JIS, 237. Sonnabend, den 14. October 1882.
M'
Die ,Fuldaer Zeitung erscheint ttglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Ran abonnirt gegen Borausbezahlung zu Fulda ta der ®n>ebttion, Buttermarkt Rr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Lringerlohn in Fulda 1 Mark und 50 Pfg., mit Bringerlohn 1 R. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg.. ins Haus gebracht 1 M. 90 Pfg. Mit den .Jllustrirten Sonntagsblättern' kostet dieFuld.Ztg vierteljährlich in Fulda M. 1.90; auswärts am Postschalter M. 1.75; in'S Haus gebracht R. 2.15. 'Inserate: Die Petit,eile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.
-o. Unterstützung der katholischen Presse durch Inserate.
Selbstverständlich bildet die Presse einen stehenden Gegenstand der Besprechung und Berathung auf den katholischen Generalversammlungen. Auf der jüngsten Generalversammlung der Katholiken Deutschlands zu Frankfurt a. M. sprach über die Preffe der uns befreundete Pfarrer Schmitt von Schwarzenau, Diöcese Würzburg. Er schilderte die hohe Bedeutung der Presse, die großen Schwierigkeiten, mit welchen die katholische Presie zu kämpfen habe, die fast täglichen Plackereien und die undankbare Stellung des Redacteurs eines katholischen Blattes, und forderte zur kräftigen Unterstützung der katholischen Presse durch Abonnement und Inserate auf. Diesen, die Inserate betreffenden Theil seiner Rede möchten wir, weil derselbe von besonderer Wichtigkeit und auch recht originell gehalten ist, hier wiedergeben.
Die letzte und vorletzte Seite einer Zeitung, so führte der Redner ungefähr aus, ist von besonderer Wichtigkeit. Dort finden sich in Inseraten die wichtigsten Nachrichten für die Geschäftswelt, Todesnachrichten, Versteigerungen, Verpachtungen, Stellengesuche u. s. w. Unsere Welt ist heutzutage Geschäftswelt und ein Blatt ist um so gesuchter, je mehr Inserate es hat; den übrigen Theil nehmen sie so mit. Fangen ja viele Leute die Zeitung von hinten zu lesen an. Die Inserate werden bezahlt und stellen ein Blatt financiell gut. Ein Blatt kostet aber viel Geld; die Buchdruckerpresse, die Buchstaben, das Papier, das Local, der
27
Das Wunder am Feste Mariä Himmelfahrt.
Aus dem Französischen von Heinrich Lasserre übersetzt von Konrad Helfrich.
(Fortsetzung.)
XXVII.
Als sie am Samstag Morgen durch Cou- ches-les-Mines fuhren, erwartete sie Dr. Bidault, welcher in diesem Städtchen wohnte, bereits auf der Straße. Er beglückwünschte seinen ehemaligen Patienten und bat einsteigen zu dürfen, um, wie er sagte, am Glücke der Familie Theil zu nehmen. . . . Der Leser begreift wohl, daß der alte Arzt für Frau de Musy in Folge der übergroßen Freude einen zweiten Anfall befürchtete und deshalb für jeden Fall anwesend sein wollte.
Der Wagen verfolgte, bei raschem Laufe der Pferde, die Straße nach Digoine. Man kannte diesen Wagen in jener Gegend und wußte, daß er den wunderbar Geheilten zurückbringe, denjenigen, welchen man „den guten Herrn Victor" nannte. Alle, welche ihm begegneten, Alle, welche von ihrer Arbeit in den Feldern und Weinbergen aufschauend das freudestrahlende Antlitz des Priesters erblickten, erhoben ihre Hände zum
Verleger, Redacteur und die Setzer reprä- sentiren ein großes Capital, welches man nicht so leicht auf der Straße findet. Steht aber ein Blatt financiell gut, dann kann es auch gute Mitarbeiter gewinnen, denn es wäre eine Schuftigkeit, wollte man, während die körperliche Arbeit gut honorirt wird, diejenigen, welche geistig arbeiten, nicht honoriren, sondern am Hungertuche nagen lassen.
In dieser Beziehung ist von Seite der katholischen Presse noch manche Klage berechtigt. Wie manche sog. gute Katholiken lassen in kirchenfeindlichen Blättern inseriren, aber nicht in katholischen Blättern. Und warum? Weil vielleicht das liberale Blatt einige Leser mehr hat. Kannst du aber dich nicht zu dem Opfer erschwingen, auch dem katholischen Blatte dein Inserat zuzuwenden, dann höre auf, dich einen guten Katholiken zu nennen, denn Katholisch und Opfer sind eins.
Doch klagt ein guter Mann, daß er das ganze Jahr kein Inserat habe, also auch nicht durch Inserate die katholische Presse unterstützen könne. Dem will ich, sagte der Redner, ein Mittel vetzrathen, wodurch er selbst ohne Inserate dennoch dem Blatte Inserate beibringen kann. Und damit dieses ja recht gut verstanden wird, will ich es durch eine Anektode aus meiner Gegend illustriren. Da zog ein Weinreisender aus Franken nach Altbayern, um dort Geschäfte zu machen. In einem Pfarrhause übergibt er dem Pfarrer seine Weinkarte, im Laufe des Gesprächs zieht er seine Dose, worauf sich das Bild des Papstes Pius IX. befand,
Himmel, und ließen Freuden- und Hochrufe erschallen. Abbe de Musy begrüßte sie mit der Hand, mit der Stimme, durch Lächeln:
„Ja, meine Freunde, ich bin es! und ich bin vollständig geheilt!"
Aber man hielt sich nirgends auf. Außerdem, daß Jedermann die Eile der Reisenden wohl begriff, hatte Humbert den Kutscher noch eigens angewiesen, was immer auch vorkommen möge, durchaus keinen Halt zu machen. Er fürchtete, es könnte Jemand ein unkluges Wort über den Zustand der Frau de Musy verlauten lassen und er wünschte, daß sein Bruder die allgemeine Freude in ihrer ganzen Süße verkoste.
Die Pächter, die außen wohnenden Bediensteten, die große Menge der Feldarbeiter waren zum Wagen herangekommen. Viele, welche die Stunde der Ankunft nicht wußten, hatten die ganze Nacht hindurch gewartet. Manche knieten auf der Straße nieder, als der Wagen vorüberfuhr, und Abbe de Musy, welcher leicht ihren Wunsch errieth, segnete sie.
Plötzlich hoben sich die ernsten Umrisse ' des Schlosses von Digoine am Horizonte ab: Die dunklen Mauern, der hohe Thurm, die hundertjährigen Eichen. Abbo de Musy vergoß Thränen und mit ihm der {treue Gefährte seiner Wallfahrt.
lobt Pins IX., bedauert in den stärksten Ausdrücken den Culturkampf und macht richtig mit dem Pfarrer ein Geschäftchen. Derselbe Reisende geht eine Straße weiter in ein Wirthshans — er will auch dort Geschäfte machen. Beim Eintritte merkte er sogleich, wessen Geistes Kind der Wirth ist, übergibt seine Weinkarte, bietet ebenfalls eine Prise an, aber siehe da, die Dose trägt nicht mehr das Bild Pius IX., sondern das des großen Reichskanzlers, — er ist voll Begeisterung für denselben, drückt seine Entrüstung darüber ans, daß durch die „Schwarzen" demselben das Leben so sauer gemacht werde, und macht auch richtig mit dein Wirths ein Geschäftchen. Als er das Städtchen verläßt, ist der Reisende sehr zufrieden mit seinen beiden Dosen, sowohl mit der, welche das Bild Pins IX., als mit derjenigen, welche das des großen Reichskanzlers trägt. — Was ist nun die Moral von der Geschichte für uns?
Sie werden verstehen, was ich hiermit sagen wollte. Unsere Geschäftsleute nehmen das Geld, von wem sie es bekommen. Das Geld ist der Gott, vor dem sie niederfallen und es anbeten. Es ist ihnen gleich, ob es von Katholiken, Protestanten oder Juden kommt, gleichviel, ob Conservative, Liberale oder Socialdemokraten es bringen, wenn sie es nur bekommen. So ist es ihnen auch zuletzt gleich, ob ultramontane oder liberale Blätter ihnen die Kunden zu- führen, wenn sie nur Kunden bekommen. Deshalb muß es ein Grundsatz von uns Katholiken fein, vorzüglich bei jenen Ge- fchästsleuten zu kaufen, welche auch in kath.
„Da ist Digoine! . . ."
Es trat ein langes Schweigen ein. Au ein Zeichen Humberts hatte der Kutscher den Schritt der Pferde gemäßigt. In dem Maße, als man sich näherte, unterschied man Alles deutlicher.
„Was ist das?" fragte Abbs de Musy erregt; „die Läden an dem Zimmer unserer Mutter sind geschlossen!"
Humbert ergriff feine Hand:
„Lieber Victor! unsere Mutter ist leidend, wie ich Dir gesagt, aber etwas mehr, als ich Dir eingestanden habe. Sie hütet das Bett, und die Läden sind geschloffen, damit sie nicht durch das Geräusch von Außen gestört werde."
Und so machte er seinen Bruder mit der ganzen Wahrheit bekannt.
Sonderbarer Rückschlag! Die Heilung des Sohnes verursacht die Krankheit der Mutter! Mitten in banger Beklemmung war die Mutter durch die Freude wie durch einen Schwertschlag getroffen worden! Und jetzt trifft den Sohn im Uebermaß der reinsten Freude das Schwert des Schmerzes! . . . O geheimnißvolle Fügungen der göttlichen Vorsehung!
(Fortsetzung folgt.)