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Mittwoch, den 15. November 1882.
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-u Die zunehmende Entwaldung eine Ursache der großen Ueber- schwemmungen.
Große Ueberschwemmungen haben in jüngster Zeit verschiedene Länder heimgesucht und den Bewohnern derselben unberechenbaren Schaden zugefügt. Woher kommt es nun, daß seit einigen Jahrzehnten die Wassers- nöthe so sehr zugenommen haben? In Südtyrol und Oberitalien haben wir jetzt zwei Mal in einem Herbst die schrecklichsten Verheerungen. Dazu kommen die furchtbaren Ueberschwemmungen der größeren Fluß- thäler Nordamerika's, die entsetzlichen Katastrophen von Murcia (Spanien) und Sze- gedin (Ungarn) vor einigen Jahren. Daß diese Ueberschwemmungen die Folge wären von quantitativ größer gewordenen Niederschlägen, ist in keiner Weise anzunehmen, da die Beobachtungen keinen Anhalt dafür gebracht haben, daß die Menge des Regens, Schnees rc. in den letzten Jahren zugenommen hätten. Dagegen liegt zwar darin etwas Wahres, daß die immer weiter fortschreitenden Flußregulirungen, welche
regelmäßig mit einer Verengerung des Stromgebietes verbunden sind, vielfach den Ueberschwemmungen einen gefahrdrohenderen Charakter gegeben haben; allein die Hauptursache der letzteren ist unzweifelhaft in der zunehmenden Entwaldung zu suchen. Darüber ist man jetzt allgemein einig und es bedarf eines besonderen Beweises nicht, denn es leuchtet von selbst ein, daß das Regen- und Schneewasser von bewaldeten Bergen viel langsamer abläuft und mehr in
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Oswix Connor.
Eine Erzählung aus dem Volksleben Irlands. Aus dem Englischen des Charles Lever, frei übersetzt von Alice Salzbrunn.
(Fortsetzun
Oswin war zornig, eine Fluth streitender Gefühle bewegte ihn, er wollte das Papier in das Feuer werfen, als er das Datum las, den sechszehnten März. „St. Patrick's Vigil! Gerade an diesem Tage rettete ich sein Leben," sagte er bitter, „ich wußte wohl, wie es nach dem Tode des Gutsherrn kommen werde. Nun, wenn mein armer, alter Vater es nicht weiß, schadet es nicht, Patrick, mein Liebling warum weinst du denn? Sei nicht furchtsam, mein Junge, ich bin bei dir."
Die gütigen Worte beruhigten den Kleinen sogleich, und in wenigen Minuten war er wieder auf dem Strohseffel neben dem Herde eingeschlafen. So kurz Oswin's Abwesenheit gewesen, schien der Zustand des alten Mannes doch sehr verschlimmert, als sein Sohn wieder das Schlafzimmer betrat.
„Gott möge mir vergeben, lieber Oswin," sagte er, „ich dachte soeben nicht an meine I arme Seele. Ich dachte, du müßtest dem <
jungen Gutsherrn einen Brief wegen dieser i
das Moos und den lockeren, von Wurzeln ' durchsetzten Boden eindringt, als dies bei kahlen Bergwänden der Fall ist. Außerdem haben die Wälder die unbestrittene Eigen- - schäft, Regulatoren der Feuchtigkeit zu ) sein. Ein schlagender Beweis hiefür dürfte l die Thatsache sein, daß gerade in den Län- , dern, in welchen die Waldverwüstung am - Weitesten vorgeschritten ist, die Ueberschwem- i mungen am Schlimmsten aufgetreten sind, t Während in Deutschland, in Skandinavien, i Rußland, Polen und Nordfrankreich, deren l Areal wenigstens noch zum vierten Theil 1 mit Wald bedeckt ist, die Hochwasser immer noch verhältnißmäßig günstig verlaufen, sehen wir in Spanien, Südfrankreich und Italien, ; wo die Berge fast gänzlich entwaldet sind, ferner auch in Ungarn und den südlichen Provinzen Oesterreichs, sowie in Nordamerika, wo die Waldverwüstungen in den letzten Jahrzehnten einen kaum glaublichen Umfang erreicht haben, Katastrophen hereinbrechen, wie man sie früher nicht kannte. Nicht nur, daß die Ernten zum Theil vernichtet, Brücken und Gebäude, ja. ganze Ortschaften zerstört, fruchtbare Ländereien in öde Schutthaufen verwandelt werden und dadurch ein nach Millionen zu berechnender Schaden entsteht, es kommen dabei auch Menschenleben nach Hunderten, ja Tausenden um.
Schlimm ist es, daß man erst durch Schaden klug geworden und erst auf Abhilfe bedacht ist, nachdem das liebel in vielen Gegenden so weit eingerissen ist, daß es kaum noch oder nur sehr schwer beseitigt werden kann. In Deutschland ist es glücklicherweise noch Zeit, der überhandnehmenden kleinen Farm schicken; er wird ebenso wenig die Pacht von dir verlangen wie sein Vater; es waren schlechte Zeiten —"
„Ach, Vater, denke nicht an solche Dinge!" unterbrach ihn Oswin entsetzt über des Todt- kranken irdische Sorgen, „wer weiß, wer von uns Beiden übrig bleiben wird. Die Seuche schont weder die Jungen noch die Alten."
„Weder die Reichen noch die Armen," wiederholte der Greis mit trauriger Befriedigung, indem er an den Tod des Gutsherrn dachte; die ungereimten Beweggründe des Menschen lassen ihm die Trübsal leichter erscheinen, wenn sie auch die über ihm Stehenden stürzt. Plötzlich nahmen die Gedanken des Kranken eine andere Richtung, er sagte: „Es ist ein schöner Tag, herrliches Wetter für die Saaten; wir werden die Schafe dort auf das Feld führen müssen; der Walzen wird emporschießen, ach!" rief er seufzend, „ich werde ihn nicht mehr sehen!"
Die Liebe zum Leben ergriff ihn, und der alte Mann weinte wie ein Kind.
„Welcher Tag ist heute?" fragte er nach einer langen Pause, in welcher Keiner gesprochen, denn Oswin war nicht betrübt, daß die Gedanken des alten Mannes sich, | I
Waldverwüstung Einhalt zu thun und den bereits angerichteten Schaden durch Wiederaufforstung gut zu machen; es muß aber alsbald in energischer Weise vorgegangen werden.
Die bayerische Regierung hat bereits jüngsthin unter Hinweis auf die letzten Ueberschwemmungen die oberbayerischen Forstbehörden angewiesen, daß sie mit allen Mitteln der Abholzung der Berge und der forstwidrigen Ausnützung der Wälder entgegentreten. Eine gleiche Weisung sollte in fämmtlichen deutschen Ländern ergehen, und wo die Gesetze keine Handhabe bieten, muß der Gesetzgeber eingreifen. Es handelt sich hier um eine Frage des allgemeinen Wohles, der gegenüber das Recht des Eigenthümers sich eine nothwendige Einschränkung gefallen laffen muß. Als mindeste Forderung muß im allgemeinen Interesse die ausgestellt werden, daß der Wald auf steileren Bergen sowohl hinsichtlich der Ausrodung als auch der Bewirthschaftung unter staatliche Aufsicht gestellt werde und daß der Eigenthümer kahler Berge unter Beihilfe oder gegen Entschädigung zur Wiederbewaldung angehalten werden kann. Nur so kann es gelingen, dem verderblichen Ausschlachten der Wälder Einhalt zu thun. Uebrigens wird auch aller Voraussicht nach der Werth der Forsten und die von ihnen gebrachte Rente in späterer Zeit sehr erheblich zunehmen. Schon jetzt wird nach fachmännischer Berechnung auf der Erde mehr Holz consumirt, als hinzuwächst und wenn erst die noch vorhandenen Bestände in Rußland, Norwegen und Oesterreich in gleich planloser Weise werden wenn auch in so schmerzlicher Weise, zur Ewigkeit wenden sollten.
„Es ist der siebzehnte, lieber Vater, ein in ganz Irland geheiligter Tag."
„Gehen viele Leute zu den Stationen? Geh' an die Thüre und steh'!"
Oswin stieg auf eine kleine Anhöhe vor dem Hause, von wo das ganze Thal sichtbar war, aber außer einigen Leidtragenden hinter einem Sarge auf der Landstraße sah er kein menschliches Wesen. Die große Wiese, auf welcher sich sonst die Wallfahrt bewegte, war ganz leer. Man sah weder Zelte noch Leute; die Furcht vor der Seuche ließ sogar die Leichlsinnigsteu nicht an das Volksfest denken, und auch zur Wallfahrt fürchtete man sich zu versammeln. So lange das Unglück in der Ferne war, hielt man Gebetversammlungen, aber als der Tod in jede Hütte trat, wurde der Schrecken fast zur Verzweiflung.
„Hast du die Wallfahrer gesehen?" fragte der Greis eifrig, als Oswin zurückkehrte, „geht das Volk zum heiligen Ort?"
„Ich sehe heute nicht Viele ausgehen," war die vorsichtige Antwort, weil Oswin ihm keinen vermeidlichen Schmerz bereiten wollte.
„Richte mich auf!" schrie er plötzlich voll Willenskraft mit stärkerer Stimme, „richte mich auf, damit ich durch das Fenster das heilige Kreuz sehe, und vielleicht betet