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M 223. Donnerstag, den 28. September 1882.

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rn. Die Sonntagsruhe liegt überhaupt sehr im Argen, namentlich in den industriellen Werkstätten. Darum glaubte auch die letzte Generalversammlung der Katholiken Deutschlands zu Frankfurt a. M. in einer ihrer Resolutionen die strengere Heiligung des Sonntags betonen zu sollen. Aber schon auf dem rheinischen Parteitage des Centrums in Köln vom 15. August er. wurde durch den „Volkswirth- schaftlichen Verein für Rheinland" derselbe Gegenstand in Anregung gebracht. Dreißig sachverständige Herren hielten hierüber eine besondere Besprechung. Als Zweck der Zu­sammenkunft war in dem Einladungsbriefe bezeichnet: „Nähere Verständigung über die Grenzen der gesetzlichen Sonntagsruhe über­haupt und die Bedürfnisse der einzelnen In­dustrien nach Ausnahmen."

Gleich beim Beginn der Generaldebatte wurde constatirt, daß leider die Sonntags­arbeit immer weiter um sich greife, daß sie in immer erhöhtem Maße es einer großen Anzahl Arbeitern und Beamten unmöglich mache, ihre religiösen Pflichten zu erfüllen, sowie nach gethaner Arbeit der Ruhe zu pflegen, was doch im Interesse ihrer Ge­sundheit und ihrer Familien unentbehrlich sei. Gesetzliche Regelung der Frage sei nothwendig. Allerdings habe der Reichs­tag auf Betreiben des Herrn Abg. Lingens, dem das Verdienst gebühre, die Frage der Sonntagsruhe für die Beamten so oft in den Kammern zur Sprache gebracht zu haben, schließlich eine Resolution angenom­men, welche Verschärfung der Sonntagsruhe für die Post- und Telegraphen-Beamten ver-

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Das Wunder am Feste Mariä Himmelfahrt.

Aus dem Französischen von Heinrich Lasserre, übersetzt von Konrad Helfrich.

(Fortsetzung.)

XII.

Unter den Pilgern, welche beim Heran- nahen des Festes Mariä Hiimnelfahrt nach Lourdes gekommen waren, fiel bald dieser kranke, noch junge Geistliche auf, welchem man zu allen Stunden in feinem kleinen Wagen begegnete, fei es in der Krypta, ober unter der Höhlung des Felsens von Massabielle, oder auf dem Wege zur Grotte. Jedermann intereffirte sich für ihn; man fühlte sich von Mitleid und Theilnahme er­griffen für diesen Arbeiter des Herrn, wel­cher seit so vielen Jahren sich in der Un­möglichkeit sah, im Weinberg des Herrn arbeiten zu können. Und diese frommen Seelen, welche gekommen waren, um für sich selbst die Vermittlung Maria's anzu- rufen, beteten auch für diesen unbekannten Priester. Wie viele geistlichen Almosen wer­den auf solche Weise zu Lourdes gespendet, welche verborgen bleiben werden, bis einst die dunklen Schatten, welche hier auf Erden die Geheimnisse des Lebens verhüllen, ge­

langt. Diese Resolution scheine aber einfach ad acta gewandert zu fein; wenigstens fei von einer Einschränkung des Dienstes nichts zu merken, wohl aber sei stellenweise der Dienst noch erweitert worden. Rach Annahme obiger Resolution wurde nämlich, wie meh­rere Herren conftatirten, in vielen Landbe­zirken Sonntags-Briefbestellung eingeführt, sogar ohne daß die betreffenden Interessenten darauf gedrungen hätten. In ähnlicher Weise gebe der Staat ein schlechtes Beispiel im Eisenbahnwesen. Nachdem speeiell in Preußen die bedeutendsten Eisenbahnlinien verstaatlicht worden, sei es um so leichter möglich ge­wesen, eine Einschränkung des Dienstes an Sonn- und Feiertagen herbeizuführen; aber auch hier fei eher das Gegentheil zu beob­achten. Es wurde auch gerügt, daß die Staats- und Gemeinde-Beamten gerade Sonn­tags und mit besonderer Vorliebe an den katholischen Feiertagen in die Bureaus be­fohlen würden; in Köln würden feit einigen Jahren die städtischen Beamten sogar an dem hohen Frohnleichnamsseste zur Arbeit angehal­ten. Wenn in solcher Weise von den Be­hörden allenthalben der Sonntag mißachtet werde, dann dürfe man freilich sich nicht luunbern, wenn die Privaten immer mehr nachfolgten. Viele Industrielle suchten die Sonntagsarbeit dadurch zu rechtfertigen, daß sie behaupten, der Betrieb lasse eine Unter­brechung nicht zu. In den meisten Fällen fei aber das nur ein Vorwand. Nicht weil der Betrieb eine Unterbrechung nicht zulaffe, werde gewöhnlich gearbeitet, sondern weil es den betreffenden Fabrieanten an dem guten Willen fehle, oder mit anderen Worten: weil

schwanden sind und das Licht der Ewigkeit Alles beleuchtet!

„Wie ist das?" sagte der Pfarrer von Lourdes zu Abb6 de Musy als er zwei Tage nach seinem ersten Besuche wiederum zu ihm kam, „wie ist das? Die Mutter Gottes hat Sie noch nicht geheilt? Ich muß bei ihr Klage führen!" fügte er hinzu, in­dem er selbst über diese seine Drohung lächelte, und von diesen Dingen mit jener fast übertrieben scheinenden Familiarität sprach, welche sich zuweilen die Männer Gottes erlauben, von Job und David an­gefangen bis auf Vincenz FerreriuS und den Pfarrer von Ars.

Sein überzeugendes Wesen, seine Sicher­heit, fein fester Glaube, das Versprechen seines Gebetes belebten in der Seele des Kranken und seines Gefährten die Hoffnung von Steuern.

„Wir haben jetzt bei Maria einen Freund und einen Fürsprecher," sagte Einer zu dem Anderen.

Dieser Freund war nicht der einzige. Jeden Morgen begegnete Abbe de Musy in der Krypta dem kleinen Peter, welcher der nämlichen Meffe beiwohnte, wie er. An der Quelle und in der Grotte traf er ihn wiederum. Und diese beiden Unglück­lichen, Einer so unschuldig wie der Andere,

sie sich von einer ungezügelten Gewinnsucht leiten lassen. Der gewissenhafte Fabricant, welcher die Sonntagsruhe beobachtet, müsse aber gegen eine solche gewissenlose Concur- renz geschützt werden, was allerdings nur wirksam durch die Gesetzgebung geschehen könne.

Diese und ähnliche Gesichtspunkte traten in der General-Debatte mehrfach zu Tage.

In der Special-Debatte wurde zu­nächst hinsichtlich des Drucker-Gewerbe anerkannt, daß der Betrieb an und für sich die Sonntagsarbeit gar nicht erheische, daß aber die Concurrenz manchen Zeitungsverleger dazu nöthigen könne. Die Anforderungen des Publicums seien mit der Zeit überspannte geworden. Ein wirkliches Bedürfniß liege durchaus nicht vor. Das Beispiel Englands und speciell der Weltstadt London, wo an Sonn- und Feiertagen keine einzige Postbe­stellung stattfinde, beweise das aufls Schla­gendste. Bezüglich des Druckergewerbes würde deshalb ein vollständiges Verbot der Sonn­tagsarbeit keine Bedenken haben. „

Auch in den Glashütten, so wurde von competenter Seite hervorgehoben, sei Sonntagsarbeit durch den Betrieb in keiner Weise geboten. Anders aber verhalte es sich mit dem Mälzerei-, Brauerei-, und Brennerei-Gewerbe; hier komme näm­lich Alles auf den richtigen Verlaus des Gährungsprocesses an, welcher wiederum sehr von der Temperatur bedingt sei. Gerade des letztem Umstandes wegen sei an den be­treffenden Tagen eine beständige Aufsicht nöthig, die eigentliche Arbeit könne allerdings in 2—3 Stunden leicht bewältigt werden, hatten sich einander genähert und sich gegen­seitig getröstet. Das Wort des Priesters entzückte den Knaben; der Anblick dieses leidenden Engels erbaute und stärkte den Priester. Es war eine innige Freundschaft zwischen ihnen entstanden, und Jeder von ihnen betete für den Anderen noch mit mehr Andacht, als für sich selbst. Derjenige von Beiden, welcher zuerst zur Quelle kam, bewahrte stets den Platz für den Anderen; so daß der kleine Peter die Quelle nicht verließ, bis Abbe Antoine an die Thüre klopfte, und daß Abbe de Musy darin blieb, bis die sanfte Stimme, des kleinen Peter von außen rief: „Ich bin da."

Sonderbare Vertraulichkeit zwischen diesen Leidenden, welche sich in der vorhergehenden Woche noch nicht kannten und welche aus ganz verschiedenen Gegenden des Landes zur hl. Grotte gekommen unter den Augen Un­serer lieben Frau von Lourdes wie Freunde und Brüder geworden waren!

Und doch war der Eine ein Edelmann von hoher Abkunft; der Andere war der Sohn eines armen Schuhmachers aus der Umgegend von Pau. Der Eine war ein Priester von reichem Wiffen und in der Blüthe des Alters; der Andere war fast noch ein Kind und ganz unbekannt mit dem, was die Menschen lehren. Der eine hatte