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220.

Sonntag, den 24. September 1882.

Jfiiltarr AW Jnhnig.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint ttglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Ran abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda tn der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswSrts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda 1 Mark und 50 Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg.. ins Haus gebracht 1 M. 90 Pfg, Mit den .Jllustrirten Sonntagsblättern' kostet dieFuld. Ztg vierteljährlich in Fulda M. 1.90; auswärts am Postschalter M. 1.75; in's Haus gebracht M. 2.15 Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

An unsere Leser!

Der bevorstehende Quartalswechsel bietet uns Gelegenheit, einige Worte an unsere Leser und solche, die es werden wollen, zu richten. — Die ,Fuldaer Zeitung' wurde vor 83/4 Jahren in schwerer, bedrängter Zeit in's Leben gerufen. Unsere Leser wissen, welch' harte Prüfungen über uns verhängt wurden; ja, wie von verschiedenen Seiten aus darnach gestrebt wurde, dieses einzige katholische Organ des Regierungs- Bezirks sofort nach seinem Entstehen zu ver­nichten. Offen und versteckt hat man gegen dasselbe agitirt. Dank der mannigfachen Unterstützung, die unsere Bestrebungen von den Freunden und Interessenten unseres Blattes fanden, haben aber alle jene Anfein­feindungen nichts vermocht.

Wir werden daher auf dem bisher einge­schlagenen Wege ruhig weitergehen, indem wir Alles aufbieten, um etwaige Mängel zu verbessern.

In kirchlichen Fragen vertreten wir entschieden den katholischen Stand­punkt und behandeln alle Fragen, die zu der Religion in irgend einer Beziehung stehen, insbesondere auch die Schulfrage nach den Grundsätzen der katholischen Kirche.

So lange der Culturkampf noch im­mer nicht beigelegt ist, werden wir es als unsere Pflicht erachten, unaufhörlich auf die verderblichen Wirkungen desselben hinzuweisen, bis man sich endlich entschließt, die Fesseln, welche die freie Wirksamkeit der Kirche hemmen, zu lösen.

Auf dem Gebiete der focialen Frage werden wir allen wohlgemeinten und

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Das Wunder am Feste Mariä Himmelfahrt.

Aus dem Französischen von Heinrich Lasserre, übersetzt von Konrad Helfrich.

(Fortsetzung.)

IX.

Am 6. August reifte Herr Abbe de Musy von Digoine ab, um sich nach Lourdes zu begeben. Er wollte von Niemanden be­gleitet fein, als von Herrn Abbe Antoine.

„Eure Gebete allein mögen mir folgen," sagte er zu seinen Angehörigen.

Es war eine herrliche Sommernacht mit lauer, milder Luft und hellem Mondschein, als er das väterliche Schloß verließ.

Der Wagen war feit drei Stunden dahin- gerollt, als er gegen Mitternacht bei der Eisenbahnstation anhielt.

„Wir sind in Chagny," sagte Abbe An­toine.

Wenn die Zukunft vor ihnen offen da- gelegen hätte, oder wenn das, was man eine Ahnung nennt, in diesem Augenblicke in ihrer Seele aufgestiegen wäre, so würde dieser Name von Chagny fie gewiß nicht gleichgiltig gelassen haben; sie würden im Lichte des strahlenden Mondes mit mehr Interesse und Aufmerksamkeit die Stadt und

uneigennützigen Bestrebungen, die auf gesetzlichem Wege eine Bes- sserung der Lage der unt ern Volks- classen zu erzielen suchen, wohlwol­lend und fördernd zur Seite stehen.

Unsere Forderungen bezüglich der Steuer­reform gehen dahin, daß die Steuern ent­sprechend den Vermögensverhältnissen der Steuerzahler in billigerer Weise, als es bis­her geschah, zu vertheileu und die drückenden Lasten von den Schultern der weniger leist­ungsfähigen Classen hinwegzunehmen sind.

Indem mir diese Fragen in der ange­deuteten Weise behandeln, glauben wir am besten unfern Patriotismus zubethätigeu. Die wahre Vaterlandsliebe besteht nicht in leeren Phrasen und Loyalitä.^betheuerungen, sondern in dem Bestreben, das Wohl des Volkes zu fördern, welches ja auch das höchste Ziel unseres erhabenen Monarchen ist.

Wie fest wir auch an unseren Principien halten werden, so werden wir uns dabei doch stets von jeder leichtsinnigen oder gar bös­willigen Störung der bürgerlichen Eintracht und Friedfertigkeit fern halten, denn nicht das Volk zu verhetzen, erachten wir als un­sere Aufgabe, sondern es zu belehren, auf­zuklären und ihm ein selbstständiges Urtheil zu ermöglichen. Ist der Dank, den wir dabei ernten, auch nicht groß, so ist doch unser Gewissen ruhig.

Ebenso offen und unumwunden erlauben wir uns dabei unsere Gesinnungsgenossen in der Diöcese unter ausdrücklichem Hinweis auf die Verhandlungen der 29. Generalver­sammlung der Katholiken Deutschlands an ihre Pflicht zu erinnern, die .Fuldaer

Zeitung' vor allen anderen Provineialblättern durch Abonnement und Inserate zu unter­stützen.

Indem wir also um recht zahlreiches Abonnement bitten, sagen wir zugleich allen unseren Freunden und Gönnern für ihr seit­heriges Wohlwollen unseren herzlichsten Dank.

Fulda, am 22. September 1882.

Die Re-action

der ,Fuldaer Zeitung.'

Deutsches Reich.

* Berlin, 22. Sept. Der ,Reichsan­zeiger' meldet: „Die Kaiserin konnte in den letzten Tagen regelmäßig auf dem Kran­kenstuhl ins Freie gerollt werden, so daß ärztlicherseits nunmehr eine Uebersiedelung nach Baden-Baden zum Bädergebrauch drin­gend gewünscht wird. Die Uebersiedelung ist bereits für die nächste Woche in Aus­sicht genommen. Der Kaiser und die Kaiserin werden daher zum gewohnten Herbstaufenthalt sich demnächst nach Baden begeben.

— Die ,Kreuzztg.' betont, daß bis zur Stunde keinerlei diplomatische Verhandlungen wegen Egypten stattgefunden haben, und daß solche auch nicht eingeleitet würden, bevor eine Basis für dieselben vorhanden sei, welche wiederum nur durch Anträge Englands ge­geben werden könne. Vorläusig existiren diese Anträge noch nicht.

— Zur Grundschuldenstatistik schreibt die ,Kreuzztg.': „In der letzten Landtagsses- sion lagen zwei verschiedene Anträge vor, welche neben Eruirung anderer Punkte ins­besondere auch die Feststellung der Grund-

die Umrisse ihres alten Glockenthurmes be­trachtet haben. Aber die Zukunft war mit einem Schleier verhüllt und Chagny war für unsere Reisenden nichts, als die erste schmer­zenreiche Station ihrer Pilgerfahrt nach dem anderen Ende Frankreichs hin.

Zu Chagny hatte der Kranke zum ersten- male die Schwierigkeiten und Schmerzen zu erdulden, welche unter solchen Verhältnissen mit dem Wechseln des Wagens verbunden sind.

Abbo Antoine und zwei Männer vom Dienstpersonal nahmen den kranken Priester in ihre Arme und trugen ihn mühsam auf den Perron des Bahnhofes, wo sie die An­kunft des Zuges erwarteten.

Die Bediensteten der Eisenbahn, welche ihren Dienst besorgend, ab- und zugingen, waren von Mitleid gerührt.

„Befindet er sich schon lange in diesem Zustande?" fragte einer von ihnen.

„Es sind zwanzig Jahre, daß er das Gesicht Dotieren hat, und elf Jahre, daß er gelähmt ist.

„Und wohin geht er iu diesem Zustande?" „Nach Lourdes."

„Was will er da thun?"

„Er hofft, dort Heilung zu finden."

Bei vielen dieser guten Leute war der Glaube nicht gerade derartig, daß er jede

Probe hätte bestehen können. Und wir werden sie wohl nicht verleumden, wenn wir sagen, daß das Bahnhofspersonal von Chagny eine Gesellschaft bildete, welche von der des Schlosses von Digoine ziemlich verschieden war. Da sie jeden Tag die staunenswerthen Wunder vor Augen hatten, welche die mensch­liche Wissenschaft vollbringt, fo gab es für sie leider nichts Reales, als dies, und sie waren wenig geneigt, an Wunder zu glau­ben, welche vom Himmel kommen.

Daher mußte denn auch der Ausdruck dieser festen Hoffnung, welcher in den Augen gläubiger Seelen etwas Erhabenes gewesen wäre, in dieser Umgebung ein wenig naiv, ja thöricht erscheinen — bei diesem ersten und zweiten Bahnhofsvorstande, den Tele­graphisten , den Bahnhofsschloffern, den Weichenstellern, dem Einöler der Locomotive, dem übrigen Dienstpersonal.

Sie sahen sich einander an, als wollten sie sagen: Wenn der Eine von diesen Geist­lichen krank am Leibe ist, so sind alle Beide ohne Zweifel ein wenig krank am Geiste. Doch diese Erwägungen verminderten nicht ihre Theilnahme für den Kranken, noch die Mühe, welche sie anwendeten, um ihn mög­lichst sorgfältig zu transportiren, damit sie nicht seine Leiden vermehrten. Wenn sie nicht den Glauben des Hauptmanns hatten,