M 207.
Jfultor
Sonnabend, den 9. September 1882.
Jeitung
SontteLSS' »u Fulda
as- <n m v L u—’■M O u“‘vu , «u»wuu» um pu|i|tuuuer du i.o: ms Daus ae
Inserate. Die Petttzerle oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.
unde5<^Nfa^°mi^Rlt& /5enVoftimtern. SDer 046^61^1^7^wnement8preU6etragt ’sringertoU^n t n gulba 1 SRarI
5° Wfc mtt Brrngerlohn 1 M. 70 Pfg.. auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfa ins Laus aebrackt 1 M 90 Ma '*SÄÄ.'ÄÄ»yeäLÄSMSSMS»»“?= ä»S-A-*k ’s.
r. Die ,Histor.-polit. Blätter^ über die egyptische Frage.
In dieser Frage nehmen die genannten Blätter einen ganz besonderen, von dem der übrigen Zeitschriften und Zeitungen abweichenden Standpunkt ein; sie sind hierin so zu sagen die Verbündeten Englands und können sich nicht genug wundern, wie die sonst gleiche Principien mit ihnen verfolgenden großen conservativen Organe der vulgären Behandlung dieser Frage sich anschließen können. In ihrem vorletzten Hefte enthalten die ,Histor.-polit. Blätter' hierüber nachstehende Ausführungen:
„In dem Augenblicke wo der Text der Proclamation, die von Arabi unter dem Titel eines „Befehlshabers über Egypten als Repräsentant des Sultans" an die Egypter erlaffen worden ist, kann doch, wie man meinen sollte, über den wahren Charakter der Erhebung im Nillande Niemand mehr im Unklaren sein. Aber es ist nicht so. Gerade die uns nächststehende Presse hat sich in eine wahre Wuth hineingeredet gegen die einzige Macht, welche den Muth und das Zeug hat, das Ansehen des Abendlandes und den von allen Mächten anerkannten Rechtszustand in Egypten zu ver- theidigen, und zwar gegen eine islamitische Verschwörung, welche sich über Nacht zum Weltbrand auswachsen könnte. Sie haben das Schlagwort „Couponkrieg" erfunden und brandmarken so den Widerstand Englands als blutsaugerischen Handlangerdienst für die capitalistische Ausbeutung und zugleich als Ausfluß seiner eigenen völkermordenden Tyrannei.
58
Der Weg $um Verderben.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers.
(Fortsetzung.)
Athemlos lauschte Alles den Worten Rolland's, der nach einer kurzen Pause fortfuhr:
„Dieser Mann", sagte er, „hat geraubt, gemordet, Brand gestiftet. Ich will Ihnen nicht noch einmal jene Schreckenswoche des Monates Mai vorführen, dieso viele Schrecken, so schändliche Greuelscenen gesehen, an denen dieser Mann einen so hervorragenden An- theil genommen hat. Er ist mit schrecklicher Schnelligkeit den jähen Abhang des Verderbens hinuntergeeilt. Glühende Leidenschaften haben seine Gedanken entflammt, sein Herz verdorben und seinen Verstand gefangen genommen. Für ihn ist das Gute zum Bösen geworden und dieses hat er an die Stelle von jenem gesetzt. Sie wollen ihn strafen — Sie werden sich nur im Rechte befinden. Niemand wird Sie der Strenge zeihen, er selbst nicht einmal. Die Gerechtigkeit verlangt die Todesstrafe — und Sie werden Ihrer Pflicht nicht untreu werden. Es gibt Leute, welche vor diesen Schranken unaufhörlich rufen: Sie werden kein Todesurtheil sprechen! Ich, ich erkläre vor meinem Ge-
Wie gerade die gefronten Gegner der Nationalitäten-Politik und des ebenso revolutionären Prineips der Nichtintervention zu einer solchen Anschauung kommen und in die Gesellschaft der Rothen aller Länder gerathen konnten, ift uns nrcht verständlich. Wir legen auch hier den Maßstab an, den wir seit Jahren in Wort und Schrift für alle Krisen im Orient gebraucht haben, und derselbe steht über dem „Coupon". In unseren Augen ist der Islam weniger eine Religion als ein in sich abgeschlossenes Gesellschaftssystem, dem das fremde Element der abendländischen Civilisation, in dem Maße als die neuen Verkehrsmittel alle Völker dicht an einander drängen, nunmehr hart auf den Leib gerückt ist. Hätte nicht der Widerstreit der einzelnen Mächte des Abendlandes nud ihre Eifersucht unter einander den Zusammenstoß immer wieder vermittelt, so würde die große Entscheidung heute fchon erfolgt sein. Unvermeidlich aber ist sie, und die egyptische Erhebung drängt jedenfalls um einen starken Schritt vorwärts. Sie trägt das ausdrucksvolle Gepräge des unversöhnlichen Gegensatzes, nicht etwa einer höheren und niederen Raye, sondern zweier unversöhnlicher Weltsysteme^ .rüelleicht wird sie, immer weitere Kreise beschreibend, der Anfang vom Ende sein.
Was steht denn in der Proclamation Arabi's vom „Coupon" ? Nichts. Das Manifest der sogenannten „egyptischen Nationalpartei" hat vor einigen Monaten der englisch-französischen Finanzcontrole sogar wohlthätige Wirkungen nachgefagt. Davon steht freilich nichts mehr in der Proclamation wissen: wer gelobtet hat, soll selbst sterben! Ich erinnere Sie blos an das berühmte Wort: „Das Eigenthum ist Diebstahl!" Der Striker hat es gehört und sich gesagt: Vernichten wir das Eigenthum! In einem Journal hat man geschrieben: „Christus ist in einem Stalle geboren, darum weg mit allen Kostbarkeiten und allem Prunk aus den Kirchen!" Der Striker wollte den Schatz von Notre-Dame plündern. Man hat in schmutzige Feuilletons die angeblichen Scan- dale geschildert, deren Schauplatz die Klöster sein sollen - er ist in die Klöster mit Gewalt eingedrungen. Man hat ihm fortwährend vorgeschwindelt: „Der Klerus verdummt und mißbraucht das Volk" — darum wollte er den Klerus vernichten. Er hielt sich mehr für den Richter als für den Henker, als er die Geiseln gefangen nahm. Er hat geglaubt, die Religion vernichten zu können, indem er ihre Diener mordete. Er gesteht sein Verbrechen ein. Er erwartet seine Strafe und wird sie empfangen — gut! Und Sie? Ist es nicht Ihre Pflicht, Bücher mit Beschlag zu belegen, die die Sitlenverderbniß predigen — das arme Volk vor solchem Pesthauche zu bewahren? Sie haben den Stroin wild dahin schießen lassen und wundern sich jetzt über die Verwüstungen, die er anrichtet! Und wo sind
Arabi's. Vielmehr droht er allen Christen, und den denselben dienenden Moslims, wenn er Alexandrien wieder eingenommen haben werde, daß sie „durch Feuer und Schwert sollen umgebracht werden, wie der Prophet Gottes befohlen habe". Das Document schließt mit den Worten, die den heiligen Krieg bedeuten: „Denn das Paradies ist denjenigen zugesichert, welche im Glauben sterben und gegen die Ungläubigen kämpfen, allen klebrigen aber in dieser Welt Tod und in jener ewige Folter."
Man kann an der abendländischen Civilisation sehr viel auszusetzen haben und den capitalistischen Weltwucher als das Krebsgeschwür an ihrem Leibe gründlich verabscheuen, dennoch aber der Meinung sein, daß diese Materie erst den zweiten Theil der egyptischen Frage bilde. Die Hauptaufgabe ist, daß in diesen ehemaligen, von der Natur überreich gesegneten Christenländern der gewonnene Boden nicht wieder verloren, sondern vielmehr befestigt und ausgedehnt werde. Wenn das Einschreiten Englands dazu beiträgt, so freuen wir uns, obwohl seine Motive ganz und gar nichts von einem Kreuzzuge an sich haben. Wer in diesem Sinne „Egypten für Europa" anspricht, der ist noch lange kein capitalistischer Bourgeois, kein Judengenosse und Rothschildsknecht. Ihm könnte es sogar ganz recht sein, wenn im zweiten Theile die egyptische Staatsschuld einfach cafsirt würde, ans dem Grunde, weil ein unverantwortlicher asiatischer Fürst nur für seine Person Schulden machen könne und weil die Gläubiger Egyptens, soweit sie ihr wucherisches Geschäft nicht schon im Trocknen alle Diejenigen, welche diese Commune, diese Revolution angeschürt und unterhalten haben? Jenseits der Alpen spotten sie über Ihre Richtersprüche. Für einen Elenden, den Sie ergreifen, spotten noch zwanzig Ihrer und schmieden zum Voraus die Waffen, die sie einst gegen Sie erheben werden.
Meine Herren! ich glaube nicht daß Sie diesen Mann noch mehr strafen können, als er jetzt gestraft ist. Eine Strafe ihm auferlegen wie die, welche er jetzt schon erduldet, können Sie nicht; eine Strafe, die er selbst den Tod nennt, um nur davon befreit zu werden. Er hatte einen Abscheu gegen die Priester, dieser Mensch, einen von ihnen hat er getroffen: feinen eigenen Bruder! Und dieser Bruder hat ihn sterbend gesegnet. Sie werden ihn füfitiren lassen — zwölf Kugeln in die Brust, eine Secunde Todeskampf, ein plötzliches Zucken, und der Tod ist zu Ende.
Aber ich verlange mehr; ich wünsche, daß er lebe. ^Jch will, daß er ohne Unterlaß den blutigen schatten Conrad's sehe, ich möchte, daß die blutigen Lippen des Märtyrers nicht Worte der Verdammung, sondern der Milde sprechen mögen. Ich will, daß dieser Priestermörder von den Gewissensbissen gefoltert, jene Reue lerne, die himmlichen Ursprungs ist — daß er hinsinken möge, überwunden,