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Dienstag, den 12. September 1882.
Zeitung
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Deutsches Reich.
* Berlin, 10. Septbr. Der ,Nordd. Allgem. Ztg.' zufolge ist im Befinden des Reichskanzlers noch keine befriedigende Besserung eingetreten. Der Reichskanzler enthalte sich auf ärztliche Vorschrift aller Geschäfte rmd beschränke sich auf die nothwen- digsten Unterschriften.
— Der Antisemitencongreß in Dresden. Rach dem jetzt veröffentlichten Programme des in der Zeit vom 9. bis 11. September d. I. in Dresden tagenden Antisemitencon- greffes finden die Verhandlungen „vertraulich" unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Zutritt haben nur Eingeladene und Mitglieder antisemitischer Vereine, welche sich sämmtlich im Congreßbureau auf den Namen lautende Karten zu lösen haben, die je 1 Mark kosten und zur Theilnahme an allen Festlichkeiten „ohne alle Nachzahlung" berechtigen. Die eigentlichen Verhandlungen werden eingeleitet durch eine Versaminlung der deutschen Reformvereine am 10. dieses Monats, worauf am 11. d. Monats der „Internationale Congreß" der Antisemiten ' Zusammentritt, der seine Verhandlungen am 12. d. M. zu Ende führen wird. Am Abend des 12. hält alsdann der Dresdener Reformverein im Saale des Lincke'schen Bades einen öffentlichen Vortragsabend ab, zu welchem Jedermann nach Lösung einer Karte gegen Erlegung eines Eintrittsgeldes von 50, beziehungsweise 75 Pfennigen Zutritt haben soll. Auf der Tagesordnung dieses Vortragsabends stehen Vorträge der ungarischen ' Reichstagsabgeordneten Victor v. Jstoczy (Budapest), Geza v. Onody (Tiszq-Eszlar)
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Der Weg jum Verderben.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)
So schmerzlich auch sonst diese Scene sein mochte, so erfüllte sie das Herz des jungen Mädchens doch mit freudiger Hoffnung.
Sonderbarer Weise sprach dieser Irrsinnige in seinem Wahnsinn nur von Gott.
Damals, als Belleforge bei vollem Verstände war, verbannte er aus seinem Hause jeden religiösen Glauben, und von Christus wollte er nichts wissen. Seit sein Geist um» nachtet war, erinnerte sich ein Theil seiner Seele an die Tage der Kindheit -- an die früher erlernten Gebete, an die Glaubenswahrheiten, die seine Mutter ihn gelehrt hatte. Der Arzt, welchem Celia dies Alles erzählte, rieth, die religiösen Erinnerungen Belleforge's recht oft wachzurufen.
„Sobald er seinen Vernunftgebrauch wieder erlangt haben wird," sagte er, „wird er Christ sein."
Mehr als einmal brachte Madame d'Jv- ree Rolland mit, um Celia einen unerwarteten Besuch zu niachen. Der junge Mann traf seine Verlobte immer in deni Zimmer des armen Irrsinnigen an, welchen sie gar nicht verließ. Bald gab sie Concrelat, deffen
und Ivan v. Simonyi (Preßburg) über die Zustände Ungarns, sowie des Ritter v. Zerboni (Wien) über die „Verjudung Oesterreichs."
* Breslau, 9. Sept. Bei dem Empfang der Studenten-Deputalion, welche die Huldigungs-Adresse überreichte, sprach der Kaiser in längerer Antwort seine Freude über die Gedanken und Gesinnungen der Adresse aus, von denen er wünsche, daß sie immer festere Wurzeln im Volke faßten. Seit 1848 seien mancherlei beklagenswerthe Störungen zu Tage getreten, Manches sei vorgekonimen, was man in Deutschland nicht für möglich gehalten habe. Der Höchste habe ihn auf einen schweren Posten gestellt und ihn ausgewählt, das zu vollenden oder vielmehr weiter zu führen, was so lange erhofft worden sei. Er habe versucht, das Erstrebte auf friedlichem Wege zu erreichen. Als er aber 1870 gezwungen worden, das Schwert zu ziehen, habe er es gethan und mit ihm Deutschlands Fürsten. Gesiegt aber habe nicht er, den Sieg gibt der Höchste. Der Kaiser ermahnte schließlich die Anwesenden in feiner Ansprache, die ausgedrückten Ge- sinnüngen "Ächl^ststr im- .Herzen lebendig zu erhalten und zu Thaten werden zu laffen, sondern sie auch in immer weiteren Kreisen zu verbreiten. Hochbeglückt verließ die Deputation das Königspalais.
Egtzpte«.
* London, 8. Sept. Die Abendblätter melden aus Alexandrien: Am gestrigen Abend erfolgte ein Angriff des arabischen Pöbels auf die an den Galgen (wo die beiden Mörder der Engländer hingen) aufmusikalische Fähigkeiten sich nach und nach entwickelt hatten, Musikstunden, bald lehrte sie Grain-de-Mil lesen.
Madame d'Jvree hörte eines Tages und theilte es Celia mit, daß die Todesstrafe, welche man gegen den Striker und Faraude verhängt hatte, umgewandelt sei. Beide sollten nächstens nach Numea abgehen.
„Danken Sie Ihrem Sohne", bat Celia, „im Namen dieser Waisen, die ich liebe, als wären es meine Kinder."
„Gott wird Sie in der Zukunft reichlich belohnen", antwortete die Gräfin, „Sie haben kein Opfer gescheut. Gott hat noch niemals die Hoffnung irgend Jemandes getäuscht."
Die Heirath Rolland's und Celia's war eine beschlossene Sache; die wenigen Freunde, welche Celia sah, billigten vollständig ihre Wahl. Leonie des Garcies freute sich sehr, daß die Wünsche Celia's übertroffen seien.
Die Baronin Roybert kam öfters, ihre frühere Vorleserin zu besuchen. Man hatte als Tag der Verehelichung den Zeitpunkt der Liquidation der Geschäfte Belleforge's festgesetzt.
Rolland erklärte dem Notar, daß er von Celia nur eine Mitgift annehmen würde, die derjenigen gleich wäre, die in dem Hei-
gestellte Polizeiwache, vertrieb dieselbe und bemächtigte sich der aufgehängten Körper, um dieselben einbalsamiren zu lassen und sie dann als Heilige zu verehren.
* Jsmailia, 9. Sept. Gestern früh wurden vier größere Recognoscirungen südwestlich unternommen. Eine Abtheilung, zusammengesetzt aus indischer Infanterie, Cavallerie, beritten gemachter Infanterie und vier Geschützen, stieß auf den Feind und zwang ihn um 8 Uhr nach lebhaftem Gewehrfeuer zum Rückzug. Die Recognos- cirungstruppen hatten keine Verluste. — Gerüchtweise verlautet, der Süßwassercanal jenseits des Dammes bei Tell-el-Khebir sei abgeleitet und überschwemme die tiefer liegende Südgegend. Die Garnison vor Tell- el-Khebir ist durch 40 Kanonen aus Kairo gestern verstärkt worden.
* Alexandrien, 9. Sept. Der Vorschlag wegen' Einsetzung einer internationalen Entschädigungscommission, welcher in Notenform den Generalconsuln bereits mitgetheilt ist, setzt noch fest, daß Schmuck-, Werth- und Kunstgegenstände nicht ersetzt werden. Die von der Liquidationscommission für die Ver- waltungsabgqben Egyptens festgesetzte Summe bleibt intacT. JffiRamlch ist alles -whfy.
* London, 9. Sept. Malet depeschirt aus Alexandrien an Granville: Der Khedive hat ihm brieflich erklärt, es sei unbegründet, daß die egyptischen Behörden Kriegsgefangene mißhandelt und gefoltert hätten. Nur ein Spion, welcher Aussagen verweigerte, sei der Tortur unterworfen worden. Dies Verfahren sei für die Zukunft verboten.
* London, 9. Sept. Ein Telegramm mathscontracte seiner Mutter stipulirt war : hunderttausend Francs.
Er war damit einverstanden, bei dem armen Irrsinnigen zu leben und die beiden Kinder bei sich zu behalten. Wenn ihre Heirath in anderen Tagen und anderen Verhältnissen stattgefunden, so hätte Celia sicherlich im höchsten Hochzeitsschmucke gestrahlt. An Edelsteinen, Gold, Silber und kostbaren Spitzen hätte sie eine Fürstin sicherlich noch übertroffen — jetzt wollte sie sich mit der einfachen Robe einer bemittelten Bürgersfrau begnügen. Nur wünschte sie, einem Herzensdrange folgend, daß die Dreifaltigkeits- Kirche mit Blumen und Lichtern herrlich geschmückt sei.
An dem Vorabende des Tages, an wel chem die Vermählung stattfinden sollte, waren in dein Hotel Belleforge's vier Personen versammelt: Rolland, die Gräfin d'Jvree, Celia und der Banquier.
Die jungen Leute waren in ernster Stimmung; nur ungern legte Celia die Trauerkleider für Conrad ab, den sie unaufhörlich beweinen mußte; Madame d'Jvree dachte an die dahin geschwundenen Jahre ihres langen Wittwenthums. Diejenigen, die sich vermählen sollten, übernahmen von vornherein eine schwere Last, und Rolland übernahm muthig seinen Theil davon.