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Provincielles und Locales.

* Fulda, 19. Sept. Noch etwa 4 Wochen und die Landtagswahlschlacht wird durch die Wahlmännerwahl entschieden werden. Die Hauptwahl, die 8 Tage nach der Wahlmännerwahl stattzufinden pflegt, ist keine Wahl schlacht mehr, sondern nur ein authentisches öffentliches Zeugniß, welches die Parteien für ihre bei der Wahlmänner­wahl erzielten Erfolge ablegen. Es kommt fomit Alles darauf an, daß die Wahlmän­ner, welche durch das Vertrauen der Ur­wähler beauftragt werden sollen, den Land­tagsabgeordneten zu bestimmen, zuverlässige, der politischen Partei der Urwähler mit Entschiedenheit anhängende Männer sind. Die Urwähler der Centrumspartei dürfen nur entschiedene Anhänger des Centrums und die Conservativen nur entschiedene conservative Männer zu Wahlmännern machen wollen. Nur so wird das Ziel, einem Manne des Centrums, resp. einem Anhänger der conservativen Partei den entgiltigen Sieg bei der Haupt­wahl zu sichern, von vornherein fest und deutlich im Auge behalten. Nur so kommt der höchste Grundsatz, dem die Urwähler folgen müssen, schon die Wahlmänner­wahl zu einer maßgebenden Kraftäußerung ihrer Partei zu gestalten, zum gütigen prak­tischen Ausdruck.

Selbstverständlich muß auch der für die Landtagswahl aufgestellte Candidat nicht minder ein ganz entschiedener Anhänger der­jenigen Partei sein, welcher seine Urwähler und Wahlmänner angehören. Es genügt nicht, daß der Candidat die Zusicherung gibt, er werde mit dem Centrum, resp. mit den Conservativen gehen, es genügt auch nicht das Versprechen, er werde Mitglied der Centrumsfraction, bezw. der conserva­tiven Fraction werden, nein, seine Gesin­nung, seine innerste Ueberzeugung muß, ab­gesehen von jedem Versprechen, die volle Garantie bieten, daß er aus eigenem An­triebe der Partei, auf deren Programm er gewählt wird, beitritt und mit ganzer Seele angehört.

Das Programm der Centrumspartei ist unseren Lesern bekannt; zudem wird dasselbe durch den demnächst erscheinenden Wahlauf­ruf wiederum betont und den Wählern in's Gedächtniß gerufen werden. Zugleich mit diesem Wahlaufrufe wird dann auch das Landtagswahlcomits der Centrumspartei im Kreise Fulda mit dem Namen seines Can- didaten, der ein entschiedener Centrums­mann ist, hervortreten.

— In Folge der Pensionirung des Ober­lehrers Professor Dr. Gies vom 1. October ab sind die Oberlehrer Gegenbaur, Dr. Körber und Dr. Zilch je in die nächst­höhere Gehaltsstufe aufgerückt und ist der Gymnasial-Lehrer Dr. Bölke zum etats­mäßigen Oberlehrer befördert worden. Von gleichem Zeitpunkte ab werden auch die ordentlichen Lehrer Pfr. Breitung, Wiske- mann, Wagner und Bork indienächst- höheren Stellen ascendiren; jedoch sind die Gehaltsätze dieser wegen der erfolgten Ein­ziehung einer ordentlichen Lehrerstelle (mit dem Durchschnittsgehalt von 3150 M.) anderweit festgesetzt worden. — Ueber Wieder­besetzung der noch offenen Stelle durch einen zweiten Lehrer der Mathematik und Natur­wissenschaften ist noch keine Entschließung erfolgt, ebensowenig wie die definitive Er­nennung eines Gymnasial-Hilfslehrers, der an Stelle des 6. ordentlichen Lehrers treten wird. — Dem Candidaten Johann Jung, welcher im Monat Juni sein Probejahr am hiesigen Gymnasium beendigt hat, ist durch Ministerial-Erlaß der Eintritt in die König­liche Turnlehrer-Bildungsanstalt zu Berlin '.für den nächsten Cursus gestattet und zu­

gleich für die Dauer desselben eine Unter­stützung von monatlich 120 M., aus Cen­tralfonds bewilligt worden. (Krsbl.)

— Wie mehrere Provincialblätter jetzt melden, starb am 6. Jan. cr. zu Bad Nau­heim Regierungsrath a. D. Freiherr von Dernbach, geb. zu Fulda am 15. März 1823, Sohn des kurfürstlichen Rathes Lothar von Dernbach.

— Die vereinigten liberalen Parteien (Nationalliberale, Fortschrittler und Demo­kraten) des Landtagswahlkreises Schlüchtern- Gelnhausen haben jetzt den unseren meisten Lesern bekannten Amtsrichter Dr. Türk von Orb als Candidaten proclamirt. Diese Candidatur dürften auch die Confervativen, deren Candidat Herr Herrlein ist, als ihrer Sache günstig bezeichnen.

t Durch Verfügung König!. Regierung zu Caffel wurde der Lehrer A. Weigand zu Neuhof zum ersten Lehrer, mit welcher Stelle auch der Kirchendienst verbunden ist, dortselbst ernannt und ihm vom 1. Juli c. ab das gesammte Einkommen der ersten Schulstelle bewilligt.

r. An Stelle des Bauraths Göring übernimmt der Eisenbahn Bau- und Be- triebs-Jnspector Porsch zu Trier die Ge­schäfte des Betriebs-Directors bei dem Be­triebsamte Frankfurt a. M.

— Da dieses Jahr viel über faule Kar­toffeln geklagt wird, theilen wir nachstehen­des Recept mit: Ein Beobachter hat, wie er versichert, vor mehreren Jahren, als seine Kartoffeln infolge der Kartoffelkrank­heit faulten, sie durch Bestreuen mit Gyps gegen ferneres Faulen geschützt. Die noch gesunden Kartoffeln sind auch ferner gesund geblieben; die schon angefaulten vernarbten und, gepflanzt, haben sie alle kräftige Stau­den geliefert.

— Aus Amerika wird uns geschrieben: Vielleicht ist es manchen der Leser der ,Fuld. Ztg.' erwünscht, die Namen jener Priester zu wissen, welche aus der Fuldaer Diöcese in Amerika wirken. Deshalb sende ich Ihnen die Liste der Namen, mit Ge­burtsort, Zeit ihrer Einwanderung und dem Staate ihrer jetzigen Wirksamkeit. 1) Nikolaus Jäckel 0. 88. Fr. Provincial, aus Utrichshausen, — seit 1860. 2) Bona­ventura Jahn 0. 8. Fr., aus Fulda, — seit 1876. New-Jersey. 3) Leopold Burk­hardt aus Leimbach, — seit 1867. Indiana. 4) Wilhelm Firle, Michigan. Woher und wo geboren, unbekannt, jedoch ist Hochwürden ein Kurhesse. 5) Eduard Fladung aus Jeßberg, — seit 1861. Ohio. 6) Andreas Frey aus Cassel, — seit 1879. New-Pork. 7) Johann Goldschmidt aus Kaltensund­heim, — seit 1856. Ohio. 8) Rhaban Gutmann aus Somborn. — Pensylvania. 9) Karl Hahn aus Kirchhasel, — seit 1848. Illinois. 10) Franz Hartleib aus Weimar, seit 1880. Oregon. 11) Ludwig Hengen 0. min. Cap. aus Jügesheim. New-Pork. 12) Hieronymus Henkel 0. min. Cap. aus Allendors, — seit 1853. Wisconsin. 13) Damian Klüber aus Fulda — seit 1857. Ohio. 14) Franz Koch O. 8. Fr. aus Sargenzell — seit 1875. New-Jersey. 15) Leonard Malkmus 0. 8. Fr. aus Hünfeld, — seit 1876. New-Jersey. 16) Aegid Mertz aus Fulda, — seit 1857. Indiana. 17) Benedict Neithard C. 88. R. aus Flieden, — seit 1842. New-Orleans. 18) Rhaban Preis C. 88. R. aus Herolz, — seit 1855. New-Pork. 19) Ferdinand Müller 0. 8. Fr. aus Fulda, — seit 1875. New-Jersey. 20) Joh. Joseph Rauck aus Fulda, — seit 1852. Ohio. 21) Franz Reinhart, aus Fulda, — seit 1864. Illinois. 22) Gregor Schlitt 0. 8. Fr; aus Momberg, — seit 1875. New-Dork.

23) Siegbert Schmelz 0. 8. Fr. aus Dietershan, seit 1878. Kentuky. 24) Aug. Stuhl C. 88.. R. aus Giesel, — seit 1850. New-Park. 25) Paul Volk aus Hünfeld, — seit 1869. Kentuky.

— Die Baugewerk- und Maschi­nenbauschule der StadtRinteln a/W. tritt mit dem 1. Oct. a. c. an die Stelle des früheren sog. Stadt. Technicums, einer Privat-Anstalt des Ingenieur Trinks. Die Stadt hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Anstalt auf reeller Basis an Stelle der bisherigen erstehen zu lassen; sie hat hierzu die Unterstützung der Staatsregierung erbe­ten und zunächst erreicht, daß diese unter ihrer Oberaufsicht einer Reorganisation unter­zogen werde. Für diese letztere und dem- nächstige Leitung ist der Stadt der bisherige Dirigent der Treuenbritzener Schule, Bau­meister Kersten, Seitens des Cultus- Ministeriums empfohlen worden. Derselbe war viele Jahre hindurch Lehrer der König­lichen Baugewerkschule zu Nienburg a/W. und hat außerdem bedeutendere Staats­bauten ausgeführt. Die Grundsätze, die der 2C. Kersten an der Treuenbrietzener Schule verfolgte, der Erfolg welchen dieselbe auf der Braunschweiger Baugewerblichen Aus­stellung errungen, läßt mit einiger Zuver­sicht erwarten, daß nach der ungünstigen Beurtheilung, welche die bisherige Privat­anstalt, besonders von Fachleuten erfahren hat, die neue Schule sich recht bald eines guten Rufes erfreuen wird.

— Im Ober-Post-Directions-Bezirk Caffel betrug die Einnahme an Wechselstempel in dem Monat August 3604 Mk. 30 Pfg.

— Eine große Anzahl namhafter Casseler Herren veröffentlicht in dortigen Blättern Blättern einen gegen die antisemitische Agitation gerichtete Adresse worin die Art und Weise, wie in Cassel das Judenthum überhaupt, und das mosaische Bekenntniß angegriffen werde, scharf verurtheilt wird. Hätten diese Herren ähnlich gehandelt, als man die katholische Kirche ihre Priester und Bischöfe in noch weit unfläthigerer Weise öffentlich verhöhnte, so würden fie heute als konsequente Männer dastehen. Aber ....

— Die Entlassung der zur Reserve zu beurlaubenden Mannschaften wird bei den­jenigen Truppen, welche an den Herbst­übungen theilnehmen, wieder am ersten oder zweiten Tage nach Beendigung derselben bezw. nach dem Wiedereintreffen in den Garnisonen stattfinden. Für das pommersche Fuß-Art.-Reg. Nr. 2 und das schleswigsche Fuß-Art.-Bat. Nr. 9 ist den 31 August, für alle übrigen Truppen der 30. Septem­ber der späteste Entlassungstag der Reser­visten. Die zur halbjährigen Dienstzeit einge­stellten Trainsoldaten werden am 28. Octo­ber d. I. bezw. 29. April k. I. entlassen, die Oekonomie-Handmerker am 30. Septem­ber d. I. Die Beurlaubungen von Mann­schaften zur Disposition der Truppentheile werden an den Entlaffungsterminen in so weit erfolgen, als Recruten nach Maßgabe der durch kaiserl. Verordnung festgestellten Quoten zur Einstellung gelangen können. Die Zahl der Beurlaubungen wird ab­hängig sein von der Zahl der einzustellenden Recruten. Die Einstellung der Recruten zum Dienste mit der Waffe wird bei sämmt- lichen Truppentheilen nach näherer Anord­nung der diesen letzteren vorgesetzten Gene- ral-Commandos in der Zeit vom 6. bis 11. November d. I. erfolgen; nur die für das pommersche Fuß-Art.-Reg. Nr. 2, das schles­wigsche Fuß-Art.-Bat. Nr. 9, die Unteroffi- cierschulen, so wie die als Oekonomie-Hand- werker ausgehobenen Recruten werden am 2. October d. I. und die Trainsoldaten für den Frühjahrstermin am 1. Mai k. I. eingestellt werden.