J^O. 254* Sonnabend, den 4. November 1882.
Fuldaer SB Jeitung.
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% Zur allgemeinen Situation.
Den Angelpunkt der großen Politik bildet wesentlich noch immer die egyptische Frage, die seit den letzten 14 Tagen kaum vom Fleck gerückt ist. England und Frankreich beriechen sich noch fortgesetzt gegenseitig, um zu sehen, womit man seine Ansprüche und Forderungen in die Höhe schrauben kann; ist ein neues Moment in die Situation getreten, so wäre es der augenblicklich hervortretende Versuch Frankreichs, nunmehr die vollständige Abwickelung der tunesischen Angelegenheit als Factor gegenüber der definitiven Regelung der egyptischen Frage auf die Tagesordnung zu bringen, sowie die reservirte Haltung Rußlands, das, nachdem es lange Zeit ivegen Egypten eine gereizte Sprache führte, gegenwärtig tief im Hintergründe sich schweigend verhält.
Was England mit Egypten anzufangen gedenkt, hüllt sich noch in Dunkel. Allenfalls könnte man die Erklärungen, welche kürzlich von zwei hervorragenden Mitgliedern des englischen Cabinets an verschiedenen Punkten des Landes bei Wahlreden abgegeben wurden, als Fingerzeig ansehen, wohin die Regierung steuert, die es liebt, bei solchen Gelegenheiten ihre Pläne andeuten zu lassen, entweder als Fühler, oder um Stimmung dafür zu machen. Diesen Andeutungen zu- " " 8~"
Oswin Connor.
Eine Erzählung aus dem Volksleben Irlands. Aus bem Englischen des Charles Lever, frei übersetzt von Alice Salzbrunn..
(Fortsetzung.)
Ein großer Segen begleitet das Leben des niedrigen Standes: bie Verbesserung der Lage bedingt nicht, daß ein alter Mann seine alten Freunde und Genossen verlasse und andere als Ersatz suche. Der Kastengeist koinmt nicht auf den Bauer herab, sondern er steht hoch über ihm; sein verändertes Vermögen bringt verhältnißmäßig wenige Freuden und Behaglichkeiten, an welchen seine Genossen nicht theilnehmen können. Deshalb war Connor's Haus jeden Sonntag gedrängt voll von Landleuten, welche sein wunderbar günstiges Schicksal mit eigenen Augen sehen und mit eigenen Ohren hören wollten. Wäre der Gutsherr ein Engel des Lichtes gewesen, der Segen Gottes hätte nicht inniger und häufiger auf ihn herabgerufen werden können. Jeder schätzte die ausgeübte Freigebigkeit nach seinem geringen Besitzthum und persönliche Klagen über wirkliches oder vermeintes Unrecht verstummten in Anbetracht dieses einen Actes der Wohlthätigkeit.
folge soll England entschlossen fein, nach Errichtung einer stabilen Regierung Egypten zu verlasien, zuvor aber erst eine Volksvertretung, so weit thunlich, einzurichten, die Freiheit des Schifffahrts-Verkehrs im Suezcanal zu sichern, sowie Maßregeln zu treffen, welche das Uebergewicht fremden Einflusses in Egypten ausschließen sollen. Unter fremden Mächten ist hier offenbar Frankreich verstanden, da die Verwaltung des Suezcanals sich überwiegend bislang in dessen Händen befand. Das wäre also ein doppelter Verlust für Frankreich, indem auch die englisch-französ. Finanzcontrole nicht fortbestehen soll. Haben die .Times' richtige Informationen, so wäre England wohl geneigt, Frankreich für den Verlust seiner Stellung in der Finanz-Con- trole durch die Einräumung eines Portefeuilles im egyptischen Staatsministerium zu entschädigen, etwa des Ministeriums der öffentlichen Bauten, indem es sich selbst aber das Finanzministerium vorbePelte. Solche Vorschläge sieht man in Frankreich selbstverständlich als durchaus ungenügend an. Charakteristisch für die Lage der Dinge in dieser Beziehung ist der Auftrag des französischen Cabinets an seinen Vertreter in der Finanz-Controle, Herrn Bredif, auf seinen Posten in Kairo zurückzukehren, während gleichzeitig der englische Vertreter bei seiner Regierung sich um einen höheren Verwaltungsposten in Indien bewirbt.
Die politische Zerfahrenheit in Frankreich läßt dort keine entschiedene, selbstbewußte Action zur Reife kommen. Der Revanchegedanke gegen Deutschland macht einen Theil der Staatsmänner geradezu taub und
Die Connor's gehörten zu den Wenigen, denen irdisches Gut zufallen konnte, ohne Reid und Mißgunst zu erregen. Der rauhe, unabhängige Charakter des Vaters, die sorglose, heitere Gemüthsart des Sohnes hatten ihnen viele Freunde und wenig Feinde gemacht. Die ganze Nachbarschaft schaarte sich bei ihnen zusammen, um die Glückwünsche zu der verbesserten Lage darzubringen. Die Joyce's allein zeigten keine Theilnahme an diesem Gefühl; ihre kleine Partei hielt fester zu Philipp Joyce, sie nahmen die Nachricht von Oswin Connor's Glück zuerst ungläubig auf, und als sie dasselbe nicht mehr läugnen konnten, deuteten sie an, es sei ein neuer Brauch in Irland, daß Männer „für Geld kämpften." Diese Spöttereien kamen dem alten Manne und feinem Sohne bald zu Ohren, und Viele glaubten, der Tag des nächsten Jahrmarktes würde eine schwere Vergeltung für die Trübsal des vorigen bringen, aber das war ein Jrrthum. Weder Oswin noch sein Vater erschienen an dem Tage. Die Anhänger ihrer Partei waren zahlreich und mächtig versammelt, aber diejenigen, deren Beleidigung sie rächen wollten, stellten sich nicht an ihre Spitze. Das war ein Schimpf, der nicht stillschweigend hingehen konnte; das Murren wurde lauter, bis schwere Anklagen auf die Beiden fielen,
blind gegen die wahren Interessen des Landes, während wieder andere Politiker noch immer den schönen Traum zu träumen scheinen, England werde es in Egypten vielleicht machen, wie zur Zeit im Caplande, wo die Regierung angeblich eifrig den Plan fördern soll, die Colonial-Behörden aus dem Ba- sutolande zurückzuziehen; Egypten wird aber schon deshalb nicht leichten Kaufes preisgegeben werden, weil es den Weg nach Indien beherrscht. Frankreich ist augenblicklich vollständig isolirt. Deutschland, Oesterreich und Italien beobachten gleich wie Rußland eine reservirte Haltung, um zunächst bestimmte Vorschläge zu erwarten, mit denen Gladstone bald hervortreten muß. Unter solchen Umständen ist erklärlich, daß Frankreich gerade jetzt den Mächten Tunis in Erinnerung bringt. Pariser Blätter, offenbar im höheren Auftrage, riethen schon vor dem Tode des alten Beys, das Land einfach zu annectiren. Anderen Mittheilungen zufolge ist mit dem Bey ein Vertrag abgeschlossen, wonach ein neues französisches Tribunal eingerichtet werden soll, welches alle Processe zu erledigen, die Reorganisation der Verwaltung des Staatseigenthums und die Ueber- wachung und Einziehung der Steuern zu leiten habe. Den, Bey sei eine Civilliste von 700,000 Francs im Vertrage garantirt. Das wäre also die Mediatisirung von Tunis als Compensatio» der englischen Mediatisirung Egyptens. Bei diesem Arrangement würden die Besitzer der französischen Rententitel gewinnen, und Rochefort behielte Recht, die tunesische Expedition sei ursprünglich nichts weiter als ein Finanzfeldzug gewesen.
welche nicht herankommen und sich als Männer Recht verschaffen wollten. Die erzürnte Partei brach bald auf, kehrte nach Hause zurück und überließ den Feinden das Feld ohne einen einzigen Schlag.
Am folgenden Tage traten die Andachtsübungen an Stelle der Raufereien und lärmenden Vergnügungen des Jahrmarkts, dann blieben die jüngeren Männer gewöhnlich nicht anwesend. Die Versammlung bestand meistens aus Frauen, die wenigen Männer waren bejahrte Leute oder Krüppel, welche auf die durch die religiösen Uebungen erweckte Mildthätigkeit rechneten. Mit großer Schwierigkeit war es dem würdigen Priester des Pfarrspiels gelungen, das weltliche Fest und die religiösen Feierlichkeiten zu trennen und so den Wallfahrern, wie sie genannt wurden, eine ungestörte Zeit der Andacht zu sichern. Seine erste Sorge war es, die Versuchungen zur Zerstreuung und Unmäßigkeit zu entfernen; deshalb verbannte er jede Schaustellung und jedes Zelt, in welchem gespielt und gezecht wurde. Daher war das ganze Bild verändert. Der wilde Aufruhr des Jahrmarktes, der Lärm der Stimmen, der Musik und des Tanzes, die Gelage und Faustkämpse waren verfchwunden; man hörte das halblaute, eintönige Gebet der Wallfahrer, während sie auf ihren Knieen lagen,