234* Mittwoch, den 11. October 1882.
Fuldaer tÄ Jdlung.
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Deutsches Reich.
* Berlin, 9. Oct. Die Nachrichten über das Befinden der Kaiserin aus Baden-Baden lauten noch immer nicht so erfreulich, daß die völlige Herstellung der hohen Frau in Bälde zu erwarten wäre.
-nk. Der Liberalismus betrachtet seinen Wahlsieg als sicher. Auf 70 conser- vative Mandate rechnet er schon jetzt gewiß, weitere 20 hofft er an sich zu reißen, da sie zweifelhaft seien. Dagegen verzweifeln die Conservativen noch keineswegs und Herr v. Puttkamer, dem die Liberalen die Anwesenheit bei einer derben Stöcker- schen Agitationsrede zum Verbrechen anrechnen, soll fast auf einen conservativen Sieg rechnen. Wie weit beide Parteien hier ihre Wünsche für Thatsachen rechnen, kann erst das Wahlresultat zeigen, aber selbst liberale Blätter geben jetzt unverholen zu, daß coloffale Dummheiten der Officiösen die wirksamsten Bundesgenoffen der liberalen Agitation gewesen sind. Die Geschichte der letzten Monate ist ein ununterbrochener Beleg dafür. Die Gewinnliste der Liberalen und das Verlustconto der Conservativen beginnt mit dem Aufgeben des „Patrimoniums der Enterbten", die Vorlage betreffend das Tabaksmonopol und dessen Fiasco setzte die Liste fort. Vollends niedergedrückt wurde die conservative Wag- schaale durch die Capital-Hymnen der Officiösen und Halbamtlichen, welche auch politischen Kindern die Ueberzeugung beibrachten, daß die Steuerreform nur auf eine Steuererhöhung hinausgehe, und dem Faß wurde der Bode:/ ausgeschlagen durch
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Das Wunder am Feste Mariä Himmelfahrt.
Aus dem Französischen von Heinrich Lasserre, übersetzt von Konrad Helfrich.
(Fortsetzung.)
Aus dieser Veranlassung hatte man den Erzpriester von Couches - las - Mines und seinen Caplan zum Diner eingeladen . . . Die Mutter hatte, wir wiffen, mit welch' unerschütterlicher Sicherheit, darauf gerechnet, daß man zugleich auch die Heilung Victors feiern werde. Aber ach, wie war der Aufbau ihrer Hoffnungen in Trümmer gesunken. Was ihr bis dahin sicher geschienen hatte, wie ein göttliches Wort, war nur noch möglich, ja aus tausend Gründen unwahrscheinlich. Auf die Ruhe ihres Glaubens war der grausamste Zweifel und die schmerzhafte Ungewißheit in Betreff des Erfolges ihrer Gebete getreten. Die innere Stimme, welche sie für unfehlbar gehalten, hatte sie getäuscht; sie wußte nicht mehr, woran sie ihre gesunkene Hoffnung knüpfen sollte. Sie wollte indessen glauben; und ihre in jedem Augenblicke gefalteten Hände legten Zeugniß ab, daß sie es versuchte, nch selbst zu diesem Glauben ohne Zaudern M zwingen, welchem der Herr die Wunder-
die Hetze in der Mischehenfrage, deren Kosten offenbar die Conservativen tragen werden. Sie mögen sich bei Herrn Stöcker und seinem .Reichsboten' mit ihrem Geschrei von Memel bis Trier bedanken, denn Beide haben dem „protestantischen Gewissen" unbegründete Furcht vor Phantasiegebilden eingeflößt. Erst seitdem haben die auch durch die Verschleppung der römischen Verhandlungen ermuthigten Liberalen die Parole: „gegen Rom!" mit erneuerter Heftigkeit ausgegeben und als Sturmbock gegen die „klerical - conservative Coalition" benutzt. Auch seit diesem Wirrwarr, der in den Wahlcampagnen bisher seines Gleichen sucht, datirt die Jagd nach der Mittelpartei. Daß deren Spitze sich in erster Linie gegen Rom, also gegen die kath. Kirche richtet, hat jüngst auch der nationalliberale Professor mit dem lateinischen Namen, Enneccerus, in Cassel ausgeplaudert. Natürlich ist der Kampf gegen Rom, der Schutz des Staates gegen dieses „alles verschlingende Ungeheuer," jetzt ebenso nur Aushängeschild wie im Anfang des Cul- turkampfes. Das eigentliche Ziel der Mittelpartei liegt in den Worten „pro domi« natione", denn diese aus „liberalen und ihnen nahestehenden Elementen zusammengewürfelte Partei soll nur einer in „gleichem Sinne zusammengesetzt en Regierung" einen festen Rückhalt bieten. Natürlich haben diese Mittelparteiler das Placet wie den Segen der Base von Köln, die dann, bei einer gleichgesinnten Regierung, nicht mehr bei Beamten in sauberer Weise um Inserate zu betteln brauchte.
— Der ständische Hilfsarbeiter in der kraft verheißen hat. Allein ihre Versuche waren unfruchtbar; was sie am Tage vorher in Fülle besaß, das suchte sie vergeblich wieder zu erlangen. . . . Gestern stand sie auf festem Lande; heute rang sie mit den verzweifelten Schrecken eines uferlosen Meeres, und sie sprach leise für sich die Worte Jesu in den Schanern der Todesangst: „Mein Gott, mein Gott! warum hast du mich verlassen?"
Gewöhnt, sich selbst zu vergessen, hielt sie es für eine Pflicht, ihren Gästen Gesellschaft zu leisten, und nach dem Diner blieb sie daher, wie auch Herr de Musy, Humbert und Genovefa, mit den Erzpriester von Couches und seinem Caplane int Salon.
Symphorian war nach Tisch in die Umgegend ausgegangen. Die jugendliche Maria promenirte int Parke; Herr Abbe Bourbonne betete sein Brevier, in einer Lindenallee auf und ab gehend.
XXIV.
Gegen drei Uhr ging Fräulein Genovefa hinaus, um den Abbe Bourbonne aufzusuchen. Es drängte sie, sich über ihren Bruder zu unterhalten, sowie über die Grotte von Lourdes, wohin ihre Gedanken sich beständig richteten. . . . Im Salon wagte sie nicht, diesen Gegenstand zu berühren, Angesichts der Traurigkeit ihrer Mutter.
Reichskanzlei, Gerichtsassessor Graf von Bismarck-Schönhausen ist zum Regierungsrath ernannt worden.
— Nachdem durch § 17 des Organisationsgesetzes vom 26. Juli 1880 die Abheilungen des Innern bei den königl. Regierungen im Geltnngsbereiche dieses Gesetzes aufgehoben worden sind, sind Zweifel darüber entstanden, von welcher Behörde die in den §§ 40, 53 und 54 in Verbindung mit den §§ 20 und 21 der Reichs-Gewerbeordnung vorgesehene collegiale Entscheidung zu treffen ist. Der Minister des Innern hat in Folge dessen in einer Circularverfügung vom 26. Juni d. I. bestimmt, daß in den vorerwähnten Fällen die Entscheidung fortan an Stelle der bisherigen Abtheilung des Innern durch das Plenum der königl. Regierung zu erfolgen hat.
— Aus Würzburg berichtet die ,W. Pr.' vom 3. Oct.: Vorgestern Abends wurde der von Lautenbach hierher übergesiedelte Getreidehändler Süsser wegen Betrügereien und betrüglicher Zahlungseinstellung verhaftet. Gegen denselben besteht eine hochgradige Erbitterung und wurden unter der großen Menge Volks, das sich in der Carmeliten- straße, (vor seiner Wohnung) angesammelt hatte viele seit Jahren verübte haarsträubende Betrügereien aufgezählt.
Italien.
* Aus Rom wird der ,Köln. Volksztg.' geschrieben: Erlauben Sie mir eine kleine Berichtigung zu dem neulich in der ,Köln. Voltsztg.' erschienenen Artikel: „Ter Papst — Souverain". Es heißt dort nämlich, daß der Papst im Vatican sein eigenes
Unten an der Treppe, welche zur Lindenallee führt, gewahrte sie eine unbekannte Frau, welche die Allee entlang herankam. Genovefa näherte sich ihr, um zu fragen, was sie wolle.
Die Frau kam von der Eisenbahnstation; sie überreichte eine telegraphische Depesche.
Genovefa fühlt ihr Blut zum Herzen strömen; eine stürmische Aufregung bemächtigt sich ihrer. Sie nimmt die Depesche. Das Telegramm kam von Lourdes und war an Frau de Musy adressirt.
Sie ging zum Schlosse hin, und Herrn Abbo Bourbonne begegnend spr. ch sie zitternd: „Das ist vielleicht die Heilnng meines Bruders. ... Es ist die Depesche, welche meine Mutter seit 2 Tagen angekündigt hat! Ich will sie ihr gleich bringen."
Abbs Bourbonne betrachtet die Adresse, erhebt seine Augen zum Himmel und ent« fernt sich, wie um seine Gedanken und Kräfte zu sammeln.
Fräulein Genovefa erreicht den Perron; sie kann kaum gehen. Das Gegentheil von Hoffnung, eine große Furcht, hat sie plötzlich erfaßt. Sie fürchtet, daß dies vielleicht eine schlimme Nachricht fein könne. „Die Depeschen für Digoine haben bisher nichts als Todesfälle gemeldet, denkt sie bei sich selbst. Und ihr Schritt wird langsamer.