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Jfä 203 Dienstag, den 5. September 1882.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda in der Sxpedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschkeßlich Brmgerlohn m Fuwa 1 Mark und 50 Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Warf und 50 Pfg.. ms Haus gebracht 1 M. 90 Pfg. Mit den jJllustrirten Sonntagsblättern' kostet dieFuld.Ztg vierteljährlich in Fulda M. 1.90; auswärts am Postschalter M. 1.7o; m s Haus gebracht M. 2.15. Inserate: Die Petit,eile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; ber Wrederholungen entsprechenden Rabatt.

Deutsches Reich.

* Berlin, 2. Sept. Ueber die Mission des Herrn v. Schlözer, der auf seinen Posten nach Rom zurückgekehrt ist, sagt eine osficiöse Correspondenz: „Herr v. Schlözer wird in Rom nicht mit der Erklärung zu­rückhalten, daß der Staat auf jegliche wei­tere friedliche Beziehungen verzichten müsse, wenn die katholische Kirche ihren Anspruch, Richterin über protestantisch geschlossene Ehen zu sein, aufrecht erhält. Ueberhaupt dürfte Herr v. Schlözer in Rom wissen lassen, daß der Staat sich nicht länger durch Verhand­lungen und Aussichten hinziehen lassen wolle, ohne auch nur eine Spur des Ent­gegenkommens erfahren zu haben. Der Staat habe seine Friedfertigkeit genugsam bewiesen; das vorhandene Verhältniß mit Rom ruhig sortbestehen zu lassen, sei die Regierung nicht gewillt." Welcher Art das Entgegenkommen des Staates ist, zeigen die neuesten Aus­lassungen der ,Rordd. Allg. Ztg.' Eine ganz sonderbare Bedingung dann, von welcher die friedlichen Beziehungen mit Rom abhängen sollen: die kathol. Kirche soll sich nicht als Richterin über die Giltigkeit protestantischer Ehen aufwerfen wollen. Uns Katholiken würde wenig daran liegen, wenn die prote­stantischen Consistorien unsere Ehen als giltig oder als ungiltig erklärten. Im Uebrigen ist es unwahr, daß die kathol. Kirche die Ehen, welche Protestanten unter sich schließen, ohne Weiteres als ungiltig be­trachte. — Was die Mischehen betrifft, so spricht die .Germania' die Hoffnung aus, -aß die große Mehrzahl der gläubigenPro- ^stanten nach genauer Prüfung sich mit den

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Der Weg zum Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

An jenem Abend war ihre Portion mager, und da der Striker nicht ausgehen konnte, mußten sie sich mit den Ueberresten vom Tage vorher begnügen. Jedes der beiden Kinder erhielt eine harte Brodkruste, welche sie mit einem Appetit verzehrten, der nur durch langes Fasten erklärlich war. In einem Augenblick hatte Sourriffeau seine Portion verzehrt und als er sah, daß Grain- de-Mil die seinige erst zur Hälfte gegeffen hatte, fuhr er ihn barsch an:

„Ich habe noch Hunger, her dieses Brod, sonst ..."

„Versuche es nur!" antwortete Grain-de- Mil zornig.

„Da hast Du eine!", sagte Sourriffeau, und schlug dem Kleinen mit der Faust in's Gesicht. Das geblendete Kind heulte vor Schmerz, aber es hielt seine Brodkruste um so fester in seinen magern Händen, und keuchte mit rauher Stimme: „Ich werde mich rächen."

Aber Sourriffeau stürzte auf Grain-de- Mil los und suchte ihm mit Gewalt seine Brodkruste zu entreißen. Grain-de-Mil

Katholiken auf den Standpunkt des „schied­lich — friedlich" stelle und in der rich­tigen Scheidung des Gebietes der beiden Confessionen das beste Mittel zur Erhal­tung des Friedens finde. Wenn man nur erst aufhöre, sich von thörichten oder perfiden Hetzern einreden zu lassen, daß inan von katholischer Seite in die protestantischen Eheverhältnisse eingreifen ivolle, dann werde man bald erkennen, daß weder der preußi­sche Staat noch der Protestantismus Ur­sache haben, sich in die eherechtliche Zucht der katholischen Kirche über ihre Mitglieder einzmnischen, sondern, daß es am Prak­tischsten ist, das Verhalten der katholischen Kirche gegenüber den Mischehen sich zum Muster zu nehmen.

* Berlin, 3. Sept. Der Kronprinz und die Kronprinzessin sind gestern hierher zurückgekehrt. — Die conservativen Vereine, die christlich-socialen Arbeitervereine und der Antisemitenverein begingen hier das Sedan- sest, aber nur innerhalb bestimmter Locale. — In Württemberg haben Hagelschläge in biefem Jahre einen Schaden von 24. Mill. Mark angerichtet. — Auch in der Rhein­provinz sind kürzlich manche GWliche zu Localschulinspectoren ernannt worden, nach­dem man die betreffenden Bürgermeister, Fabrikinspectoren rc., welche seither Local- Schulaussicht führten, von diesen; An;te ent­bunden hatte.

— Der .Germania' geht folgende Er­klärung des „Staatspfarrers" Kenty zur Veröffentlichung zu: „Ich erkläre hiermit öffentlich, daß ich das schwere Vergehen, deffcn ich mich durch die den kirchlichen bückte sich zu Boden, als wenn er den bru­talen Mißhandlungen seines Bruders aus­weichen wolle; aber was er wollte, war ein Meffer, das er bei dem Scheine der Laterne auf dein Boden glänzen sah.

Sorriffeau warf sich auf seinen Bruder und setzte ihm das Knie auf den Rücken. Da erhöb Grain-de-Mil den Arm, welcher den Boden berührte, und stemmt das Messer mit voller Wucht Sourriffeau in die Brust.

Dieser stieß einen Schrei aus und sank tobt zu Boben.

Der Striker stürzte jetzt auf Grain-be- Mil zu unb packte ihn am Halse, als ob er ihn erwürgen wollte. „Elenber! Du hast Deinen Stuber getöbtet!" Grain-be- Mil sah seinem Vater trotzig in's Gesicht unb sagte: „Unb Du?"

Der Striker war wie vom Blitz getroffen, er liefe Grain-be-Mil los unb sank an bie Mauer zurück — lange Zeck blieb er in ber Ecke stehen, wie ein Tiger, ben bas rothe Eisen bes Bändigers berührt hat. Sein eigener Sohn hatte ihm fein Verbrechen vorgeworfen! Conrad war schon gerächt. Eines Daseins müde, das ihm unerträglich schien, von Gewissensbissen gefoltert, gepei­nigt und getrieben von jenem geheimen Be­fehl, womit das Laster den Verbrecher ge- wiffermafeen zwingt und treibt, durch die ge-

Canones zuwiderlaufende Uebernahme des Amtes eines Pfarrers zu Baronow schuldig gemacht, schmerzlich bereue, und daß ich mich dem hochwürdigsten Herrn Fürstbischof Dr. Robert Herzog aufrichtig unterworfen habe. Ich bitte zugleich die katholische Ge­meinde zu Baronow, alle Katholiken und den hochw. Klerus um Verzeihung wegen des Aergernisses, welches ich gegeben habe. Baronow, den 30. August 1882. Rai­mund Kent y. Die ,Germ.' bemerkt da­zu: Wir beglückwünschen den Herrn Kenty, daß er eine Stellung aufgegeben, die mit den katholischen Grundsätzen und dem priester­lichen Gewissen unvereinbar ist. Wie wir hören, wird derselbe in kürzester Frist, so­bald seine wirthschaftlichen Angelegenheiten abgewickelt sind, Baronow verlassen. Er hat die kirchlichen Functionen schon seit längerer Zeit eingestellt. Gebe Gott, daß die acht anderen Jntrusi dieses Beispiel nachahmen.

Oesterreich-Ungarn.

-j- Wien, 1. Sept. Die Nachricht rö­mischer Blätter, daß in dem am 24. Sept, in Rom stattfindenden Consistorium der neue Erzbischof von Wien, Dr. Ganglbauer, und Bischof Stroh in ayer von Diakovar zu Cardinälen ernannt werden sollen, ist, wie hier in unterrichteten Kreisen verlautet, richtig. Die Verleihung des Purpurs an Dr. Ganglbauer entspricht einem alten Her­kommen, wonach die Wiener Erzbischöfe stets mit der Cardinalswürde ausgezeichnet zu werden pflegen; wogegen Bischof Stroßmayer wegen seiner hervorragenden persönlichen Verdienste um die Kirche, namentlich um bie schliche Strafe sich eine Erleichterung zu verschaffen -- faßte ber Striker einen raschen Entschluß. Er erhob sich, stieß Grain-be-Mil von sich unb „Abieu", sagte er, „ich verlasse bieses Haus mit biefer verfluchten Schlange, bie mir bie Eingeweibe herausreißt. Ich liefere mich selbst aus," unb er verließ schleunigst ben Keller.

XXVI.

Der Unglückliche ging, auf ber Straße angekommen, immer vor sich hin sehenb wei­ter, wohin, blieb ihm gleichgiltig. Es war schon spät, bie Straßen öbe unb verlassen. Als er an der Ecke des Pantheon-Platzes vorbeiging, bemerkte er eine Gruppe Offi- ciere von der Mobilgarde. Ohne daran zu denken, daß es Soldaten nicht zustand, Verbrecher zu verhaften, und nur durch das Verlangen getrieben, seiner schrecklichen Lage ein Ende zu machen und zwar so schnell als möglich, trat er aus sie zu, kreuzte die Arme auf der Brust und sagte mit rauher Stimme:

„Ich habe meinen Bruder getöbtet! Ich will, baß mau mich verhafte."

Die Officiere glaubten es mit einem Irr­sinnigen zu thun zu haben. Es war bamals nicht gerabe selten, solchen Unglücklichen zu begegnen, bie ber Schrecken unb bie Ver­zweiflung irrsinnig gemacht hatten.

Einer biefer jungen Leute, von einer Art