innerhalb der Landesgesetzgebung hält. Das Reich werde sodann auf ratio­nellere Besteuerung dieser Artikel im Wege wirklicher Consumtionssteuern Bedacht nehmen müssen, durch deren Erträge nicht nur die provisorisch aufzuerlegende Landessteuer er­übrigt, sondern auch den Einzelstaaten aus dem Ueberfluffe des Reiches die Mittel zur Deckung ihrer durch eigene Einnahmen nicht zu deckenden Bedürfnisse zufließen würden.

— Das ,Tageblatt' knüpft an die Aus- laffung der ,Prov.-Corr.' über die Steuer­reform die Bemerkung, daß die Einführung einer Schanksteuer beabsichtigt sei. Die .Ger­mania' schreibt hierzu: Vielleicht darf man mit dieser Ankündigung in Zusammenhang bringen, daß die ,Nordd. Allgem. Ztg.' von heute Morgen einen Artikel über die Noth-

Händen und drückte sie fest; die beiden Männer umarmten einander.

Ist es ein erhebendes oder ein demüthigen- des Bekenntniß, daß die schönsten und besten Züge der menschlichen Natur im Leid und nicht in der Freude zum Ausdruck kommen? Daß wir reiner aus der Trübsal als aus dem Glück hervorgehen? Lehren die Strafen Gottes uns besser als seine Huld und Freund­lichkeit? Oder ist diese Gnade uns zum Er­satz in unseren Schmerzen gegeben, damit wir, wenn wir vor den Menschen am ärm­sten sind, vor Gott am reichsten sein sollen? Es gibt wenige Herzen, welche durch den Kummer nicht weiser werden; es gibt keine, welche durch ihn nicht gebessert werden

So war es hier. Diese Männer waren im Glück Todfeinde gewesen; gegenseitiger Haß war zwischen ihnen aufgewachsen, so daß jeder von ihnen nach Rache an dem anderen durstete, und nun gingen sie wie Brüder zusammen, einer suchte des andern Verzeihung für die Vergangenheit. Der alte Mann wurde in das Grab gelegt und sie verließen den Kirchhof.

„Wollt Ihr mit mir nach Hause kommen, Oswin?" fragte Philipp, als ihre Wege sich trennten, „kommt mit mir zum Abendessen."

Oswin hatte ein erstickendes Gefühl im Halse; er konnte nur murmeln; „Nicht heute

wendigkeit von Maßregeln gegen die Trunk­sucht bringt und auf die holländische Be­schränkung und Belastung der Schankstätten verweist. Bekanntlich ist ein Gesetz über die Versteuerung des Kleinvertriebes von geisti­gen Getränken schon einmal gescheitert. Als zweiter Massenartikel wird wohl der Tabak in Betracht kommen. Hoffentlich wird man nicht die Besteuerung des Tabakverkaufes mit einer Schärfe oder in Formen betreiben, die den Verdacht erwecken könnten, daß dem Monopol neue Wege gebahnt werden sollten. — Die .Kreuzztg.' schreibt: Die Thronrede gibt keine Aussicht, daß es schon in dieser Session zu einer organischen Reform kommen werde. Es ist nur auf einzelne Entwürfe zur Feststellung der Bedürfnisse, welche die Erleichterung der Communal- und Schullasten und die Verbesserung der Beamtenbesoldun­gen erfordern, zu rechnen. Im Hintergründe allerdings steht der Zweck, den Reichstag für eine weitere Ausbildung des Systems der indirecten Steuer geneigt zu machen. Es ist, . also leider noch ein ziemlich weiter West zu­rückzulegen, ehe man hoffen dars, an's Ziel zu gelangen.

— Der Redacteur B. Falk en berg an der .Germania' stand heute vor den Schranken der II. Strafkammer des Land­gerichts I. in Berlin, angeklagt wegen Be­leidigung des Kreisschulinspectors Otto Schröter in Thorn, der ehedem Director des hiesigen Schullehrerseminars war. In Nr. 240 der .Germania', für die Herr Falkenberg in Stellvertretung die Verant­wortung zu tragen hatte, war eine Corre- spondenz enthalten, welche als Grund, wes-

Abend, Philipp; ein anderes Mal, wenn es Gott gefällt."

Er hatte es nicht gewagt, nach Maria zu fragen; auch wußte er nicht, ob Philipp in seiner Versöhnung eine erneuerte An­näherung zu seiner Schwester wünschen würde. Das war der Grund von Oswiu's Weiger­ung, denn es gibt sowohl einen Zartsinn des Herzens als der guten Erziehung, und der erstere besitzt den Vorzug, daß man ihn in allen Ländern und Ständen findet.

Der arme Oswin hätte sein Herzblut geben mögen, um zu erfahren, wie es Maria gehe, und wie sie das Unheil ertrage, aber er erwähnte ihren Namen nicht.

Philipp dachte in der Schwermuth über den Verlust des geliebten Bruders nicht an die Schwester. „Gute Nacht, Oswin," sagte er, „vergeßt Euer Versprechen nicht, kommt und besucht uns bald."

„Gute Nacht, Philipp," war die Antwort, „Gott segne Euch und die Eurigen."

Ein leichtes Zittern der Stimme bei dem letzten Wort war das einzige Zeichen seiner tiefen Bewegung und sie schieden.

III.

Seit dem Tage nahm die Heftigkeit der Seuche ab. Die Krankheitsfälle wurden seltener und weniger gefährlich, und endlich gleich einem abgeschossenen Bolzen war die