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JtS. 262. Dienstag, den 14. November 1882.

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Deutsches Reich.

* Berlin, 12. Nov. Laut Bekannt­machung des Ministers des Innern v.Putt- k a m e r findet die Eröffnung des Landtages am 14. Nov., Mittags 12 Uhr, im Weißen Saale statt. Vorher wird um 11 Uhr für die protestantischen, um 111/2 Uhr für die katholischen Abgeordneten Gottesdienst ge­halten, für die ersteren im Dome, für die letzteren in der St. Hedwigskirche.

— Der Kaiser eröffnet den Landtag persönlich. •

— Die Kronprinzessin traf Freitag Vormittag von Potsdam hier ein. Dieselbe ist alsdann Mittags 12 Uhr im allerstreng­sten Jncognito zum Besuche bei ihren Ver­wandten und zur Begrüßung des heimkehren­den Bruders, des Herzogs von Connaught, sowie um deni Einzuge der Truppen beizu­wohnen, von hier nach London abgereist. — So weit bis jetzt bestimmt, trifft die Kronprinzessin am 20. November aus Lon­don wieder in Berlin ein, um am nächsten Tage zur Feier ihres 42. Geburtstages wie­der hier bezw. in Potsdam im Kreise ihrer Familie anwesend zu sein. Von dem Kaiser hatte die Kronprinzessin sich bereits am Mittwoch bei ihrer Anwesenheit in Berlin verabschiedet.

— Die dentsche Kronprinzessin ist gestern Abend wohlbehalten in London angekommen.

C. P. 0. Wenn die Reichstagscommission zur Vorberathung des Unfallversicherungs­gesetzes ihre Thätigkeit wieder aufnimmt, wird sie das Material ihrer Berathungen durch eine Reihe von Petitionen verschiedener Corporationen erweitert finden, welche sich

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Oswin Corriror.

Eine Erzählung aus dem Volksleben Irlands. Aus dem Englischen des Charles Lever, frei übersetzt von Alice Salzbrunn.

(Fortsetzung.)

„Vater, wo bist Du?" fragte Oswin rasch, als er den alten Mann nicht auf sei­nem gewöhnlichen Platz neben dem Herde sah, aber er erhielt keine Antwort. Oswin legte das Kind nieder und ging in die kleine Schlafkammer seines Vaters; er fand ihn angekleidet auf dem Bette liegen.

„Bist Du krank, Vater? Was fehlt Dir, lieber Vater?" fragte der junge Mann und erfaßte seine Hand.

„Ich bin froh, daß du endlich gekommen bist, Oswin," antwortete der Vater mit schwacher Stimme, „ich habe die Cholera, und es geht schnell zu Ende mit mir."

„Nein! Nein, Vater! Verzage nicht!" rief Oswin mit verzweifelter Anstrengung Muth einzuflößen, welchen er selbst nicht empfand, denn die Berührung der kalten, feuchten Hand hatte ihm schon das traurige Geheimniß verrathen, „es wird vorübergehen."

„Vielleicht," antwortete er seufzend, „aber ich habe ein kaltes Gefühl in der Herzgegend, welches ich noch nie kannte. Gib mir etwas Warmes zu trinken."

auf einzelne Theile des Gesetzes beziehen und Aenderung desselben wünschen. U. A. wird innerhalb der Knappschaftsvereine da­hin gewirkt, daß es ihnen gestattet sein möge, für sich und ihre Knappschastsmit- glieder besondere Versicherungsverbände. zu bilden. In den nächsten Tagen werden die Vertreter der Knappschaftscassen hier zu­sammentreten, uni Petitionen in dieser Richtung an den Bundesrath und Reichs­tag zu beschließen. Die Reichsregierung hat sich diesen Bestrebungen gegenüber bis­her ablehnend verhalten, da Bergbauar­beiter von Unfallsgefahren ganz besonders be­dacht sind und daher keinesfalls schlechter ge­stellt werden dürfen als andere Arbeiter. Es ist also vorauszusehen, daß die Petitionen erfolglos bleiben werden. — Nach der für das Jahr 1881 vorliegenden Statistik des deutschen Reichs-Patentamts steht obenan Preußen mit 1947 Patenten, wovon 552 auf Berlin entfallen, während Ostpreußen mit nur 10 den geringsten Beitrag lieferte. Von den größeren Staaten betheiligt fich Sachsen mit 408, Bayern mit 170, Württem­berg mit 106, Baden mit 103 Patenten und Hamburg mit 128; je ein Patent wurde von Bewohner von Waldeck und Lippe- Detmold genommen. Von den 4339 im Jahre 1881 ertheilten Patente kommen auf das deutsche Reich 3140, sodaß 1199 auf das Ausland entfallen. Im Ganzen sind seit 1877: 17,105 Patente ertheilt, während 29,489 angemeldet wurden; erloschen sind davon bis jetzt 8482 oder 49,6O°/o.

— Die nächste Sitzung des Reichs­tags findet am 30. Nov. Nachmittags 2

Während Oswin ein stärkendes Getränk bereitete, erzählte ihm sein Vater, ein Knabe sei Morgens in das Haus gekommen, um Oswin zu einem Kranken zu rufen, und von ihm müsse er sich angesteckt haben. „Ich erinnere mich," sagte der alte Mann, „daß sein Gesicht ganz blau war, und er wankte müde einher."

„Wäre er cholerakrank gewesen, so würde er diesen beschwerlichen Berg nicht herauf­gekommen sein," antwortete Oswin, „die stärksten Männer können kein Glas Wasser an ihre Lippen führen, wenn sie der Krank­heit verfallen sind."

Obgleich Oswin's Erklärung richtig war, beruhigte sie den alten Mann nicht, denn er war von seiner Krankheit überzeugt und konnte nicht glauben, daß er ohne Ansteck­ung erkrankt sei. Oswin ging nicht von seiner Seite und widmete ihm seine ganze Aufmerksamkeit und Sorgfalt, aber die Krankheit nahm sichtlich zu, gegen Mitter­nacht war der alte Mann sehr schwach und seine Stimme sank zu einem Flüstern. Je­doch zeigten sich die Symptome der herr­schenden Epidemie nicht, ausgenommen leichte Krämpfe, über welche er von Zeit zu Zeit klagte. Er schien einer gänzlichen Erschöpf­ung zu erliegen. Sein Geist war klar und ruhig, und obgleich er nur kurze, abgebrochene

Uhr, statt; Tagesordnung: Dritte Berath- ung des Antrags Winterer, betreffend die Oeffentlichkeit der Verhandlungen und die Geschäftssprache des elsässischen Landes- ausschuffes, mehrere Petitionsberichte, Inter­pellation Lasker wegen der angeblichen Wahlagitation Danziger Marine Ingenieure; Interpellation Schulze wegen Einbringung einer Novelle zum Genoffenschastsgesetz.

— Der Ausschuß des deutschen Land- wirthschaftsraths hat eine Commission ein­gesetzt, welche das ^amerikanische Heimstätte- und Pfändungsgesetz genauer untersuchen und demnächst der Plenarversammlung des Land- wirthschaftsraths Mittheilung von deni Er- gebniß ihrer Prüfung machen soll. Gleich­zeitig wird eine Uebersetzung des genannten Gesetzes nebst Cömmentar vorbereitet.

— Amtlicher Mittheilung der Königl. Eisenbahndirection zu Hannover zufolge kann der Termin der Inbetriebsetzung der Strecken Cölbe-Laasphe und Walburg-Großalmerode zur Zeit noch nicht bestimmt werden.

— Der ,Reichsanzeiger' schreibt: Nach den in London eingegmigenen Berichten über den Ausfall der Weizenernte dieses Jahres in den verschiedenen Productionsländern werden von sachverständiger Seite die in den Getreide-Importländern bis zur nächsten Ernte benöthigten und andererseits die in Getreideexportländern zur Verfügung stehen­den Mengen Weizen wie folgt geschätzt: Zur Einfuhr erfordert (in Quarters) Großbritan­nien 15,000,000, Frankreich 3,000,000, Belgien 1,500,000, Deutschland 1,000,000, Holland 750,000, Schweiz 1,500,000, Italien 500,000, Spanien und Portugal Worte sprechen konnte, erschien fein Zeichen der Besinnungslosigkeit. Seine Krankheit war eine gewöhnliche bei den Leuten, deren übermäßige Furcht vor der Cholera eine Niedergeschlagenheit und Mattigkeit herbei­führt, welche dem Zustandder wirklich Cholera- ranken gleichkommen.

Die Gedanken des alten Oswin wendeten sich von seiner eigenen Lage zu den Thal­bewohnern, für welche er das tiefste Mit­leid hegte. „Gott helfe ihnen!" wiederholte er, „die Krankheit ist schlimm, aber der Mangel macht sie fürchterlich. Lucas Clancy ist todt! Der arme, alte Lucas! Er war Michaelis einundsiebzig! Martin ist todt! Er war noch ein junger Mann!"

Der Greis schlummerte unruhig einige Stunden; als er erwachte, war das Tages­licht da.

„Lieber Oswin," sagte er, „ich wünsche den Beistand eines Priesters, aber Du mußt mich nicht allein laffen; ich könnte das jetzt nicht ertragen."

Oswin hatte bereits unruhig überlegt, wie er Pater Johannes benachrichtigen könnte, ohne selbst zu ihm zu gehen.

„Ich will laufen und in einer Stunde zurückkehren," sagte er eifrig, denn so fürch­terlich ihm der Tod erschien, der Gedanke,