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M 252.

Jfulbarr

Mittwoch, den 1» November 1882.

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I.

qp. Die Larrdwirthschaft und die staatliche Gesetzgebung.

Seit dem Jahre 1850, kann man sagen, Hal die ganze Gesetzgebung eine dem Stande der Landwirthe ungünstige Stimmung genommen. Mit der Befreiung des Grund und Bodens von den Feudalabgaben, mit den Ablösegesetzen glaubte sie genug gethan zu haben und wandte sich nun, um die Steuer­kräfte des Staates möglichst zu erhöhen, ganz zu Gunsten des Industrialismus. Sie be­trachtete und behandelte den Grundbesitz als ein Capital, während er doch seiner Na­tur nach etwas Festes, Unbewegliches ist, dem nur dann ein dauernder und sich stei­gernder Ertrag abgewonnen werden kann, wenn er möglich lange sich in einer Hand erhält. So verkehrt es ist, den Grundbesitz zu „mobilisiren" und wie beim Capital in dem „Umschläge" desselben einen Werthmesser für den steigenden oder fallenden National­wohlstand zu finden, fo verkehrt ist es auch, die verschiedentliche Arbeitskraft als eine Summe zu behandeln und dem Capitale dienstbar zu machen. Gewiß hat diese Ar­beitskraft ihren nach Geld zu schätzenden Werth, aber diesen Werth als einen Zins, als einen Procentsatz von einem Capital an-

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Oswin Connor.

Eine Erzählung aus dem Volksleben Irlands. Aus dem Englischen des Charles Lever, frei übersetzt von Alice Salzbrunn..

(Fortsetzung.)

Die Burschen — so werden dort die un- verheiratheten Männer jeden Alters genannt — ließen einen zur Wache bei Oswin zurück und gingen heim. Erst nach Mitternacht kam der alte Connor nach Hause; er bemühte sich zwar, seine Erregung in Gegenwart des „fremden Burschen" zu verbergen, doch konnte er seine Gefühle beim Anblick seines Sohnes nur mühsam beherrschen. Das blutbedeckte Hemd stach schrecklich gegen die braun und blau geschlagene, bleiche Wange ab, die schweren, unregelmäßigen Athemzüge, das häufige Aufschrecken im Schlaf bekümmerten den alten Mann, aber er strengte sich an, ruhig und gefaßt zu scheinen und den Vor­fall als einen gewöhnlichen zu behandeln.

„Heinrich Joyce und sein Bruder Lucas, der große Lucas wird er genannt, sind auch übel zugerichtet; man sagte mir, daß Oswin tapfer mit ihnen kämpfte," sagte er grimmig lächelnd, als er sich an den Herd setzte.

„Ich hörte ihre Rippen krachen," antwor­tete der andere. •

sehen, ihn auf den Markt bringen zu wollen, das ist verkehrt, ist die größte Mißachtung des gesunden Menschenverstandes, welchen stubengelehrte Weisheit sich jemals hgt zu Schulden kommen lassen. Eine Waare kann man sehen und fühlen, kann man verwahren und bis zu günstiger Verkaufsgelegenheit auf­speichern; die menschliche Arbeitskraft aber ist etwas für sich allein Vorhandenes; sie ist der Mensch selbst, und wer sie als Waare betrachtet, der macht den Menschen selbst zur Waare, und zwar zu einer solchen, deren gestriger Inhalt nicht mehr den heutigen, deren morgiger sich noch gar nicht mit Gewißheit bemessen läßt. Was ist das anderes als Sclaverei?

Der moderne Industrialismus und die ihm huldigende Gesetzgebung haben dieser Auffas­sung nur allzusehr Raum gegeben. Man sah in dem niöglichst lebhaften Tausch und Handel im Grund und Boden, in der „Be­wegung der Bevölkerung und des Bodens", in dem Steigen der Arbeitslöhne lauter „Auf­schwung" und „Fortschritt". Fiel doch zur Zeit der neuen Aera selbst vom Ministertische einmal die herzlose Aeußerung, daß es dem Staate selbst int Grunde gleich sein könne, wer den Boden bebaue, ob Eigenthümer, Pächter oder Nießbraucher, wenn er nur rationell beackert werde, höheren Ertrag und höhere Steuerkraft im Gefolge habe. Der jedenfalls semitisch angehauchte Regierungs- commissar hatte keine Einsicht davon, daß der Patriotismus, welchen die Anhänglichkeit an das ererbte Eigenthum erzeugt, ein ganz anderer ist, als der durch Actien- und Hypo­thekenbesitz hervorgerufene. Die schädlichen Folgen dieses Jrrthums in dem leitenden

„Oswin kann es mit Dreien aufnehmen," sagte der Alte, „ehrlicher Kampf und ehr­liches Wort, ich möchte ihn wieder im Thale sehen."

„Ihr habt Recht; er hat Muth und Ver­stand, das ist bester als Körperkraft."

Der Gedanke an Oswin's Tapferkeit, die sein Gast herzlich lobte, tröstete den alten Mann; er schwatzte und rauchte bis zum Tagesanbruch. Dennoch ging ihm der trau­rige Zustand seines Sohnes sehr zu Herzen, Oswin war seine einzige Freude auf der Welt, der Gegenstand seiner Liebe und Hoff­nung, aber Jahre des einsamen Lebens hat­ten ihn gelehrt, seine Gefühle im eigenen Busen zu bergen, anstatt den Trost außer­halb zu suchen; auch beherrschte ihn sogar in seinem Kummer das Gefühl des Partei- Hasses.

Oswin bedurfte einige Tage der Ruhe aus seinem Bett, aber er erholte sich bald, vielleicht schneller, als wenn alle Hilfsmittel des Reichslhums ;u seiner Genesung ange­wendet worden wären, und gewiß schneller, als wenn sein Kopf sich mit höherem Denken und Streben beschäftigt hätte, anstatt mit dem einfachen Bauernleben. Der Streit hatte jedoch eine tiefere Wunde zurückge- lasten, als die schreckliche, rothe Narbe auf seiner Stirn. Der arme Bursche dachte oft

Gedanken der Gesetzgebung konnten nicht aus­bleiben. Der Ausdruck, den sie in der Hypo­theken- und Subhastations-Gesetzgebung fan­den, konnte seines schädigenden Rückschlages auf den Wohlstand des gesammten Grund­besitzes nicht verfehlen. Unerhörte, stets wachsende Staats- und Gemeindelasten, hohe Stempelsteuern und Gerichtskosten, hohe Ar­beitslöhne, Mangel an Gelegenheit, die land- wirthschaftlichen Products unmittelbar zu ver- werthen, dazu dann noch die Nothwendigkeit einer höheren Bodencultur und Mangel an Mitteln zu derselben, das waren die Ursachen, welche trotz der zahlreichen, von der Staats­regierung nach Kräften unterstützten land- wirthschaftlichen Vereine und Casinos den eigentlichen Bauernstand seinem Untergange nahe brachten. Er war einmal und blieb der Prügeljunge der Steuergesetzgebung und man konnte nach wie vor mit dem Ritter v. Lang sagen: Zuerst wird auf den Kornsack geschlagen, wenn er aus der Scheune kommt, dann auf den Mehlsack, wenn er aus der Mühle kommt, dann auf den Brodsack, wenn er vom Bäcker kommt.

Es hat noch lange gewährt, ehe die Ge­setzgebung ihre Jrrthümer erkannt und sich zur Umkehr entschlosten hat. Aber sie be­wegt sich auch jetzt noch auf dem Gebiet des Experimentirens. Die Mittel und Wege, wie dem Grundbesitze, dem geringeren zumal, gründlich aufzuhelfen sei, sind noch lange nicht nach allen Seiten hin richtig erkannt, und da, wo es geschehen ist, wo man wie z. B. durch die Einführung einer Wehrsteuer, durch die Börsensteuer die Ungleichheiten int Erwerbe und Verkehr aufzuheben versuchte, an das Gespräch, welches er gehört, als man ihn auf den Berg trug; und obschon er auch vorher wenig Hoffnung gehabt, so war er jetzt überzeugt, daß er alle Aus­sicht auf Maria's Gegenliebe verloren hatte. Seine Niedergeschlagenheit war nach einer so schweren Verwundung natürlich und siel dem alten Vater nicht auf; er wünschte zwar, sein Sohn sollte den Trübsinn zu überwinden suchen und sich in der freien Luft bewegen, aber er überließ ihn sich selbst, da er wohl wußte, daß Oswin nicht eine Stunde länger int Krankenzimmer bleiben werde, als es unvermeidlich sei.

Zehn Tage nach dem Volksfeste saß der Vater in der Thüre der Hütte und beeilte sich, die letzte Helle Tagesstunde beim Aus­bessern eines Netzes zu benutzen. Oswin saß in seiner Nähe, beobachtete den Fortschritt der Arbeit und streichelte den alten Schäferhund, welcher sich an ihn anschmiegte, als der Ton einiger Stimmen ihre Aufmerksamkeit erregte. Sie horchten und konnten deutlich hören, daß ein paar Personen jenseits der Felsen, zwi­schen welchen der Bergpfad lag, mit ein­ander sprachen, und gleich darauf erschienen die Fremden an der Ecke des Felsstückes.

Es waren zwei Personen, ein älterer Herr ritt einen starken Pony und ein Landmann führte das Pferd am Zügel und schien für