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M 238.

Sonntag, den 15. October 1882.

Fuldaer Dm Jeikung.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint t»glich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Ran abonnirt gegen Norausbezahlung,u Fulda fa der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswiirts Sei den Postämtern. Der vierteljährliche «SonnementSpreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda 1 Mark und 50 Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg.. ins Haus gebracht 1 M. 90 Pfg. Mit den ,Jllustritten Sonntagsblättern' kostet dieFuld.Ztg vierteljährlich in Fulda M. 1.90; auswärts am Postschalter M. 1.75; in’« Haus gebracht M. 2.15. 'Inserate: Die Petit,eile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.______________

Deutsches Reich.

* Berlin, 13. Oct. Für die Zwecke des Weltpostvereins soll die Stückzahl der Postkarten mit bezahlter Antwort, der Send­ungen mit Empfangsanzeigen und der Eil­sendungen vom 18. October 12 Uhr 1 Min. Morgens bis zum 20. October 12 Uhr Nachts ermittelt werden, ferner die Anzahl der durch die Post bezogenen Zeitungen und Zeitschriften für das Kalenderjahr 1882. Die Postanstalten sind angewiesen worden, die erforderlichen Erhebungen vorzunehmen. — In die bezeichnete Frist fällt für Preußen der Wahltag, der schwerlich ohne allen Ein­fluß auf die Verkehrsstatistik bleibt.

— Die Ausschüsse des Bundesraths für Handel und Verkehr beriethen vorgestern über die Vorlagen Preußens betreffend die Anbaustatistik und die Viehzählung. Es wurde beschlossen, dem Bundesrathe vorzu­schlagen, die erstere noch in diesem Winter vorzunehmen und die Viehzählung im Som­mer des Jahres 1883 stattfinden zu lassen.

— Officiös wird geschrieben: „Bezüglich des Reichshaushalts-Etats erfährt man, nach­dem die Zusammenstellung des Gesammt- Etats erfolgt zu sein scheint, daß die Ein­nahmen sich vermehrt haben und einen be­merkbaren Ueberschuß ergeben. Da im Allgemeinen an den einzelnen Etats keine Veränderung von Bedeutung vorkommen, so dürften sich die an die Bundesstaaten ge­langenden Ueberschüffe wieder erhöhen."

— Die .Norddeutsche' bringt eine Zu­schrift über die Bürgermeister in den Städten, zu welchen meist nicht qualisicirte Personen gewählt werden. Sobald ein Bür-

—

Das Wunder an» Feste Mariä Himmelfahrt.

Aus dem Französischen von Heinrich Lasserre, übersetzt von Konrad Helfrich.

(Fortsetzung.)

XXVJII.

Beim ersten Thore des Parkes angekom­men, ließ Abbö de Musy halten und stieg aus dem Wagen: er wollte zu Fuß und entblößten Hauptes die schattige Allee durch­eilen, welche seine Ahnen gepflanzt hatten und durch welche er nach so außerordent­lichen Ereignissen wieder in jenes gesegnete Heiligthum eintreten wollte, welches man das Vaterhaus nennt.

Doch man hatte bereits denjenigen wahr­genommen, welchen Alle erwarteten.

„Eilt ihm entgegen!" hatte die Mutter gesagt.

Und kaum hatte er einige Schritte gethan, so lag schon sein alter Vater, seine Schwe­ster, seine Nichte, sein Neffe in seinen Armen.

Du erinnerst Dich, lieber Leser, der rührenden Scene, welche der Herr in der Parabel vom verlorenen Sohne geschildert hat. Der Vater, welcher ohne Zweifel oft Men Weg aufsuchte, auf welchem der Un­dankbare verschwunden war, hat von ferne in dem Elenden, welcher in Lumpen gehüllt,

germeisterposten vacant wird, meldet sich um denselben ein ganzes Heer von Personen, zum großen Theil Leute, welche von der Verwaltung keine Ahnung haben. Den Be­ruf, Bürgermeister zu spielen, spüren aber in sich: Lehrer, angehende Gerichtsschreiber, bankerotte Gutsbesitzer, Jnspectoren, Rech­nungsführer, Executoren, pensionirte Offi- eiere, Kaufleute, Literaten und andere Herr­schaften, welche sich sagen: gibt Gott mir ein Amt, dann kommt auch der Verstand. Der Nichtbestätigte, bisher im politischen Leben so ziemlich ein Null, wird nur mit großem Behagen als politischer Märtyrer gefeiert, und er wundert sich selbst, wenn er seine guten und die schlechten Eigenschaf­ten der Negierung in der Presse liest. Im Wirthshause ist der Herr Bürgermeister nur zu sprechen; dort werden die städtischen An­gelegenheiten erörtert, und bei Bier und Tabak wird hohe Politik getrieben. Von bestimmten Büreaustunden, deren Einhaltung doch eine hauptsächliche Pflicht eines jeden mit dem Publicum im directen Verkehr stehenden Beamten ist, weiß ein solcher Herr Bürgermeister nichts, »dazu hält er sich einen „Stadtsecretär". In den kleineren Städten herrscht eine maßlose Wirtschaft. Man will Gas- und Wasserleitung einführen, hat aber kein Geld dazu und verläßt sich auf den Staat. Diesen Uebelständen muß Ab­hilfe geschaffen werden. Die Mittel dazu werden sich finden lassen. Erstens müßte man in der Bestätigung neugewählter Bürgermeister äußerst vorsichtig sein und die Bestätigung in der Regel von einer geeigneten Vorbildung des Gewählten abhängig machen. Sodann müßten gesenkten Hauptes herankommt, seinen Sohn erkannt. Er eilt ihm entgegen, er drückt ihn an sein Herz und sein weißes Haupt auf bie Schultern des jungen Mannes nie­derbeugend, küßt er unter Thräncn fein wiedergefundenes Kind.

Ebenso, aber mit einem Gefühle, in wel­ches sich keine Bitterkeit mischte, drückte der alte Graf de Musy Victor an seine Brust, indem er gleichfalls unter Thronen ausrief: „Mein Sohn war verloren, und er ist wie­dergefunden worden ! Er war tobt und er ist wieder lebendig geworden!"

Aber es war nicht nothwendig, ein Fest- gewand für ihn herbeizuholen. Die Mut- ter Gottes selbst hatte Sorge getragen, ihn mit einem unvergleichlichen Gewände zu bekleiden: mit dem Gewände der Gesund- heit"und Kraft, dem schönen Gewände des Lebens. Die Füße, vordem gelähmt, waren gelenk und beweglich; die Augen, vordem ohne Licht, waren glänzend und strahlend. Anstatt in Sünden weggegangen zu sein und in Schmach zurückzukommen, wie der ver­lorene Sohn, war Victor in Schmerzen, welche er heldenmüthig ertragen, in demüthiger Geduld und unter Gebet abgereist, und er kehrte zurück wie im Triumphe.

Der Vater stützt sich auf den Arm seines Sohnes. Die Gruppe der Wenigen wird

von tüchtigen Regierungsbeamten von Zeit zu Zeit gründliche Revisionen der gesummten Communalverwaltung vorgenommen werden, und drittens dürften Communen Einricht­ungen, welche viel Geld kosten, nur dann treffen, wenn dadurch eine Ueberbürdung der Bewohner mit Communal-Abgaben nicht stattfindet. Denn wenn vom Staate ver­langt wird, daß er helfen soll, dann muß er auch ein gewichtiges Wort mitzureden haben."

Oesterreich-Ungarn.

t Um die Donau-Regulirung zu vollen­den, will der niederösterreichische Landtag ein Landes-Anlehen von 6 Millionen Gulden aufnehmen.

t Das Ministerium hat die Einfuhr aus­ländischer Maschinen nach Oesterreich zum halben tarifmäßigen Zolle unter der Bedin­gung gestattet, wenn die betr. Firmen beson­ders um diese Vergünstigung nachsuchen und solche vom Maschinen-Zollcomits bejahend be­gutachtet wird.

England.

* London, Iß. Oct. ,Daily News' meldet aus Kairo, die fortgeschrittene Partei wolle ein Manifest zu Gunsten der gänzlichen Unabhängigkeit Egyptens von der Pforte veröffentlichen. — Alle Beamten, vom Khe- dive abwärts, versichern, daß die gegen Arabi und die übrigen Rebellenführer erhobene Be­schuldigung, Massacre und Brand angestiftet und die weiße Flagge mißbraucht zu haben, bewiesen werden könne. — Die,Times' ver­öffentlicht ein Gutachten hoher Autoritäten zu Gunsten eines neuen Canals von Alexan­drien nach Suez; derselbe wäre 240 Meilen zu einem langen Zuge. Erschüttert von Gefühlen, welche nicht ausgesprochen werden können, hat der Triumphator die Schwelle des väterlichen Schlosses überschritten. Auf diesem Gange sieht die Reihe der herbeige­eilten Diener ihn daherschreiten; alle diese Seelen neigen sich zu ihm hin. Aber Keiner wagt, sich zu nahen, zu sprechen, den Saum seines Gewandes zu küssen. . . . Eine reli­giöse Ehrfurcht hält die Begeisterung in Schranken: Der wunderbar Geheilte näherte sich dem Zimmer seiner Mutter.

XXIX.

Beim Geräusch seiner Schritte hat sich die Thüre geöffnet.

Frau de Musy liegt auf ihrem Schmer­zenslager ausgestreckt. Bleich und wie ster­bend, aber von himmlischer Glückseligkeit strahlend streckt sie die sehnsüchtigen Arme nach ihrem Sohne ans.

Er ist bei ihr. Mit inniger Liebe, wie kindliche Dankbarkeit einer solchen Mutter gegenüber sie nur eingeben kann, sie küssend, ist er vor dem Lager der Mutter auf die Kniee gesunken.

„Mein Sohn", spricht sie in einem Tone voll unnachahmlicher Zärtlichkeit, „mein Sohn, Du warst schon vorher ein Kind Marias. Jetzt bist Du es noch viel mehr. Sie wix