JIS. 255» Sonntag, den 5. November 1882.
Fuldaer SÜ Jeitung.
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O Zur allgemeinen Situation.
(Schluß.)
Die Reorganisation der egyptischen Armee nimmt unter der Oberleitung Englands ihren ungestörten Fortgang. Außer der in Bildung begriffenen Gendarmerie wird die Armee 10,000 Mann zählen, deren Officiere Türken und Circassier sein sollen, wahrscheinlich aber Engländer sein werden ä la — Baker Pascha, der übrigens ohne Urlaub auf einfache Anzeige beim Sultan nach Egypten ging, was zu einer Beschwerde der Pforte bei England führte und leicht zu einem Probestein sich gestalten könnte betreffs der zukünftigen Beziehungen beider Mächte zu einander. Zur Reorganisation der Armee und Verwaltung Egyptens gehört indes Geld, recht viel Geld. WÄ)er nehmen? Die Versicherung des egyptischen Ministeriums, daß, obgleich auch die Staatseinnahmen langsam eingehen, keine Schwierigkeiten in Hinsicht der Bezahlung der Coupons der vereinigten Schuld eintreten werde, bietet gewiß keine Garantie auch für die Deckung der übrigen Bedürfnisse, in erster Linie der Kriegsschuld. Woher also hier das Geld? Der Secretair des englischen Schatzamtes stellte in seiner oben angedeuteten Wahlrede auch die Forderung, Egypten müsse die Kriegskosten tragen, sollten auch die Bondsbesitzer darunter leiden. Herbert Gladstone (Sohn des Premierministers) erklärte etwa 8 Tage später das Gegentheil in einer öffentlichen Rede, indeni er constatirte, Egypten sei nicht in der Lage, die Last zu tragen, die Deckung der Kriegskosten sei für England eine Ehren- • “
Oswin Conrror.
Eine Erzählung aus dem Volksleben Irlands. Aus dem Englischen des Charles Lever, frei übersetzt von Alice Salzbrunn.
(Fortsetzung.)
Ueber das runzelige Gesicht ging ein verschmitztes Verständniß, während sie in irischer Sprache murmelte: „Der Platz ist ein Goldstück werth, aber ich will ihn Euch aus alter Freundschaft für Eure Familie geben."
Dann steckte sie die Münze in einen mit Kupfermünzen angefüllten Beutel und trat aus der Reihe, um ihn einzulaffen. Oswin's Herz schlug heftig in Mariens Nähe, seine Ungeduld, sich vor ihr zu rechtfertigen, zu ihr zu sprechen, verschwand in dieser Freude des Augenblicks. Den ganzen langen Tag solgte er ihr, besuchte jeden Heiligenschrein, und Andachtsort, und immer wenn er sprechen wollte, fürchtete er, ein Wort könne den schönen Traum des Glücks zerstören, deshalb schwieg er. Gegen Abend wendeten sich die Wallfahrer zum See, neben welchem vor dem Schrein an einem Hagerosenstrauch die letzte „Station" gehalten wurde. Ein alter Bettler, deffen Zudringlichkeit Niemand entging, versperrte Maria den Weg und bat sie um ein Almosen. Sie hatte bereits
schuld. Mag nun die eine oder die andere Voraussetzung zutreffen, immerhin wird es so kommen: Egypten, gleichwie Frankreich, werden Haare lassen müffen: Egypten zahlt die Schuld und erlangt einige unbedeutende Concessionen für die Selbstständigkeit seiner inneren Verwaltung, England trägt das Opfer und setzt sich dafür am Nil um so gründlicher fest.
Amtliche Eröffnungen der englischen Regierung an die übrigen Mächte wegen der Reorganisation Egyptens sind noch nicht erfolgt, es sind also auch die Behauptungen verschiedener Blätter unrichtig, eine Negierung habe sich ablehnend zu den Vorschlägen gestellt. Was über die angeblichen Vorschläge bislang verlautete, steht allerdings nicht im Widerspruche mit der Antwort Englands auf die Note der Pwrte vom 25. Sept., die Räumung Egyptens betr. Das englische Cabinet erwiderte nämlich, daß ein Theil der britischen Truppen Egypten bereits verlassen habe, und daß die Londoner Regierung selbst wünsche, den Rest thunlichst bald zurückziehen zu können. England habe für die Beruhigung Egyptens an- sehnlicheOpfer gebracht—angeblich 2,300,000 Pfd. Sterl. ----- 46,000,000 Mark - und in dieser Beziehung große Verantwortlichkeit übernommen. Die vollständige und dauernde Beruhigung zu gewinnen, dazu sei zeitweilig noch eine große Anzahl britischer Truppen nöthig. Uebrigens geht aus dem Tone jener Note der Pforte voni 25. Sept, hervor, daß die Pforte anläßlich der Räumungsfrage mit England wieder auf guten Fuß zu kommen sucht, um in Egypten wenigstens ihr Geld ausgegeben, das sagte sie ihm und suchte sich vorwärts zu bewegen.
„Laßt Oswin Connor hinter Euch es geben, meine Liebe, er ist reich und kann es," sagte der Krüppel.
Sie wendete sich bei den Worten um; die Bewegung war unwillkürlich und ihre Augen begegneten sich. Es giebt Blicke, welche länger und tiefer zum Herzen sprechen als Worte. Ihre Augen begegneten sich nur einige Secunden, aber während sich in Mariens Zügen beleidigter Stolz zeigte, sprach Oswin's kummervoller Gesichtsausdruck so mächtig von langem Gram und Leid, daß ihr Herz ihm halb vergeben hatte, ehe sie sich wegwendete.
„Ihr thatet mir schweres Unrecht, Maria," sagte er leise, als der Zug sich weiter bewegte, „Gott sieht in mein Herz und ist mein Zeuge! — Pater noster qui es in coelis!" fügte er laut hinzu, weil er bemerkte, daß der nächstfolgende Beter schwieg, um seine Worte zu hören.
„Gott weiß, daß ich lieber in der bittersten Armuth gelebt hätte, — Sanctificetur nomen tuum!" rief er laut und wendete sich plötzlich um, indem er sagte: „Bitte, tretet nicht auf meine Fersen, Mann. Ich kann nicht andächtig sein, wenn Jemand so nahe hinter mir ist."
noch etwas mitzuspielen und den Schein der Oberherrlichkeit zu retten. Die Situation auf diesem Gebiete wird sich erst dann vollständig klären, wenn Gladstone wie schon bemerkt, dem Parlamente sein vollständiges Programm vorlegt.
In Constantinopel spielt zudem gleichzeitig auch wieder einmal eine nicht ungewöhnliche Ministerkrisis, die mit der Entwickelung der egyptischen Frage im innigen Zusammenhänge zu stehen scheint, aber in« sofern nicht viel zu bedeuten hat, als der Sultan die Politik nach persönlichem Ermeßen führt. Der Mnisterpräsident hat nämlich gewagt, dem Padischa ein Programm vorzulegen, dessen wesentliche Punkte gleiche Beziehungen zu allen Mächten, Ministerverantwortlichkeit, Ersparungen bei der Armee und Reformen in Syrien fordern. Diese Blase wird indeß bald wieder platzen, ohne bedenkliche Spuren zu hinterlassen. Größere Unbequemlichkeiten könnte das Wiedererscheinen des türkischen Scheikh O b e i d u ll a h, der aus Constantinopel entfloh unb später versprach, sich nach Medina zurückzuziehen, verursachen, indem derselbe mit 10,000 Mann an der persischen Grenze ersckienen ist und die Stadt Wan belagert. Türkische und persische Truppen sind gegen ihn aufgeboten. Unzweifelhaft hat Rußland seine Hand dabei im Spiele und es wäre deshalb nicht unmöglich, daß nach und bei der „Beruhigung Egyptens" das orientalische Feuer an jener Stelle aufs Neue emporloderte.
„Es ist vielleicht weniger unbequem, wenn Jemand so nahe vor Euch ist," murmelte der alte Geselle mit schlauem Grinsen.
„Vier Jahre liebte ich Euch, Maria Joyce, und leider gabt ihr mir früher keine andere Ermuthigung als Euer süches Lächeln. Wenn Ihr mir jetzt das entzieht — hört Ihr mir zu, Maria? Hörst Du, Geliebte? — Hinweg mit Euch, Alter! Warum bleibt Ihr nicht zurück? Wie kann ein Mensch seine Seele retten, wenn Ihr ihn jeden Augenblick zum Zorne reizt?"
„Ich hörte nur, wie schön Ihr Eure Gebete sagt," antwortete der Alte trocken.
„Beachtet lieber Eure eigenen, oder ich werde Euch eine nene Buße lehren," sagte Oswin zornig.
Die Drohung scheuchte den Mann zurück und Oswin nahm seinen Platz wieder ein.
„Vielleicht werde ich Euch nie wiedersehen, Maria. Es ist das letzte Mal, daß ich zu Euch rede. Ich will meinen theuren alten Vater verlassen und Soldat werden. Hier kommen wir nun an den hl. Ort; ich will es vor der Himmelskönigin geloben, daß —"
„Wie kann ich andächtig sein, Oswin Connor, wenn Ihr so laut zu Euch selbst sprecht?" sagte Maria leise.
(Fortsetzung folgt.)