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lang und würde 10 Millionen Pfund Ster­ling kosten. (Franks. Ztg.)

Italien.

* Rom, 9. Oct. Die spanischen Pilger begeben sich in ihre Heimath zurück. Dem Bischof Zamora hat der hl. Vater in der Abschiedsaudienz einen prachtvollen Kelch im byzantinischen Stile übergeben, welchen er zu Ehren der hl. Theresia der Kirche ihres Geburtsortes von Avila schenkte; derselbe trägt die Aufschrift: ex dono Leonis XIII. — Von den 36,000 Lire, welche der hl. Vater den von der Ueberschwemmung in Norditalien Betroffenen bestimmt hat, wur­den nach seinem persönlichen Befehl 26,000 Lire dem Patriarchen von Venedig und 10,000 Lire dem Cardinalbischof von Verona zur Vertheilung überwiesen.

Provinciettes und Locales.

* Fulda, 14. Oct. Heute, Vormittags 9 Uhr, fand in der Domkirche für den Hochseligen Bischof Christoph Florentius Kött feierliches Jahrgedächtnißamt statt, welches der Hochw. Herr Bischof selbst cele- brirte. Die Betheiligung der Gläubigen war eine wenig erfreuliche.

+ Gestern, Abends 9 Uhr, verschied sanft die Barmherzige Schwester Clementine Herbst aus Steinbach. In ihrem Berufe hatte sich dieselbe ein Leiden im Rückgrat zugezogen, das sie über drei Jahre mit musterhafter Geduld ertrug. R. i. p.

— Im neuesten .Kreisbl.' steht endlich geschrieben, daß die Redaction desselben von ihrer „Befürwortung der Wick el' scheu Can- didatur" kein Hehl mache. Die Wahlange­legenheit kommt dadurch nach dieser Seite m's Klare. Weder aus der Aufnahme des von uns wiedergegebenen „Eingesandt", wo­mit die immer noch unbekannten Mitglieder des „nichtklericalen" Wahlcomite's den hie­sigen Correspondenten der ,Han. Ztg.' im ,Fuld. Kcsbl.' zu rechtfertigen suchten, noch aus dem Abdruck des gleichfalls von uns veröffentlichten Artikels der .Franks. Ztg.' war die Stellung des ,Kreisbl.' zur Candidatur Wickel vollständig klar.

Die verschiedenartigen, theils unlogischen, theils ungehörigen Auslassungen, womit das ,Kreisbl.' seine Stellungnahme verbrämt, übergehen wir mit Stillschweigen, da wir uns weder von der Sache, um die es sich stets Deine Beschützerin, Deine Stärke und Dein Trost sein. O!" fügt sie lächelnd hinzu, „ich werde nicht eifersüchtig auf eine solche Mutter sein."

Abbe de Musy hatte sich erhoben. Er hielt in seiner Hand die Hand der starken Frau, welche nicht müde wurde, ihr Lieb­lingskind in dem Glanze des neuen Lebens zu betrachten, welches er von Lourdes mit­gebracht hatte. Was ihn betrifft, so fühlte er beim Anblicke seiner Mutter sein Herz sich zusamnienschnüren, und fragte sich mit Bangigkeit, welchen Preis er wohl für die außerordentliche Gnade, welche er vom Himmel empfangen hatte, werde zu zahlen haben. Sie errieth seine Gedanken:

„Fürchte nichts, Victor! Deine Heilung wird mir neues Leben geben."

Rur ein dämmerndes Licht, sich mühsam durch die geschloffenen Läden stehlend, be­leuchtete diese unvergleichliche Scene, welche wir durch die Kunst verewigt sehen möchten, und welche in Wahrheit dazu angethan ist, das Genie eines großen Malers herauszu­fordern.

Um die kranke Mutter herum und den ehemals Gelähmten, welcher jetzt wunder­bar geheilt auf seinen Füßen dasteht, heben sich die verschiedenartigsten Physiognomien ab. Der Vater, von Alter gebeugt, stützt

handelt, abbnngen, noch zu einem unnützen Gezänke fortreißen laffen.

— Vor der Strafkammer zu Marburg hatte sich kürzlich zu verantworten der Rückkaufs-Ge­schäftsinhaber Israelit A. Höxter vonKirch- hain wegen gewerbsmäßigen Wuchers. Eine Frau Schuchardt von Kirchhain, welche u. a. auch ein Nähmaschinengeschäft betrieb, aber in schlechten Geldverhältnissen lebte (beim Amtsgericht Kirchhain wurden seit dem Jahre 1879 gegen sie 47 Zahlungs­befehle im Betrage von ca. 1600 Mk. aus­gefertigt, auch 31 Klagen, meist über Wechsel, von zusammen ca. 2250 Mk.), borgte sich schon vor Erlaß des Wuchergefetzes von Höxter gegen Verkauf einer Kuh 90 Mk., und zwar am 14. Mai 1879, wogegen sie sich verpflichtete, am 5. Juni desselben Jahres 106 Mk. zurückzuzahlen, worauf die Kuh wieder ihr Eigenthuin sein sollte; da sie dies nicht konnte, wurde der Rückkaufsschein gegen Erstattung von 6 Alk. bis zum 1. Juli und an diesem Tage gegen 4 Mk. bis zum 4. Juli verlängert. Aus diesen Geldern rechnen sich 450 pCt. heraus. Am 10. Oct. 1880 borgte die Frau auf dieselbe Weise von Höxter 98 Mk., wofür sie am 11. Nov. 108 Mk. bezahlen sollte; da dies nicht er­folgte, klagte Höxter und erhielt an weiteren Zinsen 10, 25 und 4 Mk., bis er sich end­lich im Dec. 1881 die Kuh gerichtlich zu­schlagen ließ, worauf er noch 95 Mk. erhielt. Bei diesem Geschäft sprangen 120 pCt. heraus. Bei einem dritten Geschäft verkaufte die Frau Schuchhardt dem Angeklagten einen Acker für 60 Mk. am 19. Nov. 1880 und sollte dafür am 6. Jan. 1881 Mk. 70.50 zurückzahlen; da dies nicht erfolgte, erhielt er für Stundung 10 Mk., also 150 pCt. Mit der Mutter waren diese Ge­schäfte gemacht, mit den Töchtern wur­den aber noch eine. ganze Serie solcher abgeschlossen mit 600, 160 und 80 — 165 pCt. Zinsen bei kleineren Beträgen. Mit der Wittwe Oester Held machte Höxter im Laufe des Jahres 1881 nur 20 Dar- lehnsgeschäfte zu 160—190 pCt., zuguter­letzt lieh er ihr 150 Mark gegen einen Schein von 195 Mark und 6 pCt. Zinsen. Höxter bestreitet den Wucher, es sei nur Handel gewesen, und da gäbe es keinen Procentsatz, entwickelte überhaupt ganz eigen« thümliche Ansichten über das Wuchergesetz, will auch nicht gewußt haben, daß sich die

seine Hand auf die Bettstelle und betrachtet abwechselnd diese beiden geliebten Wesen, indem er zu gleicher Zeit in all' seiner Süßigkeit das Entzücken der Kranken und in all' seiner Bitterkeit das Bangen des wunderbar Geheilten theilt. Ihm zur Seite Humbert de Musy, in leidendem Körper, aber mit freudestrahlender Stirne, Gott preifend. Dann Genovefa, mit gefalteten Händen, und unter dem Gewichte dieser er­drückenden Gefühle wie ein Rohr sich beu­gend. Dort der junge Syiuphorian und seine Schwester Maria, außer Fassung vor Freude,vor Staunen, im Gefühle des Außer­ordentlichen. Hier neben ihrer Herrin auf­recht stehend die alte Claudine, ebenfalls bis zur innersten Seele bewegt, aber nicht im Geringsten erstaunt über ein Schauspiel, welches durchaus keine Ueberraschung für ihren Glauben ist.

Im Hintergründe bilden die Diener, Mägde, Pächter, sich zur Thüre des Zimmers hindrängend, eine compacte Gruppe, deren Köpfe sich emporreden, um zu sehen.

Abbo Antoine, der Reisegenosse des Sie­gers, der persönliche Zeuge der wunderbaren Ereigniffe, bildet einen untergeordneten Mit­telpunkt, wohin die Blicke und stummen Fra­gen sich richten. Er antwortet auf diese fromme Neugierde: er erzählt unter Thränen

SchnchhardtS und die Oesterheld in mißlichen Verhältnissen befanden; von dem Wucher- und Pfandleihgesetze will er bei Abschluß der Geschäfte keine Kenntniß gehabt haben. Aus den Zeugenaussagen entrollt sich ein Bild, das fast haarsträubend ist und be­weist, daß die Familie Schuchhardt nur für Höxter gearbeitet hat. Auch Frau Oester- Held wurde durch verschiedene Geschästs- schulden in die Enge getrieben, so daß sie ihre Zuflucht zu Höxter nahm, wobei sie nicht billig abkominen sollte, doch mit einem blauen Auge davon kam, da sie ihm in Ge­genwart des Gerichtsvollziehers die 150 Mk. und 6 pCt. Zinsen zahlte; die Form eines Geschenkes bildeten die 15 Thlr., die der Frau Höxter gegeben werden sollten, die es aber vorzog, etwas aus dem Haushalte der Frau Osterheld als Andenken zu besitzen. Die Staatsanwalfchast hält die Anklage für vollständig erwiesen und beantragt eine Strafe von 6 Monaten Gefängniß und 3000 Mk. Geldbuße, sowie. 2 Jahre Ehrverlust, mit Rücksicht auf den exorbitanten Zinsfuß und die Masse der Fälle, aber auch in Betracht der Geringfügigkeit der Darlehen. DieVer- theidigung bestreitet, daß der Angeklagte Kenntniß von der Nothlage der Wittwe Schuchhardt gehabt und plaidirt für Frei­sprechung. Der Gerichtshof will das Urtheil am 11. d. M. Mittags 12 Uhr verkünden.

— Der praktische Arzt Franz Kellerer aus München hat sich in Nentershausen, Kreis Rotenburg, niedergelassen. — Der Kreisbauinspector Jäger zu Hofgeismar tritt vom 1. Oct. d. I. ab mit Oer gesetz­lichen Pension in den Ruhestand. — Dem Buchhalter z. D. Friedrich Mardorf ist aus Anlaß 50jähriger Dienstzeit der Königl. Kronenorden 4r Claffe mit der Zahl 50 Allergnädigst verliehen worden. — Der Postdirector Mäscher in Hersfeld ist ge­storben. Dem Ober-Postdirectionssecretair Vigelius ans Coblenz ist die Verwaltung der Vorsteherstelle des Postamts in Hersseld, zunächst vertretungsweise, übertragen worden; der Postsecretair Schwabe in Cassel ist zum Ober-Postdirectionssecretair und der Postsecretair Müller daselbst zum Ober- Postsecretair ernannt. — Der Amtsgerichts- schreiber Müller in Schenklengsfeld ist zum Postagenten daselbst angenommen. — Versetzt sind: der Postrath Köhler von Köln (Rhein) nach Cassel, der Postsecretair Schwanke von Metz nach Fritzlar, der Postsecretair Luck Hard von Witzenhaufen nach Cassel und der Telegraphenassistent Groß von Cassel nach Berlin. — Der zum Bürgermeister der Stadt Kirchhain gewählte Privatmann Georg Herb old ist bestätigt und verpflichtet worden. — Der Militair Anwärter Wilhelm Blumen tritt ist zum Königl. Wafferbau-Auffeher mit dem Wohn­sitz Hanau bestellt worden. — Der invalide Sergeant Heinrich Fischer ist zum Voll­ziehungsbeamten Oer Königl. Steuer- und Forstcasse zu Friedewald bestellt. - - Der

die Einzelnheiten, welche Alle zu hören wünschen. Er schildert den Pfarrer Peyra- male, den kleinen Peter, den Abbö Sire; er beschreibt die Heilung in der Krypta, das Magnificat in der Grotte, die Bekehrung des Ungläubigen, die zweite Primiz.

Dr. Bidault, welcher die Erzählung des Dramas anhört, und die Lösung des Kno­tens selbst miterlebt, ist vor Staunen wie versteinert. Der alte Arzt richtet seine ver­wunderten Blicke nachdenklich bald auf Vic­tor de Musy, bald auf das Bild des Er­lösers, welches an der Wand hängt. Er versucht, das Unsichtbare zu tasten. Er möchte gerne die Geheimnisse Gottes durch­schauen.

(Fortsetzung folgt.)