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Sonnabend, den 21. October 1882.

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-h. Fürst Bismarck über den mo­dernen Parlamentarismus.

Die ,Histor.-polit. Blätter' werfen in einem ihrer neuesten Hefte einen Rückblick auf die berühmten Reichstagsreden des Reichskanzlers vom 12. und 14. Juni d. Js. In den­selben erging sich Fürst Bismarck vor dem offenen Parlamente in recht düsteren Be­trachtungen. Als er insbesondere auf die „inneren Gefahren für den nationalen Ge­danken" zu sprechen kam, erfaßte ihn tiefe Melancholie. „Lassen Sie den nationalen Gedanken vor Europa leuchten," rief er den Reichsboten zu, „er ist augenblicklich in der Verfinsterung begriffen!" „Als ich einst", so äußerte er sich ferner, „die Verfassung schaffen half, habe ich unter dem Eindrücke gehandelt: die Gefahr für den nationalen Gedanken liegt in den Dynastien, der Ret­tungsanker im Reichstage, den wir möglichst hoch stellen müssen." Jetzt, fährt er fort, gebe er solchen Befürchtungen keinen Raum mehr, sondern sein Vertrauen auf eine bessere Zukunft beruhe heute gerade auf den Dynastien. Denn die Dynastien seien heute national gesinnt; sie fühlten das Bedürfniß, Rücken an Rücken zusammenzustehen gegen­über allen auswärtigen Gefahren, die poli­tische und militärische Einheit des Reiches unverbrüchlich zu halten und jeder Versuch­ung zu widerstehen, aber auch ihre verfassungs­mäßigen Rechte nicht untergehen zu lassen.

Aber wo liegt nur die Gefahr für den nationalen Gedanken und das Reich? Der Fürst sagt: in den Parteien, deren Treiben den Reichstag unfruchtbar mache und den Kaiser und König hindere, seinen Unterthanen

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Das Wunder am Feste Mariä Himmelfahrt.

Aus dem Französischen von Heinrich Lasserre übersetzt von Konrad Helfrich.

(Fortsetzung.) XXXVII.

Die Formalitäten, welche bei Besetzung einer Cantons-Pfarrei der Regierung gegen­über einzuhalten sind, erforderten drei Mo­nate, so daß die Installation des Herrn Abbö de Musy in die Kirche zu Chagny erst am folgenden 17. Januar stattfinden konnte.

Diese Ceremonie wurde im Namen des Bischofs, welcher durch Unwohlsein verhin­dert war, von dem Provicar des Bisthums, Herrn Abbs Gardette, vorgenommen. In seiner Anrede zeichnete derselbe das Bild des katholischen Seelenhirten, des wahrhaftigen Gesandten Gottes.

„Dieser Priester kommt zu euch," sprach er, „mit der Krone des Wunders. Aber Gott wirkt keine Wunder, ohne seine beson­deren Absichten dabei zu haben; er wirkt sie nicht zu Gunsten gewöhnlicher Menschen, wohl aber zu Gunsten solcher, welche durch die Heiligkeit des vergangenen Lebens es

zu helfen; in der Fractions-Brille und dem Fractions-Particularismus; in der byzan­tinischen Liebedienerei gegen die Popularität; in dem Marasmus der Fractions-Krankheit. Er ist unerschöpflich in Synonymen für das­selbe Ding, womit er kurz und eigentlich den Parlamentarismus selber meint.

Allerdings hat der Fürst die Thatsachen für sich, wenn er behauptet, daß es nicht nur in Deutschland, sondern überall immer schwerer werde, mit den Parlamenten zu regieren. Der Fürst hat Recht: der zügel­lose Individualismus der Parteien wird und muß die ganze Institution ruiniren. Er führt den Reichstag an die parlamen­tarischen Krankenbette zweier großen Reiche, wobei er von Frankreich, um nicht Empfind­lichkeiten zu erregen, gar nicht einmal sprechen will. Seit seinen Reden hat die franzöfische Kammer ein Beispiel geliefert, bis zu wel­cher Affenschande es in solchen Versamm­lungen kommen kann, die ohne Rücksicht auf Stand und sociale Stellung durch die blinde Unvernunft der Kopfzahlwahl zusammenge­würfelt sind. Mit besonderer Absicht ver­weilt aber der Fürst bei der parlamentarischen Entwicklung in Oesterreich, und die hierher gehörigen Stellen seiner Reden haben für dieses Reich ein specielles Interesse. Er be­legt die noch vor zwei Jahren in Cislei- thanien herrschendePartei der Deutsch liberalen, mit ausdrücklicher Beziehung auf ihren Führer, den Prager Professor Herbst — mit dem Namen der „Herbstzeitlosen", und er sagt von ihnen: sie hätten die Möglichkeit für die österreichische Negierung, mit den Deutschen zu gehen, vollständig verdorben, verdient haben und von der Vorsehung zu großen Dingen bestimmt sind."*)

Darauf bestieg Abbö de Musy die Kanzel. Er kniete nieder, betete einige Augenblicke, und wandte sich tiefbewegt zum Volke, welches fortan seine Familie sein sollte.

„Soeben", sprach er, „habt ihr ein from­mes und gelehrtes Wort vernommen, welches euch den wahren Priester, den Seelsorger nach dem Herzen Gottes schilderte. In

*) Anmerkung des Verfassers Indem wir diese Worte, welche in dem besonderen Falle, für welchen sie gesprochen wurden, zweifelsohne sehr zutreffend waren, citiren, möge man uns die Bemerkung ge­statten, daß wir ihnen nicht ohne Vorbehalt zu­stimmen und daß wir ihnen den Charakter eines allgemeinen Princips absprechen. Das Wunder setzt durchaus nicht die Heiligkeit des Menschen voraus, an welchem es vollbracht wird. Es geschieht zuweilen auch zu Gunsten solcher Seelen, welche in Lauheit erschlafft oder in Sünde versunken, an sich einer solchen Gnade sehr unwürdig sind. Der Ver­fasser dieses Berichtes, welcher vor längerer Zeit selbst wunderbar geheilt worden ist, braucht nur auf sich selbst zu blicken, um den Beweis zu haben, daß die Vorsehung nicht bloß an den Gerechten, sondern auch an Sündern Wunder wirkt. (Herr Heinrich Lafferre wurde an: 10. October 1862 durch einmaliges Waschen mit den: Wasser von Louroes augenblicklich von einem Augenübel geheilt, an welchem er vier Monate lang gelitten. S. sein Buch.: Unsere liebe Frau von Lourdes :c. .. . Der Uebersetzer.)

„Auch in Oesterreich ist die deutsche Partei durch die Maßlosigkeit ihrer Forderungen schließlich in die bedauerliche Lage gekommen, daß sie die Dynastie genöthigt hat, sich mehr an eine andere Partei anzulehnen im Inter­esse ihrer Erhaltung, eine Dynastie, die nach ihren ganzen Traditionen, ohne irgend eine Nationalität zu bevorzugen, doch in den Deutschen das ihr zunächst liegende Instru­ment zur Regierung des ganzen Reiches sehen muß. Ich bitte Sie, meine Herren, sich doch das Beispiel der Herbst'schen Partei in Oesterreich — die Herbstzeitlosen nenne ich sie, weil sie nie etwas zur rechten Zeit gethan — einigermaßen zu Herzen zu nehmen."

Der höhnische Ausfall aus solchem Munde und an solchem Orte hat in den Kreisen der Deutschliberalen in Oesterreich wie der Blitz eingeschlagen; sie fanden sogar, daß der deutsche Reichskanzler die Grenzen des staats­männischen Anstandes überschritten habe. Einigen Grund hatten sie allerdings zu rufen: „Auch Du, Brutus!" Bis dahin war es als sichere Thatsache betrachtet worden, daß der Sturz des conservativen Cabinets Hohenwart seinerzeit auf einen Wink aus Berlin eingetreten sei; und als vor zwei Jahren das Ministerium Taaffe mit dem Berufe, die Nationalitäten Cisleithaniens, insbesondere die Slaven zu versöhnen, die deutschliberale Regierung Auersperg - Lasier ablöste, da trösteten sich die „Herbstzeitlosen" allgemein mit der Hoffnung, Fürst Bismarck werde im geeigneten Momente auch dieser Herrlichkeit wieder ein Ende machen. Sie argumentirteu, daß es für Deutschland ganz unmöglich sei, auf die Dauer intime Be- aller Aufrichtigkeit meiner Seele, ich habe gelobt, em solcher Priester zu sein: ich habe es Christus dem Herrn und seiner hl. Mut­ter versprochen.

Ich komme in eure Mitte, und bin von jetzt an mit der Sorge für euere Seelen betraut, ohne daß man menschlicher Weise Derartiges hätte voraussehen können. . . . Ich bin niemals in der Seelsorge thätig gewesen. Seit 20 Jahren war ich krank: ich konnte mich nicht meiner Augen bedienen. Elf Jahre lang bin ich des Glückes beraubt gewesen, die hl. Meffe zu lesen. Diese Stimme, welche ihr jetzt vernehmet, war während mehrerer Jahre erloschen. In mein Leiden ergeben hoffte ich weder meine Heilung, noch habe ich darum gebetet. Andere haben statt meiner darum gebetet, und man hat mich fast gezwungen, gleichfalls um dieselbe zu bitten; Unsere liebe Frau von Lourdes aber hat sich gewürdigt, sie mir zu erlangen.

Mit Freuden habe ich diese außerordent­liche Gunstbezeigung empfangen und jeden Tag danke ich dafür dieser guten Mutter.

Aber zu euren Gunsten, Geliebte, hat sie mir diese Gnade zu Theil werden lassen, zu euren Gunsten, die ihr meine erste und theuerste Liebe sein werdet oder vielmehr schon seid. Daher werde ich euch auch Alles geben, was ich habe: meine Tage und meine