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Donnerstag, den 9. November 1882.

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Adresse des Klerus der Diöcese Mainz an den Grotzherzog v. Kessen.

„Mit ehrfurchtsvollem Vertrauen naht sich die allerunterthänigst unterzeichnete Seelsorgs- Geistlichkeit der Diöcese Mainz dem Throne Ew. Königl. Hoheit, um wegen des gegen­wärtigen kirchlichen Nothstandes in der Diö­cese Allerhöchstderselben nachstehende Vorstel­lung allerunterthänigst zu unterbreiten.

Die vor 7 Jahren erlassenen 5 Kirchen­gesetze ändern wesentlich das auf Grund staatsrechtlicher Verträge und langjähriger Hebung zu Recht bestehende Verhältniß der katholischen Kirche zur Staatsgewalt und ver­letzen die unter dem Schutze der Landesver­fassung stehende Verfassung der katholischen Kirche in wichtigen Punkten.

Die katholischen Geistlichen haben vor wie nach Erlaß dieser Gesetze in voller Einmüthig- keit mit ihren nunmehr seit 5 Jahren ver­ewigten Bischöfe die Erklärung abgegeben, daß ihnen Gewissen und Priestereid nicht ge­statten, zur Durchführung dieser von der Staatsgewalt einseitig erlassenen, auf das innerste Gebiet der Kirche übergreifenden Ge­setze mitzuwirken. Bis zur Stunde hat die allerunterthänigste Seelsorgs-Geistlichkeit diese ihre Gesinnungen nicht zu ändern vermocht, wohl aber hat sie seither stillschweigend und in Geduld alle Nachtheile ertragen, welche ihre Gemeinden und sie selbst in Folge die­ser Gesetze erlitten haben.

Was zunächst die großen Nachtheile für unsere Gemeinden anlangt, so bitten wir Ew. Königl. Hoheit, allergnädigst zu gestattens Hochderen Aufmerksamkeit vorzugsweise auf folgende Punkte zu lenken.

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Oswin Connor.

Eine Erzählung aus dem Volksleben Irlands. Aus dem Englischen des Charles Lever, frei übersetzt von Alice Salzbrunn..

. (Fortsetzung.)

Keiner von ihnen sprach noch ein Wort, während sie zusammen langsam den Berg erstiegen. Erst als sie am Herde saßen, hatte sich Oswin insoweit gesammelt, um die im Dorfe erfahrenen Einzelheiten zu er­zählen. Mr. Leslie war in Paris an der Cholera gestorben. Die Seuche war dort ausgebrochen und er unter den ersten Opfern. Der Schrecken dieser fürchterlichen Krankheit erreichte jeden entlegenen Theil Europa's und kam endlich nach Irland, als die Be­richte über die bereits geschehenen Ver­heerungen das Entsetzen noch steigerten. Durch den Brief von Mr. Leslie's Todes­nachricht erfuhr man den Ausbruch der Krankheit. Eine so gräßliche Plage bedurfte nicht der Vergrößerung durch die Furcht der Unwissenden, und doch schienen die Leute in ihren grausen Vorstellungen einander zu über­treffen. Das traurige Jntereffe, welches der Tod des Gutshern unter andern Umständen erregt haben würde, verschwand im Schrecken vor der Krankheit, an welcher er gestorben.

Achtundzwanzig katholische Pfarreien des Großherzogthums sind verwaist und entbeh­ren der ordnungsmäßigen Seelsorge. Nur mit großen Opfern an Geld und Zeit kön­nen die Mitglieder solcher Pfarreien kaum ihre nöthigsten religiösen Bedürfnisse befrie­digen, während doch ihre Vorfahren zu die­sem Zwecke die Pfarrstellen dotirt haben.

Die religiös-sittlichen Zustände in diesen Pfarreien werden von Tag zu Tag besorg- nißerregender. Die Verwilderung der Ju­gend nimmt in immer höherem Maße zu, während die Achtung vor der Autorität, der elterlichen sowohl als der weltlichen und geistlichen, immer mehr schwindet. Diesen sittlichen Niedergang in manchen Gemeinden dürften wohl a nch die Großherzoglichen Staats­beamten auf die Verwaisung dieser Pfarreien zurückznführen in der Lage sein.

Die schädlichen Folgen dieser Gesetze be­schränken sich übrigens nicht blos aus die verwaisten Pfarreien, sondern dehnen sich über das ganze Bisthum aus. Der ganze Körper leidet, wenn ein Glied leidet. Den Schmerz, welchen ein Fünftel unser Pfarreien darüber empfindet, daß ihnen durch diese Gesetze eine geordnete Seelsorge vorenthalten wird, empfinden in gleicher Weise alle Katholiken des ganzen Großherzogthums und die Mißstimmung, welche dadurch hervor- gerufen wird, kann unmöglich vom Heile sein. Wenn diese Mißstimmung sich bisher weniger laut bemerklich machte, so hat dieses seinen Grund darin, daß die Geistlichen bis zur Aufreibung ihrer Kräfte Aushilfe leisteten, theils aber auch in der Hoffnung, daß die Großherzogliche Negierung sich zur Anbahnung Die Männer hörten fast theilnahmslos die Muthmaßungen über mögliche Ereignisse hin­sichtlich der Gutsverwaltung und forschten nur eifrig nach Berichten über die Seuche. Dieselbe war schon in England ausgebrochen, und die letzte Hoffnung der frommen Bauern blieb, daß ihre durch St. Patrick geheiligte Insel den Verheerungen entgehen sollte. Die Nachricht, daß der alte Verwalter entlassen und ein neuer angenommen werden würde, wäre wenige Wochen früher willkorninen ge­wesen, jetzt intereffirten sich Wenige dafür und die Erkundigungen über die Neuerung unterblieben; nur ein fürchterlicher Gegen­stand beschäftigte jedes Herz und jede Zunge: die Cholera.

Die Einwohner großer Städte, denen schnelle Nachrichten und ein großer Verkehr zu Gebote stehen, können kaum den Grad des Schreckens begreifen, welcher die Be­wohner einer entlegenen ländlichen Gegend bei einer bevorstehenden furchtbaren Epidemie befällt. Die Arbeit ruht; die Sorge für den nächsten Tag ist unnütz; die Neigung, sich den düstersten Vorstellungen hinzugeben, erhöht das wirkliche Uebel, und die Krank­heit findet ihre Opfer schon beim Heran­nahen verurtheilt. In diesem Zustand tödt- licher Erwartung, als Gerüchte auftauchten, Widerspruch fanden, auf's Neue versichert

des kirchlichen Friedens ehestens bereit finden würde.

In manchen Gemeinden, welche kränkliche oder altersschwache Seelsorger befitzen, stellt sich die Berufung eines Hilfsgeistlichen als dringendes Bedürfniß dar.

Ganz besonders schmerzlich wird in der Diöcese empfunden, daß der bischöfliche Stuhl schon seit fünf Jahren verwaist ist.

Besorgnißerregend ist auch die Thatsache, daß in den letzten sieben Jahren in Folge der Schließung der Convicte und der theo­logischen Lehranstalt zu Mainz die Zahl der Theologiestudirenden in außerordentlicher Weise abgenommen hat. Während nämlich die Zahl der neugeweihten Priester früher durchschnittlich im Jahre zehn bis zwölf betrug, beträgt sie jetzt nur zwei bis drei und wird die Folge davon sein, daß viele Seelsorgstellen späterhin gar nicht besetzt werden können.

Was dann die Nachtheile dieser Gesetze für die Geistlichkeit anlangt, so erlauben wir uns, Ew. Königl. Hoheit nur das Eine unterthänigst anznführen, daß die noch nicht als Pfarrer angestellten Geistlichen zur Uebernahme -eines Pfarramtes nicht gelangen können, sondern nothgedruugen weit über die übliche Zeit hinaus, manche jetzt schon in ihrem achtzehnten Priesterjahre in ihrer Stellung als Capläne verbleiben müssen. Ebenso sind Pfarrer, welche gering dotirte und mitunter sehr schwierige Pfarreien besitzen, ge­zwungen, in dieser traurigen Lage zu ver­harren, weil sie eine Beförderung unter dem Drucke der Gesetze nicht erlangen können.

Wenn vor einiger Zeit eine Ew. Königl.

und bann entkräftet wurden, kam die Nach­richt, daß die Cholera in Dublin herrsche. In derselben Woche hörte man von Cholera- kranken in mehreren Städten, und bann würbe erzählt, ein armer Mann, welcher seinen Torf auf ben Markt nach Galwey bringen wollte, fei auf ben Stufen ber Capelle tobt gefunben worben. Nun folgte bie Anorbnung ber Vorsichtsmaßregeln, bie Veröffentlichung ärztlicher Rathschläge und Gesundheitsversammlungen. Dann hörte man, baß bie Seuche furchtbar wüthete, die Krankenhäuser waren überfüllt, Tvdte lagen in jeder Straße. Sv schrecklich diese Nach­richten waren, wurde doch die furchtbare Wirklichkeit in diesem kleinen ländlichen District nicht erkannt, bis ein Todesfall in dem nächsten Städtchen vorkam. Ein der ganzen Nachbarschaft bekannter Ladenbe­sitzer in Oughterarde starb. Dieses eine Bei­spiel hatte größere Bedeutung als alles Un­glück aus der Ferne. Die herzzerreißende Klage der Zuhörer dieser Todesbotschaft er­griff Manchen mit dem kalten Schrecken des nahenden Todes. Eine zweite Erkrankung folgte, eine dritte und vierte, alle mit tödt- lichem Ausgang; die Cholera herrschte unter ihnen.

Nur wenn eine tobtbringenbc Krankheit von dem Schrecken ber Ansteckung begleitet