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Sonntag, den 3. September 1882.
Fuldaer N8 Itilung.
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-X-- Scholastik und moderne Natur- wistenschaft.
Die scholastische Philosophie, d. h. die Philosophie der mittelalterlichen christlichen Schulen, findet in unseren Tagen wieder bedeutsame Vertretung und kein Geringerer, als Papst Leo XIII. hat den hohen Werth der Scholastik mit seinem ganzen oberpriesterlichen Einflüsse geltend gemacht. Wenn nun unter den Gegnern der Scholastik vorzüglich geltend gemacht gemacht wird, daß dieselbe in directem Widerspruche zur modernen Naturwissenschaft stehe, so ist dieser Vorwurf doch schlechthin unbegründet, indem Philosophie und Naturforschung mehr als zur Genüge bestätigt haben, daß ohne vernunftgemäße Erkenntniß- principien es keine wahre Wissenschaft gebe und es gereicht gewiß den Vertretern der scholastischen Philosophie zur hohen Befrie- friedigung, die Wahrheit ihrer Erkenntniß- principien durch die Verirrungen der modernen Speculation wenigstens indirect bestätigt zu sehen; es muß aber auch die moderne Naturwissenschaft die Philosophie der Vor- -zeit wieder zu Ehren bringen. Es liegt eine Schrift vor uns: „Harnionische Beziehungen zwischen Scholastik und moderner Naturwis- senschaft mit specieller Rücksicht auf Albertus Magnus, St. Thomas v. Aquin und die Worte der Encyclika „Aeterni Patris“: „St. Thomas, B. Albertus Magnus alii- que Scholasticorum principes non ita se contemplationi philosophiae dediderunt, ut non etiain multum operae in natura- lium rerum cognitione collocarint“. (Der
hl. Thomas, der sel. Albert der Große und andere hervorragende Scholastiker haben sich der philosophischen Betrachtung nicht in dem Sinne ergeben, daß sie nicht auch große Mühe auf die Erforschung der Naturwissen- schäften verwendet hätten.) — Von Dr. Franz Xaver P fe i f e r, Lyrealprofessor in Dillingen. Augsburg 1881." Dem Nachweise der harmonischen Beziehungen zwischen Scholapik und moderner Naturwissenschaft ist diese sehr interessante Schrift gewidmet, welche darlegt, wie die scholastische Erkenntniß- t h e o ri e durch dieMethodedermodernenNatur- forschung eine prineipielle Rechtfertigung und Begründung erhalten, so daß diese Schrift nicht nur ein schätzenswerther Beitrag zur scholastischen Erkenntnißtheorie, sondern zugleich' eine gründliche Apologie der mittelalterlichen Naturforschung ist. Es geziemt wohl diesen Blättern, auf diese höchst interessante Schrift aufmerksam zu machen, wenn auch der uns zugemessene Raum in denselben nicht zuläßt, uns eingehend über die Schrift zu verbreiten. Wir beschränken uns darauf, hervorzuheben, wie der Verfasser nachweist, daß die Scholastiker Albert der Große und der hl. Thomas die Möglichkeit wissenschaftlicher Naturerkenntniß gegen -Hnaclit und Plato vercheidigt haben und ist es von ganz besonderem Interesse, ausgeführt zu lesen: „Weil die menschliche „Intelligenz zum Verständniß des Nichtsinn- „lichen sinnlicher Hilfsmittel bedarf, gebraucht „die Scholastik auch in der Erkenntnißlehre „selbst zur Erläuterung nicht sinnlicher Vor- „gänge im Erkenntnißprocesse sinnliche Ana- „logien, insbesondere solche, die vom Lichte
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Der Weg zum Verderben.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers.
(Fortsetzung.)
Er zitterte in meiner Nähe und schien mir ausweichen zu wollen. Ich erröthete vor diesem Engel und ich fühlte meine Verworfenheit. Ich wollte schon weggehen, als Annette mir zurief:
„Hast Du keine anderen Kleider?"
„Nein", sagte ich zu ihr.
Sie führte mich in ihr Zimmer, gab mir ein Kleid, eine weiße Mütze und einige Geldstücke „Nun gehe," sprach sie, „und Gott möge Dir verzeihen."
Ich floh. Das Mitleiden dieser Frau demüthigte mich. Ich sah mein Kind nicht wieder, aber als ich an der Thüre des Salons vorbeiging, hörte ich die Stimme Belle- forge's, welche fortwährend rief: „Conrad, mein kleiner Conrad!" Ich fand Dich auf dem Pere Lachaise* i wieder. Wir wollten selbst den Todten nicht einmal Ruhe gönnen. Was für einen Tag und eine Nacht! Weich' schrecklicher Kampf zwischen Gräbern! Wie viel Blut floß nicht da auf den Marmor- steinen."
*) Pariser Friedhof.
Der Striker fuhr zusammen und fügte hinzu: „Unsere Stunde wird wohl koinmen müssen, - seufzte sie, mit den Händen das Gesicht bedeckend.
„Hart! Und Conrad lächelte! Conrad, dieses Antlitz ich sehe es noch immer vor mir, dieser Name, ich höre ihn fortwährend. Mag ich die Augen schließen, dieser Priester, dieser Märtyrer steht vor mir. Jedes Mal, wo ich ihn sah, bezeichnete es eine Stufe in meinem Leben! Das erste Mal war es bei Champigny! Er war muthig, er hob die Verwundeten auf und schien den Tod weniger als ein Soldat zu fürchten. Ich, ich beraubte mit Popolus und La Tronche die Leichen. Zunr zweiten Male ging er an mir vorüber bei der Wache, wohin man mich gebracht hatte. Er segnete mich und ich fluchte ihui. Dann in Notre-Tame, wo wir den Schatz plündern wollten, erhob er sich, um den alten CanonicuS zu beschützen. Endlich aus dem Gange zum Tode blieb er ruhig und sein Blick schien mir Verzeihung zu gewähren. Ich war erbost wegen seiner Tapferkeit und seiner Geduld. Ich haßte seinen Titel als Priester. Seine Tugenden waren es, die mir den Haß gegen ihn ein« flößten. Und es war mein Bruder! Ich wollte mir einreden, daß es nicht wahr wäre, daß Belleforge gelogen. Aber anstatt der
„hergenommen sind; aber bessere Analogien „als sie der Scholastik zur Verfügung stan- „den, bieten für diesen Zweck die in der „modernen Zeit entdeckten photographischen „Wirkungen des Lichtes."
Es ist uns nicht möglich in kurzen Zügen das reiche und herrliche Material, das in dieser Schrift niedergelegt ist, zusammenzufassen und die Beispiele unseren Lesern vorzuführen, welche den Verfasser als überaus glücklich in der Wahl der Bilder und Gleichnisse erscheinen lassen. Wir wollten in diesen wenigen Zeilen nur auf eine Schrift aufmerksam machen, welche uns die Großartigkeit der Scholastik und ihre Beziehungen zur modernen Naturwissenschaft in der geistvollsten Weise vor Augen führt. Bestimmtheit und Klarheit hat sich der Verfasser vor Allem angelegen sein lassen und nach ächten; modo schalastico hat er die von ihm ausgestellten Sätze bis in das Einzelnste zergliedert und mit den entsprechenden Nachweisen aus der Wissenschaft alter und neuer Zeit versehen und so ist denn selbstverständlich diese Methode für den Fortschritt der philosophischen Erkenntniß von größter Tragweite. Wenn wir uns selbst zur rechten Zeit an den Werken der Scholastik erquicken, so finden wir immer wieder, wie sie ihre Resultate nicht zum geringsten Theile dem Umstande zu verdanken hat, daß sie das Gebiet des fortschreitenden Denkens in solgfältiqe Pflege nahm und wie sich die ungeheuerlichen Ausgeburten der modernen Wissenschaften mit leichter Mühe auf ihre Apathie gegen alles vernünftige, schlußweise Denken zurückführen lassen -- und wenn wir uns so oft vor den
Beweise, habe ich meine Gewissensbisse, die nichts einschläfern kann. Gegen mich selbst habe ich nur Verachtung und Abscheu von da ab gefühlt. Die Anderen haben sich geschlagen für die Commune, um Geld und Ehrenstellen, für alles Schlechte, aber ihre Kugel hat nur Unbekannte getroffen, meine Kugel hat das Haupt meines Bruders zerschmettert."
Der Unglückliche meinte nicht, sondern stieß einen halb erstickten Schrei aus. Fa- raude schwieg gleichfalls.
Als die Nacht hereinbrach, legte sie die Hand ans die Schulter des Strikers und sagte: „Gehe zum Bäcker, Brod zu holen, ich verhungere."
Trotz seines Widerspruches verließ der Striker den Keller. Aber anstatt zur gewohnten Zeit zurückzukehren, blieb er lange aus und kehrte erst gegen Mitternacht zurück. Er war bei der Barricade gewesen, um die Stelle zu sehen, die mit dem Blute seines Bruders, den er ermordet, geröthet war.
Der Todesgedanke verließ den Striker nicht mehr, die Erinnerung an seine Schand- thaten folterte ihn ohne Nachlaß. Jede Nacht begann er seinen traurigen Gang, und ein schreckliches Fieber schüttelte ihn,