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Donnerstag, den 19. October 1882,

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Deutsches Reich.

* Berlin, 17. Oct. Aus Crefeld ver­mittelt das Wolff'sche Bureau die erfreuliche Nachricht, daß seitens des Cultusministers die Aufhebung der dortigen Simultanschulen verfügt worden sei. Endlich einmal wieder eine Maßregel, die den Liberalen nicht angenehm

— Der Kaiser hat nunmehr außer von dem Großherzog von Mecklenburg-Schwerin auch von dem Grafen Stolberg-Wernigerode eine Einladung zu Jagden angenommen, welche am 5. und 6. November stattfinden sollen. Die diesseitigen Hofjagden sollen in diesem Jahre unter besonders zahlreicher Betheiligung von Gästen, worunter sich auch einige deutsche regierende Fürsten befinden, abgehalten werden.

- Die auswärtigen Mitglieder des Bun- desrathes, welche sonst zu der Eröffnungssitz­ung fast vollzählig zu erscheinen pflegten, sind dies diesmal nur in geringer Zahl hier eingetroffen; man hat offenbar vielfach bis zum Erscheinen des Etats und dem Wieder- beginn des Reichstages die Reise nach Berlin vertagen zu können geglaubt. Neue Ernen­nungen von Mitgliedern sollen, laut der ,Nat.-Ztg.' nur vereinzelt zu erwarten sein. Das Plenum wird für die nächste Zeit nicht häufig Sitzung abhalten. Der Ausschüsse wartet dagegen bezüglich einer Reihe von Ver­waltungsgegenständen ein ziemlich umfang­reiches Material.

— Die erste Sitzung des Bundesraths nach dessen Vertagung wurde am 16. Oct. d. I., Nachmittags 2 Uhr, unter dem Vor­fitze des Staats-Ministers v. Bo etlicher

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Das Wunder am Feste Mariä

Himmelfahrt.

Aus dem Französischen von Heinrich Lasserre übersetzt von Konrad Helfrich.

(Fortsetzung.)

XXXIV.

Seit vielen Jahren war Herr Abb« Genty, Aumonier der Carmelitinnen zu Autun, ein Mann von großer Frömmigkeit und seltenem Wissen, der Beichtvater der Frau de Musy gewesen. Es war für sie eine seit langem ihr liebgewordene Gewohnheit, ihm im Buß­gerichte ihr ganzes Herz zu eröffnen, und für das nie unterbrochene Werk, an welchem lie seit ihrer zarten Jugend so rüstig ge­arbeitet hatte, sich nämlich hier auf Erden mehr _ und mehr des Himmels würdig zu machen, die Hilfe seiner Rathschläge zu er­bitten.

Damals war nun Herr Genty von seinem Bischöfe zum General-Vicar seiner Diöcese ernannt worden, und Frau de Musy, welche wegen threr Krankheit das Schloß von Di- goine nicht mehr verlassen konnte, trug Be­denken, ihn öfters an ihr Krankenbett rufen »u lassen, da sie fürchtete, ihn in seinefi vielfachen Arbeiten zu stören. So beraubte Ne sich denn ost jener Unterredungen und

abgehalten. Nachdem die Ausschüsse con- stituirt waren, machte der Vorsitzende Mit­theilung über die während der Vertagung des Bundesraths eingegangenen und den zuständigen Ausschüssen überwiesenen Vor­lagen und Eingaben, und brachte das Er- gebniß der Verification der Arbeiten am Gotthardtunnel zur Kenntniß der Versamm­lung. Auch legte derselbe eine Benachrich­tigung vor wegen Ernennung des Finanz- Ministers Scholz zum Mitglieds des Cura- toriunis der Reichsbank. Den Vorschlägen des Vorsitzenden in Betreff der Wiederbe­setzung erledigter Stellen bei verschiedenen Kaiserlichen Disciplinarkammern trat die Versammlung bei. Gemäß dem Anträge Preußens wurde beschloffen, daß am 10. Jan. 1883 eine allgemeine Viehzählung für das Deutsche Reich vorzunehmen sei; die zur Ausführung der Viehzählung von Preußen vorgefchlagenen Bestinimungen und Fonmulare fanden die Billigung der Ver­sammlung. Die Beschlußfassung über den weiteren Antrag Preußens wegen Erhebung einer Anbaustatistik im Sommer 1883 wurde ausgesetzt, und die Vorlage, betreffend die Auslegung einer Bestimmung des Consular- vertrages mit Spanien an die betheiligten Ausschüsse zurückverwiesen. Schließlich erfolgte die Ueberweisung einer größeren Zahl wäh­rend der Vertagung des Bundesraths einge­gangener Eingaben an die zuständigen Aus­schüsse zur Vorberathung.

— In derselben Sitzung des Bundes­raths wurde angekündigt, daß zweijährige Etats pro 1883/84 und 1884/85 würden vorgelegt werden, womit aber der Beschluß- Tröstungen, nach welchen ihre fromme Seele verlangte.

Eines Tages schrieb sie ihm, um ihn um einen Besuch zu bitten, und schickte zugleich einen Wagen, welcher ihn abholen sollte.

Als er in's Krankenzimmer geführt wurde, befand sich eben Abbö de Musy daselbst.

„Mein Vater!" sprach sie, „ich habe Sie zu mir gebeten, um Sie zum letzten Male um Rath zu fragen, und zwar diesmal in Betreff einer neuen Wendung in meinem geistlichen Leben, in Betreff eines wichtigen Schrittes, welchen ich zu thnn gesonnen bin."

Abbö de Musy wollte sich zurückziehen; sie aber sprach:

„Du kannst bleiben! Du mußt bleiben." Ihr feierlicher und ernster Blick ließ er- rathen, daß es sich um die Ausführung eines ganz ungewöhnlichen Entschlusses handele.

„Mein Vater!" suhr sie fort, „reden Sie nach Ihrer besten Ueberzeugung und wie vor Gott: sind Sie immer noch der Ansicht, daß ich als Beichtkind zu meinem Sohne als Priester, Beichtvater und Seelenführer Vertrauen haben und ihn zu meinem geist­lichen Vater erwählen könne."

„Ja," antwortete der Priester, „und ich übergebe von jetzt an diesem Sohne das Gewissen seiner Mutter."

Frau de Musy betrachtete mit einem un-

fassung des Bundesraths nicht vorgegriffen werden soll.

— Als Hauptrepräsentant der conser- vativen Agitation in Berlin gilt jetzt das frühere Centrumsmitglied Ehr. Joseph Cremer.

— Die ,Kreuzztgst bestätigt unsere Ver- muthung, daß über den Termin der Land­tagseinberufung noch kein Beschluß gefaßt sei, und läßt sich ihrerseits sogar nach wie vor die Berufung in der Mitte Januar als wahrscheinlich bezeichnen.

— Wie die ,Post' erfährt, sind die Be­richte der landwirthschaftlichen Centralvereine über die bekannten Fragen, betreffend die Verschuldung des Grundbesitzes, sowie die stattgehabten Güteraus­schlachtungen erst für Ende November dieses Jahres eingefordert worden.

— Gegenüber der Aeußerung des ,Schwäb. Merc.', daß der gesammte Radicalisinus von dem Ergebniß der Wahlen einen großen Um­schwung der innern Politik zu Gunsten seiner Ideen hoffe, schreibt die.Norddeutsche': Die Regierung, mit Bismarck an der Spitze, ver­tritt die Politik, zu welcher sich der König in öffentlichen und amtlichen Actenstücken rückhaltlos bekannt hat. In pflichtmäßiger Vertretung dieser Politik kann kein Ausfall der Wahlen die Regierung des Königs irre wachen. Zustände, wonach.eine constante Majorität existirt, welche auf die Entschlie­ßungen des Königs und der Regierung einen gewichtigen Einfluß haben würde, liegen bei uns nicht vor. Keine Partei besitzt die Ma­jorität. Die Parteien zersplittern sich in Fractionen. Unter solchen Umständen ist nicht beschreiblichen Ausdrucke den Sohn, welchen sie geboren und Gott geweiht hatte. Dieser aber war schluchzend auf seine Kniee gesunken.

„Mein Sohn", sagte sie, „von dieser Stunde an wirst Du mein Beichtvater sein: mit Dir werde ich von jetzt an die Ange­legenheiten meiner Seele und meines ewigen Heiles besprechen. Ich werde Dein geist­liches Kind sein und Dir wie einem Vater gehorchen."

XXXV.

Ein Jahr voll unvergleichlichen Glückes war so vergangen. Der Zustand der Fran de Musy hatte sich nicht verschlimmert, und man dachte nicht mehr an einen tödtlichen Ausgang ihrer Krankheit. Abbö de Mnsy verfolgte seine apostolische Laufbahn, indem er überall, innerhalb und außerhalb der Diöcese, das Evangelium seiner wunder­baren Heilung verkündete. Dann kehrte er wieder in das alte Schloß von Digoine zurück. Bei jeder Heimkehr freute sich seine Mutter über die schönen Garben der Be-' kehrungen, welche er Gott barbringen konnte: seine Missionen waren reiche Ernten. . . Und die Tage verflossen schnell, wie ja Überhaupt glückliche Tage schnell verfließen.

Aber bas Glück bient hier auf Erden nur als eine kurze Rast; dort oben im Himmel allein ist es ein bleibender Zustand.