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M 208. Sonntag, den 10. September 1882.

WW

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x* Politische Streifzüge.

(Nachdruck verboten.)

Wie glücklich und friedlich könnten wir in Deutschland nach den großen Erfolgen, die wir errungen, leben, wenn nicht der Uebermuth den Kampf unter den eigenen Landeskindern entfacht hätte. Und dieser Kampf, der nun schon zehn volle Jahre das Land spaltet, Zwietracht und Erbitterung nach allen Seiten säet, dessen Beilegung vor einigen Monaten zu hoffen war, sollte wie­der in Heller Gluth auflodern! Jede Ge­legenheit, mag sie noch so unbegründet, noch so gesucht und unhaltbar sein, wird von den Hetzern mit den Haaren herbeigezogen, mit Lügen und Verleumdungen gestützt und eine Knute daraus gedreht, um auf die Katholiken loszuschlagen, denn der Kampf soll fortdauern. Vom Hofprediger Stöcker an, der „den Katholiken tapfer die Finger klopfen" will, und den der „rö­mische Fanatismus" ebenso blind macht wie der jüdische Knoblauchduft, bis zur .Nord­deutschen/ deren Raserei sogar soweit ging, den Kaiser gegen seine katholischen Unter- thanen aufzustacheln, sind Alle sich einig im Haffe gegen Rom. Mit welcher Gier grif­fe sie zu dem fetten Braten der Misch- Ehen und glaubten damit eine Keule in der Hand zu haben, den „Ultramontanis- mus" maustodt zu schlagen. Sie hetzten in der rohesten Weise die Protestanten gegen die Katholiken. Herr Pindter ließ in seinem „freiwillig gouvernementalen" Blatte die ganze Scala jener noblen Kraftausdrücke aborgeln, die nun einmal „seine berechtigte Eigenthümlichkeit" sind. „Unerhört frech

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Der Weg jitm Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

Seine Worte, die keine Vertheidigung sein sollten, brachten unter den Richtern und den übrigen Anwesenden eine gewaltige Aufreg­ung hervor. Der Striker verbarg das Ge­sicht in beide Hände, dann hob er plötzlich den Kopf empor und in dein Augenblicke, wo der Gerichtshof sich in das Berathungs- zimmer zurückzog, streckte er die Arme aus, indem er wiederholt ausries: „Den Tod, ich verlange den Tod!"

Faraude erschauerte vor Schrecken, als sie den Tod so nahe sah, den sie selbst aus­gesucht hatte!

Der Gerichtshof trat nach kurzer Berath- ung wieder in den Saal. Die Richter verkündeten das Urtheil, welches auf Todesstrafe lautete.

„Endlich!" sagte der Striker, der sich offenbar von einer schweren Last befreit fühlte.

Man trug Faraude ohnmächtig aus dem Saale hinweg. Der Striker wandte sich zu dem Grafen d'Jvree, indem er auf Grain- de-Mil deutete.

„Ich möchte Sie noch um eine einzige Gnade bitten," sagte er.

„Und welche?"

und schamlos, schnödester, frechster Hohn, widerliche Frivolität, frivole Frechheit," das jagte so durcheinander; es sind die altbe­kannten Klänge aus dem hitzigsten Cultur- kampfe, und wie ein Frühlingsrauschen ging es durch die culturkämpferischen Blätter, die kampfesfrech sich neue Knüppel schnitten. Die mit Lügen und Verleumdungen ver­gifteten Pfeile wurden losgeschnellt; die be­wußte Lüge und Fälschung setzte sich auf den Richterstuhl und lud rein katholische Angelegenheiten vor ihr Tribunal, und un­gläubige „Preßkosaken" arbeiteten sich in eine theologische Wuth hinein, die ergötzlich gewesen wäre, hätte die Sache nicht einen so tief ernsten Hintergrund gehabt. Was würden der Kriegs- oder Justizminister dazu sagen, wenn ein Kleider- oder Katzenfellhünd- ler ihnen Vorhaltungen über die Disciplin in der Armee oder das Gesetzbuch machen wollte? Sie würden den arroganten Bur­schen sehr unsanft an die Luft setzen lassen. Der katholischen Kirche glaubt aber jeder nichtkatholische Scribent den Text lesen zu dürfen. Durch die Erklärung des Fürst­bischofs von Breslau ist nun zwar die Mischehe-Frage aus der Welt geschafft; das Entrüstungsgcschrei der Liberalen kann ver­stummen, aber wie lange wird's dauern, bis die Hetzer nicht wieder einen neuen Stroh­halm entdecken, den sie zum Balken aufblasen? Denn gehetzt muß werden; das ganze Ge- bahren des Liberalismus sagt:

Frischauf zum fröhlichen Kampf gegen Rom;

Laßt fließen der Süg’ und Verleumdungen Strom, Wir reißen den Frieden in Fetzen

Und Hetzen!

„Versuchen Sie, daß mein Kind meinen Namen vergißt, und daß es ein rechtschaffener Mensch werde!"

„Ich verspreche es Euch," antwortete Rolland ernst.

Der junge Mann, fast halbtodt vor Auf­regung, gedrängt von der neugierigen Menge, die ihn zu sehen wünschte, wartete nicht auf seinen Freund, sondern nahm Grain-de-Mil und eilte schleunigst zu seiner Mutter. Als Madaine d'Jvree vernahm, was sich zuge­tragen hatte, umarmte sie ihn und sagte:

„Brav, mein Sohn! Du hast einen schweren Sieg errungen, indem Du den Ab­scheu überwunden hast, den der Dir ein­flößte, — was bleibt Dir jetzt noch zu thun übrig?"

„Dahin zu wirken, daß man ihn mit seinem Stiefbruder Concrelat erzieht, seine Eltern aber nach Neucaledonien schickt."

Die aufopferungsvolle Hingebung der Be­amten des Hauses Belleforge und die Red­lichkeit des Cassirers, sowie die Umsicht des Secretärs hatten zahlreiche Verluste nicht abwenden können — die wirren Zeiten konn­ten es nicht anders bringen. Nach Nieder­schlagung der Commune trat gewissermaßen eine allgemeine Liquidation ein. Viele Kauf­leute und Börsenspeculanten benutzten das öffentliche Unglück, um viele Einzelne zu

Frischauf zur lustigen Schwarzwild-Jagd, Das Jagen und Treiben uns Freude ja macht; Wir wollen die Messer wetzen Und hetzen!

Der Kampf gegen Rom finde nimmer ein End, Er ist und bleibt unser Haupt-Element, Und wenn wir auch Alles zersetzen, — Wir hetzen!

Auch der Sedantag mußte wieder als Hetzpeitsche herhalten; so verflieg sich der Commercienrath Jäneke in Hannover zu der geistreichen und großartigen Exclama- tion: „Alle Drachensaat soll und muß zu Grunde gehen, welche Dunkelmänner aller Art und reichsfeindliche Parteien aussäen möchten", und in dem neuen fortschritt­lichen Blatte .Neichssreund' heißt es, nach­dem von „Raben" die Rede war:

„Sie schwirren noch in dunklen Zügen Umher in allen deutschen Gau'n;

Wir müssen, um sie zu besiegen, Mit geistigem Schwerte sie zerhau'n!"

Das „Zerhauen" ist aber schneller gesagt wie gethan, und Herr Eugen Richter hätte klüger gehandelt, das Rabengekrächze nicht laut werden zu laffeu, denn am Wahltage könnte er dasselbe ebenso bitter bereuen, wie Herr Stöcker seine Barmener Brandrede.

Genug, die instruirten Hetzer haben das Culturkampfsfeuer wieder lustig geschürt; wer sich aber die Finger an demselben ver­brennt, das sind sicher nicht die Katholiken. Die haben in den zehn Jahren des Kampfes bewiesen, daß sie sich weder in's Boxhorn jagen und zu Brei stampfen, noch mit Lügen und Grobheiten tobt schlagen lassen.

Ist nun an sich schon die gehässige Hetzerei der Liberalen und Conservativen höchst be- ruiniren. Leicht fand man einen Vorwand zur Bankerotterklärung. Frankreich mußte seine Milliarden an Deutschland zahlen, und sein Handel lag darnieder. Belleforge blieb von dem allgemeinen Ruin nicht ganz ver­schont. Mehr oder weniger betrügerische Bankerotte brachten seine Lage in große Ge­fahr. Celia, welche der Chef der Beamten ihres Vaters befragte, gab Befehl, alle Ver­bindlichkeiten zu erledigen und so schnell als möglich alle Ausstände einzuziehen, um dann zu erklären, daß das Haus Belleforge auf­hören würde zu existiren, sobald es feilte Gläubiger mehr haben würde.

Sechs Monate waren nothwendig, um alles dieses zu regeln. Nachdem alle Verbindlich­keiten geregelt und alle Geschäfte abgewickelt waren, behielt Celia noch sechzigtausend Francs Renten, nebst dem Hotel, welches sie fortwährend bewohnte. Der Zustand des Banquiers war unterdessen, ohne sich allerdings zu beffern, doch weniger gefahr­voll geworden. Er fiel noch immer in feine Hallucinationen zurück, aber sie nahmen einen ganz anderen Charakter an. Weit entfernt vor der Vision zu erschrecken, die ihm Christus zeigte, wie er ihm seine Un- gläubigkeit vorwarf und wie er ihn für sich zu gewinnen suchte, erwartete der Banquier ungeduldig das Wiederkommen derselben.