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Jl» 257. Mittwoch, den 8. November 1882.

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gh. Die sociale Bedeutung des vom hl. Franeiscus gestifteten

Ordens.

Wenige Heilige haben auf ihre Zeit eine so zündende Wirkung ausgeübt und haben auch die späteren Jahrhunderte so mächtig beeinflußt, wie der hl. Franeiscus, dessen siebentes Centenarium die katholische Welt unlängst begangen hat. Dies erklärt sich daraus, daß der hl. Franeiscus mit dem heroischen Beispiele der Entsagung als ein rettender Engel des Herrn für die Gesell­schaft des 13. Jahrhunderts erschien.

Die göttliche Weltregierung erweist sich nirgends deutlicher, als in der Geschichte der Heiligen; zeigt sich in der Gesellschaft ein als unausrottbar erscheinendes Laster, so erweckt der Herr ein hellglänzendes Bei­spiel des Heroismus, welches die Gesellschaft aufzurütteln und auf die Bahn der Tugend zurückzuführen berufen ist. Als im alten Römerreiche Arbeitsscheue und Müßggang und das Laster der Sclaverei überwunden werden sollten, entstanden in der christlichen Gesellschaft die Mönche, welche einer ver- " weichlichten Welt die Handarbeit lehrten. Der hl. Antonius und der hl. Basilius lebten von der Handarbeit und erhoben die­selbe in ihren Regeln zur Pflicht für alle Mönche. Der hl. Benedict machte die körperliche Arbeit zum Mittelpunkte seiner goldenen Regel. Bolle sieben Stunden des Tages sollten die Brüder der körperlichen Arbeit widnien und nicht bloß den Boden cultiviren, sondern auch alle nöthigen Hand­werke ausüben. Und nun begann jene bewunderungswürdige Thätigkeit des Bene­

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Oswin Connor.

Eine Erzählung aus dem Volksleben Irlands, Aus dem Englischen des Charles Lever, frei übersetzt von Alice Salzbrunn.

(Fortsetzung.)

Hätte Mr. Leslie in der Mitte seiner Pächter gewohnt, sich mit ihrem Leben be­kannt gemacht, ihnen Beispiele zur Nach­ahmung vorgehalten, das Verdienst belohnt, den Unfleiß getadelt, seine Wohlthätigkeit auf die Erziehung der Jugend erstreckt, Ordnung und gute Sitten eingeführt, so wäre Oswin unter den Ersten gewesen, die nach Auszeichnung gestrebt hätten. Leider war es nicht so. Mr. Leslie lebte theil- weise auf dem Continent, theilweise in England; von seinen Besitzungen in Irland wußte er Nichts außer den halbjährlichen Rechnungsablagen seines Verwalters; er war ein gütiger wohlthätiger Mann und in seinem Freundeskreise durch ungewöhn­liches Interesse für bie Armen bekannt. Wie kanr es denn, daß das Volk seines Districts in schauderhaftem Elend lebte? Daß in seinem Steinbruch ausgehöhlte - Schuppen von menschlichen Wesen bewohnt ivurden, deren Existenz sich gleich einem schrecklichen Uebergang zwischen Leben und Sterben hinzog? Daß unter den elenden

dictinerordens, durch welche die Sümpfe in blühende Felder und prangende Wiefen, die Abhänge in Weinberge, die finsteren Wälder in cultivirte Forste umgewandelt und die Gewäffer eingedämmt und zu fischreichen Teichen gestaltet wurden. Alles, was wir heute an Cultur genießen, verdanken wir der Thätigkeit und der Arbeit oder doch der Anregung und dem Beispiele dieser Mönche. Montalembert hat in seinen „Mönchen des Abendlandes" dieser Thätig­keit der Klöster das glänzendste Denkmal gesetzt.

Durch die Arbeit war die christliche Ge­sellschaft wohlhabend geworden. Und nun stellten sich die Gefahren des Reichthums ein: Nimmersatte Genußsucht einerseits, Habsucht andererseits. Hochmuth und Herrschsucht ge­sellten sich dazu und die reichen italienischen Städte wurden der Tummelplatz des Ringens um Macht und Besitz. Da erstand in ihrer Mitte der „leidenschaftliche Liebhaber der Armuth", der hl. Franziscus, welcher der Welt zeigte, daß sie int Jagen nach Besitz und Genuß die höchsten Güter der Mensch­heit einzubüßen Gefahr laufe. Dem Jagen nach Reichthum stellte der hl. Franziscus die freiwillige Armuth, der Genußsucht und Herrschsucht die vollständigste Eutsagung und Verdemüthigung gegenüber, und zwar in so heroischem Grade, daß er wie der Verlassenste freiwillig nicht blos selbst als Bettler leben wollte, sondern auch einen Bettler­orden in's Leben rief.

Der hl. Franz von Assisi und seine Jün­ger haben durch ihr glänzendes Beispiel und durch ihre heroischen Tugenden in einer Ge- Dächern der Hunger und das Fieber hausten und kein Strahl der Hoffnung die Gemüther erfreute? Er wußte einfach Nichts von diesen Dingen; er hatte sie nie gesehen, nie von ihnen gehört. Er wußte, daß Zeiten ungewöhnlicher Noth gekommen, daß die Mißernte der Kartoffeln großes Elend ge­bracht, aber bei diesen Gelegenheiten las er seinen Namen mit hundert Pfund in den Wohlthätigkeitslisten, und war das nicht eine volle Quittung für alle Ansprüche seines Gewissens! Er las königliche und fürstliche Namen auf den Listen und freute sich über die so große Sympathie für Irland. Fragte er sich, ob solche Noth- stände gekommen wären, wenn er unter dem Volk gelebt hätte? Forschte er, wie weit seine eigene Entfernung von den Pächtern, feine Unwissenheit und Gleich­giltigkeit über ihre Lage diese wachsenden Uebel eingepflanzt hatte? Konnte er sich freisprechen bei dem Gedanken, daß das Pachtgeld, welches seinem Luxus diente, von elenden, hungernden Menschen zusammen­gebracht war? War die Unwissenheit darüber eine hinreichende Entschuldigung für das Gewissen? Nicht die reichen Geldgeschenke eines Landesherrn, nicht der tausend befruchtenden Bächlein gleiche Zusammenfluß von Gütern jeder Art fehlte den Irländern, sondern

sellschaft, welche den Gefahren der Habsucht und Herrschsucht zu unterliegen drohte, in Millionen von Seelen die Liebe zur Armuth und Bedürfnißlosigkeit, Einfachheit und Ent­sagung entfacht und haben damit dem gei­stigen und wirthschaftlichen Leben der Völker großartige und unberechenbare Dienste gelei­stet, welche freilich häufig genug deshalb nicht gewürdigt werden, weil sie nicht in arithmetische Ziffern und fertige Formeln sich fassen lassen.

Das heroische Beispiel der Entsagung war nicht bloß nothwendig für die Reichen und Wohlhabenden, sondern auch für die Armen und Besitzlosen. Ueberall, wo die Genuß­sucht und der Luxus sich geltend machen, rufen sie auf der entgegengesetzten Seite das Elend und die Noth hervor; die socialen Gegensätze schärfen sich und spitzen sich zu. Tritt keine Vermittlung ein, welche nach Oben Sparsamkeit und Einfachheit, nach Unten Bescheidenheit und Zufriedenheit lehrt, so entbrennt der Classenkampf. Diese Ver­mittlerrolle übernahmen die Bettelorden und deshalb wurden sie in der christlichen Gesell­schaft von fo großer Wichtigkeit. Auf die Armen zu wirken, wird nur demjenigen ge­lingen, der selbst freiwillig arm wurde. Wer inmitten der Wohlhabenheit lebend den Armen Bescheidenheit und Zufriedenheit leh­ren will, wird höchstens Hohn ernten und die gegenseitige Erbitterung noch steigern. Der freiwillig Arme dagegen, welcher Einer von Ihresgleichen geworden ist, wird den Weg zum Herzen der Verlassenen und Elenden finden, und seinen Worten wird es gelingen, in den erbitterten Ge­west mehr dec gütige Einfluß der Tugenden, welche ihren eigentlichen Boden im Reich­thum finden: Wohlwollen, Sympathie, Hilfe in Krankheit, freundlicher Rath in Kummer, rechtzeitige Hilfe in der Noth, Ermuthigung der Zagenden, vorsichtige Leitung der Eif­rigen; durch diese Gaben wird der Geber reicher, und durch diese Wohlthaten wird mehr als durch Geld die christliche Liebe dem Volke eingepflanzt und die menschliche Familie zu einem heiligen, unlöslichen Bündniß erhoben. Die Vernachlässigung dieser Pflichten ist ein Verstoß gegen den großen socialen Verttag, welcher die Reichen mit den Armen vereint, und was noch wichtiger erscheinen mag, es ist die lieber» gäbe des berechtigten Einflusses der Be­mittelten in die Hände gefährlicher, hinter­listiger Männer.

Der Vergleich mit dem einst nahen Guts­herrn erregt ungünstige Gefühle gegen den jetzt abwesenden; das Murmeln der Unzu­friedenen erhebt sich zur lauten Drohung, und sogar die Uebel, vor welchen kein menschlicher Schutz behüten kann, werden der höheren Classe zugeschrieben, weil dieselbe ihre große Pflicht vergaß und deshalb als die Ursache jeder Trübsal angesehen wird. Gegen den Abwesenden werden alle Anklagen übertrieben, selbst von den Leuten, deren