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M 247. Donnerstag, den 26. October 1882.

. . _ Die »Krldaer Zeitemx' erscheint tüPlich, Sonn- und Feiertage ausgenommen, «an abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda

" Erpeditwu, Mmermarkt Nr. 112, auswLrtS bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda 1 Mark mb 60 Wg., ant Bringerlohn 1 M. 70 Pfg.. auswärts bei bett Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg.. ins Haus gebracht 1 M. 90 Pfg. Mit den ,JlluMrten SonntagsbrSttern^ lostet dieFuld. Ztg vierteljährlich in Fulda M. 1.90; auswärts am Postschalter M. 1.75; in'S Haus gebracht M. 2.15.

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•i. Wine Stimme <r»s Oesterdeich über die achtjährige Schulpflicht.

Im zweiten Septembechefte der ,Mtor.- polit. Blätter' wird die österreichische Schul­frage behandelt und ebendarnit die acht­jährige Schulpflicht besprachen; denn auch in Oesterreich wurde die Schulpflicht rniit einem achtjährigen Turnus normirt. Nach modern-pädagogischer Dagmatik kamt das gesteckte Lehrziel nicht unter achtjähriger Unterrichtszeit erreicht Werden. Es erhebt sich isogleich die Frage, Weshalb denn das Ziel so hoch gesteckt wurde und ob es gut, weise und gerecht war, es so hoch zu stecken? Wir halten das Lehrziel an der Volksschule überhaupt für zu hoch gesteckt und wünsch­ten, daß die Anforderung an die schulpflich­tige Jugend ohne Unterschied von Stadt und Land niedriger gestellt wäre, da ,e§ doch Jedermann, der den Umfang beS Un­terrichts seiner Kinder erweitern und aus­dehnen .will, unbenommen bleibt, sie höhere Schulen besuchen zu lassen was namentlich für den Städter ein leichtes ist. Wir müs­sen das aber uni so mehr wünschen, als es uns Unrecht dünkt, den Anforderungen Einzelner, die ebensogut eine zehnjährige Schulpflichtigkeit begehren könnten, auf Kosten der Mehrzahl zu genügen. Wir sehen nicht ein, weshalb der Zögling der Volksschule mit Lehrgegenständen nur oberflächliche und darum auch werthlose Bekanntschaft machen soll, die ihm, falls er aus der Volksschule ins praktische Leben tritt, von keinerlei Nutzen ist, während derjenige, der zum Be­suche höherer Lehranstalten bestimmt ist, das

Oswin Connor.*)

Eine Erzählung aus dem Volksleben Jrlanl s. Aus dem Englische» des Charles Lever, frei übersetzt von Alice Salzbrunn.

I.

Vor ungefähr dreißig Jahren hielt man ani sechszehnten März, dem Vorabend des St. Patriciusfestes, in einem kleinen irischen Dorf am Ufer des Lough Corrib den Jahr­markt und feierte „die heilige Zeit", indem ein Tag den Vergnügungen aller Arten und der nächstfolgende den Gebeten, Procefsionen und Bußübungen gewidmet wurde, um die Gemüther zur Erfüllung ihrer alltäglichen Pflichten in einer angemeffeneren und ern­steren Weise vorzubereiten.

Ein reicher Weltinann hätte über die be­scheidenen Anstalten zur Festfeier bei dieser Gelegenheit lächeln können, aber er würde sich kaum gleichgiltig vom Schauplatz der­selben abgewandt haben. Hohe Berge um­gaben das ausgebreitete Thal, ihre auf- steigenden Umrisse reichten bis zum blauen Himmel oder zu den phantastisch geformten Wolken. Der sich weithin erstreckende See, welcher von den Bergen und der alten Stadt Galway begrenzt wurde, hatte ein

*) Nachdruck verboten.

Alles an denselben gründlich ■erleraen kann, was man ihm an der Volksschule nur, ut aliquid fecisse videatur (damit sie etwas gethan zu haben scheine,) beigebracht hat. Wir meinen, daß ba6 Lehrmaterial an der Volksschule sich auf bas Nothwendigste zu beschränken habe und nicht mehr als die vier Rechnungsspecies, Lesen, Schreiben und die Kenntnisse des Katechismus zu umfassen brauche, daß aber dafür die vollkommene Kenntniß dieser Lehrgegenstände die Beding- niß der Entlastung aus der Schule bilden müßte. Zur gründlichen Aneignung des bezeichneten Materiales bedarf es keines achtjährigen Schulunterrichtes und genügt der sechsjährige Schulbesuch vollauf. Wer nach sechs fleißig angewandten Schuljahren sich die Kunst des Lesens, Schreibens und Rechnens und die Kenntniß der katholischen Religionswahrheiten nicht anzueignen ver­mochte, der ist unzurechnungsfähig oder streift doch an Unzurechnungsfähigkeit, wird daher in den zwei darauffolgenden Schuljahren nimmermehr nachholen, was sich seinem Ge­hirn in den sechs verflossenen nicht einprägte.

Sollte sich aber der Wahn denn doch stärker erweisen als die Vernunft und die städtische Bevölkerung für die Rothwendig- keit eines schon an der Volksschule zu er­werbenden Uebermaßes von Kennen und Wissen eintreten, sollte sie ihr Verlangen mit dem rascheren Blutumlauf und dem häufigen Wechsel der socialen Stellung, dem Auf­steigen zu den höheren Gesellschaftsklassen und Herabsinken aus diesen in die nied­rigeren Kreise zu begründen suchen, So wäre es darum noch nicht nöthig, das Kind paar kleine Felseninseln und nur auf einer sah inan eine Spur von Menschenhänden, die Ruinen einer kleinen Capelle. Eine wilde Romantik sprach sich in der ganzen Um­gebung aus; die felsigen Berge trotzten den Anstrengungen der Menschen, sich dieselben dienstbar zu machen, und sogar eine Schaar wilder Ziegen kletterte vorsichtig über die Klippen und Abhänge dieser gefahrvollen Gegend. Im Gegensatz zu diesen rauhen Bergen sah man unten im Thal Ackerland, Wiesen und Bauernhäuser, welche trotz der Armuth in ihrem Innern, dem fernen Be­schauer einen ländlich behaglichen Anblick gewährten; einige waren unter dem schützen­den Dach eines Felsenvorsprunges erbaut, und neben jedem sah man einen aufgestapel­ten Torfvorrath, welchen hier sogar der Aermste besitzt. Einige Flüsse durchschnitten das Thal, an ihren smaragdgrünen Ufern graste das Vieh, und der Hirtenknabe fischte. Der durch den See und die Berge einge­schloffene kleine Ort schien von der Well •

abgeschnitten zu sein, und so war es auch; !

hier lebte ein armes, aber nicht unglückliches i Volk, welches in der Einsamkeit die Be- j quemlichkeiten und Freuden reicherer Gemein- s den nicht kannte. Die Dorfbewohner waren l an ihre Armuth gewöhnt; wenn der Mangel ; ihnen auch oft nahe trat, fühlten sie sich j

, mit dem Bade auszugießen und die länd : liehe Bevölkerung an das nämliche Joch zu ' spannen, welches die städtische freiwillig auf sich nimmt. Die Daseinsbedingungen der ländlichen Bevölkerung sind wesentlich ver­schiedene, und wenn man vielleicht behaupten darf, daß dem Städter ein Mehr an Wis­sen nicht gerade schädlich sei, so läßt sich der Beweis führen, daß der Landmann ganz gewiß durch Ueberbildung und Viel­wisserei zu Schaden komme. Die ländliche Jugend ist im Allgemeinen bestimmt, in die Fußstapfen der Eltern zu treten. Der Sohn des Grundbesitzers wird in der Regel, gleich feinem Vater, Bauer werden, die Tochter in bäuerliche Verhältnisse hineinheirathen oder als Magd ihren Unterhalt zu gewin­nen streben. Jäger. Fischer, Handwerker, Krämer streben in der Regel nicht darnach, ihre Kinder zu Höflingen, die Buben zu Kammerherren, die Mädchen zu Palastdamen heranzubilden, und das ist um so löblicher als eine Welt von Hofherren und Palast­damen beiläufig die schlimmste aller Welten wäre.

Wo Ausnahmen vorkommen und der Sohn dazu^ausersehen ist, geistlich zu werden oder die Tochter als Lehrerin ihren Unterhalt zu verdienen, da öffnen Gymnasium und Hoch­schule, beziehungsweise die Ährerinnenbil­dungsanstalt, ihre Pforten. Daß jede Dorf­gemeinde ihre Mittelschule besitze, ist bis jetzt selbst von den Fortgeschrittensten nicht gefordert worden. Bei der Stabilität des Geistes der ländlichen Bevölkerung, bei ihrer Selbstgenügsamkeit und ihrem conservativen ! Wesen scheint die Octroyirung einer gewis- doch durch denselben nicht hart gedrückt. Diese Bauern feierten jetzt das Fest des Schutzheiligen ihres Landes. Der Abend nahte; die Sonne stand schon niedrig und die rothe Gluth hinter den Bergen kündigte den Untergang des Gestirns nm Die Ge­schäfte des Jahrmarktes waren fast beendet. Der kleine Handel, welcher in. einem so ent­legenen Ort stattsinden konnte, der Austausch einiger Schafe, der Verkauf eines Berg- pony's, einer jungen Kuh, oder einiger Zie­gen waren vorüber, und nun folgten "die gewöhnlichen Festlichkeiten. Vergnügungs­lustige ärgerten sich über die noch zögernden Handelsleute und trieben das Vieh weg. In den mit Segeltuch bespannten Zelten drängten die Besucher einander, man hörte die Dudeksackpfeife und den Tanz schmerbe­schuhter Füße. Verschiedene Ausstellungen wurden von buntgekleideten Männern ange­kündigt, ein Kalb mit zwei Köpfen, sechs­füßige Schweine und ein „Kind von zwei zwei Jahren, welches in einem Zuge ein Ouart Branntwein trinken würde, wenn eine genügende Zuschauerzahl versammelt wäre;" jedoch sei zur Ehre der Kinder Irlands ge­sagt, daß diese Heldenthat immer aufgescho­ben wurde, angeblich weil die bedungenen Zuschauer mangelten. Auch waren einige Restaurationen von größter Einfachheit da,