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Jtß. 244* Sonntag, den 22. October 1882.

Jfiilbarr ® Jritung.

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-n. Das irische Städtchen Clifden.

Wir haben jüngsthin den P. Th. Gran* erath auf einer Reise von Galway nach Connemara begleitet. Connemara gehört zu Connaught (Connaught), das die west­lichste Provinz Irlands und ungemein arm ist, und demzufolge auch seit 40 Jahren um */2 Million Einwohner abgenommen hat. Der Hauptmarktplatz für Connemara ist das Städtchen Clifden. Unser Pater gibt uns eine Beschreibung davon, die wegen der Schilderung irischer Zustände, welche er darin verwebt, das Interesse des Lesers in nicht geringem Grade in Anspruch nimmt.

Am Eingänge der Stadt liegt ein großes, schönes Kloster in einem fleißig gepflegten Garten: Das Waisen- und Schulhaus der Sisters of Mercy (der barmherzigen Schwestern Irlands). Wie überall in Ir­land, so erschienen sie auch hier als wahre Engel der Barmherzigkeit für die Kleinen, die Verwaisten, die Armen, die Kranken, — kurz für Alle, welche ein theilnehmendes, selbstloses, opferbereites Herz suchten. Ge­rade 50 Jahre sind verflossen seit der Stiftung ihres Ordens, und bereits zählen sie 168 Häuser in Irland und 428 in England, Amerika und Australien, oder wohin sonst die Kinder ihres Volkes ver­schlagen sind, welche sie allenthalben ehren und lieben, wie höhere Schutzgeister, die ihnen der Himmel in ihrer Roth herabge­sandt. Links an der Straße liegt das Gegenstück zu -dem Kloster, das Workhause, das Gefängniß der Armen, der armselige Ersatz, welchen der Staat nach Vernichtung

Das Wunder am Feste Mariä Himmelfahrt. 34

Aus dem Französischen von Heinrich Lass erre übersetzt von Konrad Helfrich.

(Fortsetzung.)

In Chagny waren alle christlichen Her­zen und sogar viele jetzt noch ungläubigen Gemüther in freudiger Stimmung. Die Installation dieses Mannes des Wunders, und seine Wcrte, welche die edelsten Gefühle der Seele angeregt hatten, kündigten eine glückliche Zukunft an. An diesem schönen Feste vernahm man mit froher Zuversicht von allen Lippen die Worte, welche man sprechen darf, wenn man die Sonne zum wolkenlosen Morgenhimmel aufsteigen sieht: dies ist der Anfang eines schönen Tages!

Aber mit allen irdischen Dingen geht es, wie mit der Erde selbst, welche, um ihre Are sich drehend, durch ihre gehcimnißvolle Bewegung ununterbrochen vom Lichte zur Finsterniß und von der Finsterniß wieder znm Lichte getragen wird. Während die Strahlen der aufgehenden Sonne;u Chagny leuchteten, senkten sich die trübseligen Schat- des Sonnenunterganges auf das alte Schloß von Digoine nieder.

XXXVIII.

Kaum war Herr Abbe de Musy einige Tage abgereist, um seine Pfarrstelle anzu-

der Stätten christlicher Bamherzigkeit den nunmehr das Land überfluthenden Armen geboten, in welchem der nach Abzug der Beamtenbesoldung gebliebene Rest der amt­lich erhobenen Armensteuer von officiellen Händen den Armen gereicht und von diesen ohne Dank empfangen wird. Die Armen hassen dieses Gefängniß und wollen nicht hinein. Viele ziehen den Hungertod dem Arbeitshause vor. Welcher Gegensatz zwischen beiden Häusern, der sich schon im Aeußeren manifestirt: Das schöne Kloster im hübschen Garten und das Arbeitshaus mit seinen düstern Mauern und seiner tra­ditionellen, es aus Meilen kenntlich machen­den Bauart. Viel schöner erscheint noch dem draußenstehenden daß eigentliche Ge­fängniß von Clifden, welches sich burgartig auf einer Insel des Flusses erhebt.

Roch zwei andere Gebäude ziehen unsere Aufmerksamkeit auf sich. Die neue katholische und die protestantische Kirche, jene demüthig und ohne Thurm im Thaltheile der Stadt, diese stolz auf dem Hügel, mit hochauf­steigendem Thurine. Woher denn in Conne­mara, dem ärmsten Theil Connaught's, eine protestantische Gemeinde? Es war ja das die Politik der protestantischen Unter­jocher der Insel, den besten Theil derselben für ihre eingeführten Freunde mit Beschlag zu belegen, die katholischen Familien dagegen in den unfruchtbaren Westen zu treiben, — eine Politik, welche sie so unbarmherzig verfolgten und welche Cromwell in den Worten proclamirte: „Rach Connaught oder in die Hölle!" In der That leben unter den 2000 Einwohnern nicht einmal 20 treten, so fühlte Frau de Musy eine plötz­liche Zunahme des Herzleidens, welches ihr die Freude über das Wunder verursacht hatte, und welches durch die seitdem ver­lebten glücklichen Tage zwar ein wenig in seinem Fortschritte gehemmt, aber leider nicht gehoben worden war. Reue, sehr be­unruhigende Symptome der Krankheit traten zu Tage, und die Aerzte mußten bald ihr Unvermögen eingestehen, dem Uebel Halt zu gebieten.

„Sie hat nur noch wenige Monate zu leben," sagten sie.

Mit der erhabenen Heiterkeit ihres ge­wöhnlichen Lebens stieg die starke Frau auch diesen letzten, steilen Abhang hinab und schritt dem Grabe entgegen.

„Wenn Sie morgen sterben müßten," fragte man einst einen Heiligen, welcher grade mit Handarbeit oder Schreiben beschäftigt war, „was würden Sie dann thun?"

„Ich würde meine Arbeit fortsetzen."

Sie fuhr fort, durch fromme Lesung, durch Betrachtung, durch Gebete sich mit Gott zu unterhalten, sie fuhr fort, ihrer Haushaltung vorzustehen: sie fuhr fort, die gewohnten Werke der Barmherzigkeit zu üben; sie fuhr fort, den Armen und Kranken beizustehen. Die Beschaffenheit ihrer Krank­heit gestattete ihr, das Bett zu verlaffen

Protestanten. Doch dürfen wir die Existenz einer großen protestantischen Kirche in Clifden nicht nach der gewöhnlichen Regel, die man in Irland so oft bestätigt findet, erklären, daß nämlich die alte katholische Kirche mit Gewalt ihren Eigenthümern ent­rissen und einem geringen Häuflein Protestanten übergeben worden. Die Stadt ist ganz neu, im Jahre 1815 stand hier nur ein einziges Haus; der frühere Hauptbesitzer der Gegend, welcher auch die Erbauung der Stadt veranlaßte, war zwar Protestant, aber die Bewohner der Stadt waren bis zu den vierziger Jahren ausnahmslos katholisch. Da kam das schreckliche Hunger­jahr und bot den Engländern Gelegenheit, ihren Bekehrungseifer zu bethätigen. Es entstand die Irisch Church Mission, welche ganz besonders in der Stadt Clifden ihr Unwesen trieb. Für den Abfall vom Glauben wurde an das Volk, welches zu Hunderten dem Hungertode zum Opfer fiel, Suppe ausgetheilt, und obwohl int Allge­meinen dessen bewunderungswürdige Stand­haftigkeit sich bewährte, so verkauften doch Einige in der Roth ihren Glauben für eine Suppe, vielleicht Nachkommen jener Glaubens­helden, welche von den fanatischen Horden eines Cromwell ans ihren fruchtbaren Acker­feldern in diese Wildniß vertrieben wurden und unter heroischen Opfern das Gut ihres Glaubens hieher retteten. Die Erfolge der Engländer reizten zu neuen Anstrengungen und unter Allen soll sich eine reiche Lady durch Eifer, die Irländer zum alleinfelig- machenden Protestantismus zu bekehren, ausgezeichnet haben. Ihr verdankt die und int Lehnstuhle zu sitzen. Es fand daher nur ein Unterschied gegen früher statt: Die­jenigen, zu welchen sie ehemals ging, muß­ten jetzt zu ihr kommen.

Zwei Tage vor ihrem Tode wollte sie noch in der Person eines Armen aus der Umgegend die Wunden Christi verbinden. Mit ihren zitternden Händen legte sie selbst noch die Charpie auf die Wunde und legte den Verband an. Eine Heldin der Näch­stenliebe starb sie auf ihrem Kampfplatze.

Von Zeit zu Zeit kam ihr so zärtlich ge­liebter Sohn, sie zu besuchen. Welch' süße und bittere Stunden verlebten sie dann mit­einander.

Am 7. Juli ließ sie ihn in Chagny holen.

„Die gnädige Fran wünscht Sie zu sehen", sagte der Diener.

„Geht es vielleicht schlimmer mit ihr?" „Ich weiß es nicht."

Herr Abbe de Musy kant in aller Eile an. „Mein Sohn", sprach sie zu ihm, „ich will heute alle meine geistlichen und zeit­lichen Angelegenheiten ordnen."

Sie beichtete sodann. Der priesterlichen Weisheit und Gewalt all' ihre Schwierig­keiten und Beunruhigungen unterbreitend, schüttete sie zum letzten Male vor ihrem Hinscheiden aus dieser Welt ihre Seele in die seinige aus. Und wenn irgend eine