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Donnerstag, den 5. October 1882.

Jrilmig

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Die 9. General-Versammlung des Cäcilien Vereins für alle Länder deutscher Zunge zu Münster.

(Schluß.)

Bei all' den kirchlichen Feierlichkeiten und musikalischen Productionen wurden in täglich gehaltenen geschäftlichen Sitzungen die Ver­eins-Angelegenheiten mit regster Theilnahme besprochen. Der bisherige General-Präses Dr. Witt, dessen Amt statutenmäßig abge­laufen, wurde einstimmig durch Acclamation wiedergewählt und durch Telegramm um Wiederannahme dieses Amtes ersucht, welches der an Verdiensten um den Verein so reiche Herr, obwohl er früher wegen Kränklichkeit ablehnen zu müssen geglaubt, zur Freude Aller annahm. Ebenso erfolgte die Wieder­wahl der bisherigen Vicepräses, der Herren Canonicus Koenen zu Köln und Seminar­lehrer Mettenleiter zu Kempten. Den Mit­gliedern wurde besonders die Erhaltung und Förderung der scuola gegoriana zu Rom dringend empfohlen. Es ist diese kirchliche Musikschule seit einigen Jahren vom Cäci- lien-Verein in's Leben gerufen, um am Mit­telpunkte der Christenheit, unter Gutheißung und Enipfehlung des heil. Vaters, für die Sache echt kirchlicher Tonkunst zu wirken. Die Versammlung erklärt es als Herzenssache eines jeden Cäcilianers, zur Existenz und Weiterbildung dieser Anstalt durch geeignete Mittel nach Kräften beizutragen. In treff­licher Rede verbreitete sich Kaplan Frischen aus Bonn über die Pfarrvereine und deren Organisation. Ein guter, kirchlicher Gesang, so führte der Redner aus, wird nur dann erzielt und erhalten, wenn sich ein Verein

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Das Wunder am Feste Mariä Himmelfahrt.

Aus dem Französischen von Heinrich Lasserre, übersetzt von Konrad Helfrich.

(Fortsetzung.)

XVII.

Die Messe ist beendet. Indem Abbe Antoine mit dem Celebranten den Altar verläßt, um zur Sacristei zu gehen, sieht er Abb« de Musy unbeweglich da knieen, das geneigte Angesicht in den Händen ber­gend. Er fühlt sich bei diesem Anblicke ge­waltig ergriffen. Aber so groß ist selbst bei den gläubigsten Seelen der Hang zum Zweifel, daß die Furcht das Uebergewicht über den Glauben behauptete. „Er wird eine außerordentliche Anstrengung gemacht haben, denkt er. . . . „Mein Gott! mein Gott! er wird zusammenbrechen und im Fallen sich verletzen!"

Von dieser Furcht getrieben, eilt er so­gleich hinzu. Er kniet sich neben ihn, bereit, ihn zu stützen, sobald er ihn wanken sieht.

Eine verhältnißmäßig lange Zeit vergeht so. . . . Endlich macht Abb« de Musy eine Bewegung und erlebt sich. . . .

Verwirrt und zitternd schiebt der treue

fromm gesinnter Sänger bildet, deren Präses der Pfarrer, deren technischer Dirigent der Lehrer ist. Der leitende Charakter jedes Pfarrvereins soll der sein, nicht zu singen nach eigener Lust und Willkür, sondern zur Verherrlichung des Gottesdienstes, zur För­derung der Liturgie, zur Ehre Gottes. Kirchliche Sangesschulen, worin vorzugsweise der Choral und echt kirchliche mehrstimmige Musik ihre Pflege finden, sollen ringsum er­stehen und blühen, wie solche in früheren Jahrhunderten Bestand gehabt. Die Geist­lichkeit, vorzüglich aber der Pfarrer, ist be­rufen, diesen schönen Gedanken verwirrlichen zu helfen, die Sänger einzuführen in den Sinn und Geist der Liturgie, sie zu begei­stern für die Sache der Kirchenmusik. Ge­wiß ein treffliches Mittel echter Pastoration.

Ein passendes Seitenstück zuin Gesagten bildete der Vortrag des Caplan Selbst aus Bensheim bei Mainz. Der Redner behan­delte in seinem Vortrage das deutsche Kirchen­lied, den Werth desselben, sowie die Anlässe, bei denen es zum Vortrage gelangen könne. Gerade beim kirchlichen Volksgesange kommt es darauf an, daß derselbe zur rechten Zeit und am rechten Orte gepflegt werde. In allen Jahrhunderten ist es auf den Concilien festgehalten und durch kirchliche Bestimmungen anbefohlen, daß bei öffentlichen liturgischen Feierlichkeiten, so bei dem Hochamte, bei der Vesper, bei Benedictionen der Volksgesang ausgeschlossen und nur der von der Kirche eigens vorgeschriebene Gesang, d. i. der Cho­ral, zur Anwendung kommen soll; bei anderen öffentlichen Andachtsübungen, die nicht durch allgemeine kirchliche Bestimmungen geregelt

Freund mit Hast den Krankenstuhl vor, damit der Gelähmte sich setzen könne. Aber er vernimmt die Worte:

„Die allerseligste Jungfrau hat mich ge­heilt."

Und indem er dies sagt, schreitet er mit ruhigem und festem Schritte der Ausgangs- thüre zu.

Abb« Antoine war sprachlos, und sein Schritt war weder ruhig noch fest. Nie in seinem Leben hatte er seinen Wohlthäter anders gesehen, als krank. Angstschweiß bedeckte seine Stirne. Er folgte Herrn de Musy. In seiner Verwirrung und erwar­tend, daß dieses Traumgesicht sich vlötzlich in sein Nichts auflösen werde, nahm er für jeden Fall den Rollstuhl mit sich.

Auf dem Bocke seines Wagens sitzend erwartete sie der Kutscher. Als er Abb« Antoine sah, stieg er herab, um ihm zu helfen, seinen Gefährten in den Wagen zu heben. Aber mit Erstaunen wahrnehmend, daß er den Rollstuhl in den Armen trug, fragte er:

„Wo ist Ihr Kranker?"

„Ich bin hier," antwortete ein Priester von hohem Wüchse, welcher zu gleicher Zeit mit Abb« Antoine beim Wagenschlage ange­kommen war. „Die allerseligste Jungfrau hat mich geheilt. Ich brauche jetzt den

sind, kann das deutsche Kirchenlied als er­laubt und löblich erachtet werden, so bei der stillen hl. Messe, bei Nachmittags-, Abend-, Bruderschafts-Andachten, bei Processionen, Bittgängen u. s. w.

Bei Sachkennern und Laien war nur eine Stimme des Lobes und der Anerkennung über die Vorzüglichkeit der Leistungen des Münster'schen Domchores. Herr Chordirector Schmidt hat auf's Neue bewiesen, zu welcher Höhe er den Domchor nunmehr gebracht, welchen Muth und welche Begeisterung er den Sängern zur Bewältigung selbst der schwie­rigsten Sachen einzuflößen versteht.

Ohne Zweifel haben die Festtage bei Allen Liebe und Hingebung an die kirchliche Ton­kunst auf's Neue wachgerufen, mancher Diri­gent ist mit neuer Anregung und heilsamen Entschlüßen nach Hause zurückgekehrt, mancher Schwankende für die heilige Sache gewonnen. Es gestalteten sich aber auch die Festtage zu einem Triumphe für unsere katholische Kirche, die, wenn auch zur Zeit gefesselt und ge­hemmt, gerade in ihren Banden Zeugniß gibt von ihrer Lebensfähigkeit, von der geistigen Ungebrochenheit ihrer Glieder, von ihrem inneren Einflüße auf die Herzen ihrer Kinder.

Schließen wir mit den Worten, womit der Herr Prälat Dr. Giese in seiner mit so vielem Beifall aufgenommenen Rede am letz­ten Tage die Versammlung erfreute und welche uns die Sänger der Cathedrale so trefflich in Tönen gedeutet: Confirma hoc Deus, quod operatus es in nobis, a templo sancto tuo, quod est in Jerusalem. Befestige das, o Herr, was Du in uns gewirkt hast von Deinem hl. Tempel her, der ist in Jerusalem.

Wagen nicht. Wir werden zu Fuß zur Grotte hinabgehen."

Verblüfft richtete der Kutscher seine Augen auf den Sprechenden und erkennt in diesem Priester voll Leben, Kraft und Gesundheit den hilflosen Gelähmten. Er meint zu träumen. Jedes Wort erstirbt ihm auf den Lippen. Sein Blick begegnet dem des Abb« Antoine, und der Eine begreift die Verlegenheit des Anderen. Er nimmt den Rollstuhl und stellt ihn aus den Wagen.

Beim Verlassen des Perrons umarmen sich die beiden Priester weinend.

„Mein Vater! mein Vater! Sie sind geheilt!"

„Ich glaube es mein Sohn," antwortete mild Abb« de Musy. Dies waren die ein­zigen Worten, welche gewechselt wurden.

Es gibt Empfindungen des Herzens, welche man den Menschen gegenüber nur in Thränen, und Gott gegenüber nur im Gebete ausdrücken kann. Sie beteten also; sie stiegen den Weg hinab, indem sie den Rosenkranz her­sagten: Ave Maria, gratia plena.

XVIII.

So kommen sie zur Grotte. Es ist un­gefähr 9 Uhr. Die Menge drängt sich vor diesen gesegneten Felsen. Greise, Jünglinge, Frauen, Gläubige jeglichen Alters, schweig­sam in ihrem Gebete und unbeweglich in