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M 224. Freitag, den 29. September 1882.

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rn. Die Sonntagsruhe.

(Schluß.)

Wir haben im gestrigen Artikel gesehen, daß bei der auf dem rheinischen Parteitage des Centruins zu Köln am 15. August er. von dein „Volkswirthschaftlichen Verein für Rheinland" angeregten Besprechung sowohl bezüglich des Druckerei-Gewerbes, als auch bezüglich der Eisenindustrie und des Berg­baues allgemein anerkannt wurde, daß die Einstellung der Sonn- und Feiertagsarbeit recht gut thunlich ist. Dasselbe wurde be­züglich der Arbeit in den Glashütten gesagt; anders verhält es sich freilich mit dem Mäl­zerei-, Brauerei- und Brennerei-Gewerbe.

Die T e x t i l-J n d u str i e, so erklärte einer ihrer hervorragendsten Vertreter, kann an Sonn- und Feiertagen vollständig ruhen. Auch die Reparatur-Arbeiten lassen sich meist in der Woche vornehmen, abgesehen von Ausnahmefällen und von den Kesselarbeiten, wenn keine Reservekeffel vorhanden. Bezüg­lich der gewöhnlichen Reparatur-Arbeiten sei jedoch ein wahrer Unfug zu constatiren. Die Industriellen schlöffen in der Regel mit den Maschinenbauern Verträge ab, worin diese zur Vornahme der Reparatur-Arbeiten an Sonn- und Feiertagen verpflichtet wür­den. Es sei so weit gekommen, daß nicht einmal die ersten Tage des hohen Weihnachts-, Oster- und Pfingstfestes respectirt würden. Das Bewußtsein von der Unerlaubtheit sol­cher Arbeiten sei durch die lange Gewohnheit selbst bei sonst gut gesinnten Industriellen mehr und mehr geschwunden. Eine förmliche Agitation im Volke sei deshalb dringend

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Das Wunder am Feste Mariä Himmelfahrt.

Aus dem Französischen von Heinrich Lasserre, übersetzt von Konrad Helfrich.

(Fortsetzung.)

XIII.

Am 14. August sand in der Grotte die plötzliche Heilung einer Lahmen statt.

Als die Geheilte einige Stunden später Herrn Abbe de Musy gewahrte, sprach sie ihm zutraulich Muth ein.

„Vertrauen!" sagte sie zu ihm. „Heute bin ich's. Morgen werden Sie es sein. Ich hoffe, daß die allerseligste Jungfrau Ihre Heilung für das glorreiche Fest ihrer Himmelfahrt aufgespart hat."

Der folgende Tag war also der 15. Au­gust, und die Kirche schickte sich schon an, den triumphirenden Einzug der Mutter Jesu Christi in das Reich ihres Sohnes zu feiern.

In der Seele des kranken Priesters schwan­den mehr und inehr die Schatten des Zweifels unter den Strahlen einer wachsenden Hoff­nung, welche in ihm aufstieg wie der all- mählig zunehmende Schimmer der Morgen- röthe, und welche nach und nach zum Licht­glanze des vollen Tages sich entwickelte, zum Lichtglanze jenes Glaubens ohne Zaudern, von welchem der Erlöser der Welt sagt:

nothwendig, um die Ehrfurcht vor den Ge­boten Gottes wieder zu wecken.

Bezüglich der Papier-Industrie er­klärte ein bedeutender rheinischer Fabrikant unter dem Beifall der Versammelten, daß er niemals an Sonn- und Feiertagen habe ar­beiten lassen. Der Einwand, daß der Be­trieb eine Unterbrechung nicht zulasse, fällt damit von selbst. Es sei aber leider That- sache, daß in den meisten Papierfabriken, besonders in den überrheinischen, eine Sonn­tagsruhe nicht bestehe und daß höchstens noch die ersten Tage von Weihnachten, Ostern und Pfingsten geachtet würden.

Anlangend die wiederholt zur Sprache ge­brachten Reparaturen wurde von einer Seite durch specielle Beispiele der Beweis erbracht, daß die Industriellen, welche die laufenden Reparaturen in der Woche vornehmen lassen, selbst wenn dadurch ein Geringes an Arbeits­zeit verloren ginge, sich gegenüber Denjenigen, welche die betreffenden Arbeiten dem Sonn­tag reserviren, keineswegs in Nachtheil be­finden. Denn abgesehen davon, daß die Sonntagsarbeit pro Stunde doppelt so hoch bezahlt zu werden pflegt, wird auch viele Zeit vertändelt und aus Ueberdruß und Nach­lässigkeit sogar Manches verdorben. Die gleichwohl hervorgetretene Meinungsverschie­denheit über die Zulässigkeit der Sonntags­reparatur löste sich dahin auf, daß jeder Fabrikherr die Nothwendigkeit streng­stens prüfen müsse. Was man vermeiden könne, selbst bei einigem Verluste, müsse un­bedingt vermieden werden. Manche Arbeit lasse sich theilen und zu verschiedenen Zeiten erledigen, alsdann genügten einige

„Wenn du glauben kannst: Alles ist dem Glaubenden möglich." War es Einbildung oder Wirklichkeit, es schien ihm, als ob eine Atmosphäre des Wunders ihn umgäbe.

Der so lange von der Krankheit Gefesselte sprach schon leise das Wort „Befreiung" aus, so wie einst Columbus schon „Land! Land!" rief, lange bevor seine leiblichen Augen jenseits des unermeßlichen Horizonts den Continent entdeckt hatten. Von seinen bebenden Lippen vernahm man die Aus­drücke der Hoffnung:

„Morgen! Morgen! Möge Unsere liebe Frau von Lourdes den kleinen Peter gesund machen! Möge sie auch mich gesund machen, wenn es so ihr hl. Wille ist!"

Die Nacht vom 14. auf den 15. August verbrachten die beiden Priester ohne Schlaf, d. h. sie verbrachten dieselbe im Gebete. Hoch oben vorn Himmel, aus jenen stillen, unermeßlichen Räumen glänzten die Sterne; und hie und da hier unten auf der Erde; unter den sich wölbenden Bogen der Kloster­kirchen, in welchen das nächtliche Officium die Mönche versammelte; in den einsamen Kammern, in welchen die christliche Liebe bei den Kranken und Sterbenden wachte; auf den Lagern der Gerechten, welche Schlaf­losigkeit heimsuchte; an tausend und tausend Orten der schlummernden Erde entzündeten

Abendstunden oder die Zeit Montags vor Beginn.

Die Bemerkung, daß der gewissenhafte Fabri­cant durch die Concurrenz der S.nntagsarbeit sehr geschädigt werde, wurde nicht als durch­weg zutreffend anerkannt. Hebend! nämlich, wo die menschliche Arbeitskraft an erster Stelle bei der Production in Betracht komme, sei die Sonntagsruhe so unentbehrlich, daß ohne sie der Betrieb selbst leiden müsse. Der betreffende Redner stand deshalb nicht an, zu behaupten, daß 6 Tage Arbeit und ein Ruhetag auf die Dauer für die Industrie vortheilhafter seien als 7 Tage rastloser Arbeit.

Im weitern Verlaufe der Berathung han­delte es sich nur mehr um die Frage, in welcher Weise die gepflogenen Besprechungen am besten praktisch zu verwerthen seien. Daß man mit positiven Vorschlägen noch nicht vor die gesetzgebenden Körperschaften treten könne, liege klar auf der Hand. Dadurch werde aber selbstredend nicht ausgeschlossen, daß wir unsere Vertreter im Land- und Reichstage nicht auffordern füllten, für Ver­schärfung der Sösintagsruhe zu wirken. Sie erfüllen damit auch eine patriotische Pflicht. Sollen Industrie und Gewerbe im Lande blühen, so müssen die Betheiligten den Sonn­tag refpectiren.

Während der Debatte war die Nothwen­digkeit, mit der Agitation für die Sonntags­ruhe in's Volk zu bringen, mehrere Male berührt worden. So hatte ein Redner ins­besondere hervorgehoben, die vom „Volks­wirthschaftlichen Verein" eingeleitete Agita­tion auf Verschärfung der Sonntagsruhe solle nicht auf die Verkehrsanstalten und die Groß- sich, Sonnen vergleichbar, zahlreiche Seelen an den glühenden Flammen des Gebetes und erfreuten die Augen der Engel. „Ecce nunc benedicite Dominum omnes servi Domini. ... In noctibus extollite manus vestras in sancta et benedicite Domi­num.“ *) „Sehet! Sehet! Jetzt ist der Augenblick gekommen! Preiset den Herrn alle Diener des Herrn! ... In den Näch­ten erhebet eure Hände zum Heiligthume und benedeiet den Herrn!" So flössen die Stunden schnell dahin. Und als mit einem Male das freudige Spiel der Silberglocken von dem Thurme der Pfarrkirche und der Wallfahrtskirche erklang und den Morgen des großen Festes ankündigte, da sprach der Eine von den beiden Priestern zu dem Anderen:

„Wie schnell ist doch die Nacht dahinge­schwunden!"

Wenn man sich mit seinen Gedanken in die Dinge der Ewigkeit vertieft, dann fühlt man nicht mehr den Lauf und die Berührung der Zeit: diese letztere entschwindet dann dem Bewußtsein.

Fast im nämlichen Augenblicke wurden die Schellen zweier Pferde, welche zu schnel­lem Trabe angetrieben waren, in der Rue de la Grotte hörbar und der Wagen, welcher

*) Ps. 133.