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M 225.

Sonnabend, den 30. September 1882.

Fuldaer SB Jeitung.

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* Die Zukunft Egyptens.

_ Nachdem der erste Act der egyptischen Frage, die Niederwerfung des Arabischen Aufstandes, durch die englischen Waffen be­endigt worden ist, tritt die Nothwendigkeit der Ausführung des zweiten Actes, die voll­ständige Beruhigung und staatliche Neuord­nung Egyptens in den Brennpunkt der aus­wärtigen und europäischen Politik. Nicht wenig Befürchtungen werden nun hinsichtlich der Auseinandersetzung über die zukünftige staatliche Gestaltung des Nillandes laut, die Furchtsamsten fürchten eine allgemeine Ver­feindung der Großmächte wegen Egyptens, wo schließlich jene Interessen geltend zu machen habe, da das Nilland schon seit Jahrzehnten eine hochwichtige internationale Stellung einnehme, Andere besorgen Zer­würfnisse Englands wegen Egypten mit Frankreich oder Rußland, denn eingeweihte Organe letzterer Großmächte haben erklärt, daß die englische Regierung sehr irre, wenn sie glaube, nur nach ihrem eigenen Gut­dünken in Egypten schalten und walten zu können.

Es ist nun allerdings richtig, daß derar­tige Kundgebungen eine gewisse symtomatische Bedeutung haben, daß sie Ereignisse wahr­scheinlich machen, wenn bestimmte Voraus­setzungen richtig sind, aber wir glauben nicht, daß sich die Meinungsverschiedenheiten der Großmächte über die Zukunft Egyptens bis zu gefahrdrohenden Zerwürfnissen steigern werden. Man darf aber bei der Beurtheil- ung der englischen Politik niemals außer Acht lassen, daß England in erster Linie Handelsstaat und als solcher mehr schlau

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Das Wunder am Feste Maria Himmelfahrt.

Aus dem Französischen von Heinrich Lasserre, übersetzt von Konrad Helfrich.

(Fortsetzung.)

XIV.

Seit der Abreise der beiden Pilger waren die Herzen aller Bewohner von Digoine in Lourdes. Mit welchem Eifer hielt man die neuntägige Andacht! Mit welcher Spannung las man die täglich eintreffenden Briefe des Abbe' Antoine, welche Nachricht über den lieben Kranken brachten!

Wenn der Glaube aus dieser Welt ver­bannt wäre, so würde man ihn in dem Her­zen der Mütter wiederfinden. Frau de Musy fühlte keinen Zweifel.

„Ja, meine Tochter", sprach sie vom ersten Tage an zu Genovesa, mit einem Tone der Sicherheit, welcher jede Gegenrede verstummen machte, „ja. meine Tochter, er wird durch ein Wunder geheilt werden und wir werden es mit unseren Augen sehen."

Und jeder Augenblick, welcher verfloß, vermehrte in ihr diese auffallende Sicherheit: eine Sicherheit, zweifelsohne bewunderungs­würdig in ihrem Ursprünge, welche aber den Beobachter mit ähnlichem Bangen er-

und auf Gewinn bedacht als kriegerisch und erobernd ist. England wird daher in Egyp­ten seinen Vortheil zu wahren suchen, ohne dieses Land zu annectiren und dadurch einigen Großmächten den Fehdehandschuh vor die Füße zu werfen, und aus den Zeitungen ,Times', Standard' und ,PallMall Gazette', welche ineistentheils die Anschauung der lei­tenden englischen Kreise wiederspiegeln, er­fährt man ja auch Pläne, welche mit un­serer Behauptung übereinstimmen. Egypten soll danach in ein orientalisches Belgien, d. h. in ein von den Großmächten garantirtes neutrales Gebiet umgestaltet werden. Die Schwierigkeit der Lage am Nil sei aber augenblicklich die, daß der Khedive kein Heer und keine zuverlässigen Beamte habe, um seine Autorität genügend zur Geltung zu bringen und Ordnung im Lande zu schaffen, es sei daher natürlich, daß England im Ein- verständniß mit dem Khedive dessen Heer reor- ganisire und auch Civilbeamte nach Egypten schicke, die zur Reorganisation der Landes­verwaltung nothwendig seien. Daraus fol­gere aber nicht, daß Egypten englisch werde, ebenso wenig wie Belgien durch das Ein­schreiten französischer Truppen 1830 fran­zösisch geworden wäre, denn die. Verträge Egyptens mit der Türkei und den Großmäch­ten würden aufrecht erhalten, auch werde England dafür Sorge tragen, daß die aus­wärtigen Actieninhaber und fremden Kauf­leute ihr Geld resp. ihre Besitzungen zurück­bekämen und der Handel in und mit Egyp­ten ^bald wieder in Blüthe komme, auch sei in Friedenszeiten der Suezcanal der freien Schifffahrt ungehindert geöffnet. Mehr könne füllen mußte, wie wenn man das fröhliche Schaukeln eines Kindes über der Tiefe eines Abgrundes mitansieht. . . . Was wird ge­schehen, wenn der Zweig des Baunies bricht, oder wenn der Strick zerreißt?

Diese Sicherheit hatte einen solchen Grad erreicht, daß Frau de Musy in vertraulicher Unterhaltung von der Heilung ihres Sohnes wie von einer vollbrachten Thatsache sprach.

Sonderbarer Weise fühlte sie in sich ein Gemisch von Freude und von Furcht. Es schien ihr, daß diese Heilung die Veran­lassung einer für sie schmerzhaften Trennung sein werde, daß dieselbe für ihren Sohn den Eintritt in eine neue Welt zur Folge haben werde, wohin sie ihm nicht folgen könnte. Sie erinnerte sich des geheimniß- vollen Wortes des Erlösers, welches er nach seiner Auferstehung an die voreilige Magda­lena richtete: Noli nie tangere! Rühre mich nicht an! Die alten Beziehungen bestehen nicht mehr!

„Welch' ein Wunder!" sprach sie zu den Ihrigen. „Das wird für ihn eine Aufer­stehung sein. Ich werde zittern, wenn ich zu ihm rede. Ich werde nicht mehr wagen, ihn zu behandeln, wie ehemals."

„Aber, liebe Mutter, das würde ihn be­trüben! . . ."

„Denke doch an die Umwandlung, welche

D Europa nicht verlangen und Alles Uebrige - sei Sache des Khedive und derjenigen Macht, e also England, welcher der Khedive seine t Macht und Existenz verdanke.

e Aus diesen Kundgebungen der englischen l Presse erhellt allerdings, daß sich England , seinen Vortheil in Egypten zu wahren sucht, - aber gleichzeitig erfährt man auch, daß Eng- - land an Europa gewisse Concessionen macht - und mehr als Garantien für diese Conces- t sionen werden die Großmächte von England auch nicht verlangen, da England, wie die > Dinge nun einmal liegen, in Egypten un- : streitig einen privilegirten Einfluß erlangt hat.

Deutsches Reich.

* Berlin, 28. Sept. Der Hofprediger Stöcker ruft einen christlichen Schulverein in's Leben, der es sich zur Aufgabe macht, die confessionslose Schule auszurotten. Seinen Sitz hat der Verein zu Frankfurt a. M.

;nk-. Die hauvtsächlichste Aufgabe der officiösen Presse scheint gegenwärtig darin zu bestehen, daß die officiösen Tagesblätter das wieder gut zu machen haben, was die wöchentlich erscheinende ,Prov.-Corr.' gesün­digt hat und daß die ,Prov.-Corr.' das wieder zu sühnen hat, was die täglichen Organe verbrochen haben. So hatte die ,Nord. Allg. Ztg.' acht Tage lang die „Miß­verständnisse" in dem „capitalen" Artikel der ,Prov.-Corr.' aufzuklären gehabt und heute feiert die ,Prov.-Corr.' die conserva- tive Partei, gegen welche die ,Nordd. Allg. Ztg.' in den letzten acht Tagen mehrfach geeifert hatte. Um bei letzterem Verfahren einen allzu grellen Widerspruch nicht zu (ich in ihm wird vollzogen haben! Es wird sein, als ob Gott ihn von neuem erschaffen hätte. ... Er wird seine Gebeine neu ge­bildet und sein Fleisch neu geformt haben, wie den Lehm Adams. Ebenso wie Moses bei seiner Rückkehr vom Berge Horeb, wird er den Wiederschein des Heiligen der Heiligen an sich tragen. Ich werde mich fürchten, meine Augen zu ihm zu erheben und ich fühle schon im Voraus meine Kniee wanken."

So durchzogen für Augenblicke die Schat­ten einer gewissen Schwermuth den strahlen­den Himmel ihrer Hoffnung, vergleichbar jenen Nebelmassen, welche man im Monate Juni und Juli zuweilen hie und da am Sommerhimmel hinziehen sieht.

„Er wird der Sohn der allerseligsten Jungfrau sein," sagte sie nachdenklich; „wird er auch noch der meinige sein?"

Aber diese leichten Nebel lösten sich bald auf in der ruhigen Heiterkeit ihrer Umgebung und nichts trübte mehr den Himmel ihrer Freude.

Am 14. August, der Vigil von Mariä Hinnnelfahrt, sprach sie Folgendes:

„Nun wird er bald geheilt sein! Welch' ein Glück! Wie wohl hat er diese Belohnung verdient, mein armes Kind! Welche Tugend! Welche Geduld! Keine Klage seit 22 Jahren."

„D liebe Mutter!" rief Genovefa er-