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M 239.

Fnidrier

Dienstag, den 17. October 1882.

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Deutsche- Reich.

* Berlin, 15. Oct. Die Ernennung des Grafen Hatzfeld zum Staatssecretär der aus­wärtigen Angelegenheiten und zum preußischen Staatsminister, sowie die Ernennung des Herrn v. Ra do wi tz zum Botschafter in Constanti- nopel wird bestätigt. Dem Vernehmen nach tritt an Radowitz Stelle in Athen der bisherige preußische Gesandte in Weimar von der Brinken. Für den Gesandt­schaftsposten im Haag ist der bisherige Ge­sandte in Darmstadt von Alvensleben, für den Gesandtschaftsposten in Bern der bisherige Gesandte in Stuttgart Bülow designirt.

-nk- Wenn diese Zeilen dem Leser vor Augen kommen, trennen uns nur noch drei Tage von dem Wahlacte, der über bie große Frage entscheiden wird, ob Preußen wirklich wieder dem Unheil einer cultur- kämpferischen liberalen Aera überliefert werden soll. Die Regierung richtet sich, wie das Geschreibsel der Officiösen zeigt, auf alle Fälle ein. Mit Resignation will sie laut der ,Rordd.' auch eine liberale Majorität ertragen. Liefert das Wahlre­sultat ihr eine liberale Majorität, so werden alle Reformen liberal verändert werden muffen. Als praktischer Politiker dürfte Fürst Bismarck sich liberal gefärbte Steuer- und Wirthschaftsreformen eher ge­fallen lassen, als daß er das Reformwerk ganz aufgebe. Er würde das Bewilligte als Abschlagszahlung annehmen. Schwerlich wird der Liberalismus dem Kanzler Zuge- ständniffe machen ohne Gegenleistung. Die Liberalen sind stets der Meinung ge-

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Das Wunder am Feste Maria Himmelfahrt.

Aus dem Französischen von Heinrich Lasserre übersetzt von Konrad Helfrich.

(Fortsetzung.)

XXX.

Als die alte Claudine einmal hinaus­gehen mußte, um für die Kranke ein Arz­neimittel zu holen, drängten sich alle, welche im Vorzinimer waren, um sie, um von ihren Lippen die Erzählung zu vernehmen, welche sie soeben gehört hatte, und von wel­cher nur einige unverständliche Worte bis zu ihnen gedrungen waren. Aber sie ist zu erregt, als daß sie etwas Zusammenhängen­des sagen könnte. Indem sie mit einer Kürze, welche ihrem Geschlechte wenig eigen ist, aber eines Cäsar würdig gewesen wäre, Alles zusammenfaßt, hebt sie ihre zitternden Hände zum Himmel, und kann nichts her­vorbringen, als diese drei Worte: „Er steht! Er steht! Er geht!''

~ Während des ganzen Tages war das Schloß wie belagert von den Bewohnern der Umgegend. Alle wollten den wunder­bar Geheilten sehen.

Abbe Antoine konnte kaum auf die tau­send Fragen antworten, mit welchen er be­stürmt wurde. Auf die Bitte Humberts

wesen, daß nian ohne Bescheidenheit weiter kommt. In der liberalen Aera haben sie nichts als ihre Parteiinteressen gefördert, Capital, Industrie und Handel möglichst günstig gestellt zu Ungunsten des Acker­baues, des Handwerks und der Ar­beiterwelt. Auch für die Beförderung ihrer Parteigenossen im Beamtenstande haben sie kräftig gesorgt. In alle höheren Stellen haben sie die Ihrigen hineinbugsirt und Andersdenkende, namentlich Katholiken wurden übergangen. In dieser zweifachen Richtung würden die Liberalen bei einer Majorität auch jetzt wieder zu ihren Gunsten thätig sein; aber vor Allem würden sie ihren Haß gegen die Kirche befriedigen. Die Nichtausführung des Ultimogesetzes, die so weit geht, daß auch kein einziger Bischof zu­rückberufen würde, ist bereits ein Vorbote für die Rücksichtnahme auf die culturkümpfe- rische Stimmung des Liberalismus. Wenn die Besorgniß vor dem liberalen Siege schon an der Befriedigung gerechter kathol. Forde­rungen hinderte, wie weit wird man da den culturkämpferischen Gelüsten erst entgegen­kommen, wenn eine liberale Majorität be­reits vorhanden und in der Lage ist, ihrem Ver­langen auch den gehörigen Nachdruck zu geben? Herr v. Bennigsen würde die Nothwen- digkeit seiner Partei jetzt besser ausnützen und sich vor der Unterstützung ein Porte­feuille aushändigen lassen. Bennigsen als Minister des Innern, welche Perspective! Oder Lasker mit seinem Geschrei über die Uebergriffe des Ultramontanism us im Justiz­ministerium, welche Aussicht? Over gar der Culturpauker Hänel als zweiter Falk re- schrieb er in Eile einen kurzen Bericht über das Wunder nieder, welcher den fernwohnen­den Gliedern der Familie und einigen Freun­den übersandt und dann auch in den Zei­tungen veröffentlicht wurde.

XXXI.

Am folgenden 8. Dec., dem Feste der Unbefleckten Empfängniß, begaben sich Abb« de Musy und sein Bruder Humbert zur Danksagung nach Lourdes und ließen zur Erinnerung an die wunderbare Heilung vom 15. August eine Gedenktafel in der Grotte anbringen.

Msgr. Lang^nieux, welcher kurz vorher zum Bischöfe von Tarbes ernannt worden war, befand sich zu jener Zeit ebenfalls zu Lourdes. Er wünschte den Priester zu sehen, welchem einige Monate vorher eine so auf­fallende Gnade zu Theil geworden war. Der Prälat erklärte, daß es seine Absicht sei, in Betreff dieser wunderbaren Heilung eine kanonische Untersuchung anzustellen, und be­gann dieselbe alsbald durch Vorlegung einer Reihe von Fragen, auf welche Abb« de Musy schriftlich antworten mußte, nachdem er vor­her eidlich erklärt hatte, daß er Nichts, als die Wahrheit sagen werde.

Der wunderbar Geheilte fühlte eine fromme Leidenschaft für Alles, was Unsere liebe Frau

divivus im Cultus - und Unterrichtsmini­sterium ? Diese Perspective steht aber sicher in Aussicht, denn die Herren vom Gesammt« liberalismus bezeichnen es ja selbst als ihr Ziel, „die Geschicke des Volkes zu leiten/' und maßgebenden Einfluß auf die politische Entwickelung in Deutschland zu üben. Ein Ministerium, in welchem Bennigsen, Lasker, Forckenbeck rc. Sitz und Stimme hätten, ist also kein Phantom und könnte ein Gebilde von Fleisch und Blut werden, zumal Fürst Bismarck sich auch in der liberalen Aera liberale Collegen gefallen ließ.

C.P.C. Die .Norddeutsche Allg. Ztg.' hält ihre, namentlich unter dem Hinweis darauf, daß Bayern die von Preußen per» horrescirte Einführung des öffentlichen Ver­fahrens fordere, angezweifelte Mittheilung, daß die neue Militär-Strafproceßordnung für das Deutsche Reich binnen kurzem ihrer definitiven Feststellung entgegengehe, aufrecht. Weiter betont ihr Gewährsmann, „daß ein Gutachten der Einzelregierungen über diesen Entwurf bereits eingegangen sei, und dem­nächst eine weitere Berathung durch die von Sr. Majestät dem Kaiser berufene Jm- mediatcommission erfolgen werde. Was aber den Einwand der bayerischen Regierung auf das öffentliche Strafverfahren anlangt, so dürfte jene Mittheilung wohl auf einem Jrrthum beruhen; wenn auch in Bayern bisher das öffentliche Verfahren im Militär- strafverfahren bestand, so hat man doch mit demselben gerade nicht die günstigsten Er­fahrungen gemacht, daß seitens der bayer­ischen Regierung, namentlich seitens der bayerischen Militärverwaltung, an der Oef- von Lourdes berührte, für Alles was mit dem denkwürdigen Ereignisse in Beziehung stand, dessen Andenken fortan sein ganzes Leben aussüllen sollte. Wie so viele An­dere pflückte auch er verstohlen hie und da einige von den Blumen, welche in der Nähe der gesegneten Stätte wachsen, entweder von selbst aus der Erde hervoriprossend, oder angepflanzt durch Pfarrer Peyramale. . . .

Sollen wir noch mehr verrathen? Obschon vor der Grotte in großen Buchstaben zu lesen war: II est defendu de rien me- porter, „Es ist verboten, irgend etwas weg­zunehmen", so geschah es doch in einer kal­ten und dunklen Decembtrnacht, wahrschein­lich unter dem Schutze des guten Räubers, daß es den beiden Brüdern gelang, einige Stücke von dem Felsen von Massabielle ab­zulösen. . . .

Sie reiften zurück nach Digoine.

Wir könnten hier unseren Bericht schlie­ßen. Doch werden wir uns gewiß nicht täuschen, wenn wir vermuthen, daß unsere Leser zu erfahren wünschen, wozu der wun­derbar geheilte Priester das ihm neu ge­schenkte Leben angewendet habe, und was aus einigen von den Personen geworden ist, welchen wir im Saufe dieser Erzählung be­gegnet sind und die wir lieb gewonnen haben.

(Fortsetzung folgt.)