Jt». 230.
Jfulbacr
Freitag, den 6. October 1882.
Jriluiig.
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in der «rpedition/Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche a6onnement8pretäbeträgta^
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Arbeiterinnen - Hospiz zn Offenbach.
Vor etlichen Jahren haben einige Herren im Hause der barmherzigen Schwestern dahier ein Hospiz für Arbeiterinnen gegründet. Alleinstehenden Fabrikarbeiterinnen, die bei fremden Leuten Wohnung uud Verköstigung suchen müssen, in jeder möglichen Hinsicht das Elternhaus zu ersetzen, ist der erste Zweck der Anstalt. In größeren Industriestädten, wo weibliche Arbeitskräfte vielfache Verwendung finden, gibt es eine Anzahl jugendlicher Arbeiterinnen, welche weder Eltern noch Verwandte am Orte haben, und also, sich selber überlassen, genöthigt sind, als Kostgängerinnen bei fremden Leuten ein Unterkommen zu suchen. Meistens sind cs Heranwachsende Mädchen aus benachbarten und auch aus weiter entfernten armen Gegenden, welche hier eine Beschäftigung suchen. Die sittlichen Gefahren, welchen solche Arbeiterinnen in der fremden Fabrikstadt ausgesetzt sind, sind allbekannt und groß. Abgesehen von geradezu gefährlichen Häusern ist selbst auch bei sonst achtenswerthen Kostgebern die Gefahr groß, weil' es denselben an der nöthigen Autorität gebricht, den Leichtsinn in Schranken zu halten. Nicht aus Jnteresie für das Wohl der Mädchen, sondern, um Geld zu verdienen, nehmen Kostgeber fremde Arbeiterinnen bei sich auf. Darum sind sie nicht im Stande ihre Kostgängerinnen von gefährlichem Umgang und bösen Wegen abzuhalten; bei scharfer Aufsicht fürchten sie die Worte zu hören: ich suche mir ein anderes Kosthaus.
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Das Wunder am Feste Mariä Himmelfahrt.
Aus dem Französischen von Heinrich Lasserre, übersetzt von Konrad Helfrich.
(Fortsetzung.)
Alles richtet sich auf, um zu sehen. Die erregte Menge drängt sich vorwärts. Erschreckt schließt der bei der Grotte wachende Bruder das eiserne Gitterthor.
Tausend Ausrufe durchkreuzen sich.
„Ist er es?"
„Ist er geheilt?"
„Was für eine Krankheit hatte er?" „Wo ist er denn?"
„Das ist ein Wunder!"
„Das ist unmöglich!"
„Es lebe Maria!"
„Es ist ein anderer Priester!"
Aber mit einem Male, wie auf höheren Wink legt sich all dieser Tumult und ein plötzliches Schweigen tritt ein. Hinter dem Gitterthor der Grotte hat sich der Geheilte erhoben. Er hat sein edles, vom Wiederscheine des Wunders strahlendes Angesicht der Volksmenge zugewendet und ein Zeichen gegeben, daß er sprechen will.
„Ja, meine lieben Brüder, ich bin es. Ich bin es, den ihr seit meiner Ankunft
Außer dem Schutz in sittlichen Gefahren, entbehren die Fabrikarbeiterinnen in ihren Logis sehr oft den nothwendigen Schutz ihrer Gesundheit. Die Schlafräume sind beschränkt und schlecht zu lüften, nicht selten unordentlich. Diese Uebelstände haben die Gründung der Anstalt veranlaßt, die Mädchen, welche sich der Anstalt anvertrauen, sollen in ihr ein Heim finden, welches ihnen, das elterliche Haus nach Möglichkeit ersetzt. Demgemäß soll ihnen geboten werden:
1. gesunde Wohn- und Schlafräume,
2. nahrhafte Beköstigung,
3. regelmäßige Besorgung der Wäsche,
4. geregelte Lebensweise,
wodurch sie an Ordnung und Reinlichkeit, Anstand und Sittsamkeit, Fleiß und Sparsamkeit gewöhnt werden. Die Anstalt ganz nach Wunsch einzurichten, war bis jetzt aus Mangel an Mitteln noch nicht möglich; jedoch können bereits 48 Mädchen ein Unterkommen finden. Um die Anstalt für fremde und auch solche einheimische Arbeiterinnen, welche durch traurige häusliche Verhältnisse veranlaßt werden, sich anderswo ein Kosthaus zu suchen, ganz nach obiger Andeutung einrichten zu können, dazu soll eine bereits ver- austaltete Verloosung von Silbergegenständen die Mittel schaffen. Allen, welche ein Jnteresie daran haben, daß jugendliche Fabrikarbeiterinnen, die christlich und brav bleiben wollen, ein Asil und Schutzniittel geboten werde, empfehlen wir deshalb, die schon öfters annoncirte Verloosung durch Abnahme von Loosen zu unterstützen.
Offenbach. Für die Commission _________________I. Stumpf Pfr.
hier gesehen habt, am Körper gelähmt, an den Augen erblindet. Ich bin ein Priester aus der Diöcese Autun. Es sind 20 Jahre, daß ich nicht lesen konnte. Es sind 11 Jahre, daß ich vollständig gelähmt war und aufhören mußte, die einzige Mesie zu lesen, welche ich auswendig wußte. Unsere liebe Frau von Lourdes hat mir Alles zurückgegeben. O möge dieses große Wunder die Guten besser machen und die Sünder bekehren. . . . Helfet mir Gott danken und die Gnade erlangen, ein guter Priester zu sein."
Das Magnificat wurde augestimmt. Die ganze Volksmenge pries Gott.
Man hat die Erzählung vernommen, nun will man selbst das Wunder sehen.
„Lasien Sie uns sehen, wie Sie gehen können!" ruft man in der Menge.
Der vordem Gelähmte beginnt zu gehen. „Lesen Sie auch! Lesen Sie!"
Und man überreicht ihm ein kleines Buch, welches einen sehr feinen Druck hat. . . Er, welcher feit 20 Jahren nicht einmal den großen Druck des Misiale lesen konnte, liest alsbald fließend und ohne irgend ein Stocken.
„Bitte! bitte! schreiben Sie Ihren Namen! . . . Auf dieses Buch! ... Auf dieses Bild! ... Auf dieses Papier!"
Deutsches Reich.
* Berlin, 4. Oct. Se Majestät der Kaiier und König unternahmen in Baden-Baden gestern Nachmittag eine Spazierfahrt und besuchten Abends das vom Cur- comite veranstaltete Festconcert. Ihre Maj. die Kaiserin und Königin machte gestern ebenfalls eine Ausfahrt.
— Zwischen dem Reichskanzler und dem Finanzminister Scholz soll, wie verlautet, ein vollständiges Einverständniß darüber herrschen, daß das alte Verwendungsgesetz dem Landtage nicht mehr vorgelegt werden, sondern in erster Linie die Reform der Claffen- und Einkommensteuer in Angriff genommen werden soll.
— In einem „die Staatsregierung und die conservative Partei" betitelten Artikel schreibt die ,Prov.-Corr.': Die conservative Partei werde sich in allen technischen Fragen unbeirrt von Rücksichten der Popularität oder der socialen Interessen, deren Einfluß das conservative Gewissen nicht dulde, auf Sachkundige aus ihrer Mitte oder, wenn solche zeitweilig für bestimmte Fragen nicht vorhanden seien, am liebsten auf die Autorität und Sachkunde der Regierung verlassen. Der Regierung die NnabhängiMt als Selbstzweck gegenüberstellen und dieselbe zugleich als Popularitätsmittel bei Wahlen zu benutzen, könne unmöglich der Gesinnung einer Partei entsprechen, die sich selbst oft die Partei der königlichen Autorität genannt habe. Es fei der erhabene Beruf des Königthums, stets das dauerhaft Gute im Auge zu behalten und dasselbe niemals durch Nachgiebigkeit gegen diese Lau-
Und hundert Hände, durch das Gitter hindurchlangend überreichen Herrn Abbe de Musy Gebetbücher, die Nachfolge Christi, Heiligenbilder, Visitenkarten . . . Und siehe, mit fester, deutlicher Schrift zeichnet er unzählige Male feinen Namen auf unzählige Blätter, welche man ihm von allen Seiten hinreicht.
XIX.
Plötzlich kommt in athemloser Eile ein Mann aus den, Volke, ein Arbeiter herbei und drängt sich durch die Volkswogen. Sein rauhes und schönes Antlitz zeigt die freudigste Bewegung. Das Thor öffnet sich vor ihm und er wirft sich, ganz in Thränen, in Thränen der Freude, in die Arme des Abbö de Musy. Es ist der Vater des kleinen Peter.
„Und der kleine Peter? Ist er auch geheilt?" fragt der Priester mit einer Stimme voll gespannter Erioartung.
„Nein, Herr Abbö! Gott hat das noch nicht gewollt!"
Der Priester macht eine Bewegung schmerzlichen Mitleids. Er fühlt sich fast versucht, dem Himmel einen Vorwurf zu machen, daß er nicht mehr, oder nicht etwas Anderes gethan habe.
„Und mir", spricht er fast traurig, „mir