Einzelbild herunterladen
 

M 240

Mittwoch, den 18. October 1882.

Fuldaer

Die .Fuldaer Zeitung erscheint t it glich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Ran abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda in der «rpedition/Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche AbonnementspreisbetrLgtausschli-ßlichBrmx^lo^,nFulda 1 Mark Md 60 Pfq., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg.. ms Haus gebracht 1 M. 80 Pfg. Mit den ,Jllustrirten Sonntagsblättern' kostet dieFuld.Ztg vierteljährlich in FuldaM. 1.90; auswärts am Postschalter M. 1.75; in8 H°usgebracht M. 2.15. Inserate: Die Petitzeile oder beten Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

-e- Hat der Papst eine weltliche Herrschaft nöthig?

„Christi Reich ist nicht von dieser Welt, also hat der Papst keine weltliche Herrschaft nöthig."

Dieser Spruch mußte stets in den Zeiten des Kirchenraubes herhalten. Auch in Deutschland wurde er in den Tagen der Säcularisation bis zum Ueberdruß abgeleiert, und es wäre ein Wunder, wenn der Gottes­haß in Italien sich nicht gleichfalls hinter diese papierne Schanze geflüchtet hätte. Aber was sagt denn eigentlich der Erlöser vor Pontius Pilatus ? „Mein Reich (richtiger: Königthum) ist nicht von (genauer: aus) dieser Welt" ; d..h. „Meine Gewalt stammt nicht von irdischer Sendung, ist nicht ab­hängig von Juden oder Römern, sondern ist vom Himniel her, göttlich und überna­türlich" ; wie er denn unmittelbar darauf erklärend wiederholt: „Mein Reich (richtiger: Königthum) ist nicht von hienieden." Hätte der Herr gesagt: „Mein Königthum ist nicht auf dieser Welt", so könnten die Piemon­tesen und ihre Vorgänger im Kirchenraub sich auf ihn berufen; er wollte aber, daß sein Königthum, obgleich nicht aus dieser Welt entstammt, doch auf und in dieser Welt sei, also auch mit der Zeit, wenn das­selbe zur Weltkirche geworden, mit den nöthigen weltlichen Mitteln ausgestattet sei, daß insbesondere der Nachfolger Petri, um unabhängig von weltlicher Willkür frei feines hohen Amtes zu walten, einen Kirchenstaat habe. Daß der letztere in den Planen der Vorsehung liege, erhellt schon aus der That-

Tas Wunder am Feste Mariä Himmelfahrt. 30 Aus dem Französischen von Heinrich Lasserre, übersetzt von Konrad Helfrich.

(Fortsetzung.)

XXXII.

In Mitte seiner Freuden und Bekümmer- nifle hatte das Herz des Abbe de Musy dem Leidensgefährten, welchen er in der Krypta getroffen hatte, dem guten, unschuldigen Peter ein frisches und zärtliches Andenken bewahrt. Rach seiner Rückkehr nach Digoine hatte er an den Vater geschrieben, um sich nach dem engelgleichen Knaben zu erkundigen. Der Zustand des Kranken war immer noch der nämliche. Seitdem waren einige Monate verfloßen und Abba de MuE schrieb von Neuem. Der Vater übersandte folgende Antwort.

Siros, am 28. Januar 1874.

Herr Abbe! Sie wünschen Nachricht über meinen lieben Sohn. Er ist nicht mehr auf dieser Welt. Am 21. Oct. hat er nach Empfang der Sterbefacramente seine Seele in die Hände Gottes zurück gegeben und ist jetzt im Himmel. Vor seinem Tode sagte er, daß wir an ihn denken möchten und daß auch er uns nicht vergeßen werde.

Seit unserer Rückkehr von Lourdes ist sein Leben ein wahres Martyrium gewesen.

fache, daß er, obgleich in den fünfzig Malen schon verloren, doch immer wieder hergestellt wurde, und daß die göttliche Weis­heit hierzu mitunter, wie auf dem Wiener Congreffe, gerade nichtkatholische Mächte gebrauchte. Man möge also aufhören, mit grammatischen Spitzfindigkeiten und zwei­deutigen Schriftstellen eine unedle That zu rechtfertigen. Daß der Papst ohne Sou- veränetät sein Amt nicht verwalten kann, hat ja die südliche Revolution selbst feierlich anerkannt. Darum hat sie ihm dieselbe in den „Garantien" auf dem Papiere und in heuchlerischer Weise zugesprochen, wobei sie allerdings dem Beispiele des Herodes folgte, welcher den Erlöser als einen Strohkönig im Spottkleide dem Pilatus zurückschickte.

Das Garantiegesetz! Welch jammerwür­diger Nothbehelf! Im ersten Schrecken über sein eigenes Werk hat der Rechtsumsturz dem Heiligen Vater die geistliche Souveränetät und das Bettelgeld von 31/« Millionen Lire zur Verwaltung der Gesammtkirche parla­mentarisch zugesichert; aber nach Verlauf von elf Jahren hat der Minister des Aus­wärtigen, Mancini, auch diese der katholischen Welt gebotenen Bürgschaften als rein inner­liche Angelegenheit Italiens erklärt, also jeglichen Werthes beraubt, und zu gleicher Zeit dem Auslande bewiesen, daß die Revo­lution ein entehrendes Spiel mit Worten treibt, und daß man solchen Lügnern nie glauben darf.

Doch hievon abgesehen: die geistliche Sou­veränetät verlangt als Correlat (nothwen- digen Ergänzungsbegriff) auch die weltliche Souveränetät. Oder mit anderen Worten: Einige Zeit vor seinem Tode bekam er eine Geschwulst, welche nach und nach den gan­zen Körper, und namentlich die Beine und die Brust ergriff. „Vater", sprach er zu mir, „ich kann nicht mehr Athem holen." Alle Anwesenden sagten: „Er stirbt." Ich antwortete: „Noch nicht!" Und der Ge­danke kam mir, Wasser von Lourdes zu nehmen und seinen kranken Körper mit einem Schwamme zu waschen. Und in dem Maße, als das wunderbare Wasser seine Haut be­netzte, verschwand die Geschwulst und sein Leib und seine Glieder nahmen wieder ihre gewöhnliche Ausdehnung an. Darauf befiel ihn das Uebel von neuem. Dreimal haben wir das nämliche Mittel angewandt. Drei­mal ist bei Anwendung des Wassers von Lourdes die Geschwulst sofort geschwunden, aber dreimal ist sie denn auch wieder gekom­men. — So hat Gott uns seinen Willen zu erkennen gegeben. Indem er uns zeigte, daß er unser Gebet höre und daß er un­seren Sohn heilen könne, hat er uns deut­lich erkennen laßen, daß er nur deswegen ihm die Gesundheit nicht verliehen hat, weil er ihn in em beßeres Leben rufen wollte. Und deswegen, Herr Abbe, habe ich gesagt, daß er im Himmel sei. Gott hat es so gewollt: Er sei gebenedeit!

Peter Rochon.

durch den Raub an der weltlichen Souve­ränetät ist auch die geistliche am Lebensnerv angetastet. Infolge des Garantie-Gesetzes gleicht der Vater der Christenheit unserem Heilande nach der Geißelung, wie er im Spottmantel dasaß, mit der Dornenkrone auf dem Haupte, dem zerbrechlichen Rohre statt eines Scepters in der Hand, von einer höhnenden Schergenrotte umtanzt.

Thatsächlich ist der Papst ein Gefangener im eigenen Palaste, weil er ohne gegründete Besorgniß von Insulten nicht öffentlich auf­treten darf, und in hohem Grade unfrei als oberster Regent der Kirche. Er ist der „Unterthan einer feindlichen Zwingherrschaft", wie Pius IX. in seiner denkwürdigen Allo- cution vom 22. Juni 1877 sprach; ein „Spottkönig", wie sein Nachfolger bestätigte.

Ob der Papst frei seines Amtes walten könne, muß er selbst am besten wißen. 9Zun schreibt aber Leo XIII. in seiner Encyklica an die italienischen Bischöfe (15. Februar 1882): „Ein ganz verderblicher Geheimbund, dessen Urheber und Führer kein Hehl mehr aus ihren Absichten und Zielen machen, hat sich schon lange in Italien festgesetzt und strebt, nachdem er Jesu Christo öffentlich Krieg und Feindschaft erklärt hat, die Kirche und<ihre Institute völlig auszuplündern. . . In ganz Italien, dessen Volk bisher treu und fest an der von den Vätern überkom­menen Religion festgehalten hat, ist die Freiheit der Kirche geschädigt. Immer mehr strebt man dahm, daß die Religion und der christliche Charakter, welcher bisher der Ruhm und Adel des italienischen Volkes war, aus allen öffentlichen Einrichtungen verdrängt

Während des ganzen Verlaufs dieser Er­zählung haben wir unsere Leser mit dem häuslichen Leben, den Anschauungen und Gesinnungen einer vornehmen, christlichen Familie, welche einen der edelsten Namen Burgunds trägt, bekannt gemacht. Und siehe, hier begegnen wir in der Werkstätte eines Dorfschuhmachers einer Gesinnung, welche an Hohheit der des Patrizierhauses in nichts nachsteht. So erhebt die Religion, indem sie sich über die Unterschiede und Mißtöne dieser Welt hinwegsetzt, die Seelen der Ungelehrten, wie der Gelehrten, der Armen, wie der Reichen zu derselben Höhe und läßt Alle gleichmäßig in den nämlichen Lobgesang zum Preise und zur Verherr­lichung Gottes einstimmen. Die Weisen, wie die Hirten sangen das nämliche Alleluja!

XXXIII.

Obschon Frau de Musy von der Krank­heit, welche die allzu große Freude über das Wunder ihr gebracht hatte, nicht wieder ge­nesen sollte, so wollte Gott sie doch noch einige Zeit hier auf Erden laßen, damit sie noch in diesem Leben den Trost habe, die Anfänge des Apostolates ihres Sohnes zu sehen, und damit sie, wie ehemals, als er zum ersten Male das Licht der Welt erblickt hatte, so wiederum jetzt über die