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Fuldaer

Freitag, den 15. September 1882.

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qp. 3«r Bauernfrage.

Es ist leider traurige Wahrheit, daß die zunehmende Verarmung und Verschuldung unseres Bauernstandes die Signatur unserer Zeit bilden. Der gesunde Mittelstand ver­schwindet in unseren Dörfern immer mehr und die Zahl der ländlichen Proletarier wird von Jahr zu Jahr eine größere. Im­mer mehr belastet sich der Bauernstand mit Hypotheken und Annuitäten. Man kann wohl ohne Uebertreibnng behaupten, daß ein starkes Drittel, ja in vielen Gemeinden so­gar zwei Drittel von allem Grund und Boden auf dem Lande bei uns verschuldet ist. Dagegen vermindert sich der Werth der Felder in bedenklicher Weise oder steigt wenigstens nicht im Verhältniß zu seiner Belastung. Der Bauer kann von seinem Grund und Boden oft nicht die Zinsen der Hypotheken, geschweige denn das, was er für sein und seiner Familie Leben bedarf, aufbringen. Das Recept ist daher immer neues Schuldenmachen. Kein Wunder, wenn die Gerichtsvollzieher als tägliche Gäste auf den dörflichen Gehöften erscheinen und die Zwangsversteigerungen und Ganten, früher nur ein Privilegium ungesunder Geldspecu- lationen großer Städte, nun auch allenthal­ben in Bauerndörfern auf der Tagesordnung stehen.

So unbestritten eine wachsende Verschul­dung und Verarmung unserer Landbevöl­kerung besieht, so verschiedenartig sind die Angaben ihrer Ursachen, sowie die Bezeich­nung der Mittel zu ihrer Heilung. Vielfach sucht man die Ursache der bäuerlichen Krisis im irrationellen verkehrten Betriebe der

Das Wunder am Feste Mariä Himmelfahrt.

Aus dem Französischen von Heinrich Lasserre, übersetzt von Konrad Helfrich.

(Nachdruck ohne Autorisation nicht gestattet.)

An Herrn Heinrich Lafferre.*) Verehrtester Herr!

Der Bericht, welchen Sie verfaßt haben, und zu veröffentlichen beabsichtigen, hat die Erinnerung an die süßesten und mächtigsten Gesühle, welche wir je in unserein Leben einpfunden, in uns wieder wachgerufen. Allerdings kann Niemand von uns von sich gelten lassen, was Sie in zu großem Wohl­wollen über seine Person gesagt haben. In­dem wir also, was diesen Punkt betrifft, Verwahrung einlegen, halten wir es im Uebrigen für unsere Pflicht, für die voll­kommene Wahrheit der Thatsachen, welche Sie erzählen und in ihreni logischen und providentiellen Zusammenhänge darstellen, öffentlich Zeugniß abzulegen. Alles daran ist wahr, sowohl im großen Ganzen, als auch in der Weise, wie es dargestellt wird, und in den Einzelheiten.

Abb« I. Antoine, De Musy, Director der Domschule Pfarrer v. Chagny, zu Chauffailles. Genovefa de Musy.

_ Chagny, 20. Februar 1882.

*) Anm. des Uebers. Diese Erklärung kommt von denjenigen, welche bei den zu erzählenden Be­gebenheiten zunächst betheiligt waren.

Landwirthschaft; die Bauern selbst geben als Ursache ihrer bedrängten Lage die Ver­kürzung ihrer Interessen durch die Gesetz­gebung an. Wir glauben aber das Rich­tige zu treffen, wenn wir die Ursache des ländlichen Rückganges theils in der Land­bevölkerung selbst, theils außerhalb der­selben in der Gesetzgebung suchen.

Unser Bauernstand, das niuß man leider bekennen, hat auch einen ziemlichen Theil der Schuld, daß er so schlecht sieht. Er hat leider vielfach seine sprichwörtliche Einfach­heit verloren, er ahmt häufig in Kleidung, Wohnung und Lebensweise den Städter nach. Der Name Bauer ist vielen zu gering und der Titel Oekonoin oder Gutsbesitzer ange­nehmer. Luxus in Kleidung und Wohnung trifft man jetzt ebenso gut auf dem Lande, wie in der Stadt. Der aufmerksame Beo­bachter ländlicher Zustände wird unser Ur- theil nicht zu hart finden, wenn wir sagen, die Einfachheit nnd Zähigkeit im Charakter unseres Bauernstandes existirt heute leider nicht mehr wie früher, es traten an deren Stelle Ueppigkeit und Genußsucht; Eigen­schaften, die jeden Stand, gewiß aber den verhältnißmäßig nur spärliche Renten be­ziehenden Bauernstand ruiniren müssen.

Auf der anderen Seite aber ist unsere ganze aus der Aera des Liberalismus stam­mende Gesetzgebung dazu angethan, un­sere Landwirthschaft dem Verfalle entgegen­zuführen. Das ist das punctum saliens der ganzen Bauernmifere. Die liberale Wirthschaftsgesetzgebung mit ihrem erhöhten Steuerdruck und der Begünstigung des Capitals hat unseren Bauernstand herunter-

L

Einige Meilen von Autun entfernt, am Ufer eines kleinen Baches, mitten zwischen grünen Bäumen, großen Linden und hundert­jährigen Eichen erhebt sich ein alterthüm- liches, weitausgedehntes Gebäude: es ist dies das Schloß von Digoine. Der Wanderer, welcher seinen Blick auf dessen altersgrauen Mauern, seinen soliden Thürmen, den gothi- schen Fenstern seiner Capelle ruhen läßt, glaubt sich in längst entschwundene Zeiten zurückversetzt. Und er täuscht sich keines­wegs, denn im Schatten dieser alten Bäume und innerhalb dieser alten Mauern erblühen alte Sitten und die Tugenden von ehemals. Dieses Schloß ist der Stammsitz der Grafen von Musy. Vor jetzt 12 Jahren, im Jahre 1870 bestand die Familie aus den Eltern, nämlich dem Grafen und der Gräfin de Musy, aus deren Nachkommenschaft, welche vollzählig sie umgab, und aus der 15—20 Personen zählenden Dienerschaft. Die Nach­kommenschaft umfaßte zwei Generationen: der älteste Sohn Humbert de Musy, sein Bruder Victor und seine Schwester Geno­vefa bildeten die erste Generation; — die Kinder Humberts, Maria und Symphorian, bildeten die zweite.

Ein Platz war leer am häuslichen Herde. Die junge Frau Humberts de Musy war bereits vor mehreren Jahren gestorben und

gebracht. Wenn der Freihandel unserem Wirthschaftsleben überhaupt geschadet und nur einer Anzahl Börsen- und Handelsleute Nutzen gebracht hat, so wird die deutsche Landwirthschaft und mit derselben unser Bauernstand von derselben geradezu in>s innerste Herz getroffen. Unsere nationale Landwirthschaft bedarf einer gesunden Schutz­politik, die der Landwirthschaft und Industrie in gleichen: Maße gerecht wird, und ein Ueberwuchern der letzteren bei uns verhütet.

Sodann ist die Wucher- und Hypotheken­gesetzgebung in Deutschland durchaus zu verurtheilen. Bezüglich der ersteren sollte man wieder für die Landwirthschaft zu den früheren 4 pCt. zurückkehren. Denn das in Grund und Boden angelegte Capital ver­mag nur einen Zins von 3—4 pCt. zu er­tragen. Daher müssen aber unsere Land­leute durch Abschröpfungen von 6 — 8 pCt., die sie jetzt in der Regel gezwungen sind, an jüdische oder christliche Wucherer zu zah­len, zu Grunde gerichtet werden. Gegen Wucherer und Blutsauger sollte man darum von Gesetzwegen mit den strengsten Strafen vorgehen. Es käme dann nicht vor, daß früher gut situirte Dörfer und Ortschaften total in den Schuldbüchern solcher Würg­engel figuriren und von denselben an den Bettelstab gebracht werden. Unser Hypo­thekenwesen erweist sich gleichfalls völlig un­brauchbar und ist dem erforderlichen Credite unseres Bauernstandes hinderlich. Hier muß eine völlige Umgestaltung erfolgen, um der ländlichen Bevölkerung auf* billige Weise das zum Betriebe ihrer Wirthschaften nöthiqe Capital zuzuführen.

hatte int Herzen ihres Gemahles eine un­heilbare Wunde zurückgelassen. Die Gesund­heit dieses Letzteren war gänzlich erschüttert in Folge der ununterbrochenen Nachtwachen, welche er am Krankenbette seiner Gemahlin zugebracht hatte, indein er vergebens die­jenige dem Tode abzuringen suchte, welche er mehr liebte, als sich selbst. Er ivar vor der Zeit gebeugt, und in allen seinen Gliedern mit Gelenkschmerzen behaftet', welche ihn fast nie verließen.

Jndeß sein Zustand, obschon manchmal überaus peinvoll, war verhältnißmäßig er­träglich im Vergleiche mit den viel größeren Leiden, mit welchen die Vorsehung seinen jüngeren Bruder heimgesucht hatte, dessen Geschichte wir hier erzählen wollen.

II.

Victor de Musy war während seiner Kindheit ziemlich kräftig gewesen. Er war ein groß gewachsener Knabe, mit schönen, scharfausgeprägten Gesichtszügen, welche je­doch mit einer Beimischung von unschuldiger Offenheit und tiefer Herzensgüte an den be­kannten Typus der Bonaparte erinnerten. Schlank, beweglich, wohlgestaltet, geschickt ftir alle körperlichen Uebungen schien er eine Zukunst voll Kraft und Gesundheit zu ver­sprechen. Aber gegen sein 17. Lebensjahr erlitt seine Gesundheit eine arge Störung. Obwohl er äußerlich sein kräftiges Aussehen