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Donnerstag, den 12. October 1882.
Fuldaer W8 Zeitung.
Die ,Fuldaer Zeitung- erscheint ttglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen Ran abomnrt gegen Lorausbe,ahlung,u Fulda fa der (fcnebttion, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementsprers bettägt ausschtteßlrch Brmgerlohn in Fulda 1 Wart und 60 Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mart und 50 Pfg.. ms Haus gebracht 1 M. 90 Pfg. Wit den .Jllustrirten Sonntagsblättern- kostet dieFuld. Ztg vierteljährlich in Fulda M. 1.90; auswärts am Postschalter M. 1.75; m s Haus gebracht M. 2.15. 'Inserate: Di- Petitzeile oder bereit Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bet Wiederholungen entsprechenden Rabatt.
Deutsches Reich.
* Berlin, 10. Oct. Das Gerücht, das von liberaler Seite ausgestreut worden, daß die Stellung des Ministers des Innern v. Puttkamererschüttert sei, ist unbegründet.
— Bankier Sternberg (Vereinsbank) wurde wegen Vergehens gegen die Sittlichkeit verhaftet und nach dem Moabiter Ge- fängniß gebracht.
— Nach den Ministern v. Puttkamer und v. Bötticher und Lothar Bucher hat sich nun auch der Landwirthschaftliche Minister Dr. Lucius nach Varzin begeben.
— Der verwundete Banquier David- sohn ist heute Nachmittag gestorben.
— Man schreibt der ,Germ.': „Sir Wolfe l e y, der berühmte Besieger der egyptischen Armee, ist, wie irrthümlich in Nr. 454 der ,Germania' steht, kein Katholik, wenn auch ein geborener Irländer, wie Admiral S e y - mour auch.
— Es verlautet, daß die Intentionen des Reichskanzlers vorläufig dahin gingen, die Classensteuer auf Einkommen bis zu 1200 M. ganz zu erlaßen und die weitergehenden Stufen zu ermäßigen. Wenn seitens der Regierung die Klagen über den zu großen Steuerdruck immer lauter werden, so ist es doch von Interesse, zu erfahren, daß jetzt aus verschiedenen Bezirken Mittheilungen kommen, wonach betreffs der sehr zahlreich eingegangenen Reclamationen gegen die Veranlagung zur Classensteuer die Regierungen ihre Entscheidung in den meisten Fällen dahin getroffen haben, daß eine Ueberbürdung mik Steuern nicht vorliege und die Reclamanten
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Das Wunder am Feste Mariä Himmelfahrt.
Aus dem Französischen von Heinrich Lasserre übersetzt von Konrad Helfrich.
(Fortsetzung.)
Die Mutter nimmt sie, aber ohne sie zu öffnen. Sie hält dieselbe fest in ihren krampfhaft geschlossenen Händen. Nach Athem ringend und kaum vermögend zu sprechen, bringt sie doch diese Worte hervor:
„Das ist die Heilung Victors! O mein Gott! welche Gnade! Er ist geheilt! Er ist geheilt!"
„Mutter! Mutter! Ich beschwöre Sie, öffnen Sie die Depesche!" rief Genovefa voll Schrecken aus.
Die zitternden Finger können kaum das Couvert erbrechen. Sie sieht, sie liest und zwar auffallender Weise mit fester Stimme: „Lourdes, am 15. August. Es lebe Maria! Herr de Musy ist geheilt worden, 8 Uhr Morgens. Antoine."
Sie erhebt sich; sie geht in den Salon, das Telegramm hocherhoben in der rechten Hand haltend. Die Majestät ihres Angesichtes ist unbeschreiblich; ihr Blick ist verklärt. Die erhabensten Saiten in der menschlichen Brust, die Anbetung, die Dankbarkeit,
deshalb abzuweisen seien. — Nachträglich wird bekannt, daß während des jüngsten Aufenthaltes des altkatholischen Bischofs Reinkens in Breslau eine Besprechung der schlesischen altkatholischen Gemeinden stattgefunden hat. Man berieth über die Mittel, welche geeignet seien, die financielle Lage der Gemeinden zu verbeffern, und beschloß, geeignete Schritte bei der Staatsregierung zu thun. — Anfangs nächsten Jahres soll der preußische Volkswirthschaftsrath wieder berufen werden; der Staatssecretär v. Bötticher hatte bei der letzten Verabschiedung dieser Körperschaft derselben ein Wiedersehen für Anfangs 1883 zugerufen.
— lieber die im Verlage von Friedrich Luck Hardt, dem Herausgeber des ,Deutschen Tageblatt', erschienene Broschüre: Die Nationalpartei der Zukunft" schreibt die Ireuzztg.': „Das Eine können wir schon vorweg als unsere stets vertretene Ansicht hier von Neuem hervorheben, daß Jeder, welcher eine conservative Mittelpartei anstrebt, einem unmögliche", „nb. wes-nlosen Phantom nachjagt. Wir haben lange Jahre hindurch eine Mittelpartei gehabt: sie war stets eine liberale und würde es auch immer wieder werden, wenn jemals die Zusammensetzung der Parlamente ihrem Wiederaufleben günstig sein sollte. Die Nationalliberalen, ohne welche eine Mittelpartei unmöglich ist, werden einer solchen unter keiner anderen Bedingung beitreten, als daß ihnen die Führung derselben zufällt. Wer die Grundsätze der kaiserlichen Botschaft erfaßt und auf unser Staats- und Volksleben zur Anwendung bringen will, der soll von vorn- die Mutterliebe erklingen in dem Tone ihrer Stimme:
„Victor ist geheilt! Das ist die Befreiung meines Sohnes! Das ist der Triumph der Muttergottes!!!"
Der Vater, stumm vor Freude, hebt seine Hände zum Himmel, um Gott zu danken, und stille Thränen fließen über die Wangen des Greises. Ausrufe trunkenen Glückes legen Zeugniß ab von den Gefühlen Humberts. Die beiden Priester sind außer Fassung. Die jugendliche Maria, welche so oft ihren Onkel gepflegt, unterhalten, erheitert hatte, kommt von außen herbei; sie hüpft vor Freude, wie einst David, vor der Bundeslade. . . . Auch Abbs Bourboime ist eingetreten und Alle sind ein Herz und eine Seele.
Frau de Musy ist aufrecht stehen geblieben. . . . Aber siehe, plötzlich ändern sich ihre Züge. Ihr Angesicht wird blaß, weiß wie ein Leichentuch.
„Mutter, was ist Ihnen?"
„O es ist nichts! Es ist die übergroße Freude", sagte sie lächelnd. „Es ist mein Herz, das vor Freude schlägt. . . . O, wie es schnell schlägt! . . . Welche Gnade! Eine zwanzigjährige Krankheit, ein ganzes Leben voll Leiden, alle diese unheilbaren Nebel! verschwunden auf ein Wort Unferer lieben
herein auf die Mitwirkung der Liberalen verzichten.
* Stuttgart, 10. Oct. Nach dem .Staatsanzeiger' beschloß der Beirath der Verkehrsanstalten am Montag unter dem Vorsitze Mittnachts einstimmig: „Die Erhaltung der reichsverfaffungsmäßig bestehenden financiellen und administrativen Selbstständigkeit der württembergischen Postverwaltung liegt im Landesinteresse. Deshalb kann Württemberg nur solchen Maßnahmen auf Abhilfe gegen Mißstände, welche aus der Verschiedenheit der Postwerthzeichen hervorgehen, zustimmen, welche die Selbstständigkeit der württembergischen Postverwaltung unberührt lassen." Der Beirath empfiehlt, daß Postkarten mit Werthzeicheu anderer deutscher Postverwaltungen versehen unter geeigneten Maßnahmen künftig befördert werden. Der Antrag eines Mitgliedes, den Umtausch anderer Werthzeichen gegen württembergische bei den Postanstalten zu empfehlen, wurde mit 9 gegen 7 Stimmen abgelehnt.
Schweiz.
cf Ein mysteriöser Vorfall bildet hier das Thema für öffentliche Flüstergespräche: Die Polizei von St. F., eine Vorstadt von St. G., war schon seit längerer Zeit auf das verdächtige Treiben gewisser junger Damen aufmerksam geworden und namentlich das frequente Ab- und Zulaufen einer Anzahl hier eingewanderten Sem, Cham, Japhet und Comp. bestärkten den Verdacht, daß in deni zu nächtlichen Zusammenkünften benützten Hause zuweilen eigenartige Festivitäten gefeiert würden. Um endlich dem Treiben auf die Spur zu kommen, wurde Frau von Lourdes! Laßt uns Gott danken! Laßt uns der allerseligsten Jungfrau danken! Auf die Kniee! . . ."
Herr Humbert stimmt das Magnificat an.
Frau de Musy wollte selbst die frohe Neuigkeit der ganzen Dienerschaft mittheilen. Sie umarmt die alte Claudine, die Stubenmädchen, die letzten der Mägde. Dann geht sie hinaus, sucht den Gärtner auf: „Mein Sohn ist geheilt!"
Ihre Freude war überwältigend; es war ein Bedürfniß für sie, durch Mittheilung sich Erleichterung zu verschaffen.
Am Abende konnte die Capelle von Digoine die herbeiströmende Menge nicht fassen, welche das Schloß zu erfüllen begann. Die ganze Umgegend wußte bereits den Gnadenerweis Gottes. Abbe Bourbonne lieh der allgemeinen Dankbarkeit die erhabene Stimme der Kirche: Te Deum laudamus! Te Dominum confitemur!
Beim Austritte aus der Capelle wurde Frau de Musy von Neuem von jener plötzlichen Blässe befallen, welche sie vor einigen Stunden im Salon gehabt hatte. Und wie damals, so sagte sie auch jetzt:
„Es ist nichts! Es ist die Freude! . . . Es ist mein Herz, das vor Freude schlägt! Es ist nichts!"
Es ist Nichts! — Arme Mutter! die