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J^oe 233. Dienstag, den 10. October 1882.

Fuldaer 8Ü Jeitung.

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-n. Irisches.

Wir haben die Leser'dieses Blattes bereits in jiro. 31 d. Js. mit dem Pater Th. Granderath, einem Mitarbeiter der ,Laacher Stimmen, bekannt gemacht, der Irland be­reist und die gewonnenen Reiseeindrücke -in den genannten Blättern niederlegt. Selbst­verständlich bilden die jetzigen Zustände in Irland den hauptsächlichsten Gegenstand sei­ner Schilderungen. Das vorletzte Heft der .Laacher Stimmen' enthält nun die Beschrei­bung einer Reise des genannten Paters von Galway durch Connemara nach Westport. Aber gerade die Gegend von Galway nach Connemara war kurz vorher der Schauplatz mehrerer Verbrechen. So brachte ein Mit­reisender, der bei dem einsamen Half-Way- Hause den Wagen, auf welchen der Pater fuhr, bestieg, die Nachricht von einein srischen Attentate, welches ein paar Tage vorher unweit der Stelle, die der Reisewagen gerade passirte, auf das Leben eines Landagenten geinacht worden sei. Obgleich Mr. Robin­son, Landagent des im Jahre 1878 so grau­sam ermordeten Lord Leitrim, von 2 Poli­zeidienern begleitet war, näherte sich der Verbrecher seinem Wagen und feuerte eine Kugel auf ihn ab. Sie verfehlte ihr Ziel. Die beiden Polizeidiener schossen auf den Verbrecher und eilten ihni eine Strecke weit nach; aber er entkam. Ebenso war unweit der Straße, auf welcher der Pater mit sei­nem Mitreisenden dahin fuhr, im Herbste 1880 Lord Mountmorres ermordet worden. Der eben erwähnte neue Reisegefährte, der offenbar der Partei der Landlords angehörte und ein Freund Mountmorres gewesen war, 23~

Das Wunder am Feste Mariä Himmelfahrt.

Aus dem Französischen von Heinrich Lasserre übersetzt von Konrad Helfrich.

(Fortsetzung.)

Rach dem Credo redet der Priester die Gläubigen an, um ihnen den Beistand Got­tes zu wünschen mit den Worten: Domi­nus vobiscum. Daher mußte sich Abbe de Musy, als er das Symbolum recitirt hatte, zu den Anwesenden hinwenden. Und da lasen Aller Blicke in seinem Angesichte den Ausdruck der süßesten und freudigsten Be­wegung. Seine Lippen, vor Beben kaum vermögend zu sprechen, und seine Augen, in heiligen Thränen gebadet, legen Zeugniß ab von der inneren Wonne, mit welcher seine Seele erfüllt ist. Und das Volk erschauert, wie beim Anblicke des Erhabenen, — denn es begreift mit einem Male, daß Freuden- thränen die Augen verdunkelt, daß das Schluchzen des Glückes die Stimme erstickt habe; der befreite Gefangene ist vor Wonne ohnmächtig geworden. Das hl. Opfer wird in Freudengefühlen fortgesetzt.

„Exaltabo te, Domine, quoniam susce- pisti me. . .. Domine clamavi ad te, et sanasti me:“ „Ich will dich lobpreisen, o Herr, denn du hast dich meiner angenom-

zeigte dem Pater vom Wagen aus die Stelle, wo der Mord stattgefunden und erzählte mit um so größerer Wärme die Einzelheiten des­selben, da er den letzten Abend in der Ge­sellschaft des Lord zu Clonbur gewesen. Die Ufer des dortigen Sees, berichtet der Pater selbst, sind von manchem Verbrechen befleckt worden. Auch neuerdings kehrt sein Name in den Verbrecher-Statistiken der Zeitungen manchmal wieder. Im Januar wurde an seinem Ufer Großvater und Enkel ermordet, welche Mahnzettel zur Zahlung des Pacht­zinses herumtrugen. Man fand die Mahn­zettel zerstreut im Felde; von den beiden Männern aber war jede Spur verloren. Endlich untersuchte man die Tiefen des Sees und da stieß man in der Mitte desselben auf einen auf dem Boden aufrecht stehenden Sack, in welchem sich beide Leichen noch er­kenntlich vorfanden. Es war 14 Tage nach der Ermordung. Von den Thätern entdeckte man, wie in allen vorher erwähnten Fällen, keine Spur. Die Einsamkeit der Gegend be­günstigte ihr Entkommen.

Wenn ich nun, fährt der Pater jetzt in seiner Reisebeschreibung fort, in wenigen Zeilen auf mehrere Verbrechen zu sprechen kam, welche die Gegend, die wir durchreisen, beflecken, so ist es meine Pflicht, den Leser zu mahnen, die Bewohner derselben darum nicht für Verbrechergesindel zu halten. Ich habe sie als ein durch und durch braves und christliches Volk kennen gelernt, und wenn man mich fragt, wie denn jene Ver­brechen.zu erklären seien, so muß ich ant­worten, daß sie freilich auch mir ein Ge- heimniß sind, und ich sie mit Allem, was men. . . . O Herr, ich habe zu dir gerufen, und du hast mich geheilt:" so betete Abbe de Musy, die Worte des Offertoriums sprechend.

Die Communion begann.

Der Erste, welcher das Brod des Lebens empfing, war der bekehrte Ungläubige; nach Herrn Pellegrin kam die am 14. August wunderbar Geheilte; nach ihr der engelgleiche kleine Peter und die zahlreichen Gläubigen, welche die Krypta füllten.

Das Ausspenden der Communion dauerte fast eine halbe Stunde. Abbö Antoine, welcher den; Celebranten Schritt für Schritt folgte, hatte jeden Augenblick besten benetzte Stirne und das in Thränen gebadete Ange­sicht zu trocknen.

Als Abb« de Musy in die Sacristei zu­rückkam, war er schweißtriefend, und seine Kleider waren durchnäßt, so mächtig waren die Eindrücke gewesen, welche er während seiner zweiten Primiz empfunden hatte.

Er legte die priesterlichen Gewänder ab und half Herrn Pfarrer Peyramale damit bekleiden. Der Amict, welcher seinen Nacken umhüllt hatte, mar ganz durchnäßt; aber die drei Priester waren so vertieft in geistige Dinge, daß sie diesen kleinen Umständen im Gebiete des Materiellen keine Beachtung schenkten. Obschon frisches Leinen zur Hand

ich auf meinen Kreuz- und Querzügen durch Irland erfahren, nicht vollkommen verein­baren kann, daß sich aber doch Manches zu ihrer Erklärung sagen läßt. Das Volk ist einmal durch ganz unerträgliche Verhältniste zur Verzweiflung getrieben. Seit Jahrhun­derten tyrannisirt, wahrhaft unter die Füße getreten, seines heimathlichen Bodens durch Fremdlinge beraubt, gezwungen, unerschwing­liche Renten für die seinen Vätern geraub­ten Ländereien zu zahlen, steht es mit einem, von Geschlecht zu Geschlecht mit dem Blute ererbten und stets durch neue Bedrückungen genährten Haste seinen Bedrängern und Allen, die es mit ihnen halten und ihnen dienen, gegenüber. Eine Aenderung seiner Lage kann es erfahrungsgemäß nur dadurch her- beifübren, daß es Gewalt braucht. Verlieren kann es jedenfalls nichts. Unter solchen Verhältnissen gibt es nur eine Macht, welche das noch dazu von Natur sehr leiden­schaftliche und an ruhige Ueberlegung nicht gewöhnte Volk von Ausschreitungen zurück­haltenkann, nämlich die Religion. Diese leistet in der Thal auch viel, sehr viel, doch nicht Alles, was sie leisten könnte. Jahr­hunderte hindurch war sie und ihre Lehre gewaltsam unterdrückt, auf den Kopf eines katholischen Lehrers ein Preis gesetzt und das Volk absichtlich in Unwiffenheit über seine religiösen Pflichten gehalten. Ferner gestat­ten in einen; großen Volke nicht Alle der Religion den gleichen Einfluß auf ihre Per­son; auf Viele, welche manche Jahre in England, Australien und Amerika verlebt, hat sie ihren Einfluß ganz verloren; Agita­toren bemächtigen sich des Volkes, welche

war, so war es doch dieser Amict, welchen der Pfarrer von Lourdes um seine Schul­tern legte.

Nach der Meste bemerkte Abbe de Musy: „Ich hatte Ihnen aus Unachtsamkeit die­sen Amict hingereicht, der ganz von Schweiß durchnäßt war."

„Was schadet das? Ich habe mich darin so wohl befunden, wie in meinem eigenen. Man sollte meinen, er sei für mich gemacht.

„Aber," fuhr Abbö de Musy fort, „ich bedauere meine Unachtsamkeit nur halb. Dies alte, verbrauchte Stück Linnen ist eine Reliquie: es ist der Amict des Pfarrers von Ars gewesen! . . ."

Und er dachte bei sich selbst: „Der Pfar­rer von Lourdes ist wohl würdig gewesen, es zu tragen! . . ." Aber er hütete sich, diesen Gedanken laut werden zu lasten; denn das hätte irgend eine stürmische Ant- roort von Seiten dieser Seele hervorgerufen, die zu gleicher Zeit demüthig und so h tz ig war. Pfarrer Peyramale nahm Lobspr - he übel auf und er sah Jeden schief an, wel­cher solche an ihn richtete.

XXIII.

Was hatte sich nun in den letzten zwei Tagen, während alles dieses zu Lourdes geschah, in Digoine zugetragen?