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Jfä 242» Freitag, den 20. October 1882.

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diese Zustände in Verbindung mit den Ge­fahren einer Großstadt auf die zerstreut wohnenden Katholiken einen zersetzenden Ein­fluß ausüben und alljährlich einen großen Procentsatz von der Kirche und dem Christen- thunie abbringen. Soll dieser verderbliche Einfluß einiger Maßen paralysirt werden, so ist nothwendig, daß es in Hamburg eine genügende Anzahl Kirchen, Priester und Schulen gibt. Katholische Kirchen hat Hamburg nur eine einzige aufzuweisen, die kleine Michaeliskirche. Es ist dies die einzige Kirche, welche in Hamburg von den Protestanten erbaut wurde, die aber unter Napoleon I. den Katholiken eingeräumt wer­den mußte. Dieselbe ist aber für eine Ge­meinde von 12,000 Seelen bei weitem nicht genügend, selbst wenn dieselbe eine vollständig abgeschlossene olische Orlschc' bildete. Tausende sind jetzt an den Sonntagen ent­schuldigt, wenn f keine hl. Messe hören; aber ist das auch der Fall, das Fortbleiben von der Kirche bringt zur Lauheit und schließlich zur völligen Erkaltung. Noch mehrere halten sich für entschuldigt, weil der Besuch der Kirche große Opfer fordert. Dieser Uebelstand ist bereits lange erkannt, zur Hebung desselben konnte aber nicht viel oder nichts geschehen, weil das Geld mangelte. Erzbischof Paulus von Köln, welcher als ehemaliger Bischof von Osnabrück Provicar der nordischen Missionen war, hat darum bereits 1861 in der Vorstadt St. Georg, ungefähr % Stunden von der katholischen Kirche entfernt, ein Waisenhaus mit öffent­licher Capelle errichtet und an derselben einen Geistlichen angestellt. Allein diese Capelle

ist nur ein Saal im oberen Stocke, welcher höchstens 150 Personen faßt und darum einem Bedürfnisse in keiner Weise abhelfen kann. Es ist darum in neuester Zeit mit aller Energie der Plan ausgenommen, zu­nächst in St. Georg eine Kirche zu bauen. Hier ist sie am allernothwendigsten. Denn nach dieser Richtung ist Hamburg in den letzten 15 Jahren am meisten gewachsen, und wird den Menschenstrom noch mehr nach hier leiten. Bereits ist unmittelbar beim Waisenhause ein großer Platz mit einigen weniger brauchbaren Gebäuden für 139,500 Mark angekauft, von denen das meiste noch nicht bezahlt ist. Wenn der Platz schuldenfrei ist, dann kommt die weitere Sorge, das Baucapital herbeizu­schaffen. Der so erworbene Bauplatz bietet hinreichendes Terrain für Kirche, ILclassige Schule, Pfarrhaus und Dienstwohnungen für die Lehrer. Aber selbst mit einer Kirche in St. Georg ist die Kirchennoth Hamburgs nicht befriedigt. Soll eine wirklich itensive und ersprießliche Seelsorge in Hamburg für die Katholiken entfaltet werden, so muß das ganze Arbeitsfeld thunlichst bald in mehrere Pfarreien zerlegt wer­den , damit es übersichtlicher und die getheilte Arbeit leichter, damit ein Auf­suchen und ein wirklicher Verkehr der Pfarr­geistlichen mit den ihrer Seelsorge Anver­trauten möglich wird.

Nächst St. Georg würde eine neue Kirche entstehen müssen für das rechte Alsterufer, wo die über St. Pauli hinausliegenden Vororte Rotherbaum, Harvestehude und Eims­büttel mindestens eine Zahl von 1200 Katho-

-u. Kirchliche Zustände Hamburgs.

Es kann gewiß nicht für unangemessen erachtet werden, von Zeit zu Zeit Umschau in der Diaspora zu halten, um diejenigen Katholiken Deutschlands, welche geordneter Pfarrersysteme und daher einer regelmäßigen Seelsorge sich erfreuen, zur thatkräftigen Unterstützung jener ihrer Glaubensbrüder, welche dieser Segnungen entbehren, möglichst anzueifern. Wie viele könnten der katho­lischen Kirche erhalten und für den Himmel gewonnen werden, wenn der Bonisatius-Ver- ein auch nur annähernd jene Geld-Mittel besäße, wie sie dem Gustav-Adolf-Vereine zu Gebote stehen. Werfen wir heute einen Blick auf die kirchlichen Verhältnisse der Katho­liken in der Großstadt Hamburg.

Nach der jüngsten Volkszählung wohnten im Hamburg'schen Staate unter 454,041 Einwohnern 12,063 Katholiken, von denen 11,667 auf die Stadt selbst entfallen. Die Katholiken bilden in Hamburg 2,84% der Gesammtbevölkerung; ein gewiß geringer Procentsatz. Trotzdem bilden dieselben in Hamburg die zweitgrößte christliche Gemein- schaft. Reformirte sind ca. 5000 und die anderen Sccten in größter Zahl und Varia­tion nur mit geringer Seelenzahl versehen. Dagegen sind die Juden stark vertreten, 1871 bereits 15,000. Die protestantische Be­völkerung Hamburgs ist in ihrer großen Masse ungläubig und ohne jedes religiöse Bedürfniß. Gewiß wird ferner keine andere Stadt unseres deutschen Vaterlandes Ham­burg den Ruhm streitig machen, mehr sitt­liche Fäulniß unter seiner Bevölkerung zu haben. Man kann sich leicht vorstellen, daß

Das Wunder am Feste Mariä Himmelfahrt. 32

Aus dem Französischen von Heinrich Lasserre, übersetzt von Konrad Helfrich.

(Fortsetzung.) XXXVI.

Gegen Ende September, Freitag am 25., wurde Herr Abbe de Musy nach Autun zum Bischöfe beschieden. Bewegt und fast bestürzt verließ er nach der Unteredung das bischöf­liche Palais.

Was war wohl vorgefallen? Ein Brief, welchen der Bischof zwei Tage später an Abbo de Musy sandte, wird es uns sagen.

Autun, am 27. Sept. 1874.

Theurer Herr Abbo! Ich habe mich auf das Gewissenhafteste des Versprechens ent­ledigt, welches ich Ihnen am Freitage ge­geben habe. Ich habe die Entgegnungen, welche Sie mir machten, in der Sitzung vorgebracht, ohne davon etwas wegzulassen, oder daran etwas abzuschwächen; und habe mich, wenn auch wider Willen, zum An­wälte Ihrer Sache gemacht. Aber ich habe den Proceß verloren, und die Mitglieder des bischöflichen Rathes, welche die Frage besser beurtheilen können als ich, haben er­klärt, daß Herr Abbe de Musy, dessen kind­lichen Gehorsam gegen seinen Bischof sie kennen, sich unterwerfen müsse.

Wir beabsichtigen demnach, demselben die Pfarrei von Chagny anzuvertrauen, und wir werden Sorge tragen daß ein tüchtiger Caplan ihm zur Seite stehen wird.

Wenn ich Ihnen, mein lieber Abbo, durch meinen Entschluß ein Leid verursache, so bitte ich, mir zu verzeihen, und Unsere liebe Frau von Lourdes wird, so hoffe ich, die Wahl zu rechtfertigen wissen, welche wir getroffen haben.

Genehmigen Sie u. s. w.

Adolphe Louis, Bischof von Autun.

Dieser entscheidende Brief rief die tiefste Aufregung und die verschiedensten Empfin­dungen zu Digoine hervor.

Der Vater, welcher gefürchtet hatte, daß das Amt eines Aumonier für seinen Sohn nur die Vorbereitung zum Klosterleben sein werde, war sehr befriedigt. Ebenso Hum­bert, welcher in dieser Berufung zu einer der schwierigsten Stellen der Diöcese einen Beweis für die hohe Meinung sah, welche man von der Tugend und den Fähigkeiten seines Bruders hatte.

Aber ganz anderer Art waren die Gefühle der Frau de Musy und Victors. Im ersten Augenblicke waren beide wie vernichtet: der Priester bei dem Gedanken an seine Unzu­länglichkeit; die Mutter im Hinblicke auf die Trennung. Die starke Frau, so schien

es, wurde für einen Augenblick schwach.' Aber es war auch nur ein Augenblick, — kauni einige Stunden großer Aufregung und inneren Kampfes, — die Zeit, welche noth­wendig war, sich selbst zu überwinden, und eine neue Krone zu gewinnen.

Die muthige Christin richtete den Muth ihres zagenden und von Traurigkeit nie­dergebeugten Sohnes wieder auf. ®ie hatte zu sich selbst gesagt und sprach dann auch zu ihm: „Gott will es!" — Dieses Wort, welches die Heiligen, die wahren Helden und die Märtyrer bildet.

„Ja, Victor! Gott will es! Unsere liebe Frau von Lourdes hat Dich gesund gemacht nicht für die Ruhe, sondern für die Arbeit; nicht für Dich oder mich, sondern für dieses Volk. Sie sendet Dich zu ihnen und sie wird Dir Kraft geben."

Fräulein Genovefa war seit einigen Tagen von Digoine abwesend. Wir geben hier den Brief, welchen ihr Bruder ihr in der folgen­den Woche schrieb, und welcher uns auf den Grund dieser reinen Seelen schauen läßt.

„Meine liebe Schwester! Ich bin noch einmal bei Se. bischöflichen Gnaden gewesen. Er war sehr frenndlich. Ich habe mit ihm aber mich selbst mit einer Offenheit gesprochen, welche mir die Ruhe des Herzens wieder ganz zurückgegeben hat; aber seine Räthe